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Humorvolles und Verborgenes Humorvolle oder rätselhafte Gedichte zum Schmunzeln oder Grübeln.

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Alt 28.04.2019, 16:36   #1
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.944

Standard Dumgeblabbel

Schau auf den Datterich, mein Dicht,
sein Saft ist beiß, sein Pfeil ist bohr,
sein Flugelflogel windet schwor
und rasewitzt im schwunken Schwicht.

Er zückt den langgebifften Dolch,
den Vers zu fatzen ohne Reu,
und knibbert, knabbert mit viel Freu
bis Wortegut ein Miefgemolch.

Schau auf den Datterich, mein Dicht,
sein Schreib ist Dung, sein Wort ist hüll.
Er kwungelt lefzend tief im Güll,
wo Kakerlack und mumpfes Licht.

Er zuckt sein schmugefucktes Holz,
den Vers zu körgeln ohne Scheu
und murkelt Blödquark mit viel Freu
mit Kurgelmurks und Blödelstolz.

So kwargelitzt der Datterich,
sein Wort ist hirn, sein Denk ist ropf,
diliert frohst mit verdaustem Kopf
und präservierzt zu lachelich.
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2019, 07:08   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 4.238

Tolles Gedicht, sehr kreativ. Kompliment, lieber Nöck.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2019, 10:59   #3
männlich Plutino
 
Dabei seit: 02/2019
Beiträge: 397

Ein ſupertittenzeckenfeincordkleidſames Gedicht, Nöck! Allererſte Aga-Krötenſahne. Da beißt der Zahnwal keinen Faden ab. Das lange s wär das Tüpfelchen auf dem i:

Er zuckt ſein ſchmugefucktes Holz,
den Vers zu körgeln ohne Scheu
und murkelt Blödquark mit viel Freu
mit Kurgelmurks und Blödelſtolz.


Hoffe, das ist lang-s-regelkonform. Schön wäre noch eine ſt-Ligatur für den Blödelſtolz, aber die Systemschriften enthalten, glaub ich, keine.

Warum mir das lange s gerade bei diesem Gedicht gut gefiele, weiß ich nicht. Vielleicht wegen der Worte. Ja, ich glaub, daran wird es liegen.
Plutino ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2019, 13:04   #4
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.944

Ich bedanke mich, liebe Silbermöwe.

Mit nöckischem Gruß
Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2019, 21:37   #5
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.827

Standard Lieber Nöck,

nachdem ich es meiner Tochter vorlas, entgegnete sie:

Ja, das ist hübsch, das kann nicht jeder.

Sie muss es wissen, oft genug trug sie Gedichte bei Rezitatorenwettbewerben vor.
Deines hätte sie gewählt.

Na und mir?
Na mir gefällts auch!
Hätte ich es sonst vorgelesen?
Nein, ehr nicht.
Unar die Weise ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 10:27   #6
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.944

Das nun nicht gerade schön anzusehende ſ passt vielleicht zu der ziemlich antiquiert klingenden Sprache, aber es ist nicht mein Fall, lieber Plutino. Das Gedicht soll und muss so wirken.

Lieben Gruß
Nöck


Das ist nun wirklich ein schönes und spontanes Lob von deiner Tochter, liebe Unar, richte ihr bitte meinen Dank aus und bestell ihr liebe Grüße. Da auch dir mein Gedicht gefällt, freue ich mich sehr über das doppelte Lob und das Vorlesen. Wann ist denn wohl einmal ein Gedicht deiner Tochter hier zu lesen?

Danke und liebe Grüße
Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 11:43   #7
männlich Plutino
 
Dabei seit: 02/2019
Beiträge: 397

Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
Das nun nicht gerade schön anzusehende ſ passt vielleicht zu der ziemlich antiquiert klingenden Sprache, aber es ist nicht mein Fall, lieber Plutino.
Die Form ist ein f ohne Querstrich. Seine Abwesenheit führt zu dem Eindruck, unter dem Bogen sei deutlich mehr Leerraum vorhanden. Das gilt zumindest für das lange s in vielen serifenlosen Antiqua-Schriften. Ob es schön aussieht, ist eine Frage der Gewöhnung, eine der Schrift(art) und auch eine der Unterschneidung. Ich mag im Deutschen auch das f nicht, wenn der Bogen lang ist und auf ein ä, ö, ü oder i trifft.

Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
Das Gedicht soll und muss so wirken.
Es wirkt so oder so, und zwar bestens. Ich werde trotzdem ausprobieren, ob eine schöne Fraktur zu ihm passt. Und falls sie passt, setze ich das lange s, ob es dir passt oder nicht. Ist schließlich meine Tür, an der es mindestens temporär hängen wird.

Edit – Bezüglich der dritten Zeile der ersten Strophe habe ich zwei Fragen:

Zitat:
sein Flugelflogel windet schwor
1. ›Windet‹: Gebildet aus ›Wind‹, ›sich (z. B. mittels eines Aufwindes in die Höhe) winden‹ oder aus beidem?

2. ›schwor‹ – da hast du einfach das ›e‹ in ›schwer‹ durch ein ›o‹ ersetzt? Oder ist das Wort von ›schwören‹ abgeleitet?

(Ich versuche, den Arbeitsprozess mangels eines Screencasts viertelwegs zu rekonstruieren.)
Plutino ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2019, 07:01   #8
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.944

Zitat:
Zitat von Plutino
Bezüglich der dritten Zeile der ersten Strophe habe ich zwei Fragen:

Zitat:
sein Flugelflogel windet schwor
1. ›Windet‹: Gebildet aus ›Wind‹, ›sich (z. B. mittels eines Aufwindes in die Höhe) winden‹ oder aus beidem?

2. ›schwor‹ – da hast du einfach das ›e‹ in ›schwer‹ durch ein ›o‹ ersetzt? Oder ist das Wort von ›schwören‹ abgeleitet?

Zu 1) Sich winden, schlängeln

Zu 2) Ja, "e" durch "o" ersetzt

War gar nicht so einfach, dem Unsinn einen Sinn zu geben!


Zitat:
Zitat von Plutino
Ist schließlich meine Tür, an der es mindestens temporär hängen wird.
Bitte bis morgen auswendig lernen!

LG Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2019, 12:51   #9
männlich Plutino
 
Dabei seit: 02/2019
Beiträge: 397

Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
War gar nicht so einfach, dem Unsinn einen Sinn zu geben!
Mich fasziniert die Sinnhaftigkeit der Verse und die Mehrdeutigkeit einiger Ausdrücke, z. B. ›schwunken Schwicht‹. Schwinden, unken, Licht und Wicht.

Die Kunstwörter bieten auch Chancen. Ich bin mir noch nicht schlüssig, ob es weniger schwierig ist, ein Gedicht derselben Qualität zu schreiben, das ohne Kunstwörter auskommt. Vermutlich kommt es sehr darauf an, wie der Dichter denkt. Ist er eher Architekt oder eher Windsurfer? Eine der Schwierigkeiten scheint darin zu bestehen, dass sich Bedeutungen während der Bildung der Kunstwörter schnell verschieben. Plötzlich entsteht ein Wort, das so reizvoll ist, dass man es lieber für einen anderen Vers aufsparen möchte. So in etwa. Und das Ganze scheint ohnehin von mehr Wort-Herumschieberei begleitet zu sein. Du verfügst auf jeden Fall über genügend Disziplin, um dich von den schieren Möglichkeiten, die die Technik bietet, nicht in jede Versuchung führen zu lassen.

Zitat:
Zitat von Nöck Beitrag anzeigen
Bitte bis morgen auswendig lernen!
Bis morgen schaffe ich das nicht, aber es steht auf meiner To-memorize-list unmittelbar hinter ›Ein Männlein steht im Walde‹, ›The Pinky and the Brain (Intro [Lol: Nar{r}f!])‹, ›Mutter (Rammstein)‹ und vier blitzgescheiten Zeilen von gelberhund.

Edit: Außerdem steht auf meiner To-do-list, eine Terminologie für den ›Sport‹ zu entwickeln: Nöck-Out, Runden (statt Strophen) u. s. w.

Geändert von Plutino (05.05.2019 um 14:41 Uhr)
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