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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 19.09.2017, 23:19   #1
männlich FvStaufenberg
 
Dabei seit: 09/2017
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Beiträge: 2

Standard Blaublüter

Blaublüter
– FvStaufenberg

Der Dunst kräuselt sich empor, zwischen starren Geästen der seitlich stehenden Bäume. Der Blick wird durch den Nebel abgefangen und trifft nur auf einen kurzen, gestreckten sandigen Weg, abgehackt durch die Kurzsicht. Das grauen dieses Tages bleibt nicht ununterbrochen und findet seinen Trost durch eine zierliche blaue Blüte am Wegesrand. Energetisch und vielsagend schaut sie empor, spendet Hoffnung. Der Schritt auf dem sandigen Untergrund geht vorbei an der Blume, hinein in das schwebende Wasser, in das Tabula rasa des nächsten Schrittes. Die Bezeichnung eines Tages auf diesem Weg, ist nicht vergleichbar mit Sonnenaufgang und deren Versinken am Horizont. Zweifelhaft, ob überhaupt die Sonne anwesend ist, bis ein zukunftsträchtiger, erbarmungsloser Wahrheitsbringer den Nebel vom Wege reist. Stürmisch geht es für einige Schritte zu, jedoch geht hervor ein Gewinn, der sich im Anblick der belichteten Szenerie zeigt, einem wogenden Meer aus Blaublütern, adligen Momenten, am Rande des Weges, kurz sichtbar für die Dauer des Orkans, bis ein herabfallender Ast den nächsten Schritt behindert, einen Sturz erzwingt, die logische Konsequenz aus zu viel brillierendem Hochmut. Nun wieder ganz dicht am Boden, mit dem Gesicht den Sand berührend, keuchend kapitulierend. Der Nebel errichtet abermals undurchdringliche Wände, als hätte es vorher kein Leben, keine Zukunft, kein Meer aus Hoffnung gegeben, hinterlässt nur eine Blüte am Wegesrand. Sie ist die fahle Erinnerung, der verträgliche Genuss, das Menschen verständliche Glück. Am Boden krepierend, nicht im Stande den nächsten Schritt zu tun, dazu verhilft auch nicht die eine, magere Blüte. Die Sicht ist versperrt, die Hoffnung versiegt, man selbst dem Untergang geweiht. Käfer eilen herbei, Gewürm schraubt sich aus der Erde und betasten den eigenen noch bebenden Leib.
Eine kalte, kurze Empfindung durchzuckt den Handrücken und verstummt, zerläuft. Eine weitere folgt, zunächst kaum wahrnehmbar. Mit gesteigerter Frequenz entstehen nun diese Anstöße, diese Aufforderung des Lebens. Ein elektrisch aufgeladener Regenguss ist die Konsequenz. Gierig nimmt der Körper die Energie auf, verschlingt sie und stämmt sich auf die Knie. Dort die blaue Blume, sie ist nun wieder voller Seligkeit, genug für den Moment, genug um die Zeitebene weiter zu schreiten, im sich wiederholenden Rhythmus von Nebel und Sturm, vom Fall und Aufstieg. Ein archaischer Urkreis im glücklichen Leben.
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Stichworte
blüte, hoffnung, leben

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