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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 27.09.2018, 22:10   #1
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Standard Des Sommers letzter Tag

Unter mir im Weiher wogt des Himmels Blau.
Über mir das grüne Zelt der Trauerweide;
ach, die Sonne stellt es schimmernd mir zur Schau
und am Ufer pflegen Enten ihr Geschmeide.

Alles ist verträumt wie künftge Nostalgie.
Voller Wehmut raschelt schon das Schilf im Winde.
Wunderschön erscheint der Sommer wie noch nie,
wenn der Herbst verkündet, dass er bald entschwinde.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2018, 21:11   #2
männlich Eisenvorhang
 
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Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.198

Hallo Schmuddl,

ich finde, dass deine Schrift Dinge wie:

"künftge" - also Amputiationen, nicht verträgt.

Machen wir mal einen Vergleich, ich bin ja der Meinung, dass ein Gedicht atmen sollte, egal welche Form es besitzt. Deine Gedichte atmen immer. Bin aber der Meinung, dass die Verkürzungen, die durch die Metrik entstehen, hier unnötig sind und das Potential hemmen.

Natürlich ist die Empfindungen subjektiv.

Lesen wir es mal langsam im Vergleich, die Strophen:

Alles ist verträumt wie künftge Nostalgie.
Voller Wehmut raschelt schon das Schilf im Winde.
Wunderschön erscheint der Sommer wie noch nie,
wenn der Herbst verkündet, dass er bald entschwinde.

Alles ist verträumt wie künftige Nostalgie.
(Hier fielen wir aus dem sechser Trochäus)

Voller Wehmut raschelt schon das Schilf im Winde.
Wunderschön erscheint der Sommer wie noch nie,
wenn der Herbst verkündet, dass er bald entschwinde.

Vorschlag S2:

Voller Wehmut raschelt schon, was uns bindet. (Im dem Sinne die Sehnsucht der Jahreszeit des Wechsels)
Wunderschön erscheint der Sommer wie noch nie,
wenn der Herbst verkündet, dass er bald verschwindet.

Wobei: neeee. Vergiss die Strophe, was ich aber sagen wollte, habe ich gesagt. Hoffe Dir gehts gut soweit? ^^

vlg

EV
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 30.09.2018, 22:18   #3
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Danke EV, auch für den Anschubser!

Ich schätze, ich weiß, was du meinst - auch mit dem Atmen. "künftge" ist einfach ein ziemlicher Zungenbrecher; das habe ich zuerst nicht so wahrgenommen, weil ich in die Wortkombination "künftge Nostalgie" so verliebt war. Aber du hast recht: es liest sich schwer.


Was ich dagegen machen soll, weiß ich noch nicht. In den Trochäus zu wechseln wäre mir eigentlich nicht so lieb. Am schönsten wäre es, wenn sich noch ein zweisilbiges Wort mit der Bedeutung von "künftig" melden würde. Diesem Wort wäre ich echt zum Dank verpflichtet.

LG
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Alt 02.10.2018, 17:43   #4
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.940

Hallo Schmuddelkind,

schön melancholisch, wie du den schwindenden Sommer beschreibst. In die Beobachtung der Natur lassen sich wunderbar Gefühle einflechten und bildhaft verdichten, das gefällt auch mir.

Für dein kleines Problem mit "künftge Nostalgie" (das finde ich auch etwas störend) hätte ich "ferne Nostalgie" oder vielleicht auch "Zukunftsnostalgie" anzubieten.

LG Nöck
Nöck ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2018, 15:59   #5
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Danke Nöck,

es war mir ein Anliegen, die emotionale Ambivalenz an einem so empfundenen letzten Sommertag einzufangen. Dies ein besonderer Moment voller Schönheit und zugleich melancholisch unterlegt im Bewusstsein der Vergänglichkeit dieser Schönheit. Und natürlich kann dies auch für allgemeinere Empfindungen stehen. Wie du gesagt hast: Die Natur kann in der Lyrik innere Seelenvorgänge spiegeln.

Zitat:
Für dein kleines Problem mit "künftge Nostalgie" (das finde ich auch etwas störend) hätte ich "ferne Nostalgie" oder vielleicht auch "Zukunftsnostalgie" anzubieten.
"Ferne Nostalgie" finde ich spontan sehr schön, weiß nur nicht, ob dadurch so deutlich wird, dass das Gegenwärtige bereits jetzt als eine nostalgische Erinnerung in der Zukunft erlebt wird. Deutlicher wird dies sicherlich durch "Zukunftsnostalgie", wobei mich hier ein wenig das Kompositum stört. Vielleicht wenn ich es auseinander ziehe - "Zukunfts Nostalgie"?

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.10.2018, 18:04   #6
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.940

Zitat:
Zitat von Schmuddelkind
weiß nur nicht, ob dadurch so deutlich wird, dass das Gegenwärtige bereits jetzt als eine nostalgische Erinnerung in der Zukunft erlebt wird.
So oder so, was du ausdrücken willst, liegt für mich nicht klar auf der Hand.

LG Nöck
Nöck ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 04.10.2018, 22:07   #7
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Echt? Danke.
Weiß nur nicht, ob ich es dann auch so eindeutig lese. Mann, ich muss noch weiter grübeln...

...Vielleicht "spätre Nostalgie"?
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herbst, sommer, wehmut

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