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Liebe, Romantik und Leidenschaft Gedichte über Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht und Leidenschaft.

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Alt 18.01.2018, 13:47   #1
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
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Alter: 33
Beiträge: 4.760

Standard Ohne dich

Ohne dich bin ich ein Knoten,
der sich nicht entknoten kann.
Nur in alten Anekdoten
spricht die Welt mich nunmehr an.

Ohne dich sind die Gedanken
bloß vergeudet und vertan
und die Welt gerät ins Wanken,
findet nicht mehr ihre Bahn.

Ohne dich sind meine Worte
nur Geräusche - doch wofür?
Ohne dich sind alle Orte
schreckliche Distanz zu dir.

Ohne dich ist Zeit des leisen
Stillstands schweres Metronom.
Immer wenn du gehst auf Reisen,
spaltet sich hier ein Atom.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 13:50   #2
männlich Eisenvorhang
 
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Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.029

Sehr schön Schmuddlkind!

Mir gefällt das Gedicht wirklich sehr, zeigt es doch unbedarfte Naivität und Sehnsucht und Orientierungslosigkeit.

Nur würde ich Folgendes schreiben:

Ohne dich bin ich ein Knoten,
der sich nicht entwirren kann. / oder auch "entfitzen"
Nur in alten Anekdoten

Gernst gelesen!


vlg

g
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 23:06   #3
männlich Schmuddelkind
 
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Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Vielen Dank für dein Interesse und deine Vorschläge, Eisenvorhang (war dein Name nicht gestern noch anders?).

Freut mich, dass dir das eben auch relativ unbedarft geschriebene Gedichtchen gefällt.

Zitat:
der sich nicht entwirren kann. / oder auch "entfitzen"
Da war ich mir tatsächlich auch unsicher. Ursprünglich dachte ich an "entzerren", aber fand das eher unpassend. "Entwirren" klingt aber super. Das nehme ich, danke!

"Entfitzen" - hab ich noch nie gehört.
Hab's aber gerade gegooglet. Interessant, welche "neuen" Wörter man noch jenseits der 30 lernen kann.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 23:17   #4
männlich Eisenvorhang
 
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Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.029

Hi Schmuddlkind,

schön, dass ich Dir helfen konnte.

Ja, mein Nick war gestern und bis heute noch anders. Ich war hier schonmal gemeldet unter "Eisenvorhang".

Die liebe Ilka hat das für mich nachträglich noch geändert und mein altes Konto mit dem Neuen wieder verknüpft.

"Entzerren" wäre unpassend gewesen.

Man zieht, bindet oder (ver)windet einen Knoten, aber man zerrt ihn nicht. Man kann an ihm zerren, wenn er gebunden wurde.
Wenn ich falsch liege bitte ich um Korrektur.

Eigentlich fand ich es schön, dass zweimal "Knoten" vorkommt. Aber im Sprachfluss hat das dann irgendwie gestört. Und wenn die Liebe verknotet, dann braucht diese unbedingt die Entwirrung!

Hab einen schönen Abend!

vlg

EV
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 19.01.2018, 22:15   #5
männlich Schmuddelkind
 
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Alter: 33
Beiträge: 4.760

Zitat:
Eigentlich fand ich es schön, dass zweimal "Knoten" vorkommt. Aber im Sprachfluss hat das dann irgendwie gestört.
Das war genau mein Gedankengang. Und "entzerren" passt auf keinen Fall, da man nur Dinge entzerren kann, die verzerrt sind. Und Knoten sind nicht verzerrt. Daher bevorzuge ich auf jeden Fall "entwirren", v.a. weil da eben auch die Verwirrung des LI rüberkommt. Danke noch mal für den tollen Einfall!

Zitat:
Ja, mein Nick war gestern und bis heute noch anders. Ich war hier schonmal gemeldet unter "Eisenvorhang".

Die liebe Ilka hat das für mich nachträglich noch geändert und mein altes Konto mit dem Neuen wieder verknüpft.
Ach ja, das kenne ich. Ich war hier auch mal eine Weile abgemeldet und hab mich dann auch erst einmal unter einem anderen Nick angemeldet, bis die damalige Forumsleitung das in kürzester Zeit von sich aus wieder richtig eingerichtet hat. Echt super, der Service! Als Forenbetreiber hat man schon ne ganze Menge um die Ohren, erst recht, wenn das Forum so groß ist wie dieses hier.

Dann herzlich willkommen zurück!
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2018, 12:15   #6
männlich Laie
 
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Ort: Oberpfalz
Alter: 28
Beiträge: 846

Lieber Schmuddelkind,

wieder ein tolles Gedicht! Du beschreibst das Fehlen mit wirklich starken und "neuen" Reimen. Auch das doppelte "knoten" finde ich sehr passend. Die dritte Strophe drückt in meinen Augen das Vermissen am stärksten aus und ruft in mir gleich ein verzweifeltes Gefühl hervor.

Die letzten beiden Verse des Gedichts wollen für mich irgendwie nicht so sehr zum Rest passen. Das Spalten des Atoms kommt mir zu wissenschaftlich vor. Es klingt nach so einem rationalen Prozess. Aber du hast dir sicher deine Gedanken dazu gemacht Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass ich Physiker bin
Und ganz nebenbei: Atome konnen selbst zerfallen, aber werden gespaleten

Sehr gern gelesen!


Gruß,
Tiger
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2018, 12:55   #7
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.910

Liebes Schmuddelkind,

du hast die Folgen des Fehlens sehr intensiv und schön beschrieben. Das Atom habe ich als ein Teilchen der Seele gelesen. Der Vergleich des Stillstands der Zeit mit einem schweren Metronom gefällt mir, macht er doch die bleiernde Last dieses Stistands gut fühlbar.

Sehr gern gelesen.

Eine schönen Tag wünscht dir

gummibaum
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Alt 20.01.2018, 22:42   #8
männlich Schmuddelkind
 
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Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Vielen Dank an Tiger und gummibaum für eure lobenden Worte und euer Sinnieren über den Text!

Zitat:
Du beschreibst das Fehlen mit wirklich starken und "neuen" Reimen
Na ja, ich schätze auf die Idee, dass sich "Wanken" auf "Gedanken" reimt, ist bestimmt schon mal jemand gekommen. Aber ich vermute, ich weiß, was du meinst und nehme das Lob einfach mal an.

Zitat:
Die dritte Strophe drückt in meinen Augen das Vermissen am stärksten aus und ruft in mir gleich ein verzweifeltes Gefühl hervor.
Vermutlich konnte ich mir bei der dritten Strophe auch am meisten von der Seele schreiben. Bin auch froh, dass diese Strophe so einfach geraten ist. Die Worte sollten nicht zwischen dem Leser und dem Empfinden stehen.

Zitat:
Die letzten beiden Verse des Gedichts wollen für mich irgendwie nicht so sehr zum Rest passen. Das Spalten des Atoms kommt mir zu wissenschaftlich vor. Es klingt nach so einem rationalen Prozess. Aber du hast dir sicher deine Gedanken dazu gemacht
Das kann ich auf alle Fälle nachvollziehen, dass es zu rational wirken mag. Ich hatte dabei zwei Gedanken, die aber nicht unbedingt überzeugen müssen:
1. Das Wort "Atom" habe ich (auch wenn der offensichtlich wissenschaftliche Bezug auch mir klar war) in erster Linie etymologisch aufgefasst, als etwas Unteilbares (auch wenn das, was wir als Atome bezeichnen ja nicht unteilbar ist) - und eben dieses, das nicht geteilt werden kann, wird auf einmal gespalten und dann passt auf der Welt eben nichts mehr zusammen. Es ist also eine Metapher für die (wenn auch vorübergehende) räumliche Trennung zweier Liebender.
2. Ich hatte schon auch im Hinterkopf, dass sich durch das gesamte Gedicht physikalische Bezüge finden lassen: Mechanik (Knoten), Astronomie (Welt - Bahn), Akustik (Geräusche), Raum (Orte), Zeit (wörtlich genannt) und eben am Ende Atom. Diese Bezüge boten mir interessante Möglichkeiten, mit dem ewig Gültigen und Geordneten (den Naturgesetzen, so wie man sie gemeinhin versteht) und dem Chaos und dem verwirrenden Außerkrafttreten des scheinbar Ewigen vor der alles überschattenden Bedeutung eines Mangels zu spielen.

Zitat:
Atome konnen selbst zerfallen, aber werden gespaleten
Ich habe meinen Atomen angeordnet, sich nach meinem Ableben selbst zu spalten.

Zitat:
Das Atom habe ich als ein Teilchen der Seele gelesen.
Das ist auch eine interessante Lesart, die wohl bei mir auch so ähnlich mitschwingt. Letztendlich verweist diese ja auch auf etwas, das nicht sein kann oder soll.

Zitat:
Der Vergleich des Stillstands der Zeit mit einem schweren Metronom gefällt mir, macht er doch die bleiernde Last dieses Stistands gut fühlbar.
Das bedeutet mir viel, dass dieses Gefühl herüberweht. Ich wollte eigentlich mit meinen Worten sogar einen Schritt weitergehen. Die Zeit selbst ist hier der Takt des Stillstands: man sieht etwa an der Uhr, dass Zeit vergeht, aber es verändert sich doch nichts und dieses Warten erfährt man als endlos - und so erhält der Stillstand gewissermaßen einen Takt.

Zitat:
Eine schönen Tag wünscht dir

gummibaum
Danke. Dir auch! Habe meine maximale Anzahl an Smileys überschritten, daher in verbaler Form: freundliches Lächeln!

LG
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Stichworte
melancholie, sehnsucht, vermissen

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