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Alt 27.04.2018, 01:45   #1
männlich Amir
 
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Standard Die Pflicht ist das Ziel der Eudämonie.

Was ist das gute Leben? Wie soll ich handeln?
Platon hat die Seele in Seelenteile unterteilt, nämlich in drei Tugenden. Dabei ist Gerechtigkeit die höchste Tugend, dann erst kommt die Liebe zur Weisheit. Damit wir aber gerecht handeln können und somit das gute Leben erfahren, müssen wir verstehen, warum wir Handeln und was unser Telos ist oder was das wirkliche Ergon des Menschen ausführt. In der Antike war man von der Idee des Strebens nach Glückseligkeit als Antwort auf diese Frage überzeugt. Um Eudämonie zu erreichen, muss der Mensch alles vermeiden, was den Seelenfrieden stört, darum muss vor allem die Furcht vor dem Tod überwunden werden, erst dann kann der Mensch glücklich leben(Epikur). Aristoteles schreibt, dass nur das sinnvolle und gelungene Leben, die wahre Eudämonie sei, dieses Leben wird dann sinnvoll, wenn er abwegige Pfade vernachlässigt und in der Mitte bleibt, erst dann erfüllt das Telos seinen Sinn; diese aber könne nur durch die Gewöhnung der Tugenden erreicht werden. Die Stoa schrieb hingegen, dass der Mensch seinen Platz in diesem Universum akzeptieren soll und damit umgehen muss. Der Mensch muss sich in Ataraxia üben, um in der Eudämonie zu verweilen. Epikur schrieb in einer seiner Sätze, dass er sich keine Gedanken dazu machen müsse. Der Tod ist die Auflösung aller Sinneswahrnehmung, also auch von Leid. Erst der Tod mache jeden Moment kostbar, ohne ihn, wäre das Leben wertlos. Was ist aber Eudämonie? Für Platon nimmt „das Gute“, die „platonische Idee“ des Guten, den höchsten Rang ein. Damit ist das vollkommene, absolute Gute gemeint. Es existiert außerhalb der Sinneswahrnehmungen, ist aber für den Philosophen, der sich ihm zuwendet, erkennbar. Er unterschied dem erfreulichen Zustand Eudämonie als hohen Wert und der Hēdonḗ einen minderen Wert. Gut, aber das alles sind trotzdem noch nicht Erklärung, warum wir dem Pfad der Tugend bestreiten wollen und das Gut erkennen bzw. warum wir nach ihr handeln. Jetzt kommt Kant ins Spiel. Er teilte die Vernunft in praktischer- und theoretischer Vernunft auf, womit er später dann teilweise erklärt, was das Gut ist. Vernunft ist das Vermögen, den Bereich der Sinne, der Natur zu übersteigen. Diese zu Erkennen ist die theoretische Vernunft und nach ihr zu Handeln die praktische Vernunft. Das Handeln ist unabhängig von sittlichen Motiven. Praktische Vernunft ist das Vermögen vernünftig handeln zu wollen. Diese Fähigkeit bewegt uns dazu einen guten Willen zu haben, welcher sich vom Willen, die Tiere haben, unterscheidet. Der Wille eines Tieres gehorcht den Gesetzen , die die Natur ihm vorgibt. Der gute Wille ist das Vermögen nach den Vorstellungen von Gesetzen zu handeln, darum ist nur der gute Wille gut. Ein Mensch kann somit seine Triebe beherrschen und das Intelligible über das Empirische zu stellen. Gut ist für Kant derjenige Wille, der ausschließlich durch die praktische Vernunft entstanden ist. Die Vernunft ist vollkommen und der Mensch aber braucht um seine Vollkommenheit zu erreichen seinen guten Willen. Er braucht neben den Naturgesetzen, erweiterte Gesetze. Jeder Mensch birgt in sich, als Gesetz die Hebamme seiner eigenen Gedanken zu sein. Der kategorische Imperativ:»Handle nur nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.», dient als Leitfaden für Pflichten. Das Gesetz der Pflicht fordert, dass sie sich als Gesetz gebendes und freies Wesen betrachten können, dadurch schaffen sie Achtung und Würde ihrer eigenen Persönlichkeit und als Folge auch um die der anderen. Der Mensch kann niemals als Mittel eingesetzt werden. Das Pflichtbewusstsein macht sie als Mensch frei.

a.i
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Alt 27.04.2018, 23:55   #2
männlich Amir
 
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Beiträge: 713

Verbesserte Version:
Die Antike, Kant und die Ethik.

Warum müssen wir tätig werden und was ist dabei unser Telos als Mensch. Mit anderen Worten: Was ist das Ziel des Menschen? In der Antike war man von der Idee des Strebens nach Glückseligkeit als Antwort auf diese Frage überzeugt. Man nannte das Streben nach Glückseligkeit die Eudämonie. Glück wurde damals zwar mit Lust vermengt. Lust zu erspüren, bedeutete in der Antike Glück zu spüren oder Freude. Eudämonie sagt jedoch, dass die Lust nach Wissen, die wahre und einzige Befriedung sei, jedoch müsse sich der Suchende zuerst in Tugenden üben, um dieses Glück zu erfahren. Heute klingt diese Idee, dass die Liebe zur Weisheit, die Antwort auf den Lebenssinn sei, weit entfernt von der Realität.
Die Seele ist für Aristoteles eine Dissonanz, da sie in zwei Teile beschrieben wird. Mithilfe der Mitte(Mesoteslehre) kann man diese zwei Teile der Seele vereinen und so sein Telos ergründen, welche aber nur durch die Gewöhnung der Tugenden erreicht werden könne.
Es gab jedoch auch Gegenstimmen. Die Schule der Stoa fürchtete alles, was den Seelenfrieden störte. Epikur überwand alle Befürchtungen und vermied große Lust und jeden Schmerz. Seine Version der Eudämonie war: die Apathie. Die Eftichia ist ein Teil der Eudämonie und beschreibt die Lust als Form der Triebe. Der Mensch muss sich darum in Ataraxie üben. Der Tod ist die Auflösung aller Sinneswahrnehmung, also auch von Leid. Erst der Tod mache jeden Moment kostbar, ohne ihn, wäre das Leben wertlos, darum ist die Suche nach Unsterblichkeit eine Hinterfragung wert. Warum wir jedoch den Pfad der Tugend bestreiten wollen und das Gut erkennen bzw. warum wir nach ihr handeln, dies beschreibt erst Kant. Seine formelle Beschreibung der Ethik gilt als die größte Revolution in der Moralfrage. Er teilte die Vernunft in praktischer und theoretischer Vernunft auf, womit er später dann teilweise erklärt, was das Gut ist und warum diese zwei Teile, die reine Vernunft hervorbringen können. Die reine Vernunft ist das Vermögen die Natur zu übersteigen. Dieses als solches zu erkennen, nennt Kant die theoretische Vernunft und nach ihr zu handeln sei die praktische Vernunft. Das Handeln ist unabhängig von sittlichen Motiven. Praktische Vernunft ist das Vermögen vernünftig handeln zu wollen. Diese Fähigkeit bewegt den Menschen dazu, seinen guten Willen zu nutzen. Im Unterschied zu den Tieren, die sich nach den Naturgesetzen richten.
Der gute Wille ist das Vermögen nach den Vorstellungen von Gesetzen zu handeln, darum ist nur der gute Wille gut. Ein Mensch kann somit seine Triebe beherrschen und das Intelligible über das Empirische stellen. Derjenige Wille, der ausschließlich durch die praktische Vernunft entstanden ist, ist ethisch wertvoll, der Mensch aber braucht, um seine eigene Vollkommenheit zu erreichen, diesen guten Willen.
Jeder Mensch birgt in sich, als Gesetz: Die Hebamme seiner eigenen Gedanken. Das Gesetz der Pflicht fordert, dass der Mensch sich als gesetzgebendes und freies Wesen betrachtet, dadurch schafft er die Freiheit seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Diese Freiheit fördert die Achtung vor sich selbst und der anderen Menschen. Die Würde der Person. Der Mensch kann niemals darum niemals als Mittel eingesetzt werden.

Geändert von Amir (28.04.2018 um 01:13 Uhr)
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Alt 28.04.2018, 00:45   #3
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Zitat:
Zitat von Amir Beitrag anzeigen
Dabei ist Gerechtigkeit die höchste Tugend, dann erst kommt die Liebe zur Weisheit.
Vielleicht steht die Gerechtigkeit deshalb an höchster Stelle, weil es sie nicht geben kann. Sie ist nicht erreichbar. Die Gerechtigkeit unterliegt der Dialektik, dass ein jemand, dem etwas gerecht erscheint, einem anderen jemand gegenübersteht, dem die selbe Sache ungerecht erscheint. Beide Seiten haben stichhaltige Argumente. Die Bibel hat dafür ein gutes Beispiel, nämlich das Salomonische Urteil: Entweder das Kind lebt, oder es gibt eine halbierte Leiche.

Weshalb kommt die Weisheit an zweiter Stelle? Das erschließt sich mir nicht. Weshalb können die Tugenden nicht gleichrangig sein? Das möchte ich erklärt haben. Falls sich jemand an dieses schwierige Thema herantraut.
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Alt 01.05.2018, 00:16   #4
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Vielleicht steht die Gerechtigkeit deshalb an höchster Stelle, weil es sie nicht geben kann. Sie ist nicht erreichbar. Die Gerechtigkeit unterliegt der Dialektik, dass ein jemand, dem etwas gerecht erscheint, einem anderen jemand gegenübersteht, dem die selbe Sache ungerecht erscheint. Beide Seiten haben stichhaltige Argumente. Die Bibel hat dafür ein gutes Beispiel, nämlich das Salomonische Urteil: Entweder das Kind lebt, oder es gibt eine halbierte Leiche.

Weshalb kommt die Weisheit an zweiter Stelle? Das erschließt sich mir nicht. Weshalb können die Tugenden nicht gleichrangig sein? Das möchte ich erklärt haben. Falls sich jemand an dieses schwierige Thema herantraut.
Das hat tatsächlich einen Grund. Je entfernter eine Tugend von der materiellen Welt ist, desto wichtiger war es ob des Strebens nach ihr. Der Geist (Logos) ist noch näher mit dem Körper verbunden und kommuniziert mit dem selbigen. Die Gerechtigkeit geht noch einen Schritt weiter.Sie entfernt sich komplett von der Beherrschung eines einzelnen Wesens. Gerechtigkeit ist nicht mehr fassbar, aber doch da und betrifft jeden Einzelnen im Polis. Die einzige Tugend, die von keinem beherrscht werden kann, denn Gerechtigkeit ist nur dann gerecht, wenn sie als solches von vielen Menschen empfunden wird, sogar von den Tätern selbst. Warum war Sokrates geblieben, als ihm der Prozess drohte? Je tiefer die Tugend, desto näher kam sie an das Fleisch.
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