Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Lebensalltag, Natur und Universum

Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 06.03.2013, 04:53   #1
weiblich Rebird
 
Benutzerbild von Rebird
 
Dabei seit: 05/2011
Ort: wonderland
Alter: 36
Beiträge: 1.461

Standard Das Weltverlies

Verdammt und zugenäht ist die Geschichte,
schon seit der Schule kam sie zu weit her.
Die Zeitangaben hielt man für Gerüchte ...
Personenwandel, dort, hinter dem Lichte -
im Grunde ruht der Wissensschatz im Meer.
Wer Funde wünscht, der suche im Gedichte
des Volkes letzter Schneide: Wort, Gewehr,
bevor man sie enthauptete und mehr ...

Gedarbt, verschottet gingen sie zunichte -
was blieb von tausend Jahren, bittesehr?
Nur Schwindelige, völlig Durchgemischte.
Uralte Spuren, die man neu verwischte ...
Jahrtausendwenden, bis zur Wiederkehr
von Führer, Gott und seinem Weltgerichte:
Ihm platzt sein dickes Ei aus dem Gebär
und Städte, Länder, Flüsse stelln sich quer.

Ja, bald zerspringt des Eies dicke Schale,
hinein füllt sich lieb ein Wellenschaum ...
Darin wolln des Lebens einzig Originale
vergehen, wo man selbig nur mehr kaum.

Gleichwie Kraft den Weg verlassen wird,
ergo bleibt, wohl denn, ihr bloßer Schein,
ein leeres Bild ... worin alleine, verwirrt
man seinen Schatten jage tagaus, tagein.

Es frisst die Seele von gequälter Hülle.
Zur finalen Asche. Kälteschau alsobald.
Indessen man durchtauche seine Fülle,
sich selbst, das Verlies - zugegen Halt.

by ElaS.
Rebird ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2013, 11:18   #2
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Hallo, Rebird -


das mußte ich mehrmals lesen (auch laut), um dahinterzukommen.
Ich stolpere (metrisch) immer noch an einigen Stellen, aber das stört mich kaum.

Weißt Du, was?
Das ist ein großartiges Gedicht!
Etwas völlig Neues und sehr Tiefgründiges hast Du uns da hingeworfen.
Ich empfinde es als geworfen, nicht als gefeilt oder ziseliert.


Überwältigt:
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2013, 11:53   #3
weiblich Ex-Nitribitto
abgemeldet
 
Dabei seit: 08/2011
Ort: Berlin
Beiträge: 408

Standard Das Weltverlies

Weißte, Rebird, du hast so recht: Am besten ist es wohl, man lässt den ganzen Kram mit der Geschichte und liest nur seine Comics. Noch besser wäre es wohl, man würde gar nicht erst geboren werden, dann hätte man auch nicht die Qual der Wahl: Womit bilde ich mich denn jetzt? Schon ziemlicher Zimt, das mit dem Leben und so. Alles Schitt.

Gruß, Nitribitto
Ex-Nitribitto ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2013, 15:21   #4
männlich Sonnenwind
 
Benutzerbild von Sonnenwind
 
Dabei seit: 06/2012
Alter: 57
Beiträge: 1.351

Recht originell, im romolusschen Sinne.

Allerdings finde ich Anklänge an Benn.

LG
Sonnenwind
Sonnenwind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2013, 15:41   #5
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.927

Die Oktette sind klasse, die Quartette finde ich etwas konfus.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2013, 17:35   #6
weiblich Rebird
 
Benutzerbild von Rebird
 
Dabei seit: 05/2011
Ort: wonderland
Alter: 36
Beiträge: 1.461

hallöle ^^

@gummibaum -
danke die quartette gab es schon etwas länger, habe sie mit dazugeschrieben, weil ich finde, dass sie irgendwie passen - auch wenn es mir dabei eigentlich um was ganz anderes ging^^ lg

@Sonnenwind -
originell, im sinne von - ones own acuteness of thoughts ≙ ordentliches chaos ≋ im romolusschen Sinne ? ahhh, verstehe^^
Zitat:
Allerdings finde ich Anklänge an Benn.
eckdaten benns -

1938 - Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer und Schreibverbot.
In der Folgezeit seiner "Inneren Emigration" hält Benn dem "Reich der Macht" das autonome "Reich des Geistes" entgegen.

1948 - In der Schweiz erscheint die Lyriksammlung "Statische Gedichte", die seinen späten Ruhm begründet.

ja ... das scheint mir auch alles irgrendwie verdächtig ... ^^
№ § † ‡ # ⸮ ÷ * ⁂ ~ ≃ ‽
danke fürs reinschauen und kommentieren. lg

@Nitribitto -
Zitat:
Am besten ist es wohl, man lässt den ganzen Kram mit der Geschichte und liest nur seine Comics...
what an irony of fate ... of the jabberwocky? ^^
Zitat:
Noch besser wäre es wohl, man würde gar nicht erst geboren werden ... Schon ziemlicher Zimt, das mit dem Leben und so ...
lol - dass mein gedicht solche negativen energien freisetzt, das finde ich erschreckend und gleichzeitig entzückend ^^ schön, dass du mal reingeschaut hast. lg

@Thing -
weiß ich, was? ^^
Zitat:
Etwas völlig Neues und sehr Tiefgründiges hast Du uns da hingeworfen.
eigentlich war es bloß mein neuster würfelhusten, mit etwas lungenschleim, noch vom vorherigen jahrtausend, in einer aufgewärmten trockensuppe ... ^^ stimmts, oder hab ich recht?

an der metrik, die ja noch nie mein bester freund war, habe ich nochmal versucht was zu verbessern, einige stellen haben mir auch noch nicht so recht gut gefallen ...

besten dank fürs reinschauen und kommentieren
lg rebirdy


textabänderung

Verdammt und zugenäht ist die Geschichte,
bewahrt nach alter Schule - gilt regionär.
Die Zeitangabe stinkt, gleich der Gerüchte.
Personenwandel - vor und hinterm Lichte -
im Grund beruht der Wissensschatz im Meer.
Wer Funde wünscht, der suche im Gedichte:
Des Volkes letzte Schneide: Wort und Wehr,
bevor man sie enthauptete und mehr ...

Gedarbt, zerschottet gingen sie zunichte.
Was blieb von tausend Jahren, bittesehr?
Nur Schwindelige, völlig Durchgemischte.
Uralte Spuren, die man neu verwischte ...
Jahrtausendwenden, bis zur Wiederkehr
von Führer, Gott und seinem Weltgerichte:
Ihm platzt sein dickes Ei aus dem Gebär
und Städte, Länder, Flüsse stehen quer.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~

Derweil zerspringt des Eies dicke Schale,
hinein füllt sich lieb ein Wellenschaum -
darin wolln des Lebens geistige Originale
vergehen, wo man selbig nur mehr kaum.

Und wie Kraft den Weg verlassen wird,
es bleibt, wohl denn, ihr bloßer Schein,
ein leeres Bild ... worin allein, verwirrt
man seinen Schatten jage tagaus, tagein.

Es frisst die Seele von gequälter Hülle,
zur finalen Asche. Kälteschau alsobald.
Indessen man durchtauche seine Fülle,
sich selbst, das Verlies - zugegen Halt.
Rebird ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Das Weltverlies

Stichworte
eierschale, geschichte, welle

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche



Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.