Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Philosophisches und Nachdenkliches

Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 27.09.2017, 11:10   #1
männlich MiauKuh
 
Benutzerbild von MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.845

Standard Ich bin der und der

Ich bin was andre waren,
und bin ich deshalb nichts?
Ein Schatten nur des Lichts,
das Trübe nur vom Klaren?

Ich bin doch, was ich bin,
und lasse mir nichts sagen,
ich habe mein Betragen,
ob Unsinn oder Sinn.

Was kommst du also zu mir her
und sagst, ich seie so und so?
Dass ich wie jemand anders wär,
doch ich bin hier, nicht anderswo.

Was du so sagst, ist mir egal,
ich habe mich gefunden,
und alles was ich jemals war,
das hab ich überwunden.

Die ganze Welt steht mir nun frei,
ich will sie auch erleben,
die Zweifel sind ja nun vorbei –
Auf, auf! Zu neuen Wegen.

Geändert von MiauKuh (27.09.2017 um 13:25 Uhr)
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 13:13   #2
männlich Erich Kykal
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Dabei seit: 09/2011
Ort: Österreich
Alter: 55
Beiträge: 876

Hi MiauKuh!

Gut gegeben - nur die Suche hört niemals auf, solang wir atmen! Da gefiele mir in der vorletzten Zeile ein anderes Wort besser, zB. "die Mühe" oder "der Zweifel" oder "das Elend".

Peanuts:

S1Z1 - Komma ans Zeilenende.

S2Z1 - Komma nach "doch" und Komma ans Zeilenende.

S3Z2 - Komma nach "sagst".
S3Z3 - "Dass"

S4Z1 - Komma nach "sagst".
S4Z2 - Komma ans Zeilenende.

S5Z1 - "nun statt "jetzt" klingt weicher, harmomischer.
S5Z4 - Groß nach Rufzeichen: "Zu".

Gern gelesen!

LG, eKy
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 13:27   #3
männlich MiauKuh
 
Benutzerbild von MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.845

Hey Erich,

herzlichen Dank für die Korrektur meines Kommaproblems, du kennst ja mein Leid, dass es mir bereitet. Ich habe nun "die Zweifel sind ja nun vorbei" als vorletzte Zeile gesetzt.

Deinen Kommentar zum "jetzt" verstehe ich und teile deine Meinung, habe deswegen ein "nun" zugefügt. Ja, so klingt es natürlich geschwungener, hat einen runden Klang und keinen "tz" Laut mehr. Dir, als Rilkeschen Schwungliebhaber und selbst geschwungen Schreibenden, fällt das sicher sofort ins Auge, gleich wie ein Riss in der Landschaft – und es tut gut, genau das von dir zu wissen.

Liebe Grüße!
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 15:22   #4
männlich Erich Kykal
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Dabei seit: 09/2011
Ort: Österreich
Alter: 55
Beiträge: 876

Hi MiauKuh!

So hab's ich gelernt, und so gebe ich es weiter. Den Foren verdanke ich das meiste, was ich über das Dichten weiß. Davor dachte ich, dass es da kaum was zu wissen gäbe - man schreibe einfach so drauflos und fertig!

Das meiste ist Wissen und Übungssache, damit kann jeder passable Gedichte schreiben, sofern er nicht völlig unmusisch und sprachdement ist. Der kleine Extrafunke, der aus einem Allerweltsdichter einen namhaften Poeten macht - also einen, den man wirklich gern liest und der (zumindest damals in der guten alten Zeit, als die Lyrik noch bedeutsamer war) Breitenwirkung zu erzielen vermag - diesen kleinen Funken finden leider nur wenige.

Ich schätze, dass sich im gesamten deutschen Sprachraum heute noch etwa 10.000 Menschen ernsthaft für Lyrik interessieren. Ein Bruchteil davon schreibt selbst, aber nur ein paar hundert davon tun dies gut genug, um Aufmerksamkeit zu erregen - zumindest bei diesen exklusiven letzten 10.000! Zufall und Gelegenheit spielen natürlich auch mit: Manch guter Poet bleibt unbekannt, weil er nie das Glück eines weniger Guten hatte, der zur rechten Zeit in den rechten A**** kriechen konnte und so einen Verlag fand!

Das Land der Dichter und Denker! Welch ein Hohn für den, der heute noch Gedichte schreibt! Erstgenannt, noch vor den Denkern - und doch praktisch ausgestorben und vernachlässigt. Symptomatisch beispielsweise, dass zu meiner Schulzeit noch ein Rilkegedicht im österreichischen Schullesebuch stand: der allseits bekannte "Panther"!
Irgendwann ist es dann verschwunden, zusammen mit aller anderen Lyrik. Im heutigen offiziellen Schullesebuch kommt Lyrik nicht mehr vor, weil zu unwichtig oder für die an den modernen Medien Sprachverkrüppelten bereits zu schwierig! (Hier fehlt mir der An-die-Stirn-Klatsch-Smiley sehr!)

LG, eKy
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 17:23   #5
männlich Sonnenwind
 
Benutzerbild von Sonnenwind
 
Dabei seit: 06/2012
Alter: 57
Beiträge: 1.351

Hallo Erich, hallo MiauKuh,

meine Vermutung - es haben sich noch nie so sehr viele Menschen auf wirklich anspruchsvolle Weise für Lyrik interessiert. Sicher wurde das eine und andere Gedicht früher häufiger im Unterricht, auch etwa zur Weihnachtszeit, auswendig gelernt und aufgesagt, aber zu einem gehobenen Interesse an der Sache wird es aus verschiedenen Gründen selten gekommen sein.

Ausgenommen davon - das Aufsagenkönnen häufig gesungener Volkslieder und eventuell hineingeprügelter Choräle. Aber die Kids von heute können ihre Hits oft auch auswendig.

Zur Möglichkeit, als Lyriker bekannt zu werden: Man hört in den Medien ja zum Beispiel auch oft von Sportlern, die früh angefangen und, allen Widerständen zum Trotz, immer an sich geglaubt und weitergemacht haben - und dann irgendwann für ihre Mühen belohnt worden sind. Was Mut machen soll... Was dabei verschwiegen wird: dass es Tausende mit vergleichbarem Talent gibt, die es ähnlich versuchen, ohne je zu durchschlagendem Erfolg zu kommen. Von ihnen ist allein deshalb schon sehr viel seltener die Rede, weil sie, der Natur der Sache gemäß, unbekannt bleiben...

Ich finde, das passt thematisch ganz gut zum Gedicht. Wenn man sein möchte, wer man ist, sollte man auch bei der Sache bleiben, die einem wirklich und wahrhaftig persönlich am ehesten zusagt. Egal, was andere sagen, sei es in Form einer Ermutigung oder Entmutigung. Egal auch, welchen "Erfolg" man damit zu erzielen imstande ist.

LG
Sonnenwind

Geändert von Sonnenwind (27.09.2017 um 19:03 Uhr) Grund: Wortkorrektur
Sonnenwind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 18:40   #6
männlich Ex-Poesieger
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2009
Beiträge: 7.287

Naja, bei den Kommentatoren färbt es ja sowieso auf das ab was sich bemüht Gedicht zu sein. So wäre als das Dichten sich selbst nicht Ansporn genug Seelenfunktion zu betreiben ohne dass einer was zu sagen hätte dass nicht mal Psyche meint.
Ex-Poesieger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 19:08   #7
männlich Sonnenwind
 
Benutzerbild von Sonnenwind
 
Dabei seit: 06/2012
Alter: 57
Beiträge: 1.351

Warum verstehe ich so selten, was Du meinst?
Sonnenwind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2017, 19:13   #8
männlich MiauKuh
 
Benutzerbild von MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.845

Hey Erich, Sommerwind und Poesieger,

danke für eure Kommentare hier. Ich stimme euch beiden zu. Auch ich glaube, Lyrik interessiert nur sehr, sehr wenige Menschen. Dennoch, in ruhigen Stunden ... da wird schon hin und wieder von jemandem ein Gedicht gelesen und da ist es gut, das es sie gibt. Ich stelle jetzt die Vermutung in den Raum, dass es niemals so viele Lyrikschreibende Menschen gab, wie heute. Und womöglich auch niemals die Möglichkeit, so einfach und schnell auf eine riesige Masse an Lyrik zuzugreifen. Das es überhaupt geht, also die Zugänglichkeit, dass ist doch schon ganz toll. Dadurch werden wieder mehr Menschen an das Thema herangeführt.

Ich glaube nicht das Lyrik jemals ein Massenthema war, oder je sein wird. Denn wenn Zauber Massenware wäre, würde es kein Zauber mehr sein. So verhält es sich auch mit der Lyrik.

Ja Erich, Sommerwind: im Richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, ist ebend richtig und hilft für die lyrische Geldbringer und Ruhmkarriere. Was aber wirklich zählt, ist das Weitergeben der schönen Gedanken an jemanden.
Wir sprechen und schreiben heute, jemand hat damit angefangen. Wer? Das weißt man nicht, aber zum Glück können wir es.

Joa. Und so dichte auch ich mal mehr, mal weniger fleißig dahin und sehe, wie es den Leuten so etwas sagt, oder nichts sagt (seit ich weiß, dass ich wirklich gerne Gedichte schreibe (erkannt und akzeptiert habe, welche Seele da in mir schlummerte)).

Was ich noch für wichtig halte: junge Menschen sanft und gefühlvoll in dieses Thema einzuführen und ihnen mit ausschließlich hilfreicher Kritik zur Seite zu stehen, die immer am Ende Mut machend ist. Sonst wird die zarte, noch dünne Dichterflamme ausgepustet und so manches schöne Gedicht würde niemals einen Hörer finden, da es nie geschrieben würde.
Darum: immer fleißig weiter machen, es ist doch ein schöner Club der lebenden Dichter.

Liebe Grüße
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2017, 07:03   #9
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 4.170

Hallo MiauKuh,

ein schönes Gedicht mit Aussage, in dem auch der Rhythmus stimmt und die Verse gleich lang sind (das fällt mir beim Dichten über mehrere Strophen schwer).

Was die Lyrik-Lehren im Unterricht angeht: In meinem Deutschbuch standen früher wunderschöne Gedichte, die wir in der Schule aber nie durchgenommen haben, z. B. "Zähle die Mandeln" von Paul Celan. Teilweise lag das aber sicher auch an zuviel uninteressierten Schülern.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2017, 10:54   #10
männlich MiauKuh
 
Benutzerbild von MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.845

Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Hallo MiauKuh,

ein schönes Gedicht mit Aussage, in dem auch der Rhythmus stimmt und die Verse gleich lang sind (das fällt mir beim Dichten über mehrere Strophen schwer).

Was die Lyrik-Lehren im Unterricht angeht: In meinem Deutschbuch standen früher wunderschöne Gedichte, die wir in der Schule aber nie durchgenommen haben, z. B. "Zähle die Mandeln" von Paul Celan. Teilweise lag das aber sicher auch an zuviel uninteressierten Schülern.

LG DieSilbermöwe
Hey liebe DieSilbermöwe,

es ist schön, dass dir mein kurzes Gedicht gefallen hat.
Zu meiner Schulzeit, für nun auch schon 15 Jahren, hatten wir noch ein bisschen Gedichte. Aber viel zu selten, wobei ich damals gar nicht wusste, was, oder das ich sie eigentlich sogar lesen, nicht nur schreiben mag. Verzaubert hat es mich dennoch, darum war mein Hausaufgabenheft auf der Frontseite auch mit Goethe und Nietzschegedichten beklebt.

"Zähle die Mandeln" ist ein Gedicht zum Nachdenken. Ich kannte weder den Autor, noch das Gedicht. Zurzeit habe ich Erich Fried "Es ist was es ist" zu lesen.

Liebe Grüße
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2017, 12:43   #11
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.929

Ja, man sollte sich von niemand anderem definieren lassen.

Gern gelesen, lieber MiauKuh. Einen schönen Tag wünscht dir

gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Ich bin der und der

Stichworte
selbsterkenntnis

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche



Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.