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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 16.10.2012, 21:48   #1
weiblich Ilka-Maria
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Beiträge: 22.234

Standard Betrogen

Ich weiß, ich hatte dich nicht gefragt
und ohne Kampf mit dir entschieden,
verlassen hatte mich die Geduld,
ich forschte nicht mal nach Grund und Schuld,
war nur bestrebt, dich abzuschieben,
und hatte nicht mal Adieu gesagt.

Wie ein Wunder war die Zeit danach,
ich fühlte frische Kräfte fließen
und spürte meines Herzens Triumph:
"Sollst du doch leiden," dachte ich stumpf,
"mein Leben will ich frei genießen,
nicht eine Träne schick ich dir nach."

Dann traf ich dich mit der schönen Frau,
und tückisch wie der Schlange Würgen
umwanden Haß und Neid mir die Brust
mein Atem stockte in heißem Frust,
betrogen ward ich von dem Bürgen,
der dein Dasein sollte zeichnen grau.

Die Hölle brach zischend vor mir auf:
"Ach, sollt ihr Teufel mich doch holen!
Und der beiden Seelen gleich dazu,
denn eher gibt Mißgunst keine Ruh,
und Schadenfreude, unverhohlen,
frißt gnadenlos das Menschliche auf."

16. Oktober 2012
© Ilka-Maria
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Alt 16.10.2012, 22:31   #2
weiblich Ex-Suzette
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Beiträge: 605

Hallo Ilka,
sehr selbtreflektierende Zeilen des LI.
Find ich echt gelungen, wie du all die Untiefen
in einer Spielart des Themas "Betrogen" aufzeigst!
Gern gelesen!
Abendgruß
Suzette
Ex-Suzette ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2012, 22:55   #3
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.234

Danke, Suzette. Ich stelle es mir schlimm vor, wenn Menschen sich ein Gebäude aus Selbstbetrug gezimmert haben und plötzlich die nackte Wahrheit auf der Türschwelle steht. So etwas soll ja vorkommen.

Dir auch einen schönen Abend.

Beste Grüße
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2012, 09:36   #4
weiblich Poetibus
 
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Beiträge: 562

Hallo, Ilka-Maria,

ich glaube, irgendwann erleben das viele Menschen - ich habe es auch erlebt. Dabei weiß ich nicht, ob es immer Selbstbetrug ist (ich schätze, das kommt auf die "Ausprägung" an), aber auf jeden Fall belügen wir uns alle von Zeit zu Zeit selbst, dann, wenn wir etwas nicht wahrhaben wollen.

Dann redet sich der Mensch eben ein, dass es so ist. Und nicht so. Was nicht sein darf, das nicht sein kann, so lautet eine bekannte Redewendung ...

Es kommt dabei natürlich darauf an, was dem Selbstbelügen als Ursache zu Grunde liegt. Und wenn es, wie hier im Gedicht, um Betrug, d. h. gebrochenes Vertrauen, Selbstachtung, Würde und schwer verletzte Gefühle geht (die Selbstlüge ist eigentlich keine wirkliche Lüge, denke ich, sondern ein "Verband", ein Versuch der "Selbstheilung"), ja, dann wird es extrem schmerzhaft. Daraus entstehen dann als "letzter Selbstrettungsversuch dessen, was noch von Würde, Selbstachtung und Stolz übrig ist" Gefühle wie Hass und Verachtung und aus diesen wiederum häufig der Wunsch nach Rache. Ich denke, es ist eher selten, dass ein Rachewunsch bereits davor besteht - nach dem Erlebten schon wesentlich wahrscheinlicher.

Und Rache - hegte ich im Leben schon Rachegedanken? Ja, ich bin ein Mensch, kein Engel. Nur: Was hätte ich davon? Eine kurze Zeit der "Hochgefühle" von Genugtuung und Triumph. Diese Gefühle vergehen sehr schnell wieder, sie bleiben nie dauerhaft. Was bleibt, ist die "Wunde", und Triumph ist lediglich ein Pflaster "obendrüber". Ich werde misstrauischer sein und mir dadurch vielleicht meine Chancen, einen Menschen kennenzulernen, von dem ich nicht betrogen werde, selbst verbauen. Ich habe etwas "verloren" (wenn ich zulasse, dass ich es verliere!), und durch Rache bekomme ich es nicht wieder: Vertrauen. Misstrauen ist eine Saat, die, einmal ausgesät, ständig "Dünger" bekommt und irgendwann zur "Pflanze" namens Bitterkeit und Verachtung heranwächst. Die Menschlichkeit, von der am Ende des Gedichts die Rede ist, geht verloren - wenn zugelassen wird, dass sie es tut. Ich möchte so ein Leben nicht führen, das dann vielleicht gar keines ist. Das Vertrauen zu "behalten", ist die einzige Möglichkeit der "wirklichen" Heilung. Mit Narben kann man leben. Natürlich weiß ich, dass viele Menschen anderer Ansicht sind, daher spreche ich nur von mir selbst.

Sehr gerne gelesen, dein Gedicht hat mich wieder zum Nachdenken gebracht. Ist eine Schwäche von mir, ich denke viel zu gerne.

Freundlichen Gruß,

Poetibus
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Alt 17.10.2012, 10:01   #5
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.234

Danke, Poetibus. Du hast mein Gedicht auf den Kopf gestellt, wie ich Deinem Kommentar zu entnehmen glaube - aber warum nicht?

Mir ging es um Selbstbetrug, nämlich zu glauben, daß das, was man an einem Menschen hat, nichts mehr wert ist, ohne den Finger genau auf die Wunde legen zu wollen. Dem Schmerz entzieht man sich durch Flucht, was dann ein neues Leben bedeutet oder zumindest sein soll. Aber dann sieht man den verstoßenen Liebhaber mit einer anderen Frau und merkt: Die Wunde ist trotzdem noch da, und statt das eigene Glück zu finden, hat man dem ehemaligen Partner ungewollt und indirekt zum Glück verholfen.

Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn wie kompliziert eine solche Gefühlswelt sein kann, möge jeder für sich interpretieren.

Danke für's Lesen und den ausführlichen Kommentar.

Beste Grüße
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2012, 10:22   #6
weiblich Poetibus
 
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Beiträge: 562

Hallo, Ilka-Maria,

ich möchte dir nur kurz ein Kompliment machen, absolut ehrlich gemeint:

Zitat:
Danke, Poetibus. Du hast mein Gedicht auf den Kopf gestellt, wie ich Deinem Kommentar zu entnehmen glaube - aber warum nicht?
Meine Hochachtung, das findet sich selten.

Denn du bedankst dich dafür, dass ich nicht du bin, eine ganz andere Auffassung besitze und dein Gedicht daher ganz anders interpretiert habe.

Dankeschön, mir war es eine Freude, deine Antwort zu lesen.

Freundlichen Gruß,

Poetibus
Poetibus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2012, 10:54   #7
Ex-zonkeye
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Dabei seit: 05/2011
Beiträge: 505

Schlechtes Deutsch, schlechter Satzbau, wackeliges Metrum – so weit, so mangelhaft.

Im Gegensatz zu Poetibus habe ich am grundsätzlichen Inhalt der Rumpelverse aber nichts auszusetzen – die Prota outet sich als eine ganz gewöhnliche, von Missgunst getriebene Person, die keinem das gönnt, was sie selbst nicht (mehr) hat oder haben kann. Es ist diese Grundhaltung vor allem dort recht weit verbreitet, wo Persönlichkeit und Selbstbewusstsein fehlen. Gönnen können solche Wichte nichts. Sie zerstören lieber das Spielzeug, das sie nicht mehr brauchen, als es einem anderen Kind zu überlassen.

Gottlob sind sie in der Minderzahl – auch in den Beziehungskisten. Die meisten haben die Größe, ihren „Exen“ aufrichtig alles Gute zu wünschen. Die Typen, die nur schlecht über ihre früheren Beziehungen reden, machen sich selbst zum Narren. Um solche sollte man einen weiten Bogen machen, denn bei denen gibt’s nichts zu holen. Schon gar keine Empathie …
Ex-zonkeye ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2012, 12:53   #8
Thing
R.I.P.
 
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Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Ich schließe mich Poetibus an.
Und ich nehme an, daß jeder Mensch (ab einem gewissen Alter) gleiche Erfahrungen gemacht hat.
Die Reaktionen sind verschieden - bei mir blieb als Dauerhaftestes der Stolz übrig, sowohl ind gutem als auch in schlechtem Sinn.

Ein Gedicht in bewährter Ilka-Maria-Manier.
Mir gefällt es, auch wenn es den Finger wirklich in die Wunde legt.
Vom Thema her gleicht es meinen "Erinnerungen".


Herzlichen Gruß
von
Thing
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schlange, schuld, weinen

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