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Alt 30.06.2021, 21:57   #1
männlich Hans Plonka
 
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Standard Meinungsbilder

Eine Meinung ist eine Form des Fürwahrhaltens aufgrund von Wissen oder Glauben. Sie wird auch oft als Überzeugung, Standpunkt, Position, Ansicht, Auffassung, Haltung, Sichtweise oder sogar auch als Urteil bezeichnet. Dabei wird meist auch außer Acht gelassen, dass es sich bei all dem um subjektive Psycho Bilder handelt, die tolerant auch gegenüber Minderheiten einen Vergleich in einer Diskussion nicht scheuen dürften. Dies umso mehr je überwältigender die Mehrheit ist.
Nicht immer entstehen Meinungsbilder unabhängig aufgrund von Logik und nicht selten sind dabei geistige Abhängigkeiten im Spiel. Diese sind der erste Eindruck, unvollständiges Erkennen und Erfahrung, Vertrauen auf Andere und Mehrheiten, eigene Vorteils- und Zielsuche.
Von mehr oder weniger mächtigen Interessen sind wir Lebenslang einer versuchten und manchmal auch geglückten Meinungssteuerung ausgesetzt. Dies geschieht durch die Art der Informationsweitergabe, bei der eine einseitige Flutung, Unterlassung, Übertreibung und Hervorhebungen eine gravierende und prägende Rolle spielen.
Da Meinungen oft intolerant vertreten werden, geht von ihnen auch je nach Anteil an der gleichen Meinung in einer Gemeinschaft auch ein Druck auf andere Meinungsbilder aus. Mit dem zunehmenden Anteil an einem Meinungsbild geht auch eine zunehmende Macht desselben einher. Dies können wir beobachten in Religionen, Wirtschaft und Politik.
Auf manchen Gebieten werden Meinungen über Generationen mithilfe von Indoktrination weitergegeben, wobei Ziele infolge von Egoismus meist Richtunggebend sind. Nicht selten wird dies auch durch Sitten, Riten und Gebräuche unterstützt.
Bei der Meinungsbildung konkurriert emotionales und logisches Denken, was auch zu unterschiedlichen Meinungen führt. Das logische Denken kann durch die Steuerung von Informationen (falsche und fehlende) beeinflusst werden. Das emotionale Denken wird durch visuelle, sprachliche und auch andere Kontakte jeglicher Art (Angebote, Konsum, Ernährung) beeinflusst und nicht selten auch bewusst gesteuert,
Das Ausmaß der bewussten so wie auch die unbewusste Steuerung von Meinungsbildern wird durch Ungleichheiten und ihr folgenden Interessenunterschieden erhöht. Für eine möglichst Allen helfende Meinungsbildung wäre mehr Gleichheit aber auch freies, von persönlichem Denken unabhängiges Denken erforderlich. Dies sollte zum Wohle aller auch gegen die Widerstände von privilegierten Vorteilnehmern angestrebt werden. © U+00A9 Hans Plonk
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Alt 02.07.2021, 08:16   #2
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
Eine Meinung ist eine Form des Fürwahrhaltens aufgrund von Wissen oder Glauben. Sie wird auch oft als Überzeugung, Standpunkt, Position, Ansicht, Auffassung, Haltung, Sichtweise oder sogar auch als Urteil bezeichnet.
Die Prämisse des Textes ist fehlerhaft. Eine Meinung muss von ihrem Vertreter nicht für wahr gehalten werden. Es kann ihm durchaus klar sein, dass er sich diese Meinung zu eigen gemacht hat, gerade weil ihm besseres Wissen fehlt und er sie deshalb erst überprüfen muss. Ansonsten wäre er nie zu einer Meinungsumkehr oder Meinungsänderung in der Lage. Wissenschaftler und Forscher bilden sich in den meisten Fällen zuerst ihre Meinung und versuchen sie dann zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Glaube hat mit Fürwahrhalten einer Meinung ebensowenig zu tun. Auf ihn ist der Mensch immer dann angewiesen, wenn er weiß, dass er eine Idee oder einen Verdacht niemals beweisen kann. Wenn ein Mensch glaubt, dass sein Ehepartner ihm treu ist, hat das nichts mit Meinung, sondern mit Vertrauen zu tun. Und wer an die Existenz Gottes glaubt, kann einer Wahrheit oder Unwahrheit aufsitzen - er wird weder das eine noch das andere jemals herausfinden.

Mit den Synonymen ist das eben eine trügerische Angelegenheit, denn jedes hat eben eine ganz eigene Bedeutung, ansonsten könnte die Sprache auf derart präzise Definitionen verzichten. Auch eine Ansicht ist keine Meinung, sondern der Eindruck einer Sache, wie sie sich gerade präsentiert. Wer von einer Ansicht spricht, weiß in der Regel, dass sie falsch sein kann, er aber im Augenblick nur so und nicht anders auf einen Sachverhalt blicken kann.

Auch ein Urteil hat nichts mit einer Meinung zu tun. Kein Richter der Welt könnte sein Urteil damit rechtfertigen, es aufgrund seiner Meinung gesprochen zu haben. Vielmehr bedarf es eines gründlichen, gewissenhaften (darin steckt "wissen"!) Abwägens, um einem Urteil die notwendige Angemessenheit zu geben, denn es zieht Konsequenzen nach sich und ist auch nicht mehr so leicht änder- oder rücknehmbar wie eine Meinung. Wer urteilt, verfügt über Macht; wer eine Meinung äußert, wird allenfalls angehört - oder auch nicht. Wenn ein Vater zu seinem Sohn das Donnerkeil-Urteil spricht, aus ihm werde nie etwas Gescheites, hat das andere Auswirkungen, als wenn er ihm sagt, er sei der Meinung, er strenge sich in der Schule nicht genügend an. Ein Urteil kann einen Menschen vernichten, einer Meinung hingegen kann er widersprechen oder sie schlicht und einfach nicht zur Kenntnis nehmen

Dabei belasse ich es mit dem Text. Auch noch auf Themen wie logisches Denken und Emotionalität einzugehen wäre mir im Augenblick zu zeitintensiv. Der Autor hat es sich auch in dieser Hinsicht mit seinen Ausführungen zu einfach gemacht. Im Grunde müsste der gesamte Text nochmal tiefer durchdacht und überarbeitet werden, wenn daraus so etwas wie ein lesenswertes Essay werden soll. Aber das ist nur meine Meinung, die niemand mit mir teilen muss .

Nur noch eine Kleinigkeit am Ende:

Zitat:
Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
Dies sollte zum Wohle aller auch gegen die Widerstände von privilegierten Vorteilnehmern angestrebt werden.
Das ist eine Tautologie - weiße Schimmel, schwarze Raben, die La-Ola-Welle, der Vorprogrammierer, die Aufoktroyierung und die numerische Überzahl (gerade wieder bei Fußballmoderatoren brandaktuell) lassen grüßen.

Übrigens ist in Sachen Sprachgenauigkeit der Psychologieprofessor Jordan Peterson ein starkes Vorbild. "Mind your words", lautet seine Devise, an die er sich strikt hält. Deshalb hat schon mancher Interview-Partner, der ihm Fallen stellen wollte, empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Das Interview mit Cathy Newman ist legendär (hier deutsch kommentiert):
https://www.youtube.com/watch?v=yqv_L_3ANSM

VG
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Alt 02.07.2021, 09:29   #3
männlich dr.Frankenstein
 
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"Die grundlegende Frage jeder Erkenntnistheorie: Was kann ich wissen? resp. Was kann der Mensch gesichert erkennen?

Auf dieser Frage gründet z.B. der Deutsche Idealismus in der Nachfolge Kants - Kant: Erfahrung ist freilich Aufnahme von Erlebtem, doch wie dies Erlebte geistig verarbeitet wird hängt ab von der mentalen Konstitution, d.h. von den Aufnahmeprämissen wie z.B. Raum, Zeit, Kategorie etc. Die Analyse dieser Prämissen oder Charakteristika ermöglicht das richtige Urteil über die Richtigkeit oder Falschheit der Urteile, die wir über Objekte fällen.
Die Kategorie contra Ding an sich - so wie ich ein Objekt auffasse, so muss ich alles Sinnliche abstrahieren (abziehen), da diese durch meine Auffassung beeinflusst werden (könnten); ziehe ich alles das ab, bleibt übrig ein Ding an sich.
Hegel: Kant will "schwimmen lernen ohne ins Wasser zu gehen", d.h. er setzt das Subjekt unfreiwillig in direkte Konfrontation zu der Substanz; das Subjekt kann sich nur auf sich selbst verlassen, es kann seine Aufnahmeprämissen nur an sich selbst prüfen ohne die Erkenntnis selbst als Kriterium heranzuführen um über die Richtigkeit oder Falschheit der Urteile zu stimmen.

Jede Erkenntnistheorie muss entweder den Skeptizismus zu überwinden suchen, also den Beweis liefern, dass Beweise möglich sind, oder diesen akzeptieren bis zu dem Grad, dass klargestellt wird, was de facto erkannt werden kann und was entweder Erscheinung ist oder An-sich ist (Ansichsein heißt der Gegenstand, wie er ist außerhalb meines Bewusstseins)." Larkin
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Alt 02.07.2021, 13:44   #4
männlich Ex-Ralfchen
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Ich nehme hier noch einmal zum ersten Satz Bezug und sage dass diese Feststellung und Behauptung völlig falsch ist, denn unter einer Meinung oder Auffassung wird in der Erkenntnistheorie eine von Wissen und Glauben unterschiedene Form des Fürwahrhaltens verstanden. Nach einer verbreiteten philosophischen Begriffsverwendung ist das Meinen ein Fürwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. Dadurch unterscheidet sich das Meinen vom Glauben und vom Wissen.
Ex-Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2021, 11:34   #5
männlich Hans Plonka
 
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Beiträge: 335

Lb Ilka-Maria,

Deine Ausführungen sind richtig, womit Du jedoch den Eindruck erweckst, meine wären falsch.
Die Definitionen von Wissen und Glauben sind nicht einheitlich. Z.B. gibt es subjektives Wissen aufgrund von geistigen Erkenntnissen (Leben nach dem Tod, Wiedergeburt, Geschichtliches, außerirdisches usw.).
Dass eine Meinung auch oft (oft ist kein genauer Begriff) mit anderen Ausdrücken bezeichnet wird, bedeutet keine Gleichstellung.
Zitat:
Wer urteilt, verfügt über Macht.
Ein Urteil ist eine Aussage, die eine subjektive Ansicht über etwas enthält. Erst wenn sie mit einer wirksamen Entscheidung (Richten) verbunden ist, setzt sie auch Macht voraus..
Zitat:
Zitat von Hans Plonka
Dies sollte zum Wohle aller auch gegen die Widerstände von privilegierten Vorteilnehmern angestrebt werden.
Eine Tautologie sehe ich hier nicht, denn ich kann hier durchaus auch die Meinung vertreten, dass es auch zum Wohle von Priviligierten wäre.

LG Hans

Lb. dr.Frankenstein,

dazu denke ich, wir sollten unterscheiden zwischen subjektiver (für Eigennutzung) und möglichst objektiver (allgemeine Gültigkeit) Erkenntnisgewinnung.

LG Hans

Lb. Ralfchen,

Zitat:
nach einer verbreiteten philosophischen Begriffsverwendung ist das Meinen ein Fürwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt.
Das Meinen muss nicht immer für wahr gehalten werden. Ich denke dazu, es kann durchaus auch persönliche Interessen vertreten mit der Kenntnis, objektiv für andere falsch zu sein.
Im Übrigen verweise ich auf meine Antwort an Ilka-Maria.

LG Hans
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Alt 07.07.2021, 12:38   #6
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
Ein Urteil ist eine Aussage, die eine subjektive Ansicht über etwas enthält. Erst wenn sie mit einer wirksamen Entscheidung (Richten) verbunden ist, setzt sie auch Macht voraus..
Das ist ein Irrtum. Ein Urteil, egal ob subjektiv oder objektiv gefällt, kann psychologisch wirksam sein. Es bedarf keiner institutionellen Grundlage, um Macht auszuüben. Wer sich dem Urteil beugt, weil er es für wahr hält, ist in der Rolle des Dulders bzw. Unterwerfers; wer es nicht annehmen will, muss in Opposition treten.

Zitat:
Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
Eine Tautologie sehe ich hier nicht, denn ich kann hier durchaus auch die Meinung vertreten, dass es auch zum Wohle von Priviligierten wäre.
Die Tautologie steckt in diesem Ausdruck:
Zitat:
privilegierten Vorteilnehmern
Ein Vorteilnehmer ist nichts anderes als ein Privilegierter.
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Alt 07.07.2021, 20:55   #7
männlich dr.Frankenstein
 
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Also ist der, der das Urteil duldet der Vorteilgeber. Eigentlich gibt sogar der Oppositionelle dem Vorteilnehmer seine Stellung. Es gibt aber auch die Möglichkeit das Urteil zu ignorieren, damit entzieht man den Vorteil.
alles weitere würde ausufern

Ja für subjektive Erkenntnisse sind deshalb immer ziemlich verwirrend im Internet und irgendwann glaubt man garnix mehr. Weil ja irgendwie alle auch das Fernsehen auf dieser Welle schwimmt.
Außer Wissenschaftsdokus sind eine sehr tolle Erfindung, weil da alles viel schöner zusammengefügt wird als in eimem Vortrag.

Bei der subjektiven Meinung ist es doch ok diese zu haben, der Nachteil ist nur das viele glauben auf Missionierung unterwegs zu sein, aber es kann ja jeder seine subjektiven Interpretationen verfolgen. Es wurde ja der rituelle Rahmen unserer Kultur zerstört in dem das Möglich und wichtig war.
Aber heute verwechseln wir das oft, das unsere Meinung etwas ist womit wir andere belästigen müssen. Anstatt daraus einfach die eigenen Handlungen abzuleiten und anderen dieses Recht auch zuzugestehen. Aber wir sind ja an einem Punkt wo Meinungen für gefährlich gehalten werden, weil es nix anderes mehr gibt. Man ist mit den anderen nicht durch eine Kultur verbunden, eher durch eine "Matrix" von Händlern und Medien.
Wenn es ein Ritual gibt das viele teilen, dann ist es das Fernsehen. Aber selbst da gibt es keinen Halt. In der Szene der Schamanen sind alle Kulturen der Welt vertreten, da gibts dann indianisches Engeltarot mit meditierenden Majakriegern.
Die Kirche hat uns von der Erde entkoppelt und jetzt haben wir uns restlos von allem entkoppelt und halten uns ängstlich an Meinungen fest.
Ist aber rein subjektiv diese Betrachtung und ich akzeptiere auch jede andere Sichtweise.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
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meinung, position, standpunkt

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