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Alt 03.06.2017, 01:06   #1
Thing
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Standard Briefwechsel

Lieber Freund, seit Ihrem letzten Besuch bei mir ist wieder einige Zeit vergangen, in der ich so gar nichts Wesentliches oder Wichtiges von Ihnen lesen durfte - was über die Öffentlichkeit zu meinen Augen vordrang, war doch recht abträglich dem Ruf, den ich von Ihnen zu kennen glaubte.
Wann werden Sie wieder zu ihrem ursprünglichen, wenn auch ungewöhnlichen Ton zurückkehren? Sie wissen, wie sehr ich immer darauf warte. Die anderen Pflichten mögen gerne hintanstehen.

Ihre treue Freundin!



Liebste Freundin -


herzlichen Dank für Ihre beiden Briefe. Sie haben sicherlich mit Ihren Ausführungen einigermaßen recht, ich stimme Ihren Erläuterungen aber nicht in jedem Punkt widerspruchslos zu.
Weiter eingehen möchte ich hier und heute darauf nicht. Glauben Sie nicht, daß das etwas mit Ihnen zu tun hat. Es liegt einfach nur daran, dass ich hier in unserem kleinen Zirkel keine eigenen Texte oder fundierte Kommentare mehr veröffentlichen möchte.
Denn in letzter Zeit kam es mir oft so vor, als würde ich Perlen vor die Säue schmeißenund mein Target nicht erreichen und daran habe ich keinen Bedarf und das ist für mich kein Spass.
Auch dass viele Texte und Beiträge hier ohne meine Zustimmung zur Veröffentlichung kamen, läßt mich von zügigen weiteren meiner so wichtigen und kulturell hochstehenden Beiträge Abstand nehmen.

Ich habe mich daher nach langem Zögern entschlossen, mich in die BB = Borderline - Bucht zurückzuziehen. (Sie kennen sie).
Dort habe ich ein supergünstiges Umfeld und viele Dinge, die dem Wohlbefinden dienen und vor allem Freundinnen!! Sie sind dort von Anfang an s e h r aufgeschlossen, wenn Sie wissen was ich meine, lieber Freund. (Ich erinnere an die bezaubernde Nacht, in der ich Ihre Tiefe auszuloten wußte!) Ich denke noch mit einem gewissen Lächeln an unser Spiel: Südamerika versus Europa. Wie wir lachten!

Vielleicht wird alles was Sie, werter Freund und ich als nicht nur Seelenfreundin gemeinsam erlebten, auch einmal ein endgültiges Ende finden, dann werde ich zusehen, was an günstigen Aspekten zum Tragen kommt und ob ich hier wieder aktiv werde.
Sie, lieber Freund, haben sich mir gegenüber und auch ansonsten hier im Zirkel immer korrekt und vorbildlich verhalten, deshalb wollte ich Ihren an mich gerichteten Brief nicht unbeantwortet lassen.

Respektvolle Grüsse an Sie

Ihr ***

PS In den nächsten Tagen mehr!
Die Druckfehler müssen Sie meinem PC-SuperServiceScript anlasten.

Geändert von Thing (03.06.2017 um 02:22 Uhr)
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Alt 03.06.2017, 13:45   #2
Thing
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Lieber Freund -

ohne Ihren letzten Brief gelesen zu haben - er liegt noch ungeöffnet auf der Kommode - möchte ich mich doch bedanken, daß Sie an mich gedacht haben, mich, die ich Sie so bewundere und verehre.

Ich weiß jetzt, daß es in unserem Zirkel unruhige Geister gibt, die unsere Freundschaft aufs ärgste beschmutzen möchten - und das nur, weil ich letzthin bei Ihnen mein Seidenhöschen vergaß, was einige der Gäste sehen konnten. Die Phantasie mancher Menschen - und leider auch der Deutschen! - ist in diesen Belangen ebenso unrein wie ihr Gewissen, aber das nur in Parenthese.
Ich lag gestern noch lange wach und grübelte über unsere Verbundenheit nach, die mich beinahe dazu zwingt, in diesem kleinen Zirkel zu verbleiben und auszuharren.

Ich erfreue mich immer wieder an Ihren Briefen, die so wissend, so bildend und so gebildet sind - sie helfen mir, aus meiner Mißbildung herauszukommen und in das von Ihnen gewünschte Ideal zu schlüpfen - wie Seide.
Verzeihen Sie, wenn ich jetzt zum Schluß komme: Ich bin meiner Poesieproduzierenden Vene erlegen und wage einen Schritt in die Öffentlichkeit in der Hoffnung, mir einen gewissen Ruf aufzubauen. Als erstes muß ich selbstverständlich die Kritiker und Kritikerinnen zum Schweigen bringen - da Sie mir nicht behilflich sein können - von mir haben sie nada mas zu erwarten (die Rezensenten), und ich werde unverbrüchlich vor Ihnen hocken, auch wenn Sie nah hinter mir sitzen. Wie sie sehen, schweifen meine Gedanken etwas ab - die Erinnerung macht mich feucht

um die Augen.

Die ergebensten Grüße
gehen auf die Reise

von Ihrer Freundin ***
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Alt 04.06.2017, 11:28   #3
männlich Gylon
 
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Liebe Thing,
ein sehr ungewöhnlicher Briefwechsel, dessen Hintergründe sich mir nicht erschließen wollen und so tappe ich blind in wilden Vermutungen herum. Bitte lüfte nicht den Vorhang, dann ginge vielleicht der Reiz dieses Textes verloren. Ich finde ihn gut geschrieben und sehr amüsant zu lesen, wenn ich auch einen ernsten Hintergrund vermute. Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße Gylon
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Alt 04.06.2017, 12:11   #4
Thing
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Liebste Freundin -

darf ich Sie mein Herz nennen, nachdem Sie mir ja heute nacht nicht nur am Telefon und nicht nur Ihr Herz so bereitwillig geöffnet haben...
Nun, da wir so vertraut sind, wie man es nur sein kann, drängt es mich weitaus mehr, Ihnen zu schreiben als zuvor. Da meine Sinne übervoll sind von Ihrem Duft, gelingt es mir kaum,mich auf die Realitäten des Heute zu besinnen.
Ich bin sicher, daß es Ihr Ziel ist, mich Ihnen verfallen zu sehen- aber so verlockend das klingt, dazu wird es nicht kommen; Sie wissen ja um
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Alt 05.06.2017, 17:30   #5
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 10.962

sehr schön - mag sein dies ist einer meiner letzten kommentare hier im forum. ich weiß natürlich worum es geht.

Viele liebe Grüße!
r
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Alt 06.06.2017, 06:10   #6
Thing
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Zitat:
Zitat von Gylon Beitrag anzeigen
Liebe Thing,
ein sehr ungewöhnlicher Briefwechsel, dessen Hintergründe sich mir nicht erschließen wollen und so tappe ich blind in wilden Vermutungen herum. Bitte lüfte nicht den Vorhang, dann ginge vielleicht der Reiz dieses Textes verloren. Ich finde ihn gut geschrieben und sehr amüsant zu lesen, wenn ich auch einen ernsten Hintergrund vermute. Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße Gylon
Herzlichen Dank, lieber Gylon und nein: Ich lüfte nicht!

Grüße von
Thing!
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Alt 06.06.2017, 06:35   #7
Thing
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Liebste Freundin,

dringende Geschäfte riefen mich unverzüglich weg von meinem Brief - verzeihen Sie den schroffen Abbruch!
Dabei war ich gerade so mitteilungsbedürftig geworden; die Unterbrechung hat meinem Gemüt nicht gutgetan, aber wie könnte ich Sie, liebste Dame, darunter leiden lassen? Nie soll ein Sterbenswörtchen Ihren Horizont verdunkeln!

Es war zufällig Herr F., der mich so dringend rief, daß ich mich der Bitte nicht verweigern konnte - wie Sie wissen, ist er der erste Künstler am Orte, der immer noch meiner Beurteilung zu bedürfen scheint. Scherzhaft meinte er, ihm wüchse mehr als lediglich ein Flügelpaar, wenn er an Sie denke.
Er verließ mich wegen der finanziellen Angelegenheit (fragen Sie nicht, liebe Freundin, leben Sie es!) aufgeregt, aber dennoch in aller alten Freundschaft, auf die ich - ich gestehe es schamhaft - hin und wieder rasend eifersüchtig bin.
O, werte Freundin, nie wollte ich dies so nackt offenbaren, und nun ist es doch geschehen.
Also wird dieser verräterische Brief nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Und I C H berge diese seidene, lilafarbene Eroberung in meiner Brusttasche!

Bis bald, bis bald, bis bald!
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Alt 06.06.2017, 06:37   #8
Thing
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Standard Lieber Gylon -

Zitat:
Zitat von Gylon Beitrag anzeigen
Liebe Thing,
ein sehr ungewöhnlicher Briefwechsel, dessen Hintergründe sich mir nicht erschließen wollen und so tappe ich blind in wilden Vermutungen herum. Bitte lüfte nicht den Vorhang, dann ginge vielleicht der Reiz dieses Textes verloren. Ich finde ihn gut geschrieben und sehr amüsant zu lesen, wenn ich auch einen ernsten Hintergrund vermute. Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße Gylon
Hab Dank für diesen Kommentar! Ich lüfte nicht, mag sich der Leser/die Leserin ihr eigenes Bild machen - alle sitzen an der großen, runden Tafel!

Lieben Gruß
von
Thing
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