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Alt 05.08.2021, 15:21   #1
männlich Ex-Ralfchen
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Standard Der Jahrmärktler (Aus dem Epos Motterle)

Der Jahrmärktler
(Aus dem Epos Motterle)


Jesus, wie oft bin ich des Stehens und Kieferschmackens nur zu müde, mein kleiner zu kurz geratener Körper brennt nach den vielen Stunden wie ein nackter Arsch auf einem Eisenofen im Dezember. Aber was sollte ich tun? Mutter hatte mir das Leben geschenkt und meinen verkrüppelten Körper nicht den Hunden auf dem Dorfplatz zum Fraß vorgeworfen, wie es ihr die hebende Hurenamme riet. Also war alles doch wunderbar.

Hier auf dem Jahrmarkt werde ich bewundert, von jungen unerreichbaren blassen Mädchengesichtern, ihre nassen duftenden Fotzen unerreichbar für ein Stück Drecknichts wie ich es bin - und immer sein werde. Ausgebeutet von Mütterchen und vom Direktor der kleinen Wanderbühne, mit der ich als sträfliches unwertes Leben von Ort zu Stadt und Dorf ziehe: wie die Vögel in den warmen Süden oder von wo immer hin oder auch her. Ich träume ihnen immer nach, wenn sie über den grauen Himmel ziehen fast wie die Mücken um meine winzige Kerze im Lebenswagen, wo ich bis ins Morgenhellgrau in den alten zerfledderten Büchern des Direktors lese. Es sind Geschichten von Autoren die lange schon ins trockene Gras hinter der Miststeppe gebissen haben und deren trübe Trockenworte lebenslang nur zu weichen, vergänglichen Papierrückenbüchern gereicht hatten. Von liebestollen mittelmäßigen Ärzte erzählen sie, die sich mit kranken Schwestern kopulierend in Ambulanzzimmern herumdrängeln, alten Müttern die ihre trunksüchtigen Geier in die Käfige der Anstalten geleiten und dann auf Nimmerwiedergucken abhauen.

Das sind meine Nächte. Und dann, wenn ich gegen Mitternacht meine Faust eheliche und mir die Gänsehaut beim Ejakulieren den Rücken rosinig schmort, dann denke ich an sie. Fast jede Woche kommt sie ein, manchmal auch zweimal wenn wir im Ort sind und starrt auf meinen Akt. Akt…? es ist sonderbar wie sie mir zusieht, mich anflüchtet, wenn ich ein goldiges piepsendes Kücken verschlucke oder einem hysterisch gackernden Huhn den Kopf mit meinserseitig blödem Grinsen abbeiße. Sie aber lächelt mich an – denke ich - aber es kann auch sein, dass es die Kulissen sind, die sie anlächelt, diese schönen Märchenwälder hinter mir, gemalt von diesem bizarren Trinker Ralf, der als gestrandeter Anstreicher hier seinen Pinsel für fünf Taler pro Woche, über die trockenen Leinwände wichst. Ein Typ, den ich mag und er mich, wenn mich jemand mögen kann. Egal - jedenfalls sie ist eine ganz Liebe und ich schaue sie gebannt - nein innig – zwischen Hühnern, die in meiner Speiseröhre piepsen, aus meinem restlichen Auge an und versuche sie zu hypnotigieren. Dabei male ich mir aus, wie es wäre wenn ich ihr meinen krummen und überkurzen Freibeuter gewaltsam zwischen die blasslila Lippen zwängen würde und ich in ihrem unschuldigen Mund mit großem Getue und einem großen Schwall an grauen Kinderleichen explodieren würde. Aber nichts da, nicht in diesem Leben eines Saukrüppels wie ich es bin, der dem Jahrmarkt rauf und runter dient.

Also gehe ich zurück hinter den bunten Ölfarblackwald aus stumpfem bröckeligem Tuch und weine meine Sehnsucht nach der blassen Kindnutte in mein knittriges Rotztuch. Später wenn die Dunkelheit mit ihrer dunstigen Hand über meine Krummheit zärtelt, nehme ich sie diese süße Blassnärrin mit unter meine raue Decke und metamorphiere sie und sie verwandelt sich flugs in meine zärtliche Faust, in die ich hineinschleime, dass es sich so anfühlt, als würde ihre heiße anschmiegsame Fotze auf mir zucken. Und ich spritze die Bettdecke voll und mein wimmerndes Schweigen bangt hüstelnd, um nicht gar bestraft zu werden. Denn: Sex auch wenn er Auto ist, wird von Mutter streng vergattert. Mein kleiner Rücken krümmt sich dann unter den Schlägen der Weidenrute des Direktors.

Nur so viele dass ich noch bühnenfähig bin.
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