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Alt 07.08.2021, 16:34   #1
weiblich Inka
 
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Standard Akkordeon

Als ich 15 Jahre alt war, kaufte mir mein Vater ein 120-bässiges Akkordeon (Marke „Weltmeister“). Bei Müller-Möppchen (sein Spitzname) erhielt ich Unterricht in Bürgel (Thür.). Von der Statur her etwas klein und moppelig, daher…Sein Vorname war E r n s t, aber irgendwie passte der gar nicht so richtig zu ihm, da er eigentlich ständig wie eine Matzbemme strahlte und die Fröhlichkeit in Person war.

Seine Frau Marthchen war schätzungsweise 10 Jahre älter und hatte einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Sie schwänzelte vor dem Unterrichtszimmer, mit großer Glastür, ständig hin und her. Warum wohl?

Also der Unterricht konnte beginnen, jeweils eine volle Stunde (für 5 Mark) , immer samstags nach Feierabend. Ich befand mich in der Lehre und zu der Zeit gab es ja noch die 48-Std.-Woche. Außerdem hatte ich anschließend noch einen 3 km-Nachhauseweg nach Silberthal zu bewältigen.

Leider musste ich nach einem halben Jahr die „Fliege“ machen. Nicht, weil ich die Lust dazu verloren hatte, sondern… Möppchen machte einen großen Fehler. Er wollte mir anhand eines Notenblattes etwas erklären und wählte ausgerechnet eine Seite mit der Überschrift: „Liebling lass dich küssen“ aus.

Ja, und das war für mich das Aus. Sehr schade! Ich bemerkte, dass er mich von der Seite beobachtete und sicher hatte sich meine Gesichtsfarbe in Rot verwandelt, denn mit 15 war man doch noch ein halbes Kind. Was gebrauchte ich meinen Eltern gegenüber für Ausreden? Ich weiß es nicht mehr.

Jedenfalls hatte ich bei Möppchen in der kurzen Zeit doch viel gelernt und zuhause einfach nach Gehör weitergespielt, was bis heute noch ganz brauchbar ist. Ich besitze sogar noch einige Noten (kann aber nicht mehr danach spielen) aus dieser Zeit, mit dem Vermerk: Eigentum von… „Heinzelmännchens Wachtparade“ ist z.B. dabei, „Das Rennsteiglied“ und kurioserweise „Bei dir da stimmt was nicht“ – Tatsache. Ich habe die Melodie im Kopf, aber die wird kaum jemand kennen? Bei „youtube“ fand ich nichts.

1959 kehrte ich der DDR den Rücken, da mein zukünftiger- und (Nochehe-) Mann in Mannheim auf mich wartete. Den „Weltmeister“ musste ich natürlich zurücklassen, aber Mitte der 60er Jahre kaufte ich mir eine 96-bässige „Hohner“ (in Raten), die nun leider meistens in der Ecke steht – ist mir inzwischen etwas zu schwer geworden.

Ich hole das Instrument meist nur in der Adventszeit hervor, um zu testen, ob ich es noch nicht verlernt habe.

Bis vor einigen Jahren, bevor mein Mann erkrankte, schnappte ich mir das Akkordeon einmal im Monat, fuhr damit in ein Pflegeheim und erfreute die alten Leutchen (ehrenamtlich) ca. 10 Jahre lang – jeweils für ca.1- 2 Std. - mit den ihnen altbekannten Melodien, die ich im Kopf habe – immer in C-Dur. Mitgesungen wurde natürlich auch. Es war für beide Seiten immer eine Freude.

Was wurde aus dem „Weltmeister“? 1986 besuchten wir meine Eltern in Thüringen und da das Instrument noch existierte, packten wir es kurzerhand ins Auto. An der Grenze fragte mich der Beamte, ob ich dieses von zuhause mitgebracht hätte, was ich verneinte und erklärte ihm, dass es mein Eigentum wäre und meine Eltern aufbewahrt hatten. Es ist immer gut, wenn man ehrlich ist, anderenfalls wäre das Akkordeon sicher konfisziert worden, oder wir hätten es wieder zurückbringen müssen. Den „Weltmeister“ besitzt jetzt meine Schwester.

Und die „Hohner“ kam zwischen 1965 und 1981 auch des Öfteren zum Einsatz. Mein Mann und ich führten in dieser Zeit ein Schullandheim (diesbezüglich erfolgt noch ein Beitrag von mir) und daher gab es viele Anlässe für mich, zu spielen. Es gab Abschiedsabende mit Lagerfeuer etc.

4.8.2021
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Alt 07.08.2021, 18:10   #2
weiblich Ilka-Maria
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Hallo, Inka,

das ist gar nicht schlecht erzählt, aber gespickt mit den üblichen Anfängerfehlern: Zu viele Nebensächlichkeiten, zu viele Füllwörter, zu viele Paranthesen (Einschübe in Klammern) und noch einige andere Kleinigkeiten, wie z.B. unschöne Abkürzungen, Zahlen statt ausgeschriebener Wörter (Literatur ist keine Mathematik) usw.

Die Geschichte ist chronologisch erzählt, und deshalb endet sie abrupt. Dadurch wirkt sie unrund. Eine Sache der Struktur.

Etliches wird erwähnt, das völlig unwichtig ist. Dann gibt es die Ungenauigkeit an der Grenze, als der Beamte nach der Herkunft des Instrumentes fragt. Was genau da Sache gewesen ist, hat sich mir nicht erschlossen.

Ich habe die Geschichte nacherzählt, und auch vom Verlauf ein wenig umstrukturiert, damit sich der Kreis schließt. Und jetzt entscheide du, wie sich meine Version liest. Du kannst dich völlig frei äußern, ich nehme dir das Urteil nicht übel, wie immer es ausfällt.

Text:

Als ich fünfzehn Jahre alt war, kaufte mir mein Vater ein 120-bässiges Akkordeon der Marke „Weltmeister“. Herr Müller, klein und pummelig und deshalb „Möppchen“ genannt, gab mir Unterricht. Sein Vorname war Ernst, völlig unpassend, wie ich fand, denn mein Musiklehrer strahlte ständig wie eine Matzbemme. Das ist in Thüringen der Ausdruck für eine Frohnatur.

Marthchen, seine Frau, war schätzungsweise zehn Jahre älter und hatte einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Sie scharwenzelte vor der Glastür des Unterrichtszimmer ständig hin und her, was mir unangenehm war, denn in meinem Alter beginnt man bereits zu ahnen, welchen Grund sie dafür gehabt haben mochte.

Der Unterrichtet fand samstags nach Feierabend statt, dauerte eine Stunde und kostete fünf Mark. Anders ließ es sich nicht einrichten, denn ich war noch in der Lehre und hatte die in der DDR übliche 48-Stunden-Woche. Wenn ich den Hinweg nach Bürgel und zurück nach Silberthal, jeweils drei Kilometer, bewältigt hatte, war auch der Samstag so gut wie gegessen und der Sonntag mein einzig noch freier Tag.

Im Jahr 1959 kehrte ich der DDR den Rücken, da mein zukünftiger Ehemann in Mannheim auf mich wartete. Mein Akkordeon musste ich zurücklassen, deshalb kaufte ich mir Mitte der sechziger Jahre eine 96-bässige „Hohner“. Leider steht sie vernachlässigt in der Ecke, und sie ist mir auch zu schwer geworden. Deshalb hole ich sie nur in der Adventszeit hervor, um zu beweisen, dass ich das Spielen auf ihr nicht verlernt habe. Eine Zeitlang habe ich sogar ehrenamtlich alten Leuten in einem Pflegeheim vorgespielt und sie mit altbekannten Melodien erfreut.

Aber mein „Weltmeister“ ging mir nie aus dem Kopf. Mit meinem Mann besuchte ich 1986 meine Eltern in Thüringen, und vor der Rückfahrt packte ich das Akkordeon kurzerhand ins Auto. Ich brachte es sicher über die Grenze in den Westen, und seitdem gehört es meiner Schwester.

Ich hatte ja schon die „Hohner“, und sie kam zwischen 1965 und 1981 oft bei Lagerfeuerabenden und Abschiedsfeiern in dem Schullandheim, das mein Mann und ich führten, zum Einsatz.

Ich hatte bei Möppchen nicht lange Unterricht gehabt, aber in dieser Zeit viel gelernt. Danach übte ich nach Gehör weiter. Nur das Notenlesen, das er mir beizubringen versucht hatte, klappt nicht mehr. Er war ein guter Lehrer, aber der falsche: Nach einem halben Jahr musste ich die Fliege machen, weil er einen Fehler beging: Er zeigte mit ein Notenblatt, um mir die Schrift zu erklären, schaute dabei aber nicht auf das Papier, sondern mir tief in die Augen. Ich las die Überschrift auf dem Blatt, und da stand: „Liebling, lass dich küssen.“

Für mich das Aus. Wie ich es meinen Eltern erklärte, weiß ich nicht mehr.
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Alt 07.08.2021, 19:56   #3
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Liebe Ilka-Maria,

Deine Version gefällt mir weitaus besser, will ich gerne zugeben.

Einsame Klasse!

Herzlichen Dank für Deine Mühe und Korrektur!

Ich will sicher keine Schriftstellerin werden wollen. Obwohl schon Artikel von mir in Zeitungen abgedruckt wurden, übernahm man meine Texte 1 : 1, d.h. Wort für Wort, wie es da stand. Nichts für ungut.

Viele viele Briefe schrieb ich in meinem Leben und man bescheinigte mir oft, dass ich herzerfrischend schreibe - also, einfach wie mir der Schnabel gewachsen ist.
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Alt 08.08.2021, 04:40   #4
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Ich will sicher keine Schriftstellerin werden wollen. Obwohl schon Artikel von mir in Zeitungen abgedruckt wurden, übernahm man meine Texte 1 : 1, d.h. Wort für Wort, wie es da stand. Nichts für ungut.
Glaube ich dir. Du hast durchaus erzählerisches Potential. Sonst hätte ich mich mit deinem Text nicht so ausführlich auseinandergesetzt. Und warum sollte eine Zeitung den Erfahrungsbericht einer Leserin nicht 1:1 abdrucken? Das ist "oral history" und eine andere Form von Literatur.

Was mich an deinem Text gereizt hatte, war das Unrunde. Anders gesagt: die Struktur. Er bricht unversehens ab, und deshalb wollte ich dir aufzeigen, dass man mit der Umstellung bzw. Zeitverschiebung einen Text so arrangieren kannt, dass er rund wird, also Anfang, Mitte und Ende hat.

Außerdem wollte ich dir zeigen, dass man Informationen, die unwichtig sind, besser weglässt, weil sie den Leser langweilen und vom Weiterlesen abhalten. Dazu gehören z.B. Titel von Liedern, die nicht jeder kennen kann. Es gibt Textstellen, da sollte man genau sein; aber in solchen Fällen kann man getrost auf Allgemeinplätze zurückgreifen und einfach nur schreiben "altbekannte Weisen", "die Lieder unserer Großeltern" oder so ähnlich.

Du kannst erzählen. Das spüre ich aus jedem Satz heraus. In jedem liegt Rhythmus, und du schreibst ein gutes Deutsch. Wenn du ein Gefühl dafür entwickeln kannst, die Überflüssigkeiten herauszufiltern, die Gedankenrülpser herauszustreichen und dir ein paar Unsitten abzugewöhnen (Paranthesen, Abkürzungen, Zahlen statt Wörter usw.), könntest du gute Texte hinbekommen. Das Potential hast du.
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Alt 08.08.2021, 09:43   #5
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Vielen herzlichen Dank, liebe Ilka-Maria, für Deine gute Einschätzung und aubauenden und mutmachenden Worte ! Ich werde daran arbeiten.

LG von Inka
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