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Alt 05.05.2019, 11:07   #1
männlich Gylon
 
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Standard Allein auf der Bank

Angespannt sitzt du auf der Bank und des Windes Finger flechten dir Lindenblüten ins Haar. Ich weiß, du wartetest auf mich, aber ich werde nicht kommen. Auf deinem Schoß liegen Blumen und du streichelst gedankenvoll ihre Blütenköpfe. Wie die von kleinen Kindern, die du so gerne hättest, aber die du von mir niemals bekommen wirst.

Die Zeit vergeht und Schiff um Schiff fährt an dir vorüber und weckt Sehnsüchte in dir, die du dir niemals erfüllen kannst. Lindenblüten schmücken inzwischen den Boden, direkt neben den Zigarettenstummeln, die unübersehbaren Rückstände deiner Nikotinsucht. Ein Merkmal von Unsicherheit, die tief verborgen in deinem Wesen wohnt. Es macht dich halb wahnsinnig so alleine und stumm da zu sitzen, ohne jemandem etwas erzählen zu können. Du redest ja so gerne in einer Tour, ohne jemals etwas Bedeutungsvolles zu sagen. Ein Meer von Phrasen und Wiederholungen, in dem du mich mehrmals und täglich ersäufst. Aber ich liebe dich, ich weiß nur nicht warum.

Du greifst gefühlt zum tausendsten Mal in deine Handtasche und guckst auf das Display deines Handys. Keine Nachricht! Dabei weißt du ganz genau, dass ich niemals eine SMS schreibe und jedes Telefonat für mich ein Akt eines persönlichen Überwachungsangriffs darstellt. Eine offene und in weiß gehaltene Pferdekutsche kommt hinter dir die Straße entlang getrabt. Leicht erschrocken drehst du dich um. Die beiden mächtigen Rösser schnauben heftig aufgrund der Anstrengung die von ihnen abgefordert wird. Doch du hast keinen Blick für das Leiden der Tiere. Du hast nur Augen für das Brautpaar, das sich märchenhaft und turtelnd zur Schau stellt. Dein einfach gestricktes Gehirn setzt prompt einen Schwall von Glückshormonen frei, die dich in eine Ekstase versetzen, die erst wieder abflaut, als dir bewusst wird, dass ich mich niemals in eine Pferdekutsche setzen würde.

Die nächste Zigarette findet ihren Weg zwischen deine geschwungenen Lippen, die ich so gern auf mir spüre. Ob sie von deinen endlos auf sie einprügelnden Worten so weich wurden? Du schlägst deine langen und makellos rasierten Beine übereinander, die du gestern noch um mich geschlungen hast, als du mir ins Ohr gehaucht hast, das du mich heute hier treffen möchtest. An einem für dich ganz besonderen Ort. Hier, hast du mich beim Joggen telefonierend über den Haufen gerannt und ich habe zu ersten Mal diesen Mix aus kaltem Rauch und Schweiß wahrgenommen, der mich überraschenderweise aufs heftigste erregte. Dir blieb meine Erregung leider nicht verborgen und setzte eine Art von Kettenreaktion in Gang. Es muss diese Chemie sein, die mich bis heute an dich bindet. Ein Aphrodisiakum aus Marlboro, Schweiß und einer hübschen Verpackung, die hält was sie verspricht. Aber mehr auch nicht. Angespannt sitzt du immer noch auf der Bank und langsam ahnst du, dass ich nicht kommen werde. Du weißt nur nicht warum.
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Alt 05.05.2019, 12:38   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
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Lieber Gylon,

wow! Ein exzellentes Stück Kurzprosa ist dir da gelungen. Eine Momentaufnahme, die den Leser in die Situation mitnimmt und ihn nachdenken lässt.
Es gibt verschiedene Arten von Kurzprosa: Das Einzelereignis, Geschichten, in denen die Zeit verdichtet ist, Geschichten, die einen Einblick in eine Gemütsverfassung geben, Geschichten, die sich über die Realität hinwegsetzen.

Hier haben wir den Einblick in eine Gemütsverfassung.

So liebe ich Kurzprosa: Ein kurzer Text, über den man lange nachdenken kann.

LG DieSilbermöwe
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Alt 05.05.2019, 13:15   #3
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Gylon Beitrag anzeigen
Angespannt sitzt du auf der Bank und des Windes Finger flechten dir Lindenblüten ins Haar. Ich weiß, du wartetest auf mich, aber ich werde nicht kommen.
Die Perspektive ist problematisch: Ein Ich-Erzähler, der auktorial erzählt, ist für den Leser verwirrend. Woher weiß jemand, der abwesend ist, aber in der Ich-Form erzählt, das alles, was in der Geschichte erzählt wird? Der Ich-Erzähler müsste zumindest im Verborgenen als stiller Beobachter anwesend sein.

Zitat:
Zitat von Gylon Beitrag anzeigen
Ob sie von deinen endlos auf sie einprügelnden Worten so weich wurden?
Ein schiefes Bild, das reichlich komisch anmutet. Worte, die auf Lippen einprügeln, müssten von außen zu jemandem kommen, also von einem anderen Sprecher.

Überhaupt sind einige Sätze für meinen Geschmack zu bemüht, originell zu sein, und wirken aufgesetzt. Etwas weniger wäre mehr gewesen.

Das Gesamtbild, das zu zeichnest, ist durch die vielen Details aber sehr gut vorstellbar und ergibt eine schöne Atmosphäre.

LG
Ilka
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Alt 05.05.2019, 14:04   #4
weiblich DieSilbermöwe
 
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Also ich hatte es so verstanden, dass er schon anwesend ist und sie beobachtet, aber so, dass sie es nicht merkt (vielleicht mit einem Fernrohr). Da er sie gut kennt, kann er ihr Verhalten deuten.
Wäre jetzt meine Interpretation.

Das hier kann er sich z. B. denken und liefert die Erklärung dazu auch mit:
Zitat:
Es macht dich halb wahnsinnig so alleine und stumm da zu sitzen, ohne jemandem etwas erzählen zu können. Du redest ja so gerne in einer Tour, ohne jemals etwas Bedeutungsvolles zu sagen.
Man könnte die Perspektive-Problematik umgehen, wenn man schreibt:
"Es muss dich halb wahnsinnig machen, so alleine und stumm da zu sitzen..." etc.

LG DieSilbermöwe
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Alt 05.05.2019, 15:21   #5
männlich Ralfchen
 
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servus Gylon -

ich liebe deine lyrik nur in prosa bist voll und ganz weit weg von zuhause. abgesehen mal von den punbkten die Ilka technisch bekopfte, gibt es noch eine große zahl unpassender wendungen und formulierunegn wie etwa:

Zitat:
Du greifst gefühlt zum tausendsten Mal
u.v.a.m.

aber du siehst wieder einmal was die laiendame dsm als ein exzellentes stück prosa in den göttlichen bereich lobt, bleibt am ende ein zerfleddertes stück das zig verbesserungen und veränderungen braucht, wenn es entweder von fachfrauen/herren oder dem harten krtiker unter die lupe genommen wird. wieder eine bestätigung dass diese haltlos übertriebene loberei von lyrik und prosa-grundschülerInnen sinn- und zweckentfremdend ist und die autorInnen trotz ihrer mehr oder weniger unfähigkeit damit zur zweck-undsinnlosen genialität erhoben werden. dass da niemand was lernen kann liegt auf der hand.

liebe grüße
rchen
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Alt 05.05.2019, 16:44   #6
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
aber du siehst wieder einmal was die laiendame dsm als ein exzellentes stück prosa in den göttlichen bereich lobt, bleibt am ende ein zerfleddertes stück ...
Das stimmt nicht. Der überwiegende Teil der Geschichte ist gelungen und setzt sich damit qualitativ von der Mehrzahl der Geschichten, die wir in Poetry haben, positiv ab. Darüber solltest du dich freuen, statt wegen ein paar Details den gesamten Text sinnlos in der Luft zu zerreißen. Texte, die hundertprozentig perfekt sind, wirst du nirgendwo in der deutschen Literatur finden, ausgenommen vielleicht bei Kleist.

Außerdem: Der durchschnittliche Leser (Laie!) bemerkt zwar manches, was an einer Geschichte nicht stimmig ist, aber selten alles. Gefällt ihm die Geschichte, wird er auch nicht nach Ungereimtheiten suchen, weil ihn nur eins interessiert: der Inhalt. Es ist eben auch Geschmacksache, wie eine Geschichte ankommt. Es soll sogar Leute geben, die mit Begeisterung "Harry Potter" lesen, wozu ich mich des Stils wegen überwinden müsste.

Einen Verriss wie deinen kann man kaum als Kritik bezeichnen, denn er ist alles andere als motivierend für einen Schreiber, einen Text zu überarbeiten Aber dafür hat ein Laienpädagoge wie du kein Fingerspitzengefühl.

Und zuletzt: Ich fände es gut, wenn du dich bei deinen Kommentaren nicht auf mich und Silbermöwe bezögest, denn sonst entsteht der Eindruck, dein Verriss betreffe gar nicht den Text, sondern sei nur dadurch motiviert, uns partout widersprechen zu wollen und auf Silbermöwe herumhacken zu können. Schreibe unter deinem Namen und lasse uns beide aus dem Spiel.
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Alt 05.05.2019, 16:55   #7
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Eine offene und in weiß gehaltene Pferdekutsche kommt hinter dir die Straße entlang getrabt.

ok ok...ich sehe es eben vollkommen anders und könnte noch zwanzig weiter inconsiderabilein wie oben finden.

seit wann ist eine kutsche in weiss gehalten? und wie kann ein kutsche traben?
Zitat:
Dir blieb meine Erregung leider nicht verborgen und setzte eine Art von Kettenreaktion in Gang.
ich komme mir vor wie bei der erklärung der kern-ketten-reaktion der hiroshima bombe LITTLE BOY. na ja...


wenn du mir das aufschlüsselt Ilka machst du mich glücklich und bereit für das abendessen mit Mammi und Puzzi im Imperial. danke.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2019, 17:00   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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seit wann ist eine kutsche in weiss gehalten? und wie kann ein kutsche traben?
Ich hatte ja darauf hingewiesen, dass bei einigen Sätzen des Guten zu viel ist. Überlasse es doch Gylon, den Text nochmal kritisch zu überprüfen. Den Anstoß hat er bekommen.

Die Bilder, die er zeigen will, passen aufeinander und ergeben eine verständliche Story. Mit gefällt vor allem die Atmosphäre, die er geschaffen hat. Der Text ist wert, überarbeitet zu werden.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2019, 18:54   #9
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Hallo ihr Lieben,
einen ganz herzlichen Dank für euren Zuspruch und die berechtigte Kritik.
Ich habe auf die Schnelle etwas angepasst und hoffe nichts verschlimmbessert zu haben.

Dankeschön!

Liebe Grüße Gylon



Allein auf der Bank

Angespannt sitzt du auf der Bank und des Windes Finger flechten dir Lindenblüten ins Haar, während ich dich heimlich beobachte. Ich weiß, du wartetest auf mich, aber ich werde nicht zu dir kommen. Auf deinem Schoß liegen Blumen und du streichelst gedankenvoll ihre Blütenköpfe. Wie die von kleinen Kindern, die du so gerne hättest, aber die du von mir niemals bekommen wirst.

Die Zeit vergeht und Schiff um Schiff schippert an dir vorüber und weckt Sehnsüchte in dir, die du dir niemals erfüllen kannst. Lindenblüten schmücken inzwischen den Boden, direkt neben den Zigarettenstummeln, die unübersehbaren Rückstände deiner Nikotinsucht. Ein Merkmal von Unsicherheit, die tief verborgen in deinem Wesen wohnt. Es muss dich halb wahnsinnig machen, so alleine und stumm da zu sitzen, ohne jemandem etwas erzählen zu können. Du redest ja so gerne in einer Tour, ohne jemals etwas Bedeutungsvolles zu sagen. Ein Meer von Phrasen und Wiederholungen, in dem du mich mehrmals und täglich ersäufst. Aber ich liebe dich, ich weiß nur nicht warum.

Du greifst gefühlt zum X-ten Mal in deine Handtasche und guckst auf das Display deines Handys. Keine Nachricht! Dabei weißt du ganz genau, dass ich niemals eine SMS schreibe und jedes Telefonat für mich ein Akt eines persönlichen Überwachungsangriffs darstellt. Eine offene Pferdekutsche kommt hinter dir die Straße entlang gefahren. Überrascht drehst du dich um. Die beiden mächtigen Rösser schnauben heftig aufgrund der Anstrengung die von ihnen abgefordert wird. Doch du hast keinen Blick für das Leiden der Tiere. Du hast nur Augen für das Brautpaar, das sich märchenhaft und turtelnd zur Schau stellt. Dein einfach gestricktes Gehirn setzt prompt einen Schwall von Glückshormonen frei, die dich in eine Ekstase versetzen, die erst wieder abflaut, als dir bewusst wird, dass ich mich niemals in eine Pferdekutsche setzen würde.

Die nächste Zigarette findet ihren Weg zwischen deine geschwungenen Lippen, die ich so gern auf mir spüre. Ob sie von der lebenslangen Liebkosung deiner Zunge so weich wurden? Du schlägst deine langen und makellos rasierten Beine übereinander, die du gestern noch um mich geschlungen hast, als du mir ins Ohr gehaucht hast, das du mich heute hier treffen möchtest. An einem für dich ganz besonderen Ort. Hier, hast du mich beim Joggen telefonierend über den Haufen gerannt und ich habe zu ersten Mal diesen Mix aus kaltem Rauch und Schweiß wahrgenommen, der mich überraschenderweise aufs heftigste erregte. Dir blieb meine Erregung leider nicht verborgen und setzte eine Art von Kettenreaktion in Gang. Es muss diese Chemie sein, die mich bis heute an dich bindet. Ein Aphrodisiakum aus Marlboro, Schweiß und einer hübschen Verpackung, die hält was sie verspricht. Aber mehr auch nicht. Angespannt sitzt du immer noch auf der Bank und langsam ahnst du, dass ich nicht kommen werde. Du weißt nur nicht warum.
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.05.2019, 06:35   #10
weiblich DieSilbermöwe
 
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Lieber Gylon,

ich finde den Text super überarbeitet! Jetzt ist er richtig rund.

LG DieSilbermöwe
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Alt 06.05.2019, 07:02   #11
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
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Die Zeiten beachten:

Zitat:
in dem du mich mehrmals und täglich ersäufst.
... ersäuft hast. (Es ist vorbei, Vergangenheit, denn der Beobachter kommt nicht mehr.)


Zitat:
die ich so gern auf mir spüre.
Ebenso hier: ... gespürt habe.

LG
Ilka
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