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Schreibwerkstatt / Hilfe Gedichte und diverse Texte, an denen noch gefeilt werden muss.

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Alt 21.01.2018, 03:31   #1
männlich Eisenvorhang
 
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Standard Trochäus mit Auftakt

Hallo,

wo liegt der Unterschied zwischen einen Jambus und einen Trochäus mit Auftakt?

Ich habe einen platten Fuß Jambus


Könnte der obige Jambus ein Trochäus deswegen sein, weil die Hebung auf habe fällt? Also auf die erste betonte Silbe oder richtet sich der Auftakt auf die vorausgehende Silbe?


Einen platten Fuß, den habe ich. Trochäus

Google spuckt nur Quark aus, den ich nicht verstehe.
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 03:46   #2
männlich Gemini
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Einen platten Fuß ist Trochäus
Was soll die Frage

Ich habe einen..

Ist Jambo

Einen platten Fuß, den habe ich. Trochäus

Ja ist auch Trochäus, aber wie willst du dann weiter schreiben, weil ich Platten auch betonen würde.
Also so wurde niemand anfangen.
Eher so

Fuß den platten, habe ich

Obwohl ich mich davor fürchte wie es weiter gehen würde

Gem
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Alt 21.01.2018, 03:54   #3
männlich Eisenvorhang
 
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Gem,

es geht um Auftakte!

Denn theoretisch könnte ein Trochäus auch so aussehen:

xXxXxXxXx
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 04:09   #4
männlich Gemini
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Beiträge: 1.336

Nein, Troch ist immer mit betonter erster Silbe

Was ein wenig blöd ist, ist,

dass du nach dem Trochäus wieder einen Trochäus hättest

bei "Platten", das wird auch stark betont und ist ein Auftakt

Einen Platten, wären zwei Auftakte

Ich würde so nie beginnen, oder eben zwei senkungen einbauen, aber in der zweiten strophe musst du wieder auftakten
du kannst natürlich einen trick einbauen und lyrisch werden und den reim verschleppen.

nur den trochäus musst du auflösen

und den reim am ende einbauen

die senkung musst du irgendwann einbauen

du kannst viele tricks anwenden, so wie verschleppte und umgekehrte reime, aber im endeffekt, musst du die regeln einhalten

das ist das gedichte gesetz
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Alt 21.01.2018, 04:19   #5
männlich Eisenvorhang
 
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Beiträge: 1.381

Gem, Du bist spitze!

Es ist also doch total einfach - mich hat das ganze Auftaktgerede mächtig verwirrt!

Hab Dank!
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 04:29   #6
männlich Gemini
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Und nun gehe in Frieden

Gem
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Alt 21.01.2018, 16:54   #7
männlich Heinz
 
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Beiträge: 4.597

Lieber EWisenvorhang,
lieber Gem,
ich denke, Ihr macht es Euch schwerer als es ist.
Was ist ein Auftakt? So recht passt dieser Begriff nicht in die Verslehre.
"Auftakt" ist der erste Takt eines Musikstücks.
Wenn ich das auf die Poeterie übertrage, dann ist der erste Takt eines Verses
eben der Auftakt. Und wenn der mit einer Hebung, gefolgt von einer Senkung beginnt (Xx), dann nennen wir das "Trochäus".
Ich selbst benutze den Begriff "Auftakt" gelegentlich, wenn ich Verse in Daktylen (Xxx) schreibe, aber mit einer Senkung beginne (xXxxXxxXxx...), z.B.:
In traulicher Runde verbrachten die Männer den Abend und soffen das schäumende Bier.... (xXxxXxxXxxXxxXxxXxxX).
xXxX... sind Jamben und keine Trochäen "mit Auftakt".
Alles klar?
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 17:58   #8
männlich Gemini
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Beiträge: 1.336

Heinz, wie lange, habe ich dich sturen Bock dazu bewegen wollen, dass du uns genau das lernst. Jetzt, wo ich gehe und dich mag, zeigst du deine Ninja Skills.

Ich werde euch vermissen.
Gemini ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 20:18   #9
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.381

@Heinz

Dank Dir...

Der Begriff des Auftaktes hat mich mächtig verwirrt, vor allem die Erklärung auf Wiki.

Zum Glück ad acta nu.

vlg

EV
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Alt 21.01.2018, 20:30   #10
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Was ist ein Auftakt? So recht passt dieser Begriff nicht in die Verslehre.
"Auftakt" ist der erste Takt eines Musikstücks.
Wohl deshalb steht im Lehrbuch "Lyrik" von Stefan Eylt nur der Begriff "Aufgesang" im Register. Von Auftakt ist bei ihm nichts zu finden.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 20:32   #11
männlich Eisenvorhang
 
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Ilka, ist das Lehrbuch empfehlenswert?

vlg
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Alt 21.01.2018, 20:58   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ilka, ist das Lehrbuch empfehlenswert?

vlg
Für Anfänger vielleicht zu anspruchsvoll und eher für Studenten der Germanistik/Literatur geeignet. Es handelt weniger von Verslehre als vielmehr von der Entwicklung der Lyrik in der Literaturgeschichte.

Eher empfehle ich "Neue Versschule" von Christoph Hönig, das beim selben Verlag - UTB - erschienen ist.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 21:16   #13
männlich Eisenvorhang
 
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Das macht nichts. Ich wachse gern in Sachen hinein.

Ich bestelle beide.

Sei bedankt!
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2018, 22:35   #14
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ich bestelle beide.
Gute Entscheidung.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 00:09   #15
männlich Heinz
 
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Hallöchen Gem,
Du bist eine unbezahlbare Granate, und wenn es Dich nicht gäbe, müsstest Du erfunden werden. Ich - ein sturer Bock? Kaum habe ich mühsam den ersten Schock verarbeitet, treibst Du mir Tränen in die Augen.
Wann hätte ich jemals gebockt, wenn jemand nach meinem Rat gefragt hat?
Extra für Dich habe ich meine "Kleine Verslehre" geschrieben. Ich ergänze hier die Literaturangaben von Ilka-Maria: Ich empfehle ein kleines Büchlein:
Wolfgang Kayser, Kleine deutsche Versschule, Francke Verlag Bern und München.
Bei Google leicht auffindbar und schon für weit unter 10 € zu kriegen.
Ich finde, es ist leicht lesbar und erklärt auch für Anfänger, wo es lang geht.

Beim Durchlesen der verschiedenen Beiträge bin ich auf eventuelle Irritationen gestoßen. Beispiel:
Ich habe einen platten Fuß - nach der normalen Lesart sagt man leichthin: Das sind Jamben: Ich habe einen platten Fuß (xXxXxXxX). So weit, so gut.
Was aber, wenn der Vers zuvor lautet: Wir haben alle schmale Füße = Wir haben alle schmale ße (xXxXxXxXx) - klar: Jamben.
Jetzt komm ich und behaupte: Ich habe einen platten Fuß XXxxxXxX - Wat nu, spricht Zeus?
Mit anderen Worten: Einen Vers, losgelöst vom Kontext, kann zu Verwirrungen führen.
So, jetzt will ich aber niemanden verrückt machen. Wir geben den Versfüßen Namen, aber wie lässt Goethe (hier in leicht abgeänderter Form) verlauten:

Nenn's Trochäus! Jambus! Anapäst!
Ich habe keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Halt dich unbesorgt
nur am Gefühle fest.

Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 00:40   #16
männlich Eisenvorhang
 
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Du bekommst gleich eins uffe Dampfklappe Heinz!
Nun herrscht wieder Verwirrung.

"einen" komplett unbetont - wie geht das denn?

Allein das "i" von "einen" wird doch betonter als das letzte "e" von einen gesprochen, wenn es um natürliche Betonung geht.

Soweit ich weiß, kann man einsilbige Wörter ja trochäisch und jambisch sprechen.

Da du ja immer alles besser weißt - jambus
xXxXxXxXxX
Da du immer alles besser weißt - trochäus
XxXxXxXxX

Ach. Was weiß ich. Hühnermist. Nun war ich der Meinung, der Metrik langsam mächtig zu werden.

Heinz!

Dein Buch bestelle ich mir auch!

Lese ich alles bis zum Erbrechen und übe und übe, bis ich das Niveau erreicht habe, was mir vorschwebt: innere Zufriedenheit und sicherer Umgang mit der Deutschen Sprache bis keiner mehr ankommen kann und rumkorrigieren will.

EV
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 00:55   #17
männlich Heinz
 
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Lieber Eisenvorhang,
ich wollte niemand verwirren. Nur aufzeigen, dass Takt nicht alles ist, sondern der Rhythmus ein leichtes Gewand über die Takte werfen kann.
Sprich mal laut:
Ich geb einen Scheiß drauf, was der Trottel sagt.
Das kannst Du sprechen: "ich geb einen Scheiß drauf, was der Trottel sagt" (xXxxXx-XxXxX) oder: "Ich geb einen Scheiß drauf, was der Trottel sagt" (XxXxXX-XxXxX).
Die Ixerei stößt an ihre Grenzen. Wenn Du den "reinen" Takt (Jambus) haben willst, hilft nur, die Zeile umzubauen: Ich gebe einen Scheiß darauf, egal, was Trottel sagen. (xXxXxXxXxXxXxXx).
Verwirrung aufgelöst oder alles noch schlimmer gemacht?
Dampfklappe habe ich ruckzuck repariert.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 01:01   #18
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ach. Was weiß ich. Hühnermist. Nun war ich der Meinung, der Metrik langsam mächtig zu werden.
Mache es dir nicht schwer. Heinz hat klar gesagt, dass man auch seinem Gefühl folgen muss. Es ist wie beim Tanzen: Wenn man den Rhythmus beherrscht, kann man sich auch mal einen Ausfallschritt leisten, man muss nur wieder in den Takt kommen. Selbst die größten Dichter haben sich nicht vor einem Wechselspiel zwischen jambischen und trochäischen Versen gescheut. Außerdem wirst du auf Gedichte stoßen, die den Jambus nicht durchhalten, sondern immer wieder einen Daktylus dabei haben - das lässt sich in der deutschen Sprache nicht gänzlich vermeiden. Beim Reimen haben wir ähnliche Probleme, denn da das Deutsche viele Wörter hat, auf die sich nur wenig oder gar nichts reimen lässt, sind entweder unsere Gehirnzellen mächtig gefragt (Neuschöpfungen, Griff in die internationale Kiste oder in die Antike usw.) oder wir tricksen mit unreinen Reimen.

Bedenke außerdem, dass die Betonung mancher Wörter auch den lokalen Gewohnheiten entspricht. Nimm das Wort Motor zum Beispiel: Manche Leute betonen die erste Silbe, andere Leute jedoch die zweite Silbe. Erschwerend kommt hinzu, dass wir heute der einen oder anderen Fremdsprache mächtig sind, was unsere Sprechgewohnheiten beeinflusst. Wenn jemand, der viel Englisch sprechen muss, auch im Deutschen das Wort "Konflikt" auf der ersten Silbe betont, ist das nicht verwunderlich. Im Duden jedoch liegt die Betonung nach wie vor auf der zweiten Silbe.

Das alles gilt es zu bedenken. Deshalb bei Unsicherheit:

nicht verzagen
Duden fragen

Oder eben den eigenen Bauch.

LG
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 01:13   #19
männlich Eisenvorhang
 
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Jap! Verwirrung wieder aufgelöst.

Ilka, Heinz: danke, danke!
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2018, 02:25   #20
männlich Heinz
 
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Dann ist ein kleiner Scherz angebracht, der mit der Beherrschung der deutschen Sprache zu tun hat.
Sie: "Liebling, komm ans Fenster, der Morgen graut!"
Er: "Woher weißt Du das?"
Sie: "Ich schaue aus dem Fenster."
Er: "Es heißt: Dem Morgen graut!"

Ilka-Maria hat es in wenigen Worten zusammen gefasst, worauf es ankommt. Mir wird ganz blümerant, weil ich ihr in letzter Zeit so oft zustimmen muss.

Ein kleines Helferlein habe ich Dir genannt (ohne die anderen Vorschläge abwerten zu wollen).
Wenn noch eine kleine Ergänzung sein darf: Denk daran, dass Lyrik seinen Wortstamm bei der Lyra hat, viele Gedichte vertont und gesungen wurden.
Heinrich Heine ist in meinen Ohren - Gedichte muss man lauf lesen! - einer der "musikalischsten" Dichter:

Am leuchtenden Sommermorgen
Geh ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.

xXxxXxXx
XxxXxxX oder xXxXxxX
xXxxXxxXx
XxxXxxX oder XxxXXxX

Heine setzt sich meisterhaft über einen regelmäßigen Takt zugunsten eines typisch Heine-Rhythmus hinweg.
Liebe Grüße und viel Spaß beim Büffeln! Uns ist schließlich auch nichts in den Schoß gefallen.
Heinz
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