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Zeitgeschehen und Gesellschaft Gedichte über aktuelle Ereignisse und über die Menschen dieser Welt.

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Alt 09.10.2019, 12:18   #1
männlich klaatu
 
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Standard Jeff Bezos frisst kleine Kinder

Na gut...
vermutlich frisst er keine Kinder.
Aber wer weiß das schon?

Möglich wäre es.

Jedenfalls könnte er es sich leisten,
wenn er Lust darauf hätte.

Schließlich ist er so reich,
dass er sich sogar eine Glatze leisten kann.

Und jetzt lest bitte mal
ein bisschen schneller
- wir haben hier schließlich
nicht den ganzen Tag Zeit!

Zeit ist Geld!

Daher haben die Tage von Mr. Bezos
mindestens achtundvierzig Stunden,
damit er auch genug Zeit findet,
seine Mitarbeiter zu überwachen.

Während ihr das hier lest,
schubst er lachend Trinkgeldschweinchen
von den Verkaufstheken kleiner Einzelhändler
und dreht die "Geöffnet"-Schilder auf links,
um anschließend auf den Buckeln
der nun arbeitsuchenden Angestellten,
durch Steuerschlupflöcher hindurch,
bis zum Mond zu fliegen.

D a s ist ein Fakt!

Ich könnte noch mehr schreiben,
doch ich nutze meine
leider knapp bemessene Zeit
viel lieber für etwas anderes
und ihr solltet das auch tun:


*** WERBUNG ***


Jeff Bezos sitzt an einer
zum Schreibtisch umfunktionierten Tür
und blickt freundlich in die Kamera.

"Guten Abend, mein Name ist Jeff Bezos."

Er zieht ein Bündel 100-Dollar-Noten aus der Tasche
und legt es vor sich auf den Tisch.

Dann zieht er einen Schein heraus,
hält ihn mit beiden Händen in die Kamera
und zerreißt ihn.

Er nimmt einen weiteren Schein heraus
und wiederholt das Prozedere.

So geht es weiter,
ein Schein nach dem anderen,
ohne dass Mr. Bezos dabei
seine Miene verzieht.

Ganze zwei Minuten lang geht das so,
bis schließlich der ganze Tisch vor ihm
mit halben 100-Dollar-Scheinen bedeckt ist.

"Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit."


*** WERBUNG ENDE ***



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Alt 09.10.2019, 12:21   #2
männlich Ralfchen
 
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servus Klaatu -

das mit dem fressen kleiner kinder würde ich überdenken. es bringt keine guten assoziationen rüber. ich denke du weißt was ich meine.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.10.2019, 12:23   #3
männlich klaatu
 
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Hey Ralfchen!

Also für mich erzeugt das genau die richtigen Vibes...

LG
k
klaatu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.10.2019, 12:27   #4
männlich Ralfchen
 
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ok wenn du es so fühlst fein. du bist der verfasser und musst mit deinem text harmonieren.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.10.2019, 12:36   #5
männlich klaatu
 
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Es ist natürlich sehr überspitzt, aber ja, es harmonisiert ganz gut mit meinen Gefühlen.
klaatu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.10.2019, 14:07   #6
männlich Pjotr
 
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Mr. Bezos. Ich mag den Kerl nicht, und sein asoziales "Geschäft" boykottiere ich als Kunde und als Unternehmer seit vielen Jahren. Auch ohne Amazon ist ein Leben in Wohlstand möglich.
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Alt 09.10.2019, 14:54   #7
männlich klaatu
 
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Mir ist er auch unsympathisch. Aber darum ging es mir eigentlich gar nicht. Ich finde das Konzept von Milliardären einfach nur gestört.

Es kann doch nicht sein, dass ich über 3,5 Millionen Jahre arbeiten müsste, um auch nur annähernd an sein Vermögen ranzukommen...
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Alt 09.10.2019, 15:06   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
Es kann doch nicht sein, dass ich über 3,5 Millionen Jahre arbeiten müsste, um auch nur annähernd an sein Vermögen ranzukommen...
Wozu sollte das gut sein? Millionäre und Milliadäre sind auch nicht glücklicher als der "Normalverdiener". Ist doch völlig wurst, ob so jemand eine Million mehr oder weniger hat, zumal damit die Verpflichtung einhergeht, einen Teil davon in soziale Engagements einfließen zu lassen.

Ich mache mir mehr Gedanken über die Zukurzgekommenen in unserem Land.

Mit Amazon kann ich gut leben, schließlich liegt es an mir, wie ich dieses Unternehmen nutze. Manche Artikel bekomme ich ohne Amazon in Deutschland gar nicht, wie z.B. Ersatzantennen für ein Kofferradio (die brechen bekanntlich schnell ab). Da konnte mir der hiesige Fachhandel nicht helfen, ein Koreaner, der sie mir im Doppelpack für weniger als drei Euro (inklusive Porto!) über Amazon schickte, aber durchaus.

Was Bücher und Filme angeht, dient mir Amazon als Informationsportal. Mit meinem Ausdruck gehe ich dann in die heimische Buchhandlung und bestelle dort, weil mir an deren Überleben eine Menge liegt.

Leute, ihr könnt das alles doch selbst steuern. Also was soll diese Neidmotzerei?
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Alt 09.10.2019, 15:15   #9
männlich klaatu
 
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Also Neid ist es bei mir ganz sicher nicht, das kann ich dir versichern. Natürlich hätte ich auch gerne mehr Geld, vor allem weil ich wirklich bettelarm bin und sich so eine Menge meiner Probleme lösen lassen würden... Aber mit Jeff Bezos tauschen wollen, würde ich nicht. Das wäre mir viel zu viel!

Mir geht es mehr darum, dass das Geld, das Bezos und andere Milliardäre da horten und auch noch vermehren, an anderen Stellen einfach fehlt. Kein einzelner Mensch sollte SOLCH einen Reichtum (und die damit verbundene Macht) besitzen.
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Alt 09.10.2019, 15:27   #10
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
Kein einzelner Mensch sollte SOLCH einen Reichtum (und die damit verbundene Macht) besitzen.
So? Und warum nicht?

Wärst du auch dann noch dieser Meinung, wenn du in dieser Woche eine Million Euro im Lotto gewönnest und dein Nachbar, der vielleicht weniger als 2.000 Euro im Monat verdient, dir das nicht gönnte? Weil der Mensch nämlich immer dann die Gerechtigkeitskeule zieht, wenn er sich mit anderen vergleicht. Deshalb kann es keinen Menschen geben, der jemals zufrieden ist oder von Gerechtigkeit spricht.

Es ist nun mal so, dass es immer Unterschiede geben wird. Manche haben das Glück, in ein gutsituiertes Elternhaus geboren zu werden. Anderen wieder fällt der sprichwörtliche newton'sche Apfel auf den Kopf, und diese Erleuchtung kann zu Ruhm und Reichtum führen. Wo erst einmal viel Geld ist, wird es automatisch mehr, so funktioniert der Kapitalismus eben.

Es ist aber auch so, dass ein ungeschriebenes Gesetz bei den US-Amerikanern verlangt, vom Reichtum an die Bedürftigen abzugeben, und viele tun das auch regelmäßig. Sie hängen es bloß nicht an die große Glocke. Untereinander weiß man das aber, und wer dieser gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nachkommt, ist nicht angesehen.

Auch bei uns in Deutschland ist das so, aber eben wenig bekannt. Ich weiß es z.B. nur von der Familie Metzler, dass sie sich sozial stark engagiert, und auch nur deshalb, weil ihr Kind ermordet wurde und dieses Engagement deshalb in der Presse erwähnt wurde. Viele arme Menschen wären ohne diese Zuwendungen noch viel ärmer dran.
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Alt 09.10.2019, 16:00   #11
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Versteh mich nicht falsch, Ilka. Ich bin ganz sicher kein Kommunist und gegen den handelsüblichen Millionär hab ich ja nicht mal was. Wenn einer etwas Besonderes leistet, darf er auch gern ein vielfaches dessen verdienen, was ein "normaler" Arbeiter verdient.

Aber wir reden hier von einem Menschen, dessen Vermögen höher ist als das BIP vieler Nationen. Das ist doch krank.

Ich möchte das jetzt nicht verallgemeinern, es gibt da sicher - wie immer und überall - solche und solche. Aber viele Superreiche sind nur deshalb superreich, weil sie (bzw. ihre Familien/Vorfahren) andere systematisch ausbeuten und sich an Rohstoffen, die eigentlich der Allgemeinheit gehören sollten, gütlich tun. Da muss man die nicht unbedingt wegen ein paar steuerlich absetzbaren Spenden feiern.

Ich finde einfach, dass es gewisse Grenzen geben sollte.
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Alt 09.10.2019, 16:13   #12
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Zitat:
Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
Ich finde einfach, dass es gewisse Grenzen geben sollte.
Vergiss es, klaatu, diese Grenzen konnte nicht einmal der Kommunismus setzen. Selbst wenn sie möglich wären, würde sich für Leute wie dich und mich nichts ändern. Wer nämlich die Macht hat, jemandem Geld abzunehmen, verwendet es für seine eigenen Zwecke, aber gewiss nicht für das Kollektiv.

Was früher war, wiegt in dieser Hinsicht sowieso nicht. Sonst könnten wir ja bis zu den Griechen der Antike zurückgehen, die nur deshalb kluge Reden auf dem Forum schwingen konnten, weil sie Sklaven für sich arbeiten ließen. Ihre Philosophen feiern wir aber heute noch.

Was Ausbeutung betrifft, ist jeder Einzelne von uns nicht besser. Oder was glaubst du, wer unsere Kaffeebohnen pflückt und unsere Klamotten näht? Woher kommt das Spekulationsprodukt Reis, während in Indien Kinder verhungern, obwohl das Land Reis in Hülle und Fülle anbaut? Wir sind doch alle mit von der Partie.
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Alt 09.10.2019, 16:44   #13
männlich klaatu
 
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Leider stimmt das alles.

Ich sehe da auch kein System, welches irgendwie besser wäre... Nur eine kollektive Bewusstseinsveränderung und eine Menge Zeit könnten da eine Verbesserung herbeiführen. Aber auch was das angeht, bin ich eher pessimistisch.

Bei deinem letzten Punkt sehe ich aber einen Unterschied, ob man dieses System indirekt unterstützt, weil man durch Geldmangel mehr oder weniger dazu "gezwungen" ist oder man es aktiv aufbaut und ausbaut, nur um absurd reich zu werden, weil einem "einfach" reich nicht genug ist.
klaatu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.10.2019, 17:06   #14
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Zitat:
Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
... oder man es aktiv aufbaut und ausbaut, nur um absurd reich zu werden, weil einem "einfach" reich nicht genug ist.
Woher weiß du, dass in allen Fällen nur Raffgier dahinter steht? Meistens ist es so, dass erfolgreiche Unternehmer die Gewinne weiterinvestieren müssen. Es geht ja nicht, dass sie wie Dagobert Duck das Geld zu Hause horten, um es täglich zu zählen oder darin zu baden, und essen können sie es auch nicht. Sie können aber auch nicht einfach den Hahn abdrehen, ihre Angestellten und Arbeiter nach Hause schicken und sagen: "Danke, mir reicht das Geld jetzt, also seht zu, wo ihr bleibt."

Mario Puzo hat in seinem Roman "Der Pate" als Motto geschrieben: "Hinter jedem Reichtum steckt ein Verbrechen." Ich kenne aber auch Fälle, in denen hinter dem Reichtum eine Hungerleiderzeit steckt. Es gibt berühmte Beispiele, wie Kirk Douglas, Sohn eines Lumpensammlers, Joanne Rowling, die Jahre brauchte, bis sie mit Harry Potter Geld verdiente und aus ihrer prekären Situation herauskam, Bill Gates, der in einer Garage mit seiner Tüftelei begann, viele Fußballstars, die aus dem Ghetto kamen. Einer meiner Onkel gehört zu dieser Garde der Arrivierten, der als junger Arzt in die U.S.A. ging und beinahe gescheitert wäre, durch eine glückliche Fügung (ja, Glück gehört auch dazu!) sich aber durchsetzte und zum mehrfachen Millionär wurde (und übrigens ein Krankenhaus an seinem Wohnort baute, eine Million Dollar an die Universität von Millersville stiftete und dem Staat fünf Kinder in die Welt setzte).

Wir sehen immer nur die Leute, die mit ihren Yachten und Privatfliegern unterwegs sind, im Ritz absteigen, maßgeschneiderte Anzüge und Rolex-Uhren tragen. Aber nicht allen ist der Reichtum in den Schoß gefallen, viele sehen die damit verbundene Verantwortung und - ob du es glaubst oder nicht - die meisten arbeiten sogar dafür.
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Alt 09.10.2019, 17:43   #15
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Mit Neid hat das nichts zu tun. Und ja, ich kann das steuern, deshalb bin ich ja am Boykottieren, auch wenn mein Einkommen dadurch vorübergehend kleiner wird (verdiene zur Zeit knapp über 1000 Euro monatlich).

Als Demokrat habe ich mit den Superreichen folgendes Problem:

Die hunderte Millionen Euro, die sie als Überschuss angesammelt haben aus der minderbezahlten Arbeit anderer, und durch die Ausnutzung der Infrastruktur, die die Gemeinschaft aufgebaut hat, und durch Steuervermeidung, und durch monopolistisches Streben und so weiter, dieser gigantische, maßlos asozial, übertriebe Überschuss fehlt anderswo auch dann, wenn diese Superreichen einen Teil davon spenden. Wenn die Überschuss-Verteilung der geleisteten Arbeit der Gemeinschaft nicht mehr demokratisch geregelt wird, sondern von den Superreichen einbehalten wird und nach deren Abschätzung verteilt wird, dann entscheiden eben nicht mehr die demokratisch gewählten Regierungen, wie der Haushalt verteilt wird, sondern es entscheidet Kaiser Bill Gates der Erste, und wie sie alle heißen, die oberen Fuffzich der Menschheit. Der Bill entscheidet dann allein, dass sein asozial angesammelter Überschuss beispielweise in die Malaria-Forschung geht. Das klingt heilig. Ist aber vollkommen undemokratisch, weil es undendlich viele andere Einrichtungen gibt, die ebenfalls einen Teil nötig hätten und der Gemeinschaft dienen könnte. Über die Verteilung der Steuereinnahmen zu diskutieren, das ist Demokratie. Nicht, wenn man einigen wenigen die Steuer erspart, und diese wenigen dann selber entscheiden lässt, wohin das ihnen geschenkte Steuergeld fließt.
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Alt 09.10.2019, 18:57   #16
weiblich Ilka-Maria
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Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Wenn die Überschuss-Verteilung der geleisteten Arbeit der Gemeinschaft nicht mehr demokratisch geregelt wird, sondern von den Superreichen einbehalten wird und nach deren Abschätzung verteilt wird, dann entscheiden eben nicht mehr die demokratisch gewählten Regierungen, wie der Haushalt verteilt wird, sondern es entscheidet Kaiser Bill Gates der Erste, und wie sie alle heißen, die oberen Fuffzich der Menschheit.
Damit hatten die Amerikaner noch nie ein Problem, also bleiben wir in Deutschland. Und da stimmt das Bild vom "Superreichen" eben nicht mehr. Zwar ist richtig, dass anstatt der Politik die Wirtschaft inzwischen das Land regiert, aber das sind nicht die "Superreichen" - also Einzelpersonen, die Millionen auf dem Bankkonto haben -, sondern Unternehmen mit Monopolstatus, allen voran der Mammutkonzern Bertelsmann. Und wer kennt nicht das Zitat: "Es gibt Gesetze, und es gibt Volkswagen." Wer weiß nicht Bescheid über die Raffgier der Pharmazieunternehmen, die immer neue Krankheiten erfinden, um ihre Produkte teuer zu verkaufen? Der Aktionär muss bedient werden.

Wirtschaftliche Interessen lenken inzwischen alles und haben einen derartigen Einfluss, dass sich die Politiker dem gar nicht mehr entziehen können, denn wer wagt, gegen den Strom zu schwimmen, wird demontiert. Presse und Fernsehen machen da kräftig mit.

Kann sich noch jemand erinnern an das "Gesundheitsmagazin Praxis" in den 80er Jahren? Was uns da von Gesundheitsheiligen aufgetischt wurde, kann uns heute den Magen umdrehen. Margarine, ein pflanzliches Fett, sei gesünder als Butter ... Wenn man sich die Herstellung dieses Drecks erklären lässt, könnte man vor Ekel speien. Aber wer wusste damals, dass eine riesige Werbekampagne für dieses Kunstprodukt von den Margarineherstellern angeleiert worden war?

Wir werden mit immer neuen Philosophien und Religionen gesegnet, um in bestimmte Richtungen manipuliert zu werden, und genau das macht die Konzerne reich ... nicht ein Millionär wie Rossmann, der sein Unternehmen selbst aufgebaut und hart dafür gearbeitet hat.

Und was die Verteilung der Steuergelder angeht: Die SPD als die große Umverteiler-Partei hatte ihre Chance nach Kohls Abgang mehrfach gehabt, sich sogar in den GroKos gegen die CDU mit vielen Forderungen durchgesetzt. Was ist davon geblieben? Die vielzitierte Schere, die immer weiter aufgeht und die Demontage der Partei. Da ist also mit der Umverteilung gründlich etwas schiefgelaufen. Wäre nicht schlimm, wenn man daraus gelernt hätte. Stattdessen wird aber in alter Manier weitergewurstelt.
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Alt 09.10.2019, 19:09   #17
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Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Damit hatten die Amerikaner noch nie ein Problem, also bleiben wir in Deutschland.
Ja, aber ich habe damit ein Problem, denn Google, Amazon, Fratzebook, Mikrosoft etc. operieren global. Zum Globus gehört auch unsere europäische Gegend hier. Zumal Irland und Luxemburg sogar zur EU gehören.

Was die SPD betrifft: Ich denke, die wird in den nächsten Jahren in einigen Bundesländern wohlverdient unter die 5%-Marke fallen.

Mit Superreiche meine ich übrigens nicht so aufrichtige Mittelständler wie Wolfgang Grupp und seinesgleichen, sondern eben jene, bei denen das Konto auf eine Milliarde zustrebt oder weit darüber. So ein "Verdienst" ist schlichtweg unmöglich. Das ist Diebstahl.
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Alt 09.10.2019, 19:32   #18
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Zitat:
Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
So ein "Verdienst" ist schlichtweg unmöglich. Das ist Diebstahl.
Genau hier liegt der Denkfehler: Das ist kein Verdienst, sondern der Unternehmensgewinn. Der steckt erst einmal in der Bilanz, nicht in der Brieftasche des Unternehmers, falls es ein privater sein sollte, der sein Unternehmen selbst führt. Bei Managern mit Geschäftsführerverträgen sieht es anders aus, die bekommen Fixum und Bonus, um es simpel auszudrücken.

Der Unternehmensgewinn unterliegt Steuern und etlichen anderen Zahlungen und Engagements, und erst dann kann darüber entschieden werden, welche Entnahme der Unternehmer sich aus dem Gewinn für seinen privaten Gebrauch zubilligen kann. Wenn er vernünftig ist - und das sind die meisten -, wird er nie an die Grenzen gehen, sondern das Wohl des Unternehmens im Auge behalten. Hier ist die Bildung von Rücklagen ein Thema, denn für schlechte Zeiten und Risken muss man gerüstet sein. Davon hängt nicht nur das wertvollste Kapital des Unternehmers ab, nämlich seine "Humand Resources" ab (wie man heute leider so technisch-kalt Arbeitnehmer bezeichnet), sondern auch sein eigenes. Die Entnahme von Kapital für den persönlichen Bedarf muss natürlich bilanziert werden und für das Finanzamt nachprüfbar sein.

Unternehmer, die diese Grundsätze missachtet haben und sogar nach dem Motto verfahren sind, "cooking the books", sind immer gescheitert.

Wenn in der Zeitung steht, ein Unternehmer habe einen Gewinn von zig Millionen gemacht, glaubt die Öffentlichkeit, er könne sich das einfach mal einsacken. Aber so ist es nicht. Über das, was die Superreichen auf ihrem Konto wirklich haben, weiß kommt sowieso nichts an die Öffentlichkeit.
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Alt 09.10.2019, 19:39   #19
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Hier meine ich nicht den Unternehmensgewinn, sondern den "Verdienst" in Anführungsstrichen. Das Verdienen im dienlichen Sinn. Und natürlich meine ich das aus dem Unternehmen entnommene Privatvermögen. Dass man Einkünfte re-investiert, ist mir bekannt. Du verteidigst gerade die ordentliche Welt des Mittelstands. Da bin ich bei Dir. Die greife ich nicht an. Siehe meinen vorigen Kommentar.
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Alt 09.10.2019, 20:05   #20
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Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Du verteidigst gerade die ordentliche Welt des Mittelstands.
Stimmt.

Die andere Welt ist die der Manager mit Verträgen, also Geschäftsführer und Vorstände. Aber das ist eben eine Verhandlungssache, die den Teilhabern bzw. Aufsichtsorganenen dieser Unternehmen unterliegt. Wie hoch deren Einkommen sein wird, ist also festgelegt und hängt davon ab, wie gut ein Unternehmen läuft. Damit habe ich kein Problem. Auch dem "normalen" Arbeitnehmer geht es so, dass er vielleicht Glück hat, bei einem erfolgreichen Unternehmen angeheuert zu haben, das ihn besser bezahlt als ein anderes, das weniger erfolgreich ist. Oder in einer Zeit seine Dienste anbieten zu können, in der seine Expertise Mangelware ist und er deshalb hoch einsteigen kann. In solche Zeitlöcher bin ich z.B. immer gestoßen.

So funktioniert nun mal der Markt.

Was einzig mich ankotzt, sind die Manager, die ein Unternehmen in den Sand setzen und trotzdem auf die Erfüllung ihrer Verträge bestehen. Die räumen selbst dann noch Boni ab, die sie nie erwirtschaftet haben, und durchaus in Millionenhöhe. Das Recht ist auf ihrer Seite, weil die Verträge einfach schlecht ausgearbeitet waren. Kein Richter könnte einem solchen Manager verwehren, das Geld einzufordern. Habe ich während meiner Arbeit in einer Anwaltskanzlei augenzeuglich erlebt.
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Alt 10.10.2019, 10:09   #21
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Grundsätzlich stimme ich dir, Ilka, bei den meisten Dingen zu, ich sehe nur einiges etwas kritischer und weniger alternativlos. Deine Beispiele von Leuten aus der Unter- oder Mittelschicht, die es aus eigener Kraft zu Multimillionären schafften sind ganz nett und ich habe auch Respekt vor diesen Menschen. Statistisch gesehen sind sie aber sehr seltene Ausnahmen.

Und ich sehe immer noch keinen Grund, warum eine einzelne Person mehr als - sagen wir - 100 Millionen € besitzen sollte. 10 würden da eigentlich schon reichen. Ich würde mich ja schon mit einer begnügen...

Pjotr hat dazu auch einige Dinge geschrieben, denen ich 100% zustimme.
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Alt 10.10.2019, 11:43   #22
weiblich Ilka-Maria
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Deine Beispiele von Leuten aus der Unter- oder Mittelschicht, die es aus eigener Kraft zu Multimillionären schafften sind ganz nett und ich habe auch Respekt vor diesen Menschen. Statistisch gesehen sind sie aber sehr seltene Ausnahmen.
Woher hast du diese Information?

Die meisten reichen Leute (womit nicht nur Millionäre, sondern auch Wohlhabende gemeint sind), gehören dem Mittelstand an, ein guter Teil hat seinen Reichtum geerbt, was angesichts 70 kriegsfreier Jahre niemanden wundern dürfte. Die Millionäre in Deutschland machen gerade mal 1,7 % aus. Ihre Zahl und die Höhe ihrer Vermögen ist übrigens in den letzten Jahren zurückgegangen. Zugenommen haben lediglich die Vermögen der Immobilieneigentümer, die vom Bauboom und dem damit einhergehenden Wertezuwachs profitierten. Da müsste man allerdings dagegenrechnen, wer noch an Krediten und Hypotheken zu knabbern hat. Aber egal, der Sachwert ist nun mal da.

Trotzdem ist weiterhin von der aufgehenden Schere und der ungleichen Vermögensverteilung die Rede. Dies geht auf das untere Fünftel der Bevölkerung bzw. der Haushalte zurück, bei denen der Vermögenszuwachs stagniert. Beim untersten Zehntel nimmt das Vermögen ab. Das ist der Teil der Bevölkerung, um den wir uns Sorgen machen müssen, denn diese Haushalte können weder Rücklagen bilden, noch kommen sie ohne Abstriche über die Runden.

Dieses Problem können jedoch nicht die Wirtschaftsunternehmen lösen, mögen sie ansonsten noch so sehr die Politik bestimmen. Hier müssen die Politiker selbst ran und die völlig fehlgeleitete Bildungs- und Arbeitspolitik ins Lot bringen. Wer ständig die Ungleichheit in Deutschland beklagt, muss etwas für die Chancengleichheit tun, sonst wird er unglaubwürdig. Dazu gehört, dass ein Mensch für seine Arbeit anständig bezahlt wird. Es darf keine Rolle spielen, ob ein Arbeitnehmer Immigrant ist und Deutsch spricht oder nicht, wenn er einen Knochenjob macht wie z.B. pro Tag 100 Pakete auszuliefern und mit schweren Sachen durch die Treppenhäuser zu hetzen, damit ihm Überstunden erspart bleiben. Den Unternehmern ist nicht vorzuwerfen, dass sie die günstigsten Arbeitsverträge abschließen, solange es die Gesetze erlauben. Hier muss ein Riegel vorgeschoben werden, wobei sich aber jeder Verbraucher klarmachen sollte, dass er dann auch - in meinem Beispiel - höhere Portkosten zu tragen hat. Da liegt nämlich die Crux: Der Deutsche ist Weltmeister in der Forderung, alles zu beanspruchen, aber nichts dafür bezahlen zu müssen. Das erfahre ich immer wieder. Wenn mir mit schuldbewusster Miene Geld für eine Dienstleistung abverlangt wird und ich sage: "Alles gut, ich habe damit kein Problem", bekomme ich oft zur Antwort: "Das hat mir noch nie jemand gesagt, die meisten Leute jammern wegen der Kosten." Es bringt nichts, Multimillionäre wie Bezos an den Pranger zu stellen, sondern in den deutschen Köpfen muss ein grundlegendes Umdenken stattfinden, was Arbeit wert ist.

Noch ein paar Informationen für diejenigen, die es interessiert:

Der mediale Wert beim Jahreseinkommen in Deutschland beträgt im Durchschnitt 50.000 bis 85.000 Euro netto.

In Deutschland ist die Anzahl der Millionäre gleich hoch wie in China, in Japan ist sie weitaus höher. In beiden Ländern ist ebenfalls in den letzten Jahren ein Rückgang nach Anzahl und Vermögen zu verzeichnen. Lediglich in den USA ist die Anzahl der Millionäre gestiegen.
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Alt 10.10.2019, 14:01   #23
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Es bringt nichts, Multimillionäre wie Bezos an den Pranger zu stellen, sondern in den deutschen Köpfen muss ein grundlegendes Umdenken stattfinden, was Arbeit wert ist.
Genau. Und deshalb kaufe ich bei Bezos nicht ein, denn er beutet seine Arbeiter schamlos aus. Ich prangere das an. Das Anprangern allein reicht natürlich nicht. Als Bürger habe ich zum Glück noch weitere Möglichkeiten, außer bei Wahlen teilzunehmen: Ich kaufe da ein, wo Arbeit angemessen bezahlt wird.
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Alt 10.10.2019, 14:25   #24
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Ich sprach ja auch nicht von "reichen Leuten", sondern ganz bewusst von Multimillionären. Vor einiger Zeit las ich in einer Studie von ungefähr 3/4, die durch Erbschaft an ihr Vermögen gekommen sind. Auf die Schnelle fand ich jetzt nur das hier:

https://www.faz.net/aktuell/wirtscha...-14488920.html

Dort ist allerdings "nur" die Rede davon, dass 3/4 der Befragten schon einmal geerbt haben. Hier geben 40% ihre Arbeit als Unternehmer/Selbstständige als Hauptgrund ihres Reichtums an. Wobei diese Zahlen ausschließlich auf den Aussagen der Befragten beruhen und vielleicht wollen sie es lieber so verstanden wissen, als zuzugeben, dass sie geerbt haben...

Interessant ist auch die Anzahl an Milliardären weltweit. Laut Wikipedia waren es im Jahr 2000 nur 470. Mittlerweile sind es 2.153. Das ist - besonders wenn man die dazwischenliegende Weltwirtschaftskrise bedenkt - schon ein krasser Anstieg. Das Gesamtvermögen dieser Milliardäre hat sich in der gleichen Zeit beinah verzehnfacht!

Und was Jeff Bezos angeht: Er ist ein wirklich ekelhafter Unternehmer. Und da weiß ich leider wovon ich rede... Alleine schon, welche Werte bei Amazon jeden Tag in den Schrottpressen landen, weil Amazon sich z.B. so die Kosten für Rücksendungen spart und einfach alles dem Lieferanten in Rechnung stellt (Googelt es!). Oder die Art und Weise wie Hersteller, Lieferanten und Logistikunternehmen erpresst werden, weil Amazon mittlerweile eine Art Monopolstellung hat. Die hartnäckige Weigerung Steuern zu zahlen oder funktionierende Betriebsräte in seinen Logistikzentren "zuzulassen". Und das sind alles Ansagen, die von ganz oben kommen! Von der Behandlung der Mitarbeiter will ich gar nicht erst anfangen... Und auch das ist dort Unternehmensphilosophie!

LG
k
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Alt 10.10.2019, 15:05   #25
weiblich Ilka-Maria
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Genau. Und deshalb kaufe ich bei Bezos nicht ein, denn er beutet seine Arbeiter schamlos aus.
Das ist z.B. eine Konsequenz und völlig in Ordnung. Aber die anderen Marktteilnehmer, die dranhängen, wie z.B. die Auslieferer von Paketen, sind nicht nur mit Amazon-Paketen unterwegs, sondern auch mit der Ware anderer Hersteller. Selbst wenn sie nur deren Ware auslieferten, würden sie genauso ausgebeutet wie mit Amazon-Paketen. In Deutschland werden nämlich viele Arbeitnehmer auch nicht gerade so behandelt, als seien sie bei der Wohlfahrt. In den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit musste ich mit ansehen, wie junge Mädchen mit hervorragender Ausbildung von meinem Arbeitgeber angeheuert wurden und schuften mussten, bis die Gelenke knackten und die letzte U-Bahn ging, aber nur noch halb so viel Gehalt dafür bekamen wie die wenigen noch vorhandenen Altgedienten (zu denen ich gehörte und die man versucht hatte, loszuwerden, um dafür mehr billigere "Human Resources" einzustellen). Das ist längst kein Trend mehr, sondern Arbeitsalltag.

Und wie sieht es allgemein mit Waren aus, die auf Ausbeutung beruhen oder zumindest aus Niedriglohnländern kommen: Kaffee, Kakaobohnen, Tee, Reis, Kleidung, Teppiche und vieles mehr. Okay, du kannst Bücher beim Buchhändler kaufen statt bei Amazon, aber wo glaubst du, dass das Papier herkommt, auf dem sie gedruckt sind? Geh doch mal die Produkte durch und schau nach, bei wie vielen nicht draufsteht: Made in India, China, Korea, Vietnam, Bangladesh. Selbst da, wo du liest "Made in Germany" kann das eine Verschleierung sein. Bei Kleidung darf derjenige sein Etikett legal einnähen, der zuletzt Hand angelegt hat, und wenn es nur um das Annhähen der Knöpfe geht; der "Rest" stammt mögicherweise aus Asien. Auch schon mal darüber nachgedacht, weshalb Bananen so billig sind?

Grundsätzlich hast du recht: Der Verbraucher hätte es in der Hand, wenn er nur wollte. Da müsste aber die Mehrheit mitmachen, vor allem müsste sie auf viele Produkte verzichten, und darauf kannst du lange warten. Außerdem sind wir in einer globalen Welt, da ist nichts mehr drin mit dem Schützen des eigenen Marktes, auch wenn hundertmal dazu aufgerufen wird, lokal einzukaufen.

Einen U.S.-Unternehmer boykottieren zu wollen ist sowieso für die Füße, denn dem reicht schon der amerikanische Binnenmarkt mit seinen 300 Mio. Einwohnern, um reich zu werden - gar nicht zu reden von den übrigen Handelspartnern auf dem Kontinent, vor allem Kanada. Außerdem haben die Amis eine ganz andere Denkweise als wir Europäer. Das kommt aus der protestantisch-puritanischen Tradition, die besagt, dass es die gottgewollte Pflicht jedes Menschen ist, zu arbeiten und so viel Geld wie möglich zu scheffeln, gleichzeitig aber bescheiden zu leben und seinen Reichtum für die Gesellschaft einzubringen. Deshalb gibt es in den U.S.A. wenig staatliche Lenkung, aber sehr viele privat-soziale Initiativen. Das kann man kritisch bewerten, ändert aber nichts daran, dass ein U.S.-Amerikaner sich in unsere Auffassung von Arbeit, Reichtum und gesellschaftliche Organisation gar nicht reindenken kann. In den U.S.A. regt sich jedenfalls niemand darüber auf, auch der ärmste Mitbürger nicht, dass einige wenige Leute stinkreich sind. Die regen sich allenfalls darüber auf, wenn jemand tatenlos auf seiner Veranda sitzt, statt zu arbeiten, selbst wenn er arbeitslos ist. Dann geht man nämlich zum Nachbarn und fragt, ob man ihm bei der Arbeit helfen kann oder ob es etwas zu reparieren gibt.

Aber wir Deutschen glauben ja seit jeher, am besten zu wissen, wie die Welt sein soll. deshalb bildet sich unser 1 Prozent der Weltbevölkerung auch ein, wir könnten den Klimawandel aufhalten. Aber das ist ein (fast) anderes Thema und ohnehin von Polemik besetzt.
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Alt 10.10.2019, 15:13   #26
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Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
Interessant ist auch die Anzahl an Milliardären weltweit. Laut Wikipedia waren es im Jahr 2000 nur 470. Mittlerweile sind es 2.153. Das ist - besonders wenn man die dazwischenliegende Weltwirtschaftskrise bedenkt - schon ein krasser Anstieg. Das Gesamtvermögen dieser Milliardäre hat sich in der gleichen Zeit beinah verzehnfacht!

...

Alleine schon, welche Werte bei Amazon jeden Tag in den Schrottpressen landen, weil Amazon sich z.B. so die Kosten für Rücksendungen spart und einfach alles dem Lieferanten in Rechnung stellt (Googelt es!).
Abgesehen von den U.S.A, wo die Anzahl der Millionäre gestiegen ist, haben China und Russland aufgeholt. Aber wie gesagt geht diese Zahl seit Jahren wieder zurück.

...

Na und? Nicht nur Amazon, sondern alle Hersteller werfen ihre Retouren in den Müll. Das war heute sogar ein Thema auf Seite 1 meiner Heimatzeitung. Mich wundert das nicht, denn die Privathaushalte tun nichts anderes mit den meisten Produkten, die kaputtgehen. Tatsache ist, dass die Konsumlaune in Deutschland ungebrochen ist: Man kauft einfach neu. Abgesehen davon ist es kein Geheimnis, dass sich vieles sowieso nicht mehr reparieren lässt, weil es so produziert wird, dass man an die Verschleißteile gar nicht herankommt, ohne das gesamte Produkt zu zerstören.

Es ist aber auch eine Denkart, die sich breitgemacht hat: Öfter mal was Neues, erst recht, wenn es billig zu haben ist. So sagte eine frühere Kollegin mir mal über ihre Ohrringe: "Die trage ich jetzt ein halbes Jahr, dann schmeiße ich sie weg und kaufe mir neue. Die haben ja fast nix gekostet."

Vor allem die jungen Leute denken so, denn sie wollen für ihr Taschengeld so viel wie möglich bekommen, und das möglichst im schnellen Wechsel, um im Trend zu bleiben. Deshalb gehen sie in die Modeschmuckboutiquen und kaufen ihre Klamotten bei Primark.

Gerade fällt mir noch ein: Es gibt Ausnahmen, was die Rettung von Produkten angeht. Kürzlich sah ich eine Sendung im Fernsehen oder Internet über einen jungen Mann in Afrika, der sich ausrangierte Computer schicken lässt, aussortiert, was reparabel ist, sie wieder zum Laufen bringt und günstig verkauft.
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Alt 11.10.2019, 09:21   #27
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Die Anzahl der weltweiten Millionäre geht nicht seit Jahren zurück, sie ist letztes Jahr erstmals seit langer Zeit mal wieder zurückgegangen, nachdem sie vorher jahrelang immer nur gestiegen war. Mal schauen, ob das ein Trend wird oder ob es demnächst wieder steigt.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, das ist leider so. Und es wird von allen Seiten unterstützt, weil fast jeder (zumindest hier) davon profitiert. Junge Leute sind so aufgewachsen und kennen es schon gar nicht mehr anders. Es wird viel Zeit brauchen, bis da ein Umdenken stattfindet. Da sollten die Unternehmen, besonders die ganz großen, aber auch mehr in die Pflicht genommen werden. Geplante Obsoleszenz ist zum Beispiel so ein Ding.

Und viele machen sich da auch keine Vorstellung, welche Werte bei Amazon in der Müllpresse verschwinden. Wir reden hier nicht "nur" von ein paar abgelaufenen Lebensmitteln oder zurückgeschickten Klamotten. Ich habe ganze Paletten voller Smartphones oder auch Notebooks in Schrottpressen verschwinden sehen. Nicht weil sie kaputt gewesen wären - das wäre Anbetracht des Materialwertes schon dekadent gewesen - sondern nur, weil der Hersteller/Lieferant sich nicht von Amazon erpressen lassen wollte...
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Alt 11.10.2019, 10:28   #28
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Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
Es wird viel Zeit brauchen, bis da ein Umdenken stattfindet. Da sollten die Unternehmen, besonders die ganz großen, aber auch mehr in die Pflicht genommen werden.
Wie ist dein Vorschlag, das in einer freien Marktwirtschaftsatz durchzusetzen? Und wie bei einem Unternehmen, das seinen Sitz im Ausland hat? Die Unternehmen wollen Umsatz machen, und die kapitalistischen Gesellschaften sind auf Wachstum getrimmt. Also wird produziert, und zwar so, dass Güter nur eine begrenzte Zeit lang funktionieren (falls dies kein Mythos ist) und nicht mehr reparabel sind bzw. die Neuanschaffung unter den Kosten einer Reparatur liegt. Wenn ein Monsterunternehmen wie Amazon im großen Stil intakte Retouren vernichtet, sind diese meiner Auffassung nach bereits bezahlt, nämlich in die vom Verbraucher akzeptierte Ware eingerechnet. Das ist bei anderen Unternehmen, z.B. Supermärkten und Warenhäusern, in puncto Ladendiebstahl und Ladenhütern nicht anders. Den Politikern kann das doch nur recht sein, denn jeder Kauf bringt Umsatzsteuer ein, also wieso sollten sie den Unternehmen Einhalt gebieten?

Wäre es nicht sinnvoller, bei den Kindern und Jugendlichen anzufangen, indem man das herrschende Erziehungsmodell unter die Lupe nähme und dessen 70er-Jahre-Ideologie mal überdächte? Die Jugend geht für den Klima- und Umweltschutz auf die Straße und wirft den älteren Generationen vor, ihnen die Kindheit gestohlen zu haben (unverschämter O-Ton von Greta), geht aber beim eigenen Konsum ziemlich gedankenlos und rücksichtlos vor, und bei der Sauberkeit der Umwelt erst recht, wie ich täglich beobachte. Nicht die älteren Mitbürger sind es, die nach der neuesten Mode gekleidet sind und sich alle zwei Jahre neue Computer, Fernsehgeräte und Autos kaufen, sondern es sind die Jüngeren, die mit dem Trend mithalten wollen und State-of-the-Art-Geräte beanspruchen (weißt du, wie viel Millionen Handys und Smartphones inzwischen in den heimischen Schubladen schlummern?), und die meisten Pappbecher und Haribo-Tüten werden von Kindern und Jugendlichen auf der Straße fallengelassen, obwohl es überall Müllbehälter gibt.

Ich verstehe dieses Verhalten sowieso nicht. Mein letztes Fernsehgerät war 14 Jahre alt, und selbst da hatte ich mich nur schweren Herzens von ihm getrennt. Mein Computer (von meinem Sohn repariert!) ist über zehn Jahre alt, mein Auto ist in diesem Monat 31 Jahre alt geworden und sieht immer noch top aus. Smartphones waren schon seit über zehn Jahren auf dem Markt, ehe ich mir eins zulegte, weil ich mich nicht länger davor drücken konnte. Einen Navi habe ich bis heute nicht, denn ich kann Straßenkarten lesen. Ich brauche auch keinen Elektroscooter, weil ich zwei Beine habe, die mich dorthin bringen, wohin ich gehen will, auch wenn das ein Weg von eineinhalb Stunden in die nächste Großstadt ist (ich fahre nur sehr selten Auto). Und viele meiner Klamotten sind über 20 Jahre alt. Wenn ich mir die Produkte anschaue, die mir täglich durch Briefkastenwerbung angeboten werden, geht es mir wie Diogenes, der angeblich auf dem Markt gesagt haben soll: "Wie vielfältig sind der Dinge, deren ich nicht bedarf."

Wieso glauben die Menschen eigentlich, jeden Mist kaufen zu müssen?
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Alt 15.10.2019, 11:19   #29
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Es ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die freie Marktwirtschaft sich da in naher Zukunft selbst regulieren wird. Und von der Politik ist auch nicht viel zu erwarten... Also läge es eigentlich an uns - den Kunden - die Unternehmen abzustrafen. Aber auch das wird wohl nicht passieren.

Es bleibt auch abzuwarten, wie ernst es die jüngere Generation wirklich meint. Das werden die nächsten Jahre erst zeigen. So schön ich es finde, dass es überhaupt mal wieder so etwas wie ein politisches Bewusstsein unter den Kids gibt, so skeptisch bin ich auch. Immerhin besteht gefühlt gut die Hälfte der Deutschen- Musikcharts aus Aufzählungen diverser Markennamen... (Gucci! Gucci! ) und das lässt mich befürchten, dass auch "Fridays-for-Future" nur ein Markenname ist, den man sich zwecks Außendarstellung überstreift.
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