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Alt 22.08.2021, 18:24   #1
männlich Anaximandala
 
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Standard Metrik und Silben bei Suffix ion/ial und Plural ee/ie/ei

Die Frage beschäftigt mich schon etwas länger und bisher versuche ich, einfach einen Bogen um die entsprechenden Wörter zu machen, aber vielleicht kann mir hier ja jemand die Frage beantworten.

Wie gehe ich beim Dichten mit Wörtern um, die auf den Suffix (t)ion oder ial enden? also beispielsweise Funktion oder genial.
Oder mit dem Plural von (fem) Wörtern auf die Endung ee, ie, ei, bsp. Galaxien,...

Von der Silbentrennung her würden die Worte wie folgt aussehen:
Funk|ti|on
Ge|ni|al
Ga|la|xi|en

Nur würde ich diese Wörter, zumindest im Sprachfluss eines Gedichtes, anders betonen, nämlich:
Funk|tion
Ge|nial
Ga|la|xien

Ich hab dazu nicht wenig gesucht und auch viele interessante Dinge zu Betonung etc. gelesen, nur kein konkretes Beispiel für mein Problem.

Deshalb meine Frage, bin ich einfach etwas blöde und krieg die Betonung nicht auf die Reihe? Oder bin ichs, weil die Silbentrennung für das Metrum unwichtig ist und es nur um "phonetische Silben", Morpheme oder wie auch immer, geht?
Ich meine, mir ist klar, dass jedes dieser Worte für sich alleine und langsam ausgesprochen nach der Silbentrennung betont werden kann, aber im Textfluss eingebaut haben sie alle mich schonmal kalt erwischt und ich stand plötzlich mit einer Silbe zu viel da

Vielen Dank schonmal im Voraus, wiegesagt, das Problem beschäftigt mich jetzt echt schon ne Zeit lang^^
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Alt 22.08.2021, 18:48   #2
weiblich Ilka-Maria
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Ich vermeide solche Wörter, wann immer es möglich ist. Sie sind sperrig, unlyrisch und werfen unnötig Probleme auf. In den meisten Fällen gibt es gute Lösungen. Für "genial" könnte man z.B. brillant, exzellent, grandios, phänomenal, unübertrefflich, magnifik, süperb, grandios, unvergleichlich, überragend, unnachahmlich, fantastisch usw. nehmen.

Oder man versucht, diese Wörter, wenn sie unvermeidbar sind, am Anfang oder in der Mitte des Verses zu placieren. Denn dann wird der Suffix automatisch schnell gelesen oder gesprochen, also als eine einzige Silbe wahrgenommen.

Eine weitere Möglich ist das Ausweichen auf ein substantiviertes Verb, es also mit dem "Funktionieren" statt mit der "Funktion" zu versuchen. Oder man probiert mit dem Adjektiv "funktional" herum. Kommt natürlich auf den Sinn des Verses an, ob das machbar ist oder nicht. Umgekehrt könnte man das Adjektiv "genial" in das Substantiv "Genialität" umwandeln, wenn das für den Rhythmus besser passt.

Man könnte ein sperriges Wort auch zu einem Ausdruck erweitern, wie z.B. genialer Verstand oder geniales Denken, nur muss man dann aufpassen, dass man nicht Wörter zusammenbringt, die als Verlegenheitslösung und unnötige Aufblähung eines Verses empfunden werden.

Ich selbst gebe mich nicht damit zufrieden, dass der Leser schon selbst den Rhythmus eines Wortes mit solchen Endungen findet; lieber bastele ich solange an den Versen herum, bis ich mit ihnen zufrieden bin, selbst wenn ich dafür die erste Idee opfern muss. Ein Grundsatz des literarischen Schreibens lautet: "Kill your babies!" Besser ist jedoch, seine Schätzchen einzufrieren und für ein anderes Gedicht aufzuheben.
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Alt 22.08.2021, 20:10   #3
männlich MonoTon
 
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Hallo anaximandala, Hallo Ilka

Zitat:
Funktion oder genial.
Bei den Beispielen sehe ich (aus meiner Erfahrung) eine Silbentrennung, da nämlich die Suffix (ti-on und ni-al) bestens alleine und in konsonanter Trennung bestand hätten.
Es besteht eine Verbindnung mit einem Folgekonsonanten, sobald man seine Zungen- oder Mundstellung ändert, um einen weiterführenden Vokal zu formen.
Meines Erachtens ist es schwierig 2 aufeinander folgende Konsonanten bestehend aus 2 Vokalen nicht zu fu-sio-nie-ren, da diese nicht für sich alleine stehen können.
Hierbei ist (so glaube ich zu Wissen) wichtig, das ein Vokal niemals alleine eine Silbentrennung erfährt und nur in Begleitung eines Konsonanten bestand hat.
Und des weiteren denke ich zu wissen, das ein Konsonant immer einen Vokal oder einen Doppelvokal oder Umlaut mit sich trägt.
Sobald es sich also um einen Suffix handelt, bestehend aus einem konsonanten mit vorangehendem Vokal, würde ich es phonetisch trennen und im Schriftbild als eigenständige Silbe betrachten.
Selbst wenn es sich phonetisch wie eine Sym-bio-se zweier Laute anhört.
Ich hoffe man berichtigt mich, falls ich mit meinen Aussagen falsch liege und ich entschuldige mich dafür im voraus.

Ich glaube auch, es wäre hilfreich, man versucht das fragliche Wort in eine eigene Bedeutung zu zwingen, um zu sehen wie es sich in Wortzusammensetzungen verhält.

Bio / Bio-lo-gie / Bio-top / Bio-müll /Bi-po-lar
Hierbei ist aber zu beachten, dass das Wort nicht mehr dem eigentlichen ausgangsklang entspricht, da nunmehr kein klanglicher "schwa"-laut entsteht der einer Phonemen Fusion anlastet.
Bio ist nicht gleich bio~.

Ich hoffe zutiefst nicht für meine Aussage gesteinigt zu werden

LG Mono

Zitat:
Ich vermeide solche Wörter, wann immer es möglich ist. Sie sind sperrig, unlyrisch und werfen unnötig Probleme auf.
Das scheint mir ohnehin die beste Lösung zu sein. Ein Text wird schwierig, wenn man sich an nur einem einzigen Wort aufhängen kann. Auch wenn das Wort und ein Text durch dessen Gebrauch transzendentaler wirkt.
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Alt 22.08.2021, 20:22   #4
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Zitat:
Meines Erachtens ist es schwierig 2 aufeinander folgende Konsonanten bestehend aus 2 Vokalen nicht zu fu-sio-nie-ren, da diese nicht für sich alleine stehen können.
Mit Wörtern auf "-iere/-ierst/-iert/-ieren" gibt es nicht diese Probleme, die mit Wörtern auf "-ion" und "-ial" auftauchen. Da hat man eine oder zwei Silben, je nachdem, ob Einzahl oder Mehrzahl. Kopfzerbrechen bereiten explizit die beiden letztgenannten Suffixe, wenn sie am Ende eines Verses stehen.
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Alt 22.08.2021, 20:34   #5
männlich MonoTon
 
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Zitat:
Kopfzerbrechen bereiten explizit die beiden letztgenannten Suffixe, wenn sie am Ende eines Verses stehen.
Ja stimmt, deshalb heißen sie ja suffix, ich habe mich hinreißen lassen.
Ich habe anscheinend zu viel drum herum geredet, das tut mir leid.
Demnach hätte das hier wohl als mein Antwortkommentar gereicht.

Zitat:
Bei den Beispielen sehe ich (aus meiner Erfahrung) eine Silbentrennung, da nämlich die Suffix (ti-on und ni-al) bestens alleine und in konsonanter Trennung bestand hätten.
demzufolge wären es für mich eigenständige Silben im Lesefluss eines Metrisch aufgebauten Textes
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Alt 22.08.2021, 21:30   #6
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Zitat:
Zitat von MonoTon Beitrag anzeigen
demzufolge wären es für mich eigenständige Silben im Lesefluss eines Metrisch aufgebauten Textes
Ja, für dich, das ist klar von dir gesagt. Das gilt jedoch nicht für jeden Leser, mancher wird aus dem Rhythmus kommen und den Vers wiederholen müssen, bis er die passenden Betonungen gefunden hat. Aber genau das will der Lyriker vermeiden.

Im empfehle weiterhin, derart kritische Wörter zu vermeiden. Sie klingen ohnehin nicht schön.
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Alt 22.08.2021, 23:21   #7
männlich Anaximandala
 
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Super danke für eure Antworten
Also bisher geb ich mir selbst auch viel Mühe, solche Worte zu vermeiden, einfach auch weil ich nicht wirklich einschätzen kann, was am Ende richtig ist. Was bringt die formal richtige Silbenzahl, wenn die Zeile am Ende im Ton eine Silbe kürzer ist... Jetzt gerade bin ich durch genial mal wieder auf das Problem gekommen, werde das Wort diesmal aber stehen lassen, weil ich in der Zeile aufeinanderfolgend banal, fatal, genial habe. Es wäre zwar möglich, es durch formal oder normal zu ersetzen, aber das ist auch alles doof. Auf jeden Fall tut es mir fast ein bisschen weh, in diesem Fall etwas unsauber, oder unwissentlich zu schreiben, aber das muss auch mal sein xD

Das schöne ist an sonsten ja wirklich, dass man über Synonyme oder kleine Umwege irgendwie immer ans Ziel kommt, meist auch ohne Einbußen.

Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich war mir fast sicher, dass ich mit ein wenig Suchen eine Lösung hierzu finde, ich hätte wirklich gedacht, es gäbe einen Kanon dazu, dass sich jemand schonmal damit beschäftigt hätte und sich irgendwo eine anerkannte Lösung findet. Nach einigen Stunden im Internet, einem ganzen Haufen an Information über Suffixe, Affixe, Betonung, und allem was dazugehört, bin ich jetzt aber klüger^^
Das, was einer Antwort am nächsten gekommen ist, war eine wissenschaftliche Arbeit darüber, wie komplexe Suffixe durch Silbenzahl, Reime, Metrik und was weiß ich was beeinflusst werden. Ich weiß nicht, welche Einflüsse besonders wirken und welche nicht, aber, wenn ich alles richtig verstanden habe, erhöht sich besonders bei komplexen Suffixen die Sprechgeschwindigkeit, wodurch Token, die bedeuten in dem Fall wohl so ungefähr Zwischentöne, wegfallen und sich so die Aussprache beschleunigt und verkürzt.Grundlage war zwar der Suffix "lich", aber ich denke mal vergleichen lässt es sich trotzdem.
Allerdings will ich hier nichts in Stein meißeln, das waren 100 Seiten und ich hab sie mehr überflogen xD
*
die Einflussfaktoren, die ich mir jetzt notiert habe, sind hauptsächlich semantische Transparenz, Frequenz, Sprechgeschwindigkeit und Metrum


Und trotz allem, was es über Silbentrennung, Morphemen, Prosodie und der Betonung von Suffixen zu lesen gibt, einen Lösungsansatz für die Lyrik habe ich nicht gefunden und ich wäre mir echt sicher gewesen, dass das Problem so offensichtlich ist, dass ich nur die richtigen Suchbegriffe und 3 Klicks brauche

Ich werde wohl einfach weiter einen Bogen um solche Worte machen. Aber super, dass du die Abwandlungen erwähnt hast Ilka, ich wäre nämlich ungeprüft der Meinung gewesen, dass auch die alle unbrauchbar wären^^

Zitat:
Ich selbst gebe mich nicht damit zufrieden, dass der Leser schon selbst den Rhythmus eines Wortes mit solchen Endungen findet; lieber bastele ich solange an den Versen herum, bis ich mit ihnen zufrieden bin, selbst wenn ich dafür die erste Idee opfern muss. Ein Grundsatz des literarischen Schreibens lautet: "Kill your babies!" Besser ist jedoch, seine Schätzchen einzufrieren und für ein anderes Gedicht aufzuheben.
Ich versteh total, was du meins und bin da voll bei dir, ich hab schon Stunden um Stunden vor einzelnen Strophen gesessen und mehr tolle Versionen meines liebsten Gedankens verworfen, als das ganze Gedicht Strophen hatte, weil alle meine Umsetzungen zu viele oder zu wenige Silben hatten und so die Gedanken, die ich um jeden Preis im Text haben wollte der regelmäßigen Struktur des Textes geopfert...
Was gut ist kommt schon wieder und wenn nichrt, war es nicht gut oder einfach nicht an der Zeit. Auf jeden Fall hat es noch keinem Text gutgetan, irgendwas auf Teufel komm raus noch umsetzen zu wollen, spätestens nach der zweiten Strophe haben die meisten Texte eh eine Eigendynamik hab ich so erlebt.

Zitat:
Hierbei ist (so glaube ich zu Wissen) wichtig, das ein Vokal niemals alleine eine Silbentrennung erfährt und nur in Begleitung eines Konsonanten bestand hat.
Ich würde sagen das stimmt, was du da schreibst Mono, aber ich kann mich auch nur auf das berufen, was ich heute zu Silben gelesen habe.

Von der Betonung bin ich mir auch ziemlich sicher, dass ein ion oder ein ial gemeinsam ausgesprochen wird. Allerdings, auch wenn es sich um den Suffix ion handelt, fügt sich das i von der Silbentrennung der Vorsilbe an, sodass es zum Beispiel als Begleiter des Konsonanten s in Fu|si|on nicht alleine stehen würde. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass es unter dem Aspekt der Morpheme und der Aussprache Teil des on ist und im Wort Fu|sion eine phonetische Silbe bildet.

Zitat:
Ich hoffe zutiefst nicht für meine Aussage gesteinigt zu werden
Keinesfalls, ich kann ja nichtmal sicher sagen, dass ich hier keinen Schwachsinn geschrieben habe

Aber meine Frage beschäftigt mich jetzt seit über einem Jahr, deshalb bin ich froh, dass ich zwei euch so schön dazu geäußert habt.

Geändert von Anaximandala (23.08.2021 um 08:13 Uhr)
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