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Theorie und Dichterlatein Ratschläge und theoretisches Wissen rund um das Schreiben.

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Alt 01.09.2006, 17:25   #1
Inline
 
Dabei seit: 07/2006
Beiträge: 626

Standard Wie kann ein Gedicht arbeit sein?

Hallo liebe Schreibkollegen,

dass wir uns richtig verstehen. Teilweise investiere ich 3 Stunden in einen Text, und es existieren viele Ansprüche in diesen.

Aber: Ein kriterium für ein gutes Gedicht kann doch nie Arbeit sein! Niemals! Ich löse doch nicht öffentlich Rechenaufgaben oder Sudoku. Ein Gedicht ist doch eine herzgegebene zur Nachvollziehbarkeit über das Hirn gefilterte Sache. Nichts sachliches wie eine Wortsuche im Duden!

Ich kann nicht nachvollziehen, warum manche Leute sagen: Schau Dir dies und das an- dann schreibst du ganz tolle Lyrik. Ich sehe so eine Vorgehensweise als Selbstdiktat, es ist eine Katastophe von einem eingebildeten Selbstausdruck! Wie in aller Welt, kann ein Mensch fähig sein, so etwas als eigene Lyrik zu bezeichnen!

Lyrik ist nicht Malen nach Zahlen. Lyrik ist nichts bewußtes oder regelbares. Lyrik s Kraft ist doch das Unberechenbare. Lyrik ist so etwas wie ein Überschäumen aus aller Logik herraus. Das ist es doch, oder tue ich mich furchtbar irren?

Ich kenne Lyrik nur als Zwang, der mich überkommt, manchmal dummerweise wenn ich kurz vorm Einschlafen bin, als Drang zum Ausdruck. Nicht als Drang zur Austüftelung von Wortkombinationen. Auch nicht unbedingt zum Ausdruck von Persönlichem, sondern als reine Energie.

Ok, noch ein Wortschwall. So viel zum Thema Grillwochenende. Mich würde aber dennoch eure Meinung brennend interessieren.

Gruß
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Alt 01.09.2006, 17:39   #2
Ex Grünkreuz
 
Dabei seit: 05/2006
Beiträge: 265

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Alt 01.09.2006, 17:43   #3
Last One Left
 
Dabei seit: 03/2005
Beiträge: 151

Ganz ehrlich, das habe ich mir auch gedacht
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Alt 01.09.2006, 17:49   #4
Struppigel
 
Dabei seit: 05/2006
Beiträge: 1.007

Ja, was willst Du jetzt von uns hören? Stellungnahmen? Ich bezweifle, dass hier jemand eine andere Position bezieht.
Struppigel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.09.2006, 18:31   #5
cute_fighter
 
Dabei seit: 02/2006
Beiträge: 1.123

Mir gefällt dieser Wörterhaufen. Er drückt sehr gut aus, was ich auch manchmal denke... Als ich anfing zu schreiben, gab mir jemand den gut gemeinten Rat, ich solle nicht nur eine Stunde, sondern mal mehrere Tage an einem Gedicht arbeiten... ich erfüllte ihn nie... Aus fünf Minuten für ein Gedicht ist nun vielleicht eine halbe Stunde oder höchstens eine Stunde gewachsen.

Nach einem schema F, einer Anleitung zum 'gut Gedichte schreiben' würde ich niemals ein Gedicht schreiben. Das ist generell mit allem Geschreibsel so. Interpreationen kann man nur in seinem eignenen Stil, mit der eingene Meinung wiedergeben. Wenn diese textnah ist, ist sie niemals falsch. Geschichten, Bücher schreibt jeder anders. Man kann zwar einem Anfänger einen Leitfaden in die Hand drücken, damit er besser mit all dem klar kommt, aber ich weiß nicht, ob es der beste Weg ist, seinen eigenen Stil zu finden und auszudrücken. Auf lyrisch, epische, dramatische oder sonst eine Art.

...

das wäre dann wohl meine Meinung...
cute_fighter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.09.2006, 20:17   #6
weiblich ravna
 
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Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 732

es gibt mE nach zwei arten von lyrik. beide können verdammt gut sein.

die erste ist die rein impulsive, explodierende.

die zweite ist das reine handwerk. man kann einen text (nicht nur lyrik) von grund auf so schreiben, dass er bestimmte ansprüche erfüllt. man kann einen text konstruieren, der emotional aufgewühlte, 15-jährige mädchen anspricht, einen für den netten herrn von neben an etc. vermutlich könnte man einen text konstruieren, der so geschrieben ist, das jeder der ihn liest danach eine geschlechtsop machen will.

die erste art beherrscht im grunde jeder. sie hat aber nur eine möglichkeit gut zu werden, die subjektivität des autors zu verlassen und den leser zu erreichen - und das ist die verbindung mit dem handwerk.

wer nach der ersten art schreibt, der schreibt eben. (leider oft nicht nur ins tagebuch.)

wer nach der zweiten art schreibt ist wohl berufsschriftsteller.

wer sich hingegen der symbiose beider arten widmet, der ist künstler.

und die letzten beiden varianten bringen definitiv arbeit mit sich. bei der ersten ist es klar, aber bei der zweiten denke ich, ist die tatsache, dass es arbeit ist, hintergründig. aber ich denke wer sich künstlerisch wirklich weiter entwickeln will, darf sich keiner geistigen stagnation hingeben, was zwangsläufig dazu führt, dass eine gewisse arbeit geleistet wird. da diese aber aus einem dringlichkeitgefühl heraus getan wird, ist die wahrnehmung geneigt zu übersehen, dass es sich um arbeit handelt.
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Alt 01.09.2006, 21:10   #7
tribesant
 
Dabei seit: 07/2006
Beiträge: 158

@ Ravna: sehr schön zusammengefasst liebe Ravna. Ich kann dir nur zustimmen und deine Auffassungsgabe loben.
P.S. Ich schau mal nächste Woche vorbei.
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Alt 02.09.2006, 01:17   #8
Inline
 
Dabei seit: 07/2006
Beiträge: 626

Standard Ok!

Hi Ravna,

guter Comment!

Wer Handwerk machen will, soll in die Fabrik gehen- könnte man sagen, aber nachdem ich mich zwischenzeitlich etwas abkühlt habe (und beim Grillen war), formuliere ich es sanfter: Mir wiederstrebt aufs äußerste die Sachlichkeit in der Lyrik. Wenn es einen Berufsschriftsteller primär auszeichnet, dass er Sachlichkeit beherrscht(und ich möchte später begründen warum es nicht so ist), möchte ich nie einer werden. Wobei wie du wie ich finde richtig siehst, dass in wirklichkeit keine wahre Separation vorhanden ist. Vermutlich gibt es kleine künstler und große. Somit grundsätzlich nur eine mischform. Ich schätze Handwerk nicht, ich schätze Persönlichkeit, Mut und Innovation. Diese Eigenschaften sind einem Handwerker selten gegeben. Und er kann sie auch nicht lernen.

Das ist es was ich dir zu sagen versuche: Lyrik ist nicht erlernbar. Das Handwerk schon. Lyrik ist Talent, Veranlagung. Keine Arbeit!

Ich wiederspreche: Einen Berufsschriftsteller(Lyrik) wird es auszeichnen, dass er zu 80- 90% Talent hat, Gefühl, Intension vermitteln kann und nur zu ca. 10 - 20 % macht es an ihm aus, dass sie ihm im Freizeitautorentreff Handwerk in die saubere Originalität hineingedrückt haben. Der Berufsschriftsteller, welcher den ganzen Tag an seinen Texten rumbaut und immer das Lexikon griffbereit hat, wird nichts gescheites schreiben ohne pures Gefühl. Da kann er Gemanistik studieren bis er platzt, aber trotzdem hat er nicht drauf, schreibt bestenfalls eine billige Immitation. Die Arbeit ist ein nötiges Übel, aber sie zeichnet Lyrik nicht aus. Die Faszination, der Ausdruck, das Gefühl, die Nachricht entsteht nicht durch die Arbeit- sie wird höchstens etwas geformt.

Ich denke, du wirst antworten, dass er dennoch sein Handwerk braucht (die Arbeit) um seine Gabe umzusetzen, und du wirst von mir Zustimmung finden (wenn auch mit einer gewissen subtilen Unwilligkeit). Lieder ist das wohl so. Was mir wichtig ist, ist dass die Arbeit zweitrangig ist. Ohne Plätzchenteig kannst du lange den Ofen heizen lassen.

Übrigens: Dein neues Bild sieht gut aus!
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Alt 02.09.2006, 01:34   #9
weiblich ravna
 
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hmm.
ich denke es gibt auch eine reine handwerkergilde in der literatur. allerdings wohl weniger in der lyrik, da hast du recht. lyrik ist denke ich eine sonderform des geschriebenen wortes.
aber romanautoren können durchaus reine handwerker sein. ich wage sogar die behauptung aufzustellen, dass du mit intensiver arbeit fast jeden literaturpreis bekommen könntest - ohne jedes (literarische) talent.
Zitat:
Ich denke, du wirst antworten, dass er dennoch sein Handwerk braucht (die Arbeit) um seine Gabe umzusetzen,

du denkst richtig

und du wirst von mir Zustimmung finden (wenn auch mit einer gewissen subtilen Unwilligkeit)

danke


Übrigens: Dein neues Bild sieht gut aus!

dafür auch danke
ravna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:02   #10
Herr Finsternis
 
Dabei seit: 08/2006
Beiträge: 24

Zitat:
Original von ravna
lyrik ist denke ich eine sonderform des geschriebenen wortes.
Neun von zehn Lyrikern werden dir widersprechen.
Herr Finsternis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:06   #11
weiblich ravna
 
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das dürfen sie ruhig. ich habe argumente
ravna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:07   #12
Herr Finsternis
 
Dabei seit: 08/2006
Beiträge: 24

Zitat:
Original von ravna
das dürfen sie ruhig. ich habe argumente
Na dann lass mal hören
Herr Finsternis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:25   #13
weiblich ravna
 
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Beiträge: 732

ich betrachte lyrik als eine extrem verdichtete sprachvariante. in einigen richtungen, wie zum beispiel im dadaismus ist es möglich dem lyrischen ausdruck einen universellen charakter zu verleihen. etwas, was anderen arten des geschriebenen nie möglich sein kann.
lyrik ist wie musik. (oder sollte das zumindest sein.) aus der tiefe eines menschen kommend, erreicht sie jeden menschen auf eine andere art und weise.
im gegensatz dazu schafft es eine kurzgeschichte nur sehr selten über den rahmen der autorenintention hinauszugelangen.
lyrik passt sich dem leser an - wenn sie gut gemacht ist.
natürlich basiert diese argumentation auf meinem verständnis von lyrik. aber das noch einmal zu erläutern fände ich etwas müßig, dazu gibt es bereits genug andere threads.
ravna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:28   #14
Herr Finsternis
 
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Beiträge: 24

"Lyrik ist wie Musik."

Dann hoffe ich mal, dass demnächst kein "Poetenstars" auf Pro7 läuft.
Herr Finsternis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2006, 02:38   #15
weiblich ravna
 
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wie musik. nicht wie alltagsfraß aus der dose. (muss ich jetzt mein verständnis von "musik" erläutern?)
ravna ist offline   Mit Zitat antworten
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