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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 26.07.2017, 01:31   #1
männlich Heinz
 
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Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.258

Standard Die SelbstvollenderInnen

Ich horch in mich hinein, ergreif beherzt die Feder
und schreibe nieder, was so deutlich in mir klingt:
Da knistert, lacht und stöhnt es, manchmal tönt’s beschwingt.
Getrost denk ich: Gedichte schreiben kann doch jeder!

„Du Wicht!“, wie Donnergrollen dröhnt es vom Parnass,
„Kreator willst du sein und hörst auf dein Gedärme?
Die Glut bin ich, du Wurm! Erfreue Dich der Wärme,
in der erstarrte Sinne regsam werden. Lass

die Überheblichkeit dich niemals glauben machen,
dein Lichtlein könne leuchten, wäre nicht der Glanz
der Sonne, würden nicht bei Nacht im Schwebetanz
der Sphären Sterne freundlich auf dich nieder lachen.

Kaum schmilzt der Schnee und du entdeckst das erste Grün,
erfreut sich dein Gemüt an Farbenspiel und Düften.
Du darfst, Genie, uns Göttern dein Geheimnis lüften:
Lass eine Blume sprießen, bring sie selbst zum Blühn!“

Gesenkten Haupt's, beschämt bin ich davon gezogen,
bescheiden sah ich ein: Wir sind nur Interpreten,
beschreiben ahnend unsre Welt wie einst Propheten
und hoffen, du, Erato, sei’st uns wohl gewogen.
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 12:03   #2
männlich Gylon
 
Dabei seit: 07/2014
Beiträge: 4.269

Lieber Heinz,
ich denke Du darfst heute erhobenen Hauptes deiner Wege gehen. Du hast mich wieder bestens unterhalten.

Liebe Grüße Gylon
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 12:24   #3
Thing
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Beiträge: 35.150

Standard Hi, Heinz -

Chapeau!
Ganz ohne Neid: ein Glanzstück.

Khorsahmster Diener
Thing
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Alt 26.07.2017, 17:54   #4
männlich Heinz
 
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Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.258

Lieber Gylon,
ein großes Lob, für das ich mich herzlich bedanke!
Hallo Thing,
auch Dir sei Dank gewiss für neidlose Anerkennung - nur Diener, die brauch ich nicht.
Liebe Grüße Euch beiden!
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 18:01   #5
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
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Beiträge: 4.238

Lieber Heinz,

ich schließe mich den Komplimenten gerne an.
Besonders gut gefällt mir das Enjambement
von S2 zu S3, als Stilmittel sehr schön hier eingesetzt.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 19:15   #6
männlich Heinz
 
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Beiträge: 5.258

Liebe Silbermöwe,
herzlichen Dank! So viel Lob erwärmt das Herz.
Liebe Grüße,
Heinz

Geändert von Heinz (26.07.2017 um 23:01 Uhr)
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 19:27   #7
weiblich muse
 
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Dabei seit: 06/2011
Beiträge: 444

Technisch und inhaltlich einwandfrei!
Bravo, Heinz, und Zugabe!!!
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Alt 26.07.2017, 20:15   #8
männlich Heinz
 
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Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.258

Liebe Muse,
ich danke Dir für Dein großes Lob. Die Aufforderung nach einer Zugabe klingt mir in den Ohren wie ein "da capo" für einen Sänger/einer Sängerin. Ich werde mir Mühe geben.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2017, 23:37   #9
männlich dr.Frankenstein
 
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Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 37
Beiträge: 4.333

Sehr gut.
Das klingt wie irgendwas von früher. Und doch passend. Naja, geht die Geschichte noch weiter?
Das könnte man noch gut vermischen, dass er dann auf die Göttin trifft, welche die bunten Farben erschafft.
Er kann ja auch noch mit dem Wind reden und mit dem Widder in sich.
Wäre bestimmt ein verschilftes Theaterstück.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.07.2017, 00:11   #10
männlich Heinz
 
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Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.258

Lieber Dr. Frankenstein,
ja, es geht weiter! Wenn ich die vielen jungen Talente sehe, ihr Bemühen, Erlebtes, Erlittenes, Erfreuliches in Worte zu setzen, dann ist mir nicht bange.
Das Theaterstück findet statt - schau Dich um.
Klingt wie von früher, was ich geschrieben habe? Na ja, ich bin ja schon ein bisschen von früher. Wenn meine Werklein hier und da Anklang finden, bin ich aber ganz im Hier und Jetzt.
Danke für Deinen Kommentar!
Heinz
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Alt 27.07.2017, 01:19   #11
männlich movfaltin
 
Dabei seit: 06/2009
Ort: Glei newwa da Elegdrisch
Alter: 38
Beiträge: 123

Vorab: Hat mich positiv angesprochen, deshalb auch eine kleine Rückmeldung zu Form und Inhalt.

==FORM==

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
01. Ich horch in mich hinein, ergreif beherzt die Feder
02. und schreibe nieder, was so deutlich in mir klingt:
03. Da knistert, lacht und stöhnt es, manchmal tönt’s beschwingt.
04. Getrost denk ich: Gedichte schreiben kann doch jeder!
Z. 04: Betonung auf dem "ich"?!

Zitat:
17. Gesenkten Haupt's, beschämt bin ich davon gezogen,
Neben ein paar Spitzfindigkeiten, die Schriftform betreffend (ich würde z.B. keinen Apostroph setzen, würde ein Komma hinter "beschämt" einfügen - ist aber alles nicht falsch) scheint mir hier das Metrum mal wieder etwas unpassend. Denn wo man "davonziehen" zusammenschreiben sollte, wird's halt auch so betont. Es darf eigentlich keine primäre Betonung auf der Silbe "zo(g)" liegen.

Generell gefällt mir die letzte Strophe mit ihren durchgehend weiblichen Kadenzen nicht so gut wie die davor, was die Rhythmik anbetrifft. Die ersten beiden haben mich genau wegen der Kadenzwechsel (den ich in diesem Forum eher nicht erwarte, zu fortschrittlich) erstmal festgehalten. In sich ist die Variation zwischen den Rhythmen der Zeilenenden schon stimmig, kann und sollte man machen, dann muss man aber besonders stark auf eine natürliche (oder gekonnt gekünstelte) Metrik achten.
Zum Ende hin klingt es mir etwas holzschnittartig - kein Zeilensprung (wie z.B. in Strophe drei löblich dahingelatzt), keine Fluidität, sondern irgendwie in Schema F reinkorsettiert. Abgehackt klingt's da.
Generell wird die Metrik oft unterschätzt. Auch wenn's richtig rhythmisch ist, heißt das noch lange nicht, dass es flüssig klingt, dass es nicht irgendwie umherleiert, alleine schon durch Bündigkeit im Rhythmus usw. Da kann man Jahre dran feilen - und braucht ein krass trainiertes Gehör, um so etwas brillant hinzubekommen.

==INHALT==

Die Volte kündigt sich leider schon zu Beginn an - und hat zumindest mich nicht mehr vom Hocker gehauen. Nett, da eine Pointe drinzuhaben, die könnte imho aber durchaus etwas pointierter und weniger erwartbar sein.
Es gibt einen Zeitensprung, der dieses Gedicht umklammert. Es beginnt im Präsens - und endet dann in Vergangenheitsformen, ohne dass die entsprechenden erzählten Zeiten wesentlich voneinander abzuweichen scheinen.
Der Monolog der Gottheit(en) scheint mir persönlich etwas arbiträr. Warum kommen da Schnee, Blumen und Blüten vor? Wäre doch schön, wenn dies ein Thema wäre, das entweder zuvor oder hernach Aufgriff erführe... Ich würde glaube ich, wenn das von mir wäre, mich dransetzen und versuchen, die erste Strophe eben in so ein Setting zu plazieren; dass mir also diese Überheblichkeit (Dichtkunst sei gar keine) eben im Garten oder irgendwo im dahinschmelzenden Schnee kommt. Damit ich ein Thema habe, das dieses Gedicht so ein wenig bestützpfeilert.

==FAZIT==

Mehr habe ich nicht zu kritisieren. Nette Idee, sprachlich teilweise exzellent gelöst. Insgesamt sehr ordentlich. Und vor allem: unterhaltsam.

Ich bin leider ein überaus krittelnder Zeitgenosse; wirst Du wahrscheinlich schon gemerkt haben. Aber ich lese oft irgendwas und schlage mir bei vielem - in Gedanken - die Hand vor den Kopf, weil ich das dann für viel zu unzureichend finde, um es überhaupt irgendwo zu publizieren, und sei es pseudonym auf Forenservern. Dein Stück hat mich dazu gebracht, hier mal wieder was zu schreiben. Mehr Lob geht glaube ich nur sehr schwer. Die Kritik oben, naja, ich hoffe, die war halbwegs konstruktiv. Ich kann halt jetzt nicht für jede Stelle mit Beispielen aufwarten, wie das womöglich - subjektiv, nach meinem Empfinden - besser klänge; daher kann es sein, dass ich da etwas oberflächlich oder gar unverständlich klinge. In dem Fall: Sorry.

Und Danke. Natürlich.

~Mov
movfaltin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.07.2017, 18:12   #12
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.258

Hallo movfaltin,
eine begründete und intelligente Kritik ist mir allemal willkommen. Also: Danke für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Ich lass mal die Petitessen (Apostrophe) weg und konzentriere mich weniger auf Deine Kritik hinsichtlich der Form (weil es bei der Aussprache auch durchaus auf die Kunst der Rezitation ankommt).
Zum Inhalt: Ja, ich gebe Dir Recht, wenn der Sprung von der dritten zur vierten Strophe übergangslos daher kommt. Da hilft auch keine Absichtserklärung meinerseits, die etwa so lauten könnte: Der Möchtegerndichter schwebt in höheren Sphären und wird abrupt "geerdet", mit der Nase darauf gestoßen, dass wir alle angesichts wirklicher Kreativität (z.B. die "Schaffung" auch nur eines Blümchens) Stümper sind und uns auch bei größter Kunstfertigkeit bescheiden daran erinnern sollten, dass wir es gerade mal schaffen, die wahren Wunder zu interpretieren.
Ich weiß nicht, ob ich diesen Gedankengang zu vermitteln imstande war oder bin.
Dein Beitrag wird bei mir nicht ungehört verhallen und ich danke Dir noch einmal für Deine Kritik.
Gruß,
Heinz

PS.
Wieso versuche ich vergeblich nach Gedichten von Dir?
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
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