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Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

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Alt 22.11.2018, 20:04   #1
weiblich akimona
 
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Standard Roman: Mein Leben auf der Strasse/Einleitung

Ich weiß nicht wieso, aber mir ist in letzter Zeit schon öfter danach gewesen, den Herbst und den Winter nieder zu schreiben, den ich in München auf der Straße lebte. Klar wird ein jeder jetzt sagen, ist ja grausam, das war bestimmt eine schlimme Zeit für mich, das war es aber nicht. Klar es war kein leichtes mich in muc ganz allein ohne ein Dach über dem Kopf zu haben, oft über Tage lang ohne zu schlafen und immer wieder mit anderen und neuen Leuten zusammen zu sein. Diese Zeit aber erlebte ich als etwas Besonderes, hab da wenn ich an diese Zeit denke ganz besondere Gefühle, die sich so nicht beschreiben lassen. Und ich habe so Dinge erlebt, die ich nie erlebt hätte, ohne obdachlos zu sein.
Ich muss dazu sagen, dass ich es auch anders hätte haben können, meine Eltern gaben und geben mir immer ein zuhause, doch ich sträubte mich dagegen, ich fühlte mich überbehütet und das wollte ich einfach nimmer! Es war ganz allein mein Wunsch nach diesem Leben, dem Leben auf Münchens Straßen...
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Alt 22.11.2018, 21:25   #2
männlich Ex-Einsamkeit
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Gab es keine adäquate Zwischenlösung, sich von der Abhängigkeit zu lösen? Wieso die Entscheidung Straße?
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Alt 23.11.2018, 04:07   #3
männlich dr.Frankenstein
 
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Lass sie doch erstmal erzählen.
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Alt 24.11.2018, 20:13   #4
weiblich akimona
 
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Standard Eins

Ich fange mit dem Freitag an, an dem ich in Haar stationär aufgenommen wurde, ich durfte mir die Aufnahmestation sparen und konnte gleich auf die Soziotherapiestation, weil ich dort bekannt war, aber auch weil meine niedergelassene Nervenärztin selbst auf der Station gearbeitet hatte und für mich regelte, dass ich dort ein Bett bekam. Meine Mutter fuhr mich hin und war auch beim Aufnahmegespräch dabei und es wurde vereinbart, dass ich erstmal für 4 Wochen auf der Station bleiben soll um mich wieder zu stabilisieren und an mir zu arbeiten. Mir wurde angst und bange, ganze 4 Wochen hier in Haar, ich musste unwillkürlich an meine neuen Bekannten denken, Stefan und Christian, die ich in der Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof kennen lernte, wir waren uns gleich sympathisch und haben eine Nacht und einen Tag zusammen verbracht, bevor ich von der Münchner Polizei aufgegabelt wurde und mich meine Ma bei der Polizei abholte. Dort gleich noch auf dem Revier verkündet meine Mutter, die von Haar haben bei uns angerufen, die haben ab heute ein Bett für mich frei. Und ich überlegte sofort sollte ich mich darüber freuen oder aufregen? Ich wusste, dass der Haaraufenthalt anstand, ich stand seit einiger Zeit schon auf der Warteliste, am Anfang wollte ich es auch noch, irgendwie freute ich mich da auch noch drauf, aber mittlerweile war so viel passiert, hat sich so viel ereignet, dass mir das nun so gar nimmer in den Kram passte. In der letzten Zeit, bin ich immer wieder von daheim weg, rein in den Zug und ab zum Hbf in München und da waren Erlebnisse, die es echt zu schade gewesen wäre, hätte ich sie nicht erlebt. Vor allem aber das Gefühl ich gehöre dazu, dieses Gefühl habe ich zuvor noch nie verspüren dürfen und bei den Leuten von München, stand ich damals schon mal im Mittelpunkt. Doch leider wurde ich nicht nur einmal von den Polizisten aufgesammelt, länger als drei Nächte „in Freiheit“ brachte ich nie zusammen, Ma schaltete immer die Polizei ein wenn ich mal wieder auf „Trebe“ gewesen bin. Ich konnte nie verstehen, dass die einfach so damit durchkam, denn ich war schon weit über 19 Jahre und hatte auch keine richterliche Betreuung. Doch wir drehten uns beide im Kreis, sie ließ mich immer suchen und ich haute immer wieder ab.
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Alt 05.12.2018, 14:35   #5
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Standard Zwei

Nun aber war ich in Haar und ich wusste gleich schon solange wie die meinen, halte ich bestimmt nicht aus. Mir tobte die ganze Zeit im Schädel rum, ich muss nach München, ich muss zu meinen Leuten. Ich bekam dann mein Zimmer gezeigt. Außer mir schliefen noch 3 andere mit im Zimmer, meine Ma half mir auspacken, dann rauchten wir noch eine zusammen und meine Mutter fuhr wieder nach Hause. Nun war ich allein es kochte und brodelte in mir, ich will hier nicht sein, ich will wieder nach München, doch ich schaffte es trotzdem irgendwie an diesem Abend nicht mehr nach München zu fahren, war aber ziemlich in mich gekehrt und vermied es mit anderen Patienten in Kontakt zu treten. In der Nacht, als alle schon in ihren Betten lagen, lag ich schlaflos in meinem und konnte nur noch an München und an das was ich dort erlebt habe, denken. Ich schlief dann ziemlich schlecht und mir war gleich klar, als ich in der Früh wach wurde, mich hält dort nix mehr, ich frühstücke und danach setz ich mich in die S-bahn. München ich komme! Es war eine offene Station, das Personal achtet nicht drauf wo jeder einzelne sich aufhält, deshalb war es auch für mich ein Leichtes zum Bus und dann zur S-bahn zu gelangen. Ich fühlte mich großartig, bin vor lauter Vorfreude auf das was mich erwarten wird. Die Fahrt dauerte mir daher viel zu lange. Ich fuhr mit der S-bahn genau bis Hauptbahnhof durch und ging zuerst in die Wartehalle, denn die Bahnhofsmission war um diese Zeit noch geschlossen und es war am Wahrscheinlichsten dort in der Halle jemanden von meinen Leuten anzutreffen. Doch leider hatte ich erst mal kein Glück und so machte mich allein auf den Weg in die Fußgängerzone. Ich war mir sicher, wenn erst am Abend wieder die BM offen hat, treffe ich die beiden dort an. Zum Glück war das Oktoberfest nun endlich vorbei, es war wirklich heftig wie es dort in München zuging. Ich schlenderte bis zum Marienplatz und vertrieb mir im Hugendubel meine Zeit, die Bahnhofsmission würde erst um halb 8 Uhr öffnen und Geld hatte ich kaum welches, um mich irgendwo reinzusetzen oder etwas unternehmen zu können, aber ich hatte zu dieser Zeit kaum irgendwie Geld. Essen gibt es, wenn man sich auskannte, genug. Es gab in der ganzen Stadt verteilt Organisationen, wo Essen aber auch richtige Mahlzeiten ausgegeben wurden. Wenn ich rauchen wollte, schnorrte ich mir meine Kippen zusammen und Tee konnte ich mir regelmäßig in der Bahnhofsmission abfüllen. So hatte ich so weit so gut alles was ich brauchte, nur mit dem Schlafplatz war es so eine Sache.
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Alt 07.12.2018, 08:13   #6
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Alt 08.12.2018, 11:20   #7
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danke, das tut mir gut!!
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Alt 10.12.2018, 15:38   #8
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Bitte
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Alt 20.12.2018, 16:56   #9
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Standard Drei

Nach einer gewissen Zeit reichte es mir irgendwie im Hugendubel und ich fuhr gleich zum Hauptbahnhof zurück, denn ich hoffte, dass die beiden eventuell auch schon früher am Bahnhof waren, denn wir hielten uns öfter zu dritt dort auf, auch wenn wir nicht in die BM konnten. Aber sie wussten rein gar nichts von mir, wo ich steckte und was überhaupt mit mir los war, sie bekamen ja auch nicht mit, wie ich von der Polizei aufgegriffen wurde, ich war dann einfach weg und blieb es auch und dass ich nun einfach wieder da war, am Hauptbahnhof, konnten sie ja nicht ahnen. Deswegen verwunderte es mich auch nicht, dass ich sie erst mal nicht antraf! Da ich dieses mal wirklich vorsichtig sein musste, nicht dass ich gleich wieder von der Polizei aufgegriffen wurde, blieb ich nicht am Bahnhof, denn da ist die Gefahr viel größer aufgegriffen zu werden und mittlerweile fiel ich halt bei der Bullerei und auch bei dem Bahnhofspersonal echt auf! Ich meine, ich wusste ja nicht, wie schnell und wie überhaupt mich die Haarer suchen ließen, doch dass ich früher oder später gesucht wurde, war ich mir sicher, wenn die in Haar mich nicht als vermisst meldeten, dann meine Eltern! Und deshalb wollte ich kein Risiko eingehen. Aber viele Möglichkeiten gab es im Moment nicht wie ich die Zeit überbrücken hätte können, also fuhr ich nochmal zurück zum Stachus und trieb mich am Stachusrondell herum. Eigentlich wäre dort die Möglichkeit Geld zu schnorren, doch das Schnorren fiel mir alles andere als leicht, wenn es nur irgendwie ging vermied ich die Bettelei, mir war es ja schon peinlich meine Tagesration an Kippen zusammen zu betteln. Deshalb lief ich nur so herum, ohne zu wissen, was mit mir anzufangen. Ich war sehr in mich gekehrt und bekam was um mich herum alles geschah, gar nicht mit. Ich meinte gerade, ich verliere mich in mich selbst, da hörte ich, wie als wäre ich ganz weit weg, jemanden „Monika“ rufen. Erst nach dreimaligen Rufen kapierte ich, dass ich damit gemeint war, ich drehte mich um und meine Freude und Erleichterung war groß, Christian! Als ich auf ihn zulief, merkte ich, dass Christian nicht alleine war, ein etwas älterer Mann begleitete ihn. Ich schätzte ihn auf Ende dreißig, er war ziemlich groß, hatte rotblonde kurze Haare, war vollschlank und leicht einen Kopf größer als ich. Ich machte mich mit ihm bekannt und so erfuhr ich, dass er Axel hieß. Doch meine Aufmerksamkeit galt Christian, der sich natürlich Gedanken gemacht hatte, wie es mir ging und wo ich jetzt die Tage gewesen bin und ich erstattete in kurzen Sätzen Bericht. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Stefan ist, da ich annahm, die beiden hingen die Tage zusammen ab. „Du kennst doch Stefan, wenn der seine komischen 5 Minuten bekommt, dann kapselt er sich ab, dann braucht er Zeit für sich, aber ich bin mir sicher, in einer Stunde treffen wir ihn in der Bahnhofsmission, gegebenenfalls du kommst mit“, gab Chris mir zur Antwort. Christian war in meinem Alter, ob er etwas älter oder jünger war als ich, weiß ich bis heute nicht, aber das war auch nie wichtig für uns gewesen.
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Alt 02.01.2019, 08:46   #10
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Standard Vier

Nach einer gewissen Zeit reichte es mir irgendwie im Hugendubel und ich fuhr gleich zum Hauptbahnhof zurück, denn ich hoffte, dass die beiden eventuell auch schon früher am Bahnhof waren, denn wir hielten uns öfter zu dritt dort auf, auch wenn wir nicht in die BM konnten. Aber sie wussten rein gar nichts von mir, wo ich steckte und was überhaupt mit mir los war, sie bekamen ja auch nicht mit, wie ich von der Polizei aufgegriffen wurde, ich war dann einfach weg und blieb es auch und dass ich nun einfach wieder da war, am Hauptbahnhof, konnten sie ja nicht ahnen. Deswegen verwunderte es mich auch nicht, dass ich sie erst mal nicht antraf! Da ich dieses mal wirklich vorsichtig sein musste, nicht dass ich gleich wieder von der Polizei aufgegriffen wurde, blieb ich nicht am Bahnhof, denn da ist die Gefahr viel größer aufgegriffen zu werden und mittlerweile fiel ich halt bei der Bullerei und auch bei dem Bahnhofspersonal echt auf! Ich meine, ich wusste ja nicht, wie schnell und wie überhaupt mich die Haarer suchen ließen, doch dass ich früher oder später gesucht wurde, war ich mir sicher, wenn die in Haar mich nicht als vermisst meldeten, dann meine Eltern! Und deshalb wollte ich kein Risiko eingehen. Aber viele Möglichkeiten gab es im Moment nicht wie ich die Zeit überbrücken hätte können, also fuhr ich nochmal zurück zum Stachus und trieb mich am Stachusrondell herum. Eigentlich wäre dort die Möglichkeit Geld zu schnorren, doch das Schnorren fiel mir alles andere als leicht, wenn es nur irgendwie ging vermied ich die Bettelei, mir war es ja schon peinlich meine Tagesration an Kippen zusammen zu betteln. Deshalb lief ich nur so herum, ohne zu wissen, was mit mir anzufangen. Ich war sehr in mich gekehrt und bekam was um mich herum alles geschah, gar nicht mit. Ich meinte gerade, ich verliere mich in mich selbst, da hörte ich, wie als wäre ich ganz weit weg, jemanden „Monika“ rufen. Erst nach dreimaligen Rufen kapierte ich, dass ich damit gemeint war, ich drehte mich um und meine Freude und Erleichterung war groß, Christian! Als ich auf ihn zulief, merkte ich, dass Christian nicht alleine war, ein etwas älterer Mann begleitete ihn. Ich schätzte ihn auf Ende dreißig, er war ziemlich groß, hatte rotblonde kurze Haare, war vollschlank und leicht einen Kopf größer als ich. Ich machte mich mit ihm bekannt und so erfuhr ich, dass er Axel hieß. Doch meine Aufmerksamkeit galt Christian, der sich natürlich Gedanken gemacht hatte, wie es mir ging und wo ich jetzt die Tage gewesen bin und ich erstattete in kurzen Sätzen Bericht. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Stefan ist, da ich annahm, die beiden hingen die Tage zusammen ab. „Du kennst doch Stefan, wenn der seine komischen 5 Minuten bekommt, dann kapselt er sich ab, dann braucht er Zeit für sich, aber ich bin mir sicher, in einer Stunde treffen wir ihn in der Bahnhofsmission, gegebenenfalls du kommst mit“, gab Chris mir zur Antwort. Christian war in meinem Alter, ob er etwas älter oder jünger war als ich, weiß ich bis heute nicht, aber das war auch nie wichtig für uns gewesen. Christian war eher ein dunkler Typ, hatte einen Schnauzbart und dunkle Haare, die Größe war ziemlich die gleiche die auch Axel hatte, doch seine Art war fröhlicher als wie die von Stefan, der immer mehr in sich gezogen war, Christian musste zu allem seinen Senf dazu zu geben, aber ich mochte seine Art irgendwie sehr.
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Alt 12.01.2019, 20:16   #11
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Standard Fünf

Wir kamen genau zur Bahnhofsmission, als diese gerade aufgesperrt wurde.Heute hatten wir Glück und es gab belegte Semmeln, was nicht oft der Fall war, Standard waren Tee und Margarine oder Schmalzbrote. Nur wenn sie Spenden bekamen, gab es dann so einen Luxus. Also erst mal die Teeflasche auffüllen lassen und dann zwei von den leckeren Semmeln schmecken lassen. Wir saßen fast eine Stunde, bis Stefan kam, er sah abgekämpft aus und bemerkte mich zuerst nicht, aber als er mich bemerkte, strahlte sein Gesicht, die Freude war auf beiden Seiten! Dann ging es nochmal von vorne los, ich erzählte Stefan, warum ich solange weg war und dass ich nun echt aufpassen muss, weil die mich bestimmt suchen, am Besten wäre es wir hielten uns nicht am Hauptbahnhof auf, nachdem die Bahnhofsmission zu machte, aber Stefan sah den Ernst der Lage nicht. Wir waren zwar dann, nachdem sie geschlossen hatten, erst mal an den Stachus gefahren, aber irgendwann meinte Stefan, er will an den HBF retour, mir war echt nicht wohl beidem Gedanken, aber ließ mich letztendlich doch überreden, weil ich nicht allein abhängen wollte, doch ich blieb an der Sache dran, dass ich die Drei solange nervte, bis wir vier uns einigten: „Gut, fahren wir halt zum Flughafen raus.“ Als hätte ich es geahnt, dass es kam wie es kommen musste, wir liefen genau einem Polizisten, der mich kannte, in die Arme und der hielt mich fest. „ Hallo Monika, na bist du wieder stiften gegangen? Du kommst gleich mit mir auf die Wache und ich will prüfen ob du wieder als vermisst bei uns in den Akten stehst.“ „ Wie bitte? Hey, ich bin fast 20 ich kann tun und lassen was ich will! Und nun will ich mit Stefan weiter ziehen, ich bin volljährig!“, gab ich zurück. Aber es half alles nichts, ich musste mit ihm mit, ich krallte mich an Stefan fest, der mich auch nicht los ließ, so liefen wir beide in der Wache ein, Stefan wollte mir helfen, wollte mich retten, aber letztendlich, wurden wir von den Polizisten getrennt und sie katapultierten Stefan wieder hinaus und ich musste bleiben. Es kam dann schnell raus, dass ich aus Haar abgehauen war und dass ich möglichst problemlos zurückgeführt werden sollte. Es wurde mit meiner Mutter telefoniert und so kam es, dass vereinbart wurde, dass mich meine Ma und mein Bruder holen würden und mich nach Haar fahren würden. Ich fragte die Polizisten wieso ich immer wieder aufgegriffen werden durfte, immerhin ging ich auf die Zwanzig zu. „ Soweit wir wissen hat deine Mutter die Vormundschaft für dich und somit darf sie das sehr wohl!“ „Aber das stimmt doch gar nicht, da liegt eine falsche Information vor!
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Alt 30.01.2019, 14:33   #12
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Standard Sechs

Doch es half alles nicht, mir würden sie ja eher eh nicht glauben, deshalb diskutierte ich nicht mit denen, das hätte eh keinen Sinn! Ich wurde dann in einen separaten Raum gebracht, wo ich warten sollte bis meine Familie kommt. Es war auch immer ein Beamter mit dabei, damit ich keine Dummheiten machen kann, damit ist gemeint, dass ich nicht mich selbst verletzen kann. Aber die Wartezeit war die Hölle. „Was soll denn der ganze Mist!? Ich will nicht zurück in die Klinik, fühle mich völlig fehl am Platz, hier unter meinen Leuten fühle ich mich wohl und ganz ehrlich, ich fühle mich momentan nicht Therapie bereit, aber ich wurde ja nicht gefragt!“ Ich fing an, ohne dass ich es groß mitbekam, mich am rechten Oberarm aufzukratzen, Als der Polizist des merkte, meinte er „ Monika hör auf zu kratzen, sonst leg ich dir Handschellen um. Insgesamt dauerte es ziemlich lange bis ich abgeholt wurde, aber das war auch klar, meine Leute mussten ja erst von Miesbach kommen, in mir sträubte sich alles, ich wollte nicht mehr nach Haar, wollte hier in der Innenstadt bleiben, deshalb versuchte ich auch als wir auf dem Weg zum Auto waren davon zu laufen, aber ich hatte keine Chance, der Polizist, der uns begleitete, war schneller als ich, er führte mich zum Auto und setzte mich rein, er redete beruhigend, aber auch beschwörend auf mich ein, dass ich doch jetzt nicht noch mehr Ärger machen sollte. Ich muss sagen, ich war ja nicht das erste Mal bei den Polizisten gewesen, aber die waren immer echt korrekt zu mir. Ich ließ es nun erst mal kommen wie es kam, zumindest für diese Nacht, in der Nacht konnte ich eh nichts zerreißen. Ich ließ mich nach Haar fahren, mit dem Wissen, ich bleibe dort nur solange es nötig war, das war ja das geniale an offenen Stationen, man kann kommen und gehen und es wird nicht groß nachkontrolliert!
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Alt 21.02.2019, 10:11   #13
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Standard Sieben

So kam es dann, dass ich den Samstag erst mal ausschlief, um neue Kräfte zu sammeln und gegen Spätnachmittag saß ich dann wieder in der S-bahn nach München. Diesmal hatte ich mehr Glück und lief gleich am Hauptbahnhof Stefan über den Weg. Er war wieder einmal allein und die Freude war auf beiden Seiten groß! „ Hey Moni, wie ist es denn gestern noch gelaufen, ich war über eine Stunde vor der Polizei gehockt und hab gewartet, dass du rauskommst, aber vergebens!“ Ich bin an die drei Stunden in der Wache gesessen, meine Mutter und mein Bruder sind gekommen und haben mich nach Haar gebracht und da habe ich dann erst mal die Chance genutzt und hab ausgepennt, aber mir war eh klar, dass ich nicht in der Klinik bleiben werde, ich gehöre zu euch hier in München. Wo sind die anderen?“ „Axel und Christian sind essen zur Gräfin gegangen und ich hatte keinen Hunger, deswegen bin ich nun allein hier, aber wir können gemeinsam auch noch zur Gräfin, wenn du Bock hast, schön langsam kommt auch bei mir auch der Hunger.“
Die Gräfin ist eine Organisation für Obdachlose Einmal am Tag ein warmes Essen bekommen, ich war da schon ein-, zwei mal gewesen, da kann man echt gut essen, es ist so geregelt, dass es zwei verschiedene Essenszeiten gibt, da alle auf einmal nicht Platz haben. Es läuft fast wie in einem Lokal ab; es sitzen alle um einen großen Tisch und werden bedient. Und nun würden wir es noch gut zur zweiten Etappe schaffen. Doch ich hatte keine große Lust. Zumal es mir in der lezten Zeit immer so ging, dass egal, was ich auf dem Teller war, ich hatte eine Blockade, überhaupt etwas zu essen. Es kam schon vor, dass ich bei der Gräfin mein Essen heimlich in eine Plastiktüte tat und sie dann außerhalb weggeworfen hatte. Ich bekam einfach nichts runter und stehen lassen, das war mir einfach zu peinlich, wenn wir schon gratis ein Essen bekamen. Mittlerweile hatte ich schon einige Kilos runter, aber nicht weil ich ne besondere Diät machte, ich hatte einfach keinen Hunger, da ging mit Essen nichts.
Da wir nun alle gebrannte Kinder waren, was den Hauptbahnhof betraf, fuhren wir nach der Bahnhofsmission gleich zum Flughafen durch, keiner wollte, dass ich nochmal der Gefahr mit der Bahnhofsmission ausgesetzt war. Seit dem Vorfall von vorgestern meinte Stefan, dass wir zusammen sind, er hatte mich zuvor wieder an der Hand genommen, aber irgendwie schaffte ich es, ihm klar zu machen, dass das Interesse nur auf seiner Seite war. Trotzdem werde ich es nie vergessen, als wir am Flughafen waren, Axel und Christian waren auch mit von der Partie, wir verkrochen uns zum Pennen in die Flughafenduschen, und als ich es geschafft habe, für mich alleine eine Ecke zu finde, bekam ich mit, wie die drei diskutierten, wer mich als erstes herumbekommt, wer mich als erstes ins Bett bekommt. Ich dachte, ich höre nicht richtig! Ich habe bei keinem von den Dreien Lust, in die Kiste zu springen! Aber ich musste zugeben, irgendwo fand ich es gut, ich stand mal im Mittelpunkt, eine voll andere Erfahrung, ich war sonst immer Außenseiter! Insgesamt waren wir nicht sehr lange am Flughafen, schlafen konnten wir alle nicht und es war uns halt zu weit draußen. Wir fuhren dann wieder in der Innenstadt,so dass wir eine der ersten waren, die im „Bonifats“ anstanden. Das Bonifats, war auch eine Obdachloseneinrichtung, das ziemlich bald in der Früh aufmachte und bot Suppe und Kaffee an, außerdem bekommt man dort, wenn man will, frische Kleidung, konnte duschen und es war sogar ein Arzt vor Ort, wo Betroffene ohne Krankenversicherung behandelt werden können! Im Bonifats war ich schon mal mit den anderen, aber auch dort aß ich kaum etwas! An diesem Morgen fühlte ich mich nicht gut, hatte wieder Spannungszustände, und fragte mich das erste Mal in dieser ganzen Zeit, wo ich nun die Straßenzeit lebe, ob das nicht großer Misst ist, dass mein Weg nicht ein anderer ist und zwar der, den mit der Klinik und danach wieder daheim leben, es ist in jedem Fall so, dass ich ein zuhause habe und in keinem Fall in München auf der Straße leben müsste, doch bis jetzt, war mir diese Zeit, die ich bis dahin erlebte, einfach zu intensiv und auch zu wichtig gewesen! Aber nun wie ein räudiger Dackel zurück zu kommen auf die 27 wollte ich auch nicht, wäre ich aber nach Hause gefahren, hätte mich meine Mutter gleich retour nach Haar gebracht, das kam also gar nicht in Frage! Also galt es erst mal abwarten, irgendwann dachte ich wird mich die Polizei wieder einsammeln und bis dahin hieß es einfach durchhalten und mir die schönen Momente rauspicken! Erstmal war ich nun alleine, mich zog es in den naheliegenden Botanischen Garten und hatte da schon ein nicht übles Kopfkino, tausend Gedanken prasselten auf mich ein. Bis ich dann zufällig auf einen Spielplatz traf und mir war klar, ich schaukle nun erst mal, laut Musik an und immer höher, immer kräftiger. Mann, das tat echt gut.
Es war Sonntag, Ende Oktober und schon echt kalt. „ Was mach ich mit dem angebrochenem Tag?“ Mit den Jungs unterwegs zu sein, hatte ich heute gar keine Lust. Lag es vielleicht auch daran, wegen dem Gerede am Flughafen? Keine Ahnung. Risiko hin oder her, mich zog es zum Hauptbahnhof ohne zu wissen, was ich da eigentlich wollte. Ich ließ mich einfach treiben und als mir langweilig wurde, ging ich in die Bahnhofsmission, da waren immer Leute mit denen man reden konnte, aber eben auch nicht, wenn man keinen Bock hatte. Ich war ganz gerne dort, erstens war es dort warm , man kann essen und trinken so viel man wollte und den Trubel fand ich dort eine gelungene Abwechslung. Klar war es möglich, immer mal wieder angesprochen zu werden, aber wenn man zu verstehen gab, dass keine Lust da war, sich zu unterhalten, war das auch ok. Das Beste aber war, es war dort wie ein Schutzraum, die Polizisten konnten hier nicht so einfach rein und nach jemanden suchen, was ich natürlich ausnutzte oder normalerweise immer, mittlerweile fragte ich mich schon auch, wäre es nicht doch besser, wenn ich aufgegriffen würde, das hier hatte doch alles keinen Sinn, ich merkte halt ganz stark, dass ich so mein Leben nach und nach wegwerfe. Ich machte mir nichts aus meinem Leben, ich schaute nur wie jeder Tag vorübergeht und verplemperte dabei meine Zeit. Doch wie mache ich weiter? Einfach zurück zu meinen Eltern, weiß ich nicht? Würden die mich nicht nur wieder nach Haar fahren? Das mit Haar ist ja noch am Laufen, bin ja von dort einfach weg, und überhaupt was mache ich dann, wenn ich daheim bin. Meine Gefühle, die reinste Achterbahnfahrt und mein Selbstverletzungsdrang, war alles andere als handlebar, ich schaute halt, dass es so wenig als möglich ein Außenstehender mitbekam. Aber es ist fast täglich, dass ich mich ritzte, bin leider unter Daueranspannung, ich bekomme hier, wenn ich auf der Straße bin, auch keine Medikamente, die mich unterstützen könnten und so prasselt alles noch viel intensiver auf mich ein.
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Alt 22.02.2019, 02:50   #14
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Kuhle Geschichte
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Alt 12.03.2019, 12:37   #15
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Standard Acht

Ich fühlte mich in meiner Haut nicht mehr wohl, ich hielt es auch in der Bahnhofsmission nicht recht lange aus, ich hatte eine eine zu große Unruhe in mir und so dachte ich mir, ich gehe mal im Bahnhof spazieren, vielleicht laufe ich diesmal wieder einem Polizisten über den Weg der mich einsammelt. Ich wusste einfach nicht warum, aber ich hatte nicht die Kraft mich einfach in den Zug zu setzen und nach Miesbach zu fahren zu meinen Eltern. Wenn ich aufgegriffen werde, hätte ich es leichter, aber ich wollte es so handhaben, dass niemand mitbekam, dass ich es drauf ankommen ließ, dass ich gefunden werden wollte. Also weg von der Bahnhofsmission, rein in das Getümmel vom Hauptbahnhof. Ich schlenderte so herum, irgendwie ziemlich in Gedanken, bis ich Jemanden „Monika“ rufen hörte. Ich dachte mir, wer ruft mich denn da, ich schaute mich um und sah dann zwei Leute vom Bahnschutz, den einen kannte ich, der hatte mich Mal aufgesammelt und mich zur Polizei gebracht, den hatte ich als sehr unsympathisch in Erinnerung. Doch nun war er echt nett, wie es mir geht wollte er wissen und wenn was ist könnte ich auch zu ihm kommen, um zu reden. Boah, da habe ich mich echt getäuscht in dem und das tat jetzt echt gut! Aber trotzdem war das nicht das, was ich wollte. Ich lungerte noch ziemlich lange am Hauptbahnhof herum, aber das was ich mir erhoffte, traf leider nicht ein! Ich fühlte mich verdammt übernächtigt und mich fror, wenn ich daran dachte, ich muss die kommende Nacht auch wieder ohne zu pennen zubringen, da wurde mir ganz anders. Erstmal weg vom Hauptbahnhof und in der Fußgängerzone abhängen. Ich dachte, dort würden sie mich noch weniger aufgreifen, doch auf Dauer war es für mich auf am Hauptbahnhof auch zu langweilig. Ich mochte mich einfach selbst nicht mehr.
Als ich zur Abendöffnung der Bahnhofsmission wieder dort ankam, waren Stefan, Axel und Christian schon da. „Wo warst du denn, wir haben uns schon Sorgen gemacht, dass du wieder aufgegriffen worden bist.“ „ Ich brauchte einfach mal für mich Zeit und ganz ehrlich, ich weiß auch gar nicht ob ich das Ganze noch möchte, ich bin so übernächtigt und es geht mir körperlich auch nicht mehr gut, ich müsste einfach mal wieder schlafen.“ „ Frag doch mal hier, ob du hier eine Nacht schlafen kannst, soweit ich weiß, nehmen sie Frauen für ein zwei Nächte auf.“ meinte wieder Stefan. „Wirklich? Das wäre wirklich super, ich denke wenn ich erst mal wieder gepennt habe, geht es mir besser. Da werd ich jetzt einen Bürotermin ausmachen und da dann bitten für die eine Nacht.“
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Alt 25.03.2019, 15:49   #16
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Standard Neun

So machte ich es dann auch, und ich hatte Glück, ich konnte die Nacht in der Mission bleiben. Ich blieb dann nach der normalen Öffnungszeit gleich dort, bekam dann eine Isomatte und eine Decke und suchte mir eine Ecke im großen Aufenthaltsraum. Es dauert nicht lang und ich schlief ein. Gott sei Dank, dass ich so einen tiefen Schlaf hatte, bis um sechs schlief ich durch, dann wurde ich geweckt, denn bis halb 7 Uhr musste man draußen sein, da dann der normale Betrieb wieder los ging. Draußen warteten schon meine drei Männer und wir gingen zusammen ins Bonifaz. Ees dauerte noch einige Zeit, bis ich wieder richtig zu mir kam und ich merkte, es stimmte hinten und vorne nichts mehr bei mir, es kann so nicht weiterlaufen, jetzt habe ich wieder einen langen Tag vor mir und da kann bestimmt nichts Vernünftiges dabei herauskommen. Diesmal blieb ich länger bei den andren im Bonifaz, bis es mir wieder reichte. Ich wusste noch von früher, dass nicht weit von hier ein Jugendinternetcafe ist, wo man für ein paar Cents im Netz surfen konnte und das wollte ich nutzen, so verging wenigstens die Zeit etwas. Ich meldete mich beim Personal an und ging an einem mir zugewiesenen Platz, ich suchte etwas herum und dabei stieß ich auf einen chat für Behinderte, das war recht angenehm, weil die Leute da drinnen echt nett waren. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich liefen bei mir die Tränen, was eine der Mitarbeiterinnen mitbekam und sie fragte mich, was denn los sei und mich hielt nichts mehr. Ich erzählte ihr die ganze Story und sie verwies mich an Alex, der machte hier im Jugendcafe sein Praktikum und hat zuvor bei einer Obdachlosenhilfe gearbeitet. Alex war sehr nett und gab sich echt Mühe, ich schöpfte Hoffnung, dass eine Lösung gefunden würde. Am liebsten hätte ich gehabt, ich kann hier in München irgendwo unterkommen, wo ich pennen konnte und ein Dach über den Kopf bekomme, aber mich ansonsten frei bewegen. Alex aber nahm dann Kontakt mit Haar auf, gab weiter, was ich Alex erzählt habe, dass ich mich auf Haus 27 nicht wohl fühle, aber gerne bereit wäre, wo anders in Haar zu sein, ob ich das wirklich war fragte ich mich selbst ehrlich! Nach etlichem Hin und Her wurde ich in ein Taxi gesetzt und nach Haar gefahren, Alex hatte mit Haar verhandelt, dass ich erst mal wieder auf Haus 27 zurück käme und da wird dann verhandelt und geschaut wie es mit mir weiter gehen könnte.Ich saß mit gemischten Gefühlen im Taxi, wie wird das in Haar bloß werden, wie geht es dort weiter?? Auf alle Fälle war ich von Alex begeistert, wie der sich für mich eingesetzt hatte! Als ich in Haus 27 ankam, musste ich gleich zur Ärztin und diese eröffnete mir, ich werde auf die 5 b im Aufnahmehaus kommen - auf die Geschlossene!- damit habe ich gar nicht gerechnet und da wollte ich auch keineswegs hin, dann wäre ich 10 mal lieber in Haus 27 geblieben. Ich war dadurch ziemlich aufgebracht und wusste aber nicht was tun, das Personal von 27 sperrte sogar die Haustür ab, da sie Angst hatten ich haue gleich wieder aber! Aber ich lief wie ferngesteuert zum Telefon und rief bei Alex an, er hat mir die Nummer gegeben, falls etwas wäre, er redete beruhigend auf mich ein, dass ich mich nun einfach drauf einlassen sollten, die meinten es bestimmt nicht schlecht und er ist sich sicher, wenn ich mich etwas stabilisiert habe, wird neu überlegt. Also, ich hatte keine Chance. Ich wurde dann mit dem Transportbus zu Haus 12 gebracht und war nur noch aufgebracht und durcheinander, ich lief ziemlich aufgebracht durch die Station, fühlte mich gehetzt und fand keine Ruhe. Ich bekam dann Tavor, damit ich runterkommen konnte, was dann auch echt half und ich mich dann in mein Bett verzog, wo ich endlich, endlich mal wieder Ruhe fand und schlafen konnte.
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Alt 07.04.2019, 17:58   #17
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Standard Zehn

Ich war zwar im Wachbereich, wo jeder am Anfang hinkam, aber ich hatte Glück, ich war in einem separaten Raum, wo nur mein Bett drin stand, da war ich echt froh, denn ich wollte nichts und niemanden sehen.
Ich schlief dann sogar bis zum nächsten Morgen durch und war aufgrund der Tavor immer noch ziemlich schlapp und hatte zu nichts Lust. Ich zwang mich, etwas zu frühstücken und war dann gleich wieder im Bett, ich konnte einfach nimmer und was soll ich hier sonst machen? Später wollte ich mich mal bei Ma rühren, vielleicht kommt sie mich ja mal besuchen. Ich fühlte mich einfach kacke, ich wollte nicht, dass es so endet, dass ich in Haar auf der Geschlossenen lande. Heißt es, man kommt in die Aufnahmestation, dann bedeutete es man ist erst mal auf der Geschlossenen untergebracht. Klar kann man kämpfen, dass man einen Ausgang bekommt, so dass man sich allein auf dem Gelände bewegen konnte außerhalb der Therapiezeit, aber ich hatte keine Lust zu betteln, zumal ich eh nicht glaubte, dass ich nach draußen dürfte, sonst hätte ich gleich auf Haus 27 bleiben können. Wieso ich geäußert hatte, ich will nun nicht auf Haus 27 bleiben, weiß ich selbst nicht, die Station selbst war keine schlechte, aber ich hatte halt gehofft, dass ich gar nicht mehr nach Haar muss, sondern irgendwie in München unterkommen kann und nun? Nun hänge sogar auf Haus 12 rum, ein schreckliches Gefühl, das Klima auf Haus 12 ist überall das selbe, das Personal recht kühl und man merkt schnell, dass sie ziemlich auf Massenabfertigung arbeiteten. Man ist ziemlich auf sich alleine gestellt, was ich gerade für eine Akutstation, ziemlich destruktiv fand, doch ich musste mich damit abfinden, wie alle anderen auch! Ich zog mich in meine Bettecke retour, das ist der einzige Ort, den ich für mich hatte und versuchte, einzuschlafen. Wenn sie was mit mir vorhatten, würden sie mich schon wecken. Aber ich wurde dann erst zum Mittagessen wieder wach gemacht und ich versuche mir essenstechnisch was rein zu ziehen, doch es ging wirklich nicht sehr viel, aber was solls? Jedenfalls fühle ich mich nun etwas wacher und geordneter, bloß, was anfangen mit der vielen Zeit, bis zur Nacht waren es noch mehr als 6 Stunden und ich hab nichts zu machen, hatte nicht mal ein Buch, das ich lesen könnte und überhaupt, ich habe nur die Klamotten, die ich in München auch an hatte, mein ganzes andere Zeug, war noch auf Haus 27, das war gestern irgendwie untergegangen, dass ich dort noch nach meinen Klamotten fragte. Ich sagte das dann auch in der Pflege und die meinten, sie kümmern sich drum, dass mir meine Sachen gebracht werden. Zum Glück hatte ich noch ein wenig Guthaben auf meiner Telefonkarte und davon rief ich meine Mutter an. Sie wusste schon, dass ich wieder in Haar bin und ich merkte auch, dass sie erleichtert war und versprach mir auch, dass sie in den nächsten Tage kommen wird, auch um mir frische Sachen zu bringen und die alten mitzunehmen, aber sie kann sich noch nicht festlegen wann. Die paar Minuten die wir miteinander redeten, empfand ich als etwas sehr angenehmes und danach ärgerte ich mich enorm um mich selbst, womit hatte meine Mutter so jemanden wie mich verdient. In der letzten Zeit mache ich ihr nur Ärger, haute ab und meldete mich tagelang nicht mehr und wenn ich dann in der Kacke stecke, dann will ich doch dass sie für mich da ist. Das rechne ich ihr sehr hoch an, dass sie ist dann trotzdem wieder da ist für mich!
Von meinem letzten Geld ließ ich mir Kippen bringen, in Haar kann ich des viele schnorren einfach nicht bringen und blöderweise rauche ich in der Klinik auch immer mehr, aber das Positive ist halt leider auch, dass übers Rauchen am schnellsten Kontakte entstehen. Und es ist nie schlecht, wenn man auf Station ein oder zwei Kontakte hat, wo man sich mit abgeben kann. Doch dieses Mal kam nur schwer was zustande, deshalb war ich echt froh, als dann mein Gepäck kam, da war wenigstens ein Buch und meine Musik mit dabei, was wenigstens ein bisschen Ablenkung versprach. Mein Arzt versuchte bei mir irgendwelche Medikamente anzusetzen, ich schluckte die Dinger auch, weil ich alles tat um bald entlassen zu werden, aber ich wusste auch, das hat keine Zukunft, denn egal, wo ich im Anschluss sein werde, ich werde diese nicht weiter nehmen, das war mir klar. Doch was tut man nicht alles für seine Freiheit! Ich weiß zwar nicht wie, doch der Tag ging vorüber
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Alt 20.04.2019, 16:07   #18
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Standard Elf

Der kommende Tag, war dann etwas leichter, am Morgen hatte ich ein Arztgespräch, wo es drum ging wie es weitergehen soll bei mir und es kam heraus, dass ich erst mal eine Zeit hier auf Station bleiben soll, doch er meldete mich zu Therapien an, damit ich nicht nur rum sitze, mittlerweile bin ich auf Haus 12 freiwillig, das hatte ich unterschrieben, sonst hätten sie den Richter geholt, nen Beschluss bekommen und da hätte ich dann gar nichts mehr zu melden gehabt. Ich bin zwar trotzdem nicht wirklich freiwillig auf Haus 12, denn wenn ich nun sage, ich gehe nach Hause, dann holen sie ja doch den Richter, also war die Unterschreibung mehr oder weniger unter Zwang. Mein Arzt meinte, ich soll hier etwas zur Ruhe kommen und mich stabilisieren, es würde in dieser Zeit dann auch überlegt werden, wo ich im Anschluss hin komme, eine therapeutische Wohngemeinschaft oder Einrichtung stand im Raum, wie ich jetzt lebte hatte ja keine Zukunft! Aber es wurde auch überlegt, ob ich nochmal in eins der anderen Häusern Therapie machen sollte.
Doch bloß nichts überstürzen, nun bin ich erst mal die zweite Nacht hier. Naja, wenigstens ist der Doc mir sympathisch, bei ihm lernte ich auch meine allerersten Skills kennen, wie auf ne Pfefferschote beißen oder Gummischnipsen, doch ich wusste da noch nicht, dass das ein Teil der spezifischen Borderlinetherapie (dbt) war, das war was, was ich einfach mal versuchen sollte, doch wenns nicht mehr ging, konnte ich mir jeder Zeit ein Bedarfsmedikation holen! Das wichtigste aber war, ich sollte mir Zeit geben und Geduld haben, dann würde ich auch weiterkommen! Das ist leicht gesagt! Doch er sitzt nicht hier in der Klapse fest und weiß nichts mit der vielen Zeit anzufangen und mit meinen Launen und Stimmungsschwankungen, wo ich oft es mit mir selbst nicht aushielt! Aber auf den Tag heute konnte ich mich noch freuen, meine Mutter würde am Nachmittag kommen, mir neue Sachen bringen und mit mir Zeit verbringen. Finde das so klasse, ich war ja in der letzten Zeit immer diejenige, die keinen Bock mehr auf die Familie hatte und ihr das auch gewaltig spüren ließ! Und ich aber dann, wenn ich in so einer Situation wie ich gerade wieder war, eigentlich nur meine Eltern hatte, die da dann da war für mich und da wünsche ich mir dann auch immer, dass sie kamen und für mich da waren, aber ich wusste selber, das ganze war sehr zwiespältig und verzwickt und aber auch sehr egoistisch von mir!
Am Vormittag machte ich bei der Ergotherapie mit, die jeden Tag im Speiseraum statt fand, extra für die Leute die keinen Ausgang hatten und so wenigstens ein paar Stunden beschäftigt waren, natürlich konnten alle anderen auch dran Teilnehmen, es wurde sogar positiv aufgenommen, wenn man sich auf das Klinikgeschehen einlässt und mir war es lieber ich kann mich bis meine Ma kam noch etwas ablenken. Ich war schon ziemlich nervös,aber ich freute mich sehr, aber auf ihren Besuch! Ich begann, aus Leder einen Beutel zu nähen und war da dann voll in meinem Element, es machte mir großen Spaß! Doch leider bin ich bis zum Ende noch nicht mal bis zur Hälfte fertig, aber morgen würde ja die nächste bt- Einheit statt finden und da kann ich ja weiter machen! Erstmal war mir nur der Besuch von meiner Mutter wichtig für mich! Nachdem Mittagessen legte ich mich mit meiner Mucke in den Ohren ins Bett und ich lies meine Gedanken laufen, ich merkte stark eine Unruhe in mir wüten, aber ich wurde durch die Musik ruhiger, bis ich sogar einschlief. Meine Mutter weckte mich dann, ich war völlig durcheinander und musste mich erst mal sortieren, doch ich fiel meiner Ma um den Hals, schnell wusste ich wieder, wo ich war und dass der Besuch von Mama geplant war! Und ich freue mich dass sie nun da ist.“Hallo Mama tut mir leid ich bin eingeschlafen, ich freue mich wirklich sehr, dass du da bist! Wie war die Fahrt und wie geht es dir?“ „Die Fahrt war ok, doch mir wäre wohler, wenn du dich hier an die Sachen hältst und dann wieder heim kommen würdest, du hast doch zuhause alles was du brauchst und wir können gemeinsam einen Weg versuchen zu planen, indem Du dich entwickeln kannst und dann könntest du dir nach und nach was aufbauen, deine Rumstromerei in München hat doch alles andere als eine Zukunft und mir macht es sogar Angst. Versuche es doch bitte wenigstens einmal!“
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Alt 10.05.2019, 19:23   #19
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Standard Zwölf

Mama hatte Tränen in den Augen, als sie diese Sätze sprach, aber ich konnte sie nicht trösten, denn ich kann ihr auch nichts versprechen, was ich höchstwahrscheinlich nicht einhalten kann. Ich wusste auch nicht, was da war, aber ich spürte ganz tief in mir, dass ich wusste ich kann und will nicht zurück zu meinen Eltern und wenn ich sagen würde, ja ich arbeite dran, dass eine Normalität wieder einkehrt, ich tief in mir aber was anderes spürte, und anlügen wollte ich sie auf keinen Fall! Wir gingen dann auf den Raucherbalkon, Mama erzählte mir, was zuhause alles los gewesen war und ich erzählte ihr dann, was ich hier jeden Tag mitmache. Doch ich verheimlichte ihr, dass ich den Plan im Kopf hatte, sobald ich irgendwie nach draußen konnte wieder nach München abzuhauen, dieses ganze Klappsenabhockerei hatte ich satt. Ich weiß, ich quäle mich in München nicht weniger schlecht ab, aber hier machten sie ja nichts mit mir, außer, dass ich Medis zu schlucken habe, bei denen ich weiß Gott nicht das Gefühl hatte, dass diese mir helfen würden und was hatte ich denn davon, wenn ich eine Stunde am Tag was in der BT was bastele? Dann laufe ich lieber Mal eine Stunde mehr in der Innenstadt rum, da habe ich eine schönere, gesundheitsfördernde Beschäftigung! Es heißt zwar die ganze Zeit ich muss Geduld haben und dass es besser werden wird. Aber auf was warte ich denn bitte? Ich bin nur dem Stress der anderen Patienten ausgesetzt, es waren echt extrem kranke Leute dort, bei denen es echt schwer aushaltbar war, wenn ich mit denen zusammen bin. Ich weiß sie sind krank und können nichts dafür, aber warum bin ich hier? Weil ich mich in München rumtreibe, mir fehlte ja im Prinzip nichts! Aber all das sagte ich meiner Mutter nicht, sie wäre am Boden zerstört und das wollte ich ihr auf keinem Fall antun! Wir beide saßen nun beim Rauchen auf dem Balkon eng aneinander gekuschelt und redeten, aber nicht viel, wir spürten beide denke ich, dass wir uns in der kommenden Zeit wieder auseinander leben würden, doch aussprechen wollte keiner von uns was wir fühlten! Zwei Stunden ca. war meine Mama da, dann fuhr sie wieder, da sie nicht im Dunklen heimfahren wollte, doch sie versprach mir, wenn ich länger in der Klinik bin kommt sie wieder. In mir schrie alles und tobte es, was ging da nur alles in mir vor? Wieso konnte ich nicht einfach sagen, Mama wieso nimmst du mich nicht mit nachhause, ich will auch alles versuchen, dass ich mich drauf einlasse und alles versuchen, dass ich auf die normale Bahn komme. Doch das konnte ich nicht, es sträubte sich alles dagegen, ich nahm es sogar in Kauf, noch länger auf dieser Akutstation zu bleiben, nur um von hier aus dann die Fliege machen zu können. Ich meine, das hätte ich auch von daheim machen können, aber dann hätte ich ja sofort mein Versprechen gebrochen, aber das war nicht allein der Grund, ich konnte es mir zuhause einfach gar nicht mehr vorstellen.
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Alt 29.05.2019, 16:36   #20
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Standard Dreizehn

Das blöde war, ich wusste genau dass das auf der Straße keine Zukunft hatte. Ich schob eine enorme Wut auf mich selbst und ich hatte dadurch dann eine solche Anspannung, wo ich weder ein und aus wusste, ich organisierte mir ein Brotmesser und ich hatte einen solchen Druck, dass ich es schaffte mit dem eigentlich stumpfen Messer eine klaffende Wunde in den Arm zu ritzen. Klar ich hatte mich aufs Klo verzogen, doch es blieb trotzdem nicht lange unbemerkt, da es tierisch blutete. „ Frau Kasperbauer, was soll das denn? Es war doch vereinbart, dass sie sich melden, wenn der Druck zu groß wird, kommen sie, ich muss die Wunde reinigen und Ihrem Arzt wird auch mitgeteilt, dass sie sich verletzt haben, er soll dann alles Weitere entscheiden, auch ob die Wunde genäht werden muss und mir wäre es momentan echt lieber, wenn sie wachbereichspflichtig gemacht werden, wenn sie uns schon nicht mitteilen können, dass der Druck zu stark geworden ist, dann müssen sie halt in der intensiv Überwachung bleiben!“ Schicksal nimm deinen Lauf, nun spürte ich mich zwar wieder und war bei mir, aber nun zieht es einen mächtigen Schwanz wieder nach sich. Wieso verstehen die alle nicht, dass es mir wieder besser geht, nachdem ich mich geschnitten hatte! Gut, nun ärgerte ich mich zwar wieder, eine svv gemacht zu haben, aber ich würde bestimmt nicht wieder was anstellen! Wachbereichspflicht bedeutet, ich musste im Wachbereichszimmer bleiben und eine Schwester oder ein Pfleger, war hinten in der Wachkanzel und passte auf, was derjenige der bewacht werden musste, tat. Ich hatte dabei noch Glück, denn ich hatte ja das Einzelbett im Wachbereich, so konnte ich für mich sein und musste mich nicht rechtfertigen. Es dauerte eine Weile, bis mein Dok kam, er besah sich die Wunde und meinte sofort, dass die genäht werden muss, bloß in Haar nähen sie nicht, ich musste dafür nach Altperlach mit dem Krankentransport und einer vom Pflegepersonal musste mit, da ich nicht aus den Augen gelassen werden durfte, die hatten halt alle Angst, dass wieder was ist. Und soviel stand auch fest, nach dem Nähen, bin ich wachbereichspflichtig, zumindest bis morgen früh. Die waren halt alle übervorsichtig, aber nun mal habe ich die Kacke gebaut! Es lag irgendwas Komisches in der Luft, als ich zum Nähen gefahren wurde und dann beim Nähen, eigentlich die ganze Zeit bis ich wieder auf Station zurück war. Mir war bewusst, dass ich durch das, dass ich mich geschnitten habe, das ganze Stationspersonal aufgemischt habe und Unruhe reingebracht habe. Was absolut nicht meine Absicht gewesen war und ich spürte das nun ziemlich stark. Als ich wieder auf Station war, erwartete mich eine positive Überraschung, eine rote Rose lag auf meinem Nachttisch und ne kurze Nachricht, durch die ich erfuhr, dass die von Rose von Axel gewesen ist, er war da wollte mich besuchen und ich lag in der Chirurgie beim Nähen. Das baute mich wirklich auf und freute mich, ich war mir nicht sicher in der ganzen Zeit, aber die rote Rose zeigte es mir, auch er ist in mich verknallt, nicht nur Chris und Stefan! Und ich versuchte in mich rein zu spüren, was ich fühlte und was ich wollte, vor allem wen ich wollte, oder will ich überhaupt einen von den Dreien? Das war alles sehr verwirrend für mich und ich dachte auch, dass ich momentan, alles andere brauche, als mir ein Männerproblem aufzuhalsen. Aber dass mich die Rose freute, musste ich mir doch eingestehen, es war die erste Rose meines Lebens! Ich frage mich nur, wie er herausgefunden hatte, wo ich war, ich war ja wieder einmal weg, ohne jemanden Bescheid zu geben, dazu hatte ich auch gar keine Möglichkeit mehr, ich bin ja gleich vom Jugendcafe hierher gebracht worden.Und konnte auch nicht raus, ich hatte ja nach wie vor keinen Ausgang und nach dieser Aktion heute wird es wohl auch noch eine Weile dauern, bis ich mal alleine von Station gehen durfte. Nun war ich ja erstmal sogar im Wachbereich gefangen und fühlte mich auch echt ziemlich isoliert, ich musste meine Sachen alle abgeben, bis auf ein Buch zu lesen war nichts mehr im Raum, denn es war denen zu gefährlich, dass ich mir was tun könnte. Bloß auf lesen konnte ich mich momentan gar nicht konzentrieren, ich wollte so gerne Musik hören, doch ich hatte keine Chance, denn ich könnte mich ja mit dem Kabel aufhängen. So lag ich auf meinem Bett und starrte auf die Decke, ich fühlte mich ziemlich unruhig, obwohl ich vorher ne 2,5er Tavor genommen hatte, was ja eigentlich rein hauen müsste, weil diese Dosis an Tavor schon ziemlich hoch gewesen ist, aber es beruhigte mich gar nicht und ich fühle mich ziemlich unwohl, mein Kopfkino ließ mich nicht in Ruhe. Ich entschloss mich dann, mir noch einen Bedarf zu holen, ich möchte platt werden und schlafen! Hier kann ich sonst eh nichts machen! Ich bekam dann nochmal eine 2,5er Tavor und die schaffte mich dann ziemlich, keine 20 Minuten und ich pennte weg. Den kommenden Tag konnte ich dann ganz vergessen, das Tavor wirkte so stark nach, so dass ich freiwillig in meinem Zimmer blieb und zwar im Bett, ich fühlte mich ganz zerschlagen! In der Früh war dann mein Dock bei mir, er hatte die Wachbereichspflicht aufgehoben, da ich gestern „brav“ war und nichts mehr angestellt hatte, ich hatte sogar auf mich geschaut, indem ich mir nochmal Bedarf geholt hatte, hatte er gemeint! Ich hatte ihn mir nur geholt, weil ichs nicht mehr aushielt und am kommenden Tag durfte ich es ausbaden, indem ich kaum ein paar Schritte gehen konnte-Na toll!-
Also, der Tag verging, ohne dass ich groß was schaffte, außer dass ich schlief. Am nächsten Tag war ich dafür umso wacher und war auch schon früh auf. Um zehn Uhr war wie jeden Tag war dann Beschäftigungstherapie und ich machte wieder mit, ich freute mich sogar drauf, denn wenn man wie ich eingesperrt war die ganze Zeit dann freut man sich über die kleinste Beschäftigung und außerdem will ich mit meinem Lederbeutel weiterkommen.
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Alt 01.07.2019, 09:32   #21
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Standard Vierzehn

Ich kam dann mit der Therapeutin so ins Reden, ob ich Lust habe, unten in der Werkstatt auch in die BT zu kommen, da gibt’s viel mehr Möglichkeiten, sie hätte gerade einen Platz frei und sie sieht wie sehr mir das Handwerkliche gut tut. Ich sagte ihr, dass ich großes Interesse habe, doch noch keinen Ausgang und das war ja für Therapie außerhalb der Station Voraussetzung. Sie versprach, mit meinem Arzt das abzusprechen und mir dann Bescheid zu geben. Mir wurde es ganz anders, das war nicht der Grund, dass ich nun mehr Therapie machen darf, sondern weil ich die Möglichkeit witterte, dass ich vielleicht die Fliege machen konnte und nach München abhauen könnte. Aber leicht wird es nicht werden, das wusste ich, denn wenn ich in der Gruppe fehlte, fiel das viel schneller auf, als wie wenn ich beim Ausgang abhaute!
Es dauerte auch nicht lange, dann klopfte mein Arzt bei mir: „ Sie würden gerne bei der BT im Keller mitmachen? Trauen Sie sich das denn zu ohne Dummheiten und abzuhauen, die Therapie zu machen? Da bin ich mir bei Ihnen nicht so sicher. Aber wenn sie es mir versprechen, gebe ich ihnen Ausgang für die Therapie, sie gehen alleine hin und kommen allein zurück, wenn das klappt können wir morgen über Ausgang sprechen.“ „ Ja ich verspreche es ihnen! Mir geht’s nur um die Therapie!“ Oh Gott, das war die reinste Lüge! Aber anders hätte ich nie gehen dürfen! Und nun habe ich sogar die Freiheit allein hin zu gehen, ich hatte gedacht ich werde, gebracht und geholt, das macht die Sache umso leichter, ich ging einfach direkt von Station zum Bus und das klappte auch! Natürlich war ich super nervös, wenn sie mich, bevor ich am S-Bahnhof ankam, einsammelten, habe ich ein großes Problem, dann war Schicht im Schacht, dann bin ich meine Freiheit und somit meinen Ausgang los. Ich fühlte mich wie ein gescheuchtes Huhn, immer auf der Hut zu sein, dass mich keiner verfolgt, um mich wieder einzusammeln und zurück auf die Station bringt. Immer wieder sah ich mich um und fühlte mich verfolgt, doch letztendlich lief alles glatt und als ich dann in der Bahn saß, fiel die Anspannung wie ne Last ab! Ich habe es endlich geschafft und ich kann wieder „frei“ in München sein! Ich weiß, es ist alles sehr widersprüchlich, was in mir abging, einerseits wollte ich nicht mehr in München Tag und Nacht rumhängen, das ging mir auch ziemlich an die Substanz, doch eingesperrt in Haar das wollte ich noch viel weniger. Also blieb mir nur, dass ich weiter in München gammeln werde, denn heim wollte und traute ich mich auch nicht, was ist wenn sie mich wieder nach Haar fuhren? Also es blieb mir keine andere Möglichkeit.
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Alt 18.07.2019, 09:35   #22
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Standard Fünfzehn

Klar war die Freude auf beiden Seiten wieder recht groß, als ich meine Clique wieder sah, aber ich merkte auch, es passte was gewaltig nicht mehr. Ich wusste, wenn ich das Ganze so weiter treibe, schaffe ich es auf Dauer körperlich nicht mehr. Deshalb kapselte ich mich erst mal von den anderen ab und überlegte, was ich eigentlich wollte. Als ich so im Botanischen Garten rumlief, fasste ich den Entschluss, dass ich als erstens meine Mutter anrief und ihr mitteilen wollte, dass ich nicht mehr in Haar war und für mich Entschlossen habe nun in München zu bleiben und mein eigenes Ding durchziehe. Ich bleibe in München und will mein Leben leben! Sie sollen mich bitte auch nicht mehr suchen lassen. Ich bin volljährig und habe auch keine Betreuung, also besteht kein Recht, mich suchen zu lassen! Der Schritt, da zuhause anzurufen viel mir megaschwer, aber ich wollte auch schauen, dass ich meine Ruhe habe und da musste ich halt nun durch! Aber das Erstaunliche war, damit hatte ich selbst nicht gerechnet, meine Mutter meinte, ok. Ich glaube ich muss dann deine Entscheidung akzeptieren, auch wenn es mir weh tut, ich habe schon Angst, in München kann soviel passieren, doch du wirst schon wissen was du tust., aber vergiss nicht, du kannst jeder Zeit nachhause, immer wann du willst! Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, das war viel einfacher als ich dachte und dass sie es so akzeptiert, hätte ich nie gedacht. Ich weiß heute nicht mehr ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre heimzufahren und dort versuchte, mir ein Leben mit Tagesstruktur aufzubauen, ich hätte ja versuchen können zuhause zu wohnen und Tags über in die Caritas Tagesstätte zu gehen, einfach um wieder, den Rhythmus von einem normalen Tag zu bekommen, mich mit Hilfe der Tagesstätte zu stabilisieren und dann weiter schauen was Sinn macht. Ich war in dieser Tagesstätte schon ein paar Mal gewesen, aber letztendlich habe ich die Tagesstätte dazu genutzt von dort aus nach München zu fahren. Aber es lag nicht an der Tagesstätte, mir gefiel es eigentlich gut dort und alle waren nett, aber mich zog es einfach in die Stadt!
Ich verstand mich einfach selbst nicht, einerseits zog es mich immer mächtig nach München, aber auf der anderen Seite dachte ich immer wieder, eigentlich würde ich gerne was aus mir machen. Das war alles gegensätzlich, das Eine passte zum Anderen nicht und das war schwer auszuhalten!
Im Anschluss an das Gespräch mit meiner Mama hatte ich genug Mut, in Haar anzurufen, um zu sagen, dass es mir gut ging und ich in München bleiben würde, Ich hatte nur die Dienstärztin an der Strippe, aber das war mein Glück. Ich sagte ihr, was ich zu sagen hatte, dazu meinte sie nur, wenn es ihnen gut geht und es ihr Wunsch ist, melde ich sie in der Klinik ab, sie sind bzw. waren ja freiwillig bei uns, da kann ich sie nicht zwingen wieder in die Klinik zu kommen, obwohl es wirklich besser für sie wäre! Was für ein Glück ich hatte, bei beiden Telefonaten war alles problemlos gelaufen, es gab kein Kräfte messen, es lief einfach so wie ich es wollte, aber war das wirklich mein Glück? Ich hatte nun zwar meine komplette Freiheit, niemand wird mehr nach mir suchen und ich kann tun und lassen was ich möchte, doch wenn ich so drüber nach dachte, ist das denn wirklich was ich wollte? Ich spürte dass bei mir was gewaltig schief läuft! Doch ich versuchte meine quälenden Gedanken zu verschieben. So nun habe ich meine komplette Freiheit, keiner sucht mehr nach mir kann tun und lassen was ich will. Doch was will ich denn und was noch viel wichtiger ist, was mache ich mit den Nächten, ich kann nicht eine Nacht nach der anderen durchmachen, da würde ich mich ja komplett kaputtmachen!
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