Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Düstere Welten und Abgründiges

Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 23.05.2015, 12:21   #1
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Standard Es war an der Zeit

Es ist an der Zeit!
Denn die Ewigkeit liegt Dir bereit,
weil das Böse, das gute dir niemals verzeiht.
Dein Herz war zu eng. Dein Herz war zu weit.
Das andere Leid ist nie Dein Herzeleid,
darum ist es immer das Grauhimmelweit,
das dich von Deinem Du-Sein befreit.

Was in Dir selbst voll Tollheit noch schreit,
ist Deine tödliche Einsamkeit,
die immer noch buhlt, immer noch freit
mit ekelhaft lärmender Redsamkeit,
die sich grauen Federn und Rotkatzenkleid
mit hilflosen Tränen wollüstig weiht -
es ist an der Zeit!

Nun geh. Widersteh
der eigenen Schwatzhaftigkeit
und gib Deinen Leib einer Flamme,
und bete, daß ihr Mantel so weit
und weich und warm sei, wie leichtes Gespreit,
und bete darum, daß das Tiergeleit
Dich nicht für alle Zeiten verdamme.






28. Dezember 1986
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2015, 23:31   #2
männlich Sylvester
 
Benutzerbild von Sylvester
 
Dabei seit: 11/2005
Ort: Nördliche Hemisphäre
Alter: 50
Beiträge: 440

Hallo Thing,

dieses Gedicht gefällt mir trotz des düsteren Tonfalles und der unerhörten Anklagen, die in beinahe erbarmungsloser Schärfe erhoben werden.

Das Schöpfungsdatum liegt eine ganze Weile zurück, dennoch erkenne ich den typischen Thing-Style.

Ich bin noch unentschlossen, ob ich es für eine Rede an ein LD oder einen Aufruf des LI an sich selbst halten soll.

Jedenfalls beeindruckt es mich.

Gruß,

Sylvester
Sylvester ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.05.2015, 08:59   #3
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.213

Zitat:
Zitat von Sylvester Beitrag anzeigen
dieses Gedicht gefällt mir trotz des düsteren Tonfalles und der unerhörten Anklagen, die in beinahe erbarmungsloser Schärfe erhoben werden.

Das Schöpfungsdatum liegt eine ganze Weile zurück, dennoch erkenne ich den typischen Thing-Style.
Dem kann ich mich anschließen.

Bei den letzten beiden Versen kamen mir die Bilder von Hieronymus Bosch in den Sinn.

Klärungsbedarf habe ich bei diesen Versen:

Zitat:
Denn die Ewigkeit liegt Dir bereit,
weil das Böse, das gute dir niemals verzeiht.
Ist das als Aufzählung gemeint (das Böse und auch das Gute)? Dann steht das Komma richtig, es müsste dann aber "verzeihen" heißen. Oder ist gemeint, dass das Böse das Gute im lyrischen Du nicht verzeiht? Dann ist das Komma irreführend.

LG
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.05.2015, 13:09   #4
weiblich muux
 
Benutzerbild von muux
 
Dabei seit: 05/2015
Ort: all alone in space and time
Alter: 20
Beiträge: 214

Hey Thing
Gefällt mir sehr! Wunderschönes Gedicht.

Und da sieht man mal, was man mit immer dem gleichen Reim schaffen kann...
(Und ja, ich weiß, nicht ganz immer wegen dem Anfang des letzten Absatzes... bla bla...)
muux ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.05.2015, 17:09   #5
männlich Ex-Poesieger
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2009
Beiträge: 7.285

Das Forum wo kein Ratschlag nicht gegeben wurde. Und dieses Grauhimmelweit mit dem Tiergeleit könnte verquickender gewesen sein. Oder zündest du per Kommentar die eigentlich dahintersteckende Bombe?

MFG
Ex-Poesieger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.05.2015, 17:43   #6
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Zitat:
Zitat von Sylvester Beitrag anzeigen
Hallo Thing,

dieses Gedicht gefällt mir trotz des düsteren Tonfalles und der unerhörten Anklagen, die in beinahe erbarmungsloser Schärfe erhoben werden.

Das Schöpfungsdatum liegt eine ganze Weile zurück, dennoch erkenne ich den typischen Thing-Style.

Ich bin noch unentschlossen, ob ich es für eine Rede an ein LD oder einen Aufruf des LI an sich selbst halten soll.

Jedenfalls beeindruckt es mich.

Gruß,

Sylvester

Lieber Sylvester,
es ist ein Aufruf des LI an sich selbst.
Der "Stil" hatte sich seit etwa 1968 so entwickelt.

Danke für die Anmerkungen!


Liebe Ilka-Maria -

der RS-Fehler wird wohl bleiben.
Das Böse, das Gute ist als Einheit gemeint, die sich im LI beinahe die gefühlte Waage hält, gleichgewichtig

Liebe muux -

obzwar es verpönt zu sein scheint, persönliche Gefühle im Forum als Gedicht zu präsentieren -
freut mich, daß es Dir gefällt.
Wenn ich mich recht erinnere, hat sich mir das Reimschema seinerzeit aufgedrängt.

Euch allen liebe und dankbare Grüße
v.
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Es war an der Zeit

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Du bist der Zeit zu jung, der Zeit zu fern. (20.04.2012) Sympoesie Zeitgeschehen und Gesellschaft 1 04.08.2013 23:07
Ich brauche es, von Zeit zu Zeit Ex-Erman Liebe, Romantik und Leidenschaft 0 16.01.2012 14:00
Gib mir Zeit wennsrockt Eigene Liedtexte 3 31.10.2008 10:53
Zeit schreibhexe Gefühlte Momente und Emotionen 0 08.09.2008 21:44
Zeit II Black Eye Sonstiges Gedichte und Experimentelles 0 27.06.2007 10:09


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.