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Humorvolles und Verborgenes Humorvolle oder rätselhafte Gedichte zum Schmunzeln oder Grübeln.

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Alt 01.01.2018, 15:22   #1
männlich Amir
 
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Standard Rechtschreibschwäche

Die Volkskrankheit meiner Zeitgenossen u30.
Von und bis zu- Nokia oder Whatsapp.
Ihre Kurznachrichten haben
ihnen jeglichen Sinn für ortho beraubt
und ich schreibe hier nicht nur über das korrekte Schreiben,
sondern auch über alles andere,
das einst selbstverständlich war.
Wer die Sprache verliert,
verliert sich zu wehren und das Richtige zu wollen.
Die Experimente in der Pädagogik,
die in den letzten Jahren gemacht wurden,
haben eine bzw. vielfach weitere Generationen
von Waschlappen gezüchtet.
Wenn wir die Hoffnung verlieren, dann Gnade uns Gott.
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Alt 01.01.2018, 15:38   #2
männlich Muellmann
 
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Zitat:
Zitat von Amir Beitrag anzeigen
Die Experimente in der Pädagogik,
die in den letzten Jahren gemacht wurden,
haben eine bzw. vielfach weitere Generationen
von Waschlappen gezüchtet. .
gehört getweetet
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Alt 01.01.2018, 18:47   #3
weiblich Ilka-Maria
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In den letzten Jahren? Über 40 Jahre lang Missbrauch der Schulen als ideologiegesteuerte Versuchskaninchenlabors und Debattierclubs, statt sinnvolle Reformen anzupacken.
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Alt 01.01.2018, 19:43   #4
männlich Gemini
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Die Volkskrankheit meiner Zeitgenossen u30. Von und bis zu- Nokia oder Whatsapp. Ihre Kurznachrichten haben ihnen jeglichen Sinn für ortho beraubt und ich schreibe hier nicht nur über das korrekte Schreiben,sondern auch über alles andere, das einst selbstverständlich war. Wer die Sprache verliert, verliert sich zu wehren und das Richtige zu wollen. Die Experimente in der Pädagogik, die in den letzten Jahren gemacht wurden, haben eine bzw. vielfach weitere

Generationen

Von Waschlappen gezüchtet.




Ich hätte es so strukturiert. Klingt zorniger und schneller.

Gem
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Alt 06.01.2018, 22:48   #5
männlich Amir
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
In den letzten Jahren? Über 40 Jahre lang Missbrauch der Schulen als ideologiegesteuerte Versuchskaninchenlabors und Debattierclubs, statt sinnvolle Reformen anzupacken.
Ich frage mich wirklich, warum Menschen sich nicht gewehrt haben. Es kann doch nicht sein, dass so wichtige Gebiete dafür missbraucht wurden, um irgendwelche Versuche durchzuführen? Konnten die Menschen von damals nicht einfach NEIN sagen?

@Gem , ja, danke. Du hast Recht. Ich hätte es unter Prosa stellen sollen.
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Alt 06.01.2018, 23:44   #6
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Amir Beitrag anzeigen
Konnten die Menschen von damals nicht einfach NEIN sagen?
Das ist ein bisschen kompliziert, Amir. Auf der einen Seite ist Bildungssache Ländersache, also kann jedes Bundesland seine eigenen Reformen und Experimente machen. In meinem Land, Hessen, lief das seit den 60er Jahren nicht besonders günstig.

Die andere Seite ist die Aufregung, die der sog. "Sputnik-Schock" ausgelöst hat. Das wissen wahrscheinlich heute nicht mehr viele Menschen außerhalb derjenigen, die sich beruflich mit Pädagogik befassen. Ich will das hier auch nicht vertiefen. Nur kurz: Als der Sputnik ins All geschossen wurde, war das für den technisch eingeschlafenen Westen ein Alarmsignal. Es entstand ein bildungspolitischer Aktionismus, der zu zahlreichen Bildungsprogrammen führte, um brachliegendes "Potential" zu heben. Gemeint waren jene intelligenten Mitbürger, denen aus verschiedenen (meist familiären oder finanziellen) Gründen eine höhere Schulbildung mit anschließendem Studium verwehrt worden war.

Wie gesagt: Ich will das Thema hier nicht vertiefen. Wenn es dich näher interessiert, solltest du mal Georg Picht googeln. Hier ist schon mal ein Link:
http://www.zeit.de/2014/06/bildungsk...se-georg-picht

Um deine Frage nach dem NEIN aber noch zu beantworten: Glaubst du wirklich, die Masse der Mitbürger hätte diese Zusammenhänge damals erkannt, geschweige denn verstanden?
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Alt 07.01.2018, 09:58   #7
männlich dr.Frankenstein
 
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Fehler machen is das beste was man machen kann, außerdem wozu braucht man Bildung, es gibt Computer.
Ich finde Experimente sehr gut.
Die Schule hat eben noch nicht ihre Pubertät gekriegt nachdem es keine Backenklatsche mehr gab.
Und wills Vati immernoch recht machen. Ja am besten wäre das Verbot der Kunstsprache Hochdeutsch und die Auflösung Deutschlands, das war sowieso eine blöde Idee.
Wie können sich so unterschiedliche Gebiete zusammenschließen.
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Alt 07.01.2018, 10:11   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Ja am besten wäre das Verbot der Kunstsprache Hochdeutsch und die Auflösung Deutschlands, das war sowieso eine blöde Idee.
Dann musst du auch fordern, den Buchdruck abzuschaffen. Ohne Gutenbergs Technik hätten Luther und die Einführung einer einheitlichen deutschen Sprache nicht funktioniert. Allerdings hatte das noch lange nichts mit der Entstehung des Schulwesens zu tun. Bildung war nach wie vor den hohen Ständen (also Adel und Klerus) vorbehalten. Für die Unterschicht musste sie erst nach der industriellen Revolution erkämpft werden. Bis dahin hatte man die Kinder ab ihrem sechsten Lebensjahr in den Fabriken schuften lassen, bis sie krank umfielen.

Was die Schaffung eines deutschen Reiches durch Bismarck angeht, war das überhaupt keine blöde Idee, sondern eine bündnistechnische Notwendigkeit zum Schutze Preußens und der deutschen Kleinstaaten vor den Interessen der sie umgebenden Nationalstaaten.
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Alt 07.01.2018, 10:59   #9
männlich dr.Frankenstein
 
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Österreich gehts doch auch gut. Bildung hat ja nix mit Schule zu tun. Die Afrikaner z.B. freuen sich über Bildung, weil da die Lehrer nich so wie hier unterrichten müssen.
Die einheitliche Sprache ist ja gut, wenn sie wie Latein unterrichtet würde.
Durch ein geeintes System mit parteiischer Abstimmung sind wir immer auf dem Niveau des schwächsten Gliedes, viele Köche verderben den Brei.
Es ist ja nicht verwunderlich das wir dumm werden, wozu musst du denn was wissen, wenn sich eh kein Lehrer dafür intressiert, sondern alles nach System abgefertigt wird.
Die Adligen hatten ja ihre Privatlehrer, Bildung gabs im 19. Jh auch, nur wurden die Kinder lieber als Arbeiter genutzt.

Wenn ich mir unsere Idealbilder ankucke, reiche Vollidioten, eiskalte Geschäftsmänner, Touristen in Bermudas und Badelatschen.

Der hohe Bildungsgrad am Anfang war der Unterdrückung geschuldet und der im geist gespeicherten Konkurenz mit den Herrschern, das hat die Energie freigesetzt. Es gab Freiräume, keine vorgefertigten Wege in denen du dir eine kleine Nische suchen musst.
Es fehlen Vorbilder für die Jugend, die klug aber keine Besserwisser und Weicheier sind.
So wie Kontra K, der hat ja eine gute Wirkung auf einige.
Es kommt auf den Freiraum an, nicht auf die Sicherheit.
Wozu braucht man in der Sicherheit Bildung?
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Alt 07.01.2018, 11:20   #10
weiblich Ilka-Maria
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Es wird immer wieder behauptet (u.a. von Richard David Precht), dass unser Schulsystem auf dem preußischen Ziel beruht, gehorsame Untertanen heranzuziehen. Ich habe Zweifel, ob diese Behauptung einer Prüfung standhält.

Wer sind die "Afrikaner" ? Ich kenne arabische Staaten im Norden Afrikas und südlich der Sahara eine Menge schwarzafrikanischer Staaten.

Wie anders als Deutsch wird denn Latein gelehrt? Wird etwas anderes gelehrt als Rechtschreibung, Grammatik, Syntax, Stilkunde usw.?

Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Die Adligen hatten ja ihre Privatlehrer, Bildung gabs im 19. Jh auch, nur wurden die Kinder lieber als Arbeiter genutzt.
Die Kindere von Adeligen wurden eben nicht als Arbeiter genutzt. Sie wurden zu Wählern und Mitbestimmern der Zukunft erzogen. Bei den niederen Schichten war es eine Überlebensnotwendigkeit, die Kinder in die Fabriken zu stecken, denn der Verdienst der Eltern reichte nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Wenn du glaubst, dass ein Kind größere Vorteile ohne Schule hat, weil es durch das Erkunden der Welt und Experimentieren zu besserem Wissen kommen kann, irrst du dich, denn davon wird niemand satt. Mit einem leeren Bauch hat noch nie ein Mensch sein Wissen erweitert oder eine Erfindung gemacht, geschweige denn eine Revolution. Der Fortschritt kam meistens von Menschen aus den gehobenen Schichten.

Zurück zu unserer Zeit: Nach wie vor ist die Schule nicht dazu da, Vorbilder zu stellen oder ein universales Wissen zu vermitteln. Es geht um das Anlegen eines Grundgerüsts. Wie der Schüler darauf aufbaut, steht ihm frei. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die eigentliche Bildung erst nach dem Verlassen der Schule stattfindet - aber nur, wenn man das auch will. Ohne vorher das erforderliche Handwerkszeug bekommen zu haben kann man nun mal kein Werk erschaffen.
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Alt 07.01.2018, 12:37   #11
männlich dr.Frankenstein
 
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Na Hochdeutsch wird so gelehrt als wäre es unsere Sprache. Latein nich.

Ja mit Afrika war ich zu allgemein und zu uninformiert.

Ich denk nicht das es um gehorsamme Untertanen geht, das wäre ja durchdacht. Schule hat keine Prämisse oder welche würdest du geben.
Es werden eben Leute gestellt die sich mit Sachen auskennen und Staatlich finanziert.
Es ist alles schön vereinheitlicht um Zeit zu sparen, eher so wie die Planwirtschafft der DDR.
Wie waren denn die Preußischen Schulen? Durfte da nicht jeder hin?
Kosteten die was?
Ich war ja letzt ma im Kloster, da durften auch nur Adlige Nonnen werden.

Ich verurteile die Idee von der Grundbildung ja nicht mehr so sehr. Die versuchen da ja ihr bestes und Lehrer habens ja auch nicht leicht. Ist eigentlich ne gute Idee.
Ich meinte nur, dass es nich unbedingt an der Schule liegt, sondern an den Vorbildern unserer Art von Gesellschafft.

Wenn du z.B. früher den gebildeten Adligen als Bauer als was besonderes gesehen hast, hat sich das mit ins Denken eingeschlichen, als etwas von dem der Bauer auch ein bisschen sein will. Auch wenn er es nie zugeben würde.

Beschreib mal was Heute das unbewusste Bild für den armen Mann ist.
Vielleicht Dieter Bohlen, zwar gehasst aber doch irgendwie ärgert er sich, nich auch ein bisschen so zu sein.
Wo ist da bitte der Ansporn zur Bildung?
Für Comedy braucht es keine hochtrabende Lyrik. Die Welt hat sich gedreht.

Es geht einfach nur darum wenn angebliche Dummheit kritisiert wird, die armen waren immer Bauernschlau.
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Alt 07.01.2018, 13:05   #12
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Wenn du z.B. früher den gebildeten Adligen als Bauer als was besonderes gesehen hast, hat sich das mit ins Denken eingeschlichen, als etwas von dem der Bauer auch ein bisschen sein will. Auch wenn er es nie zugeben würde.
Leider muss ich widersprechen. Du beurteilst vergangene Zeiten mit heutigen Augen, die Menschen damals sahen das aber ganz anders. Es gab eine feste Ordnung, in der jeder seinen Platz hatte, und dieser Platz wurde nicht in Frage gestellt, weil er als gottgegeben galt. Die festgefügte Hierarchie war z.B. durch die Kleiderordnung und die Erlaubnis zum Tragen einer Waffe symbolisiert. Ein Bauer wäre niemals auf den Gedanken gekommen, sich auch nur teilweise zu kleiden wie ein Adeliger oder sich einen Säbel umzuhängen, selbst wenn er es sich finanziell hätte leisten können. Das hätte bedeutet, gegen die göttliche Ordnung zu verstoßen, und er wäre in seiner eigenen Schicht sofort zum Außenseiter geworden.
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Alt 07.01.2018, 13:51   #13
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Naja, mag wohl sein, ich hab da ja nicht gelebt.

Heute dürfen wir unsere Schicht und Kleiderordnung selbst aussuchen.
Aber meist bestimmt darüber ja auch das Umfeld in dem ich mich befinde.
In meiner Heimat war Metal verbreitet, viele hörten Black Metal, Grind und so weiter.
Also zog man sich auch in die Richtung an und hatte lange Haare. Mit Band T-Shirts usw. Niemand käme auf die Idee die Mode von Punkern anzuziehen. Genau wie Oi's, Nazis, Technofans, Goatypen, Hip Hoper.
Alle haben ihre Kleiderordnung die Gottgegeben scheint.
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Alt 07.01.2018, 13:55   #14
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Heute dürfen wir unsere Schicht und Kleiderordnung selbst aussuchen.
Das ist eine ganz andere Sachlage. Wir leben im Zeitalter der Inividualisierung (jedenfalls im sog. Westen). Früher sahen sich die Menschen nicht als Individuum, sondern als Teil eines Kollektivs.
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Alt 07.01.2018, 14:47   #15
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Warte, ich hab jetz grad das vorherige erst geschnitten.
Ich meinte nicht die Lage als es war wie es war, sondern die Zeit des Umbruchs, als es möglich schien die Klassen zu verändern.

Diese Gruppen, sind aber auch kollektiv in ihren Hobbys oder Ansichten. Also es gibt Feinheiten, jeder ist ein Mensch für sich, aber dennoch Teil einer Ideologie. Früher wird es doch auch, irgendwelche irgendwie gearteten Gruppen gegeben haben und individuelle Bauern.
Leute die gerne Außenseiter sind, das bedeutet doch individualität.
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Alt 07.01.2018, 15:02   #16
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Früher wird es doch auch, irgendwelche irgendwie gearteten Gruppen gegeben haben und individuelle Bauern.
Leute die gerne Außenseiter sind, das bedeutet doch individualität.
Du bist auf dem Holzweg. Es gab Innungen und Zünfte, die dazu dienten, dass ihre Mitglieder sich an Regeln hielten und kein Überangebot (Konkurrenz) entstand. Die Fertigung der Produkte unterstand festen Regeln. Niemand konnte frei entscheiden, was, wieviel und zu welchen Preisen er produzierte. Was die Bauern angeht, waren es Pächter, die kein eigenes Land besaßen. Als sie nach den Reformen von Stein-Hardenberg frei wurden ("Bauernlegen"), strömten sie in die Städte, um in den Manufakturen und ersten Fabriken Arbeit zu suchen. Da aber die Industrialisierung erst am Anfang war, konnte sie die Massen nicht auffangen. Es entstand der Pauperismus, die Leute hatten keine Bleibe und verhungerten. Das war (auf deutschem Boden) zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ist also noch nicht sehr lange her. England hatte diese Probleme bereits einhundert Jahre früher.
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Alt 08.01.2018, 00:45   #17
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Das ist zwar nicht schön.
Aber andererseits. Einem Bauer gehörte ja auch dann die Hälfte seines Hofes, wenn er dann einpaar zwielichtige Kumpels hat die wissen wie man zu Geld kommt,
gewährt er denen Unterschlupf und kann seine Schulden abzahlen.

Zu den Fabriken rennen, war bei dem fiesen Trick mit dem Land, ja eher eine verzweifelte Aktion. Das ist ja echt ein hinterlistiges Gesetz.
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Alt 08.01.2018, 01:04   #18
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Einem Bauer gehörte ja auch dann die Hälfte seines Hofes, ...
Den Bauern gehörte gar nichts, sie waren Pächter. Das Land gehörte den Großgrundbesitzern. Wegen der Technisierung und dem Einsatz moderner landwirtschaftlicher Maschinen wurden die meisten Bauern "von der Scholle befreit" - oder anders gesagt: Sie wurden nicht mehr gebraucht und konnten gehen.
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Alt 08.01.2018, 01:36   #19
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http://www.schule-bw.de/faecher-und-...befreiung.html

Da steht das jeder Grundstücke kaufen konnte. Stimmt das denn nicht?
Ich fand das intressant, desswegen hat ich gleich nachgekuckt.
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Alt 08.01.2018, 07:24   #20
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von dr.Frankenstein Beitrag anzeigen
Da steht das jeder Grundstücke kaufen konnte. Stimmt das denn nicht?
Das stimmt schon. Aber wenn du den Eintrag richtig und bis zum Ende gelesen hast, wirst du festgestellt haben, dass die Bauern gar nicht das Vermögen hatten, Land zu erwerben, oder dass sie es aufgrund hoher Verschuldung nicht halten konnten. Was in dem Artikel nicht steht: Es genügte nicht, Land zu kaufen, sondern man brauchte auch Geld für die neuen technischen Maschinen. Das hatten nur die Landwirte, die bereits Großgrundbesitzer waren. Natürlich hätten sie die Bauern in Lohn nehmen und die Landmaschinen bedienen lassen können, aber es waren zu viele, also mussten sie woanders Arbeit suchen. Deshalb sprach man über diese preußischen Gesetze der "Bauernbefreiung" auch vom "Bauernlegen" (ein Begriff, der allerdings nicht neu, sondern schon ein paar Jahrhunderte alt
war).

Ich habe sowieso das Thema nur stichwortartig beschrieben, es ist eigentlich viel komplizierter. Zum einen wurden die neuen Gesetze - angeblich zur Befreiung und Entlastung der Bauern - nicht einheitlich und zeitgleich durchgeführt, sondern von Land zu Land unterschiedlich. In manchen der deutschen Länder wurden sie zwischendurch zurückgenommen. Dann wieder gab es Bestrebungen, nur die Großbauern, nicht jedoch die Kleinbauern aus der Fron zu entlassen. Mancherorts bestand noch die Sitte, sich vom "Recht der ersten Nacht" freizukaufen, manche Bauern mussten "Judenschutzgeld bezahlen". Jetzt kamen noch Steuern dazu, und Militärdienst mussten die Bauern auch leisten.

So, ich glaube, das reicht. Wenn du es genauer wissen willst, solltest du in Büchern von Historikern nachlesen, das Internet reicht dafür nicht aus.

Mir wird das Thema jedenfalls allmählich zu ausufernd.
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Alt 15.02.2018, 01:00   #21
männlich curd belesos
 
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moin moin Ilka,

ich freue mich über deine Langmut und bewundere deine ruhige Art, Wissen zu vermitteln.

Einen begeisterten Gruß

CB
curd belesos ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.02.2018, 03:14   #22
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He mach dich nicht lustig, ich fand es sehr intressant, es hat mir gute Forschungsansätze geliefert zu dem Thema, ich liebe Diskusionen.
Aber das Wort vermitteln klingt gut. Bei Diskusionen wird ja wissen vertauscht, zumindest in guten.
Desswegen sind die meisten zu feige zum diskutieren.
Im beleeren sind immer alle forne dabei.
Oder wann hast das letzte mal fruchtbar diskutiert?
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.02.2018, 10:38   #23
männlich curd belesos
 
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moin moin frankenstein,

du irrst, wenn du denkst, dass ich mich über etwas lustig machen würde. Das Gegenteil ist der Fall, ich freue mich über Ilkas profundes Wissen und das Können, es auch zu vermitteln.
Mir ist diese Gabe nicht zuteil geworden, ich bin leider unduldsam.

LG
CB
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Alt 15.02.2018, 10:49   #24
männlich dr.Frankenstein
 
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Tach, achso, naja.
Ach mach dich doch nicht schlecht. Es gibt da so ein Training gegen agressionen. Nimmst einen Kumpel und fährst zum Friedhof. Und da sucht man sich sein späteres Grab aus, stellt sich eine Weile davor und entspannt und dann kannst aufm Rückweg mit dem Kumpel über deine Gefühle sprechen, die du dabei empfunden hast.
Aus dem Grund gab es früher bestimmt auch heilige Grabstätten.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.02.2018, 18:12   #25
männlich curd belesos
 
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jaaaaaaaaaaaaaa, vielleicht auch schon mal zuschauen, wie ein Grab ausgehoben wird, um sich der Vergänglichkeit ganz tief bewusst zu werden.

Ich brauche mehr innere Ausgeglichenheit.

LG
CB
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Alt 15.02.2018, 18:19   #26
weiblich Ilka-Maria
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Alt 15.02.2018, 18:57   #27
männlich Heinz
 
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Lieber Amir,
Du hast ja so etwas von recht!
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, beherrschen ihre Muttersprache nicht, quirlen barbarische Wortfetzen in ihre Reden, brabbeln Unverständliches in ihre Handys, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer und lösen Konflikte mit Gewalt.
(Du darfst jetzt raten, was an dieser Philippika von mir ins mehrere Tausend Jahre alte Originalzitat hinein gemischt wurde.
Ich kenne eine Menge junger Leute, die mir auf zahlreichen Gebieten (Sprache, Fremdsprachen, Musik und anderen) weit überlegen sind. Nur - über sie wird nicht so ein Bohei gemacht. Mir ist angesichts der Jugend vor der Zukunft überhaupt nicht bange.
Gruß,
Heinz
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Alt 16.02.2018, 00:58   #28
männlich dr.Frankenstein
 
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Hab ich glaub ich noch nie gesehn? Das ausheben.

Ja gut, das glaube ich auch, unsre Welt lebt ja gerade von der Mischung und so gut wie die Handybrabbler kannst bestimmt kein Auto reparieren oder Pflastern oder ein Haus bauen, oder die Maschinen in einer Textilfabrik bedienen oder innerhalb von Sekunden Schrott am Fließband aussortieren.
Oder anderes Zeug was man für normal hält wobei die Sprache zweitrangig ist.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.02.2018, 19:02   #29
männlich Amir
 
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Zitat:
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Lieber Amir,
Du hast ja so etwas von recht!
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, beherrschen ihre Muttersprache nicht, quirlen barbarische Wortfetzen in ihre Reden, brabbeln Unverständliches in ihre Handys, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer und lösen Konflikte mit Gewalt.
(Du darfst jetzt raten, was an dieser Philippika von mir ins mehrere Tausend Jahre alte Originalzitat hinein gemischt wurde.
Ich kenne eine Menge junger Leute, die mir auf zahlreichen Gebieten (Sprache, Fremdsprachen, Musik und anderen) weit überlegen sind. Nur - über sie wird nicht so ein Bohei gemacht. Mir ist angesichts der Jugend vor der Zukunft überhaupt nicht bange.
Gruß,
Heinz
Sokrates
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Alt 25.02.2018, 19:39   #30
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Ja klar, Sokrates (mit leichten Ergänzugen).
H.
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