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Alt 05.01.2017, 21:17   #1
männlich Ex Yuki
abgemeldet
 
Dabei seit: 05/2016
Alter: 41
Beiträge: 237

Standard Die Nacht der 1000 Augen

Die Nacht träumt ihren Mond herbei,
sie öffnet ihre tausend Augen;
ich spüre ihren Küsse, die gewaltsam an mir saugen.
Sie ist eine Spinne, sie rollt mich ein, ich schrei;
doch, noch unter Wehen schnaubend,
lässt sie den schlimmsten Albtraum frei:

Es blubbert dort, im nahen Moor,
es wird zur Hexenküche;
in meine Nase wabern faulige Gerüche
und dumpfes Stöhnen quillt ins Ohr.

Ich zücke vor Verzweiflung schier zitternd meinen scharfen Dolch
und fuchtel wie ein Bube wild damit herum;
mein Herz schlägt wirr, der Wald wird stumm;
es steigt aus seiner Grube, witternd: der Schlabbermolch.

Er ist die Ausgeburt der Dunkelheit;
dort, wo man sein Herz erwartet,
quoll pochend Schleim, es ist entartet;
wo im Dunkeln seine Glieder humpeln,
macht ein stinkend Schlamm sich breit.

Der Molch ging aufrecht wie ein Mann,
wenn man das so vergleichen kann.
Die Augen die vom Krokodil,
Die Zunge züngelt, sucht ihr Ziel.

Er gluckst und spuckt, als er mich witternd roch.
Der Gestank kommt zögernd mit,
bei jedem Schritt und jedem Tritt
- die Hand am Dolche zittert noch.

Er treibt mich rückwärts über Kieselsteine
- das war das Fiese und Gemeine.
Ich stolpere, fall hin
und schrabbe mir mein Kinn.

Das macht den Molch jetzt ziemlich munter,
er beugt sich hechelnd zu mir runter.
Es war bloß eine Schürfwunde,
doch wittert er die Schlürfrunde.

Kann mich vor Schrecken
gar nicht regen;
das kam ihm gar nicht ungelegen:
er begann, mich abzuschlecken.

Dann machte er ganz einfach kehrt
und verschwand mit Schlürfen in sein Loch.
Das hat man auch noch nicht gehört;
- und er tat es doch!

In ihre Arme drückt mich fest die Nacht -
ich ließ es zu und fiel in Ohnmacht.

Ich wache auf,
es ist noch dunkel und ich allein,
nehme das doch gerne mal in Kauf:
es scheint noch alles an mir dran zu sein.

Ich schau mich um, finde schließlich auch den Dolch.
Die Nacht schläft ein, der Tag nun bald erwacht -
Hat meine Angst sich dies im Traum
bloß alles ausgedacht?

Die Schatten schleichend träumend fort, zurück in ihre blinden Gräben.
Weil die fernen Bäume dort zum Glück das Sonnenrad gebären.

Man glaubt es kaum - und doch:
Ein feuchter Flecken Schlamm zeugt noch vom Schlabbermolch.
Ex Yuki ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2017, 00:28   #2
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.929

Hallo Yuki,

Adjektive sparsam einsetzen und durch aussagekräftige Verben ersetzen. Kontraste schärfen.

Die Nacht träumt ihren Mond herbei.
Sie öffnet die gestirnten Augen.
Doch schon spür ich sie küssend saugen
wie eine Spinne, und ich schrei.
Sie aber, wie in Wehen schnaubend,
presst aus sich meinen Albtraum frei:

Es blubbert dort im nahen Moor
wie in der Hexenküche.
Es wabern schweflige Gerüche,
und Stöhnen foltert mir das Ohr...

LG g
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
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