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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 27.02.2018, 23:32   #1
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
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Alter: 33
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Standard Tag und Nacht

Wenn Tag und Nacht einander schwärmend ahnen,
versinkt der Himmel in blutrotem Leiden.
Denn Sehnsucht liegt im Gleichmaß ihrer Bahnen
und niemals sehn, berühren sich die beiden.

Kaum ist der Tag ereifernd angebrochen,
schon neigt er sich zur Nacht; er strebt und schwindet.
Die Seelenruhe, die sie ihm versprochen,
ist ihm ein Traum, den er bei Tag nicht findet.

Und manchmal lässt er ihr ein zartes Zeichen:
Ein Deingedenken fasst der Regenbogen.
Dem Dunkel müssen alle Farben weichen
und alle Andacht ist im Nichts verflogen.
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Alt 28.02.2018, 22:25   #2
männlich Laie
 
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Alter: 28
Beiträge: 847

Das Morgen- und das Abendrot als sehnsüchtige Grenze, die Tag und Nacht voneinander trennt und sie nicht zueinander finden lässt. Wunderschön!

Zwei Dinge:

1. Der Tag, der die Seelenruhe bei Tag nicht findet, ist im ersten Moment etwas komisch. Vielleicht meint du, dass er sie bei sich selbst nicht findet? Aber dann würde ich das auch direkt so schreiben: "...ist ihm ein Traum, den er bei sich nicht findet."

2. Wie kommt es zum Regenbogen? Meinst du wirklich einen Regenbogen oder eine andere Haloerscheinung mit Regenbogenfaben? Dieser Punkt soll keine Kritik an deinem Gedicht sein, sondern ist nur ein Zeichen meiner schlechten Auffassung

Sehr gern gelesen!

Gruß,
Laie
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Alt 01.03.2018, 12:41   #3
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Dankeschön lieber Laie,

für dein Lob und deine gar nicht laienhafte Betrachtung!
Zu den Fragen, die du aufgeworfen hast:

Zitat:
1. Der Tag, der die Seelenruhe bei Tag nicht findet, ist im ersten Moment etwas komisch. Vielleicht meint du, dass er sie bei sich selbst nicht findet? Aber dann würde ich das auch direkt so schreiben: "...ist ihm ein Traum, den er bei sich nicht findet."
Die Idee war, dass hier ein etwas unachtsamer Erzähler zuweilen aus dem Bildhaften heraus gleitet und wenn er dann von "ihm" und "ihr" berichtet nicht unbedingt mehr Tag und Nacht sieht, sondern zwei real exisitierende Personen. In gewissen Details seiner Erzählung verrät er sich, unter anderem auch in der seltsamen Formulierung, dass der Tag den Traum bei Tag nicht findet. Der Tag als Subjekt steht ja relativ am Anfang der Strophe und im Fortgang der Strophe vergisst er, dass er den Tag als Bild für einen Mann benutzt hat und sieht nur noch "ihn"; in diesem Zusammenhang würde es Sinn machen, dass er (der Mann) bei Tag den Traum nicht findet.

Dieser Kniff soll den Erzähler zu einer realen Figur mit Schwächen machen, die mehr von sich preisgibt, als ihr lieb ist. So wird der Erzähler Teil der Geschichte und konventionelle Trennungen sind verschwommen, die Einheit von Erzähltem und Erzählung soll hier erreicht werden. Und da darf der Leser gerne darüber verwirrt sein.

Zitat:
2. Wie kommt es zum Regenbogen? Meinst du wirklich einen Regenbogen oder eine andere Haloerscheinung mit Regenbogenfaben?
Ich meine tatsächlich einen Regenbogen, zumindest auf der Bildebene, also etwas, das nur der Tag kreieren kann und in der Nacht bedeutungslos ist.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.03.2018, 13:10   #4
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 28
Beiträge: 847

Danke für deine Erläuterungen, Schmuddelkind!

Dann habe ich mit meiner Verwirrung ja alles richtig gemacht

Gruß,
Laie
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.03.2018, 23:27   #5
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Zitat:
Dann habe ich mit meiner Verwirrung ja alles richtig gemacht

Es ist immer wieder schön, wenn beim Leser ankommt, was man transportieren wollte.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
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nacht, sehnsucht, tag

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