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Alt 10.04.2017, 18:15   #1
männlich Chero7x77
 
Dabei seit: 04/2017
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Standard Der Beginn einer Legende: Wenn deine Welt zerbricht - Teil 1

1. Wenn deine Welt zerbricht
Der Regen prasselte langsam aber kontinuierlich gegen die Fensterscheibe. Samuel Elitess hörte jeden einzelnen Tropfen und im selben Takt fielen seine Tränen auf den Holzfußboden. Er war ein seinem Zimmer, doch soeben hatte sich sein ganzes Leben geändert. Mit dem Unterarm am Fenster lehnend, stand er dort und sein von Tränen übersätes Gesicht starte kalt und mit Leid erfüllten Augen auf die nasse, graue Straße. Einsam. Er fühlte sich einsam. Seine ganze Familie wurde entführt, kein Hinweis auf deren Standort, noch auf den Täter, nur diesen einen Brief der an der Tür hing, als Samuel vor 10 Minuten nach Hause kam. Dieser Brief, der in ihm den größten Hass und gleichzeitig die größte Angst weckte. Dieser Brief der ihm flau im Magen werden ließ. Dieser Brief, den er so oft durchlas, dass sich jede einzelne Zeile schon in seinen Kopf eingebrannt war. Diese lauteten:
„Du kennst uns nicht, doch keine Angst, wir werden in der nächsten Zeit noch genug voneinander hören. Um genau zu sein solltest du doch Angst haben. Du vermisst wohl deine Familie, das musst du nicht, denn wir sind nun deine neue Familie, deine neue Welt, dein neues Leben! Du wirst alles machen was wir von dir verlangen, oder deine echte Familie wird sich nach und nach auf tragische Weiße, tragische Unfälle erleben. Du bekommst die nächste Information um 15:00 Uhr an der alten Busbahnhofsstation nahe des Ost-Parks. Du solltest besser da sein! “
Der Raum schien ihn zu erdrücken. Die Luft war dick und die Wände kamen näher. Er konnte nicht mehr Atmen und auf seiner Stirn bildeten sich in Sekunden Schweißperlen. Was sollte er tun? Er hatte keine andere Wahl als den Instruktionen auf dem Brief nachzugehen, doch war das eine gute Idee? Die Wut kam wieder hoch. Sie entführten seine Familie und machten sich noch über ihn lustig. „Auf eine tragische Weiße, tragische Unfälle.“ Diese Worte ließen ihn nicht mehr klar denken. War es nur ein Scherz von den Jugendlichen aus der Gegend, und seine Eltern und Geschwister waren nur zufällig nicht da? Wollten sie ihn zur Busbahnhofsstation locken um ihn dort zu verprügeln? Er hatte wohl keine Wahl als es herzufinden. Er machte die Augen zu, hörte nur noch das Ticken der Wanduhr und seinen Puls, bis sie im selben Takt klangen. Mit jedem Schlag wurde sein Herz kälter, seine Miene rauer, sein Hass größer. Mit dem Arm der gerade noch am Fenster gelehnt war, schlug er nun mit der Faust gegen die Fensterscheibe sodass alle Tropfen an der Fensteraußenseite in kleinen Strömen herunter rasten. Er drehte sich an die Wand neben dem Fenster und rutschte mit dem Rücken die Wand hinab und kauerte auf dem Boden. Er weinte bitterlich. Von außen hörte er das Schlagen der nahe gelegenen Peterskirche. 3. Mal. Es war also 14:45 Uhr und er musste sich nun beeilen. Samuel stand langsam und bedächtig auf, wischte sich die Tränen mit seinem blauen Sweatshirt Ärmel ab und bereitete sich mental auf die kommenden Geschehnisse vor. Auf dem Weg zur Wohnungstür griff er seinen Rucksack und steckte das gesamte Geld ein, was er finden konnte. Denn er wusste, dass er, wenn es nicht die Jugendlichen waren, für eine lange Zeit nicht zurückkehren würde. Er schloss die Tür hinter sich und ihm wurde wieder flau im Magen. Was würde nun bloß geschehen?
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Samuel an der alten Bahnhofsstation an und wartete dort auf einer Bank in einem alten Wellblech Gebilde, welches früher scheinbar als Bushaltestelle genutzt wurde. Durch die dichte Wolkendecke am Himmel brach vereinzelt die Sonne durch und das Licht reflektierte in seiner silbernen Armbanduhr, die er vor 3 Jahren von seiner Familie als Konfirmationsgeschenk bekommen hatte, als er nach der Zeit sehen wollte. Er hatte noch 5 Minuten. Der Junge sah zum Himmel und verlor sich im Spiel zwischen Sonne und Regen. Plötzlich durchfuhr Samuel ein Schock. Die Kirchenglocken schlugen zur vollen Stunde. Alle seine Sinne waren aktiv, er spürte sein Herz in seinen Ohren schlagen und er zitterte am ganzen Körper. Zu dem in der Luft hängendem Glockenklang mischten sich immer besser hörbar seltsam schlurfenden Schritte hinzu. Samuel schluckte. Wer war die Person. Insgeheim hoffte er nun einen Jugendlichen zu sehen, doch er befürchtete schlimmeres. Die Schritte kamen näher jedoch konnte er den Menschen zu dem diese gehörten noch nicht sehen. Das einzige was er hörte war das ewige Tip-Tap, Tip-Tap, Tip, Tip. Plötzlich stand er direkt vor ihm, ein Obdachloser, mit langem, zottligen braun-grauen Haaren, und einem ebenso zottligen und grauen Bart, mit dem Unterschied, dass er um den Mund eklig gelblich gefärbt war. Er trug seinen beigen, versifften Trenchcoat, darunter eine neon-rosafarbenes T-Shirt und einen ausgewaschene Jeans. Samuel stoppte der Atem. Seine Gedanken rasten: „Dieser Mann soll meine Familie entführt haben? So betrunken wie er ist? Und was will er von mir?“. Doch bevor er den Mut finden konnte seinen Mund auch nur aufzumachen oder sich zu bewegen, warf ihm der Obdachlose ein Päckchen zu, ohne Samuel auch nur anzusehen. Samuel fing es mit beiden Händen und war vor Schreck nach hinten gelehnt. „Aufmachen“ schrie der Obdachlose weiterhin in die Ferne starrend. In Samuels Augen lag die Überraschung und Angst. Sein Mund stand offen. „Du sollst es nun endlich Aufmachen!“ Samuel atmete tief durch und zog dann an der Schleife, die um den in Zeitungspapier gewickelten Schuhkarton gebunden wurde. Er ließ die Schnur zu Boden fallen und riss das Papier mit wenigen Griffen vom Karton, hob den Deckel hoch und legte ihn links auf die Bank auf der er saß. Samuel war starr vor Schock. In dem Karton war eine Browning 9mm, Halbautomatik Pistole und ein verschlossener Briefkuvert. Samuel riss die rechte Seite des Kuverts mit zittrigen Händen auf und zog das beschriebene Stück Papier heraus und faltete es auf.
„Gut, dass du rechtzeitig erschienen bist, Kleiner. Hier ist deine Aufgabe:
Wir wissen, dass du unschuldig bist, du weist dass du unschuldig bist und nun liegt es an dir es der Polizei verständlich zu machen, denn:
- wir haben sie vor 3 min. gerufen,
- der Obdachlose vor dir ist tot, mit drei Kugeln im Körper,
- du bist der einzige hier mit einer Knarre in dessen Magazin 3 Kugeln fehlen
- und unser persönlicher Favorit: In diesem Häuschen in dem du sitzt haben wir ‚ausversehen‘ Sprengstoff ‚fallen lassen‘.
Das bedeutet, du bist im Arsch! Schau doch mal unter der Bank wieviel Zeit dir der Zeitschalter noch lässt bevor hier alles in die Luft geht. Ich hoffe du bist ein schneller Leser. Hahaha.“
Samuel legte den Brief mit zitternden Fingern beiseite und beugte sich mit angehaltenem Atem nach vorne. Plötzlich wurde er am Pullover nach vorne gezogen, vermutlich der Obdachlose, er konnte es aber nicht erkennen, da die Kapuze in der Bewegung über seinen Kopf fiel. Er landete hart auf dem feuchten Boden, mit der rechten Hand die Waffe fest umgriffen. Vollkommen perplex richtete er sich langsam auf, als er drei Feuersäulen, nacheinander horizontal aufblitzen sah. Der Obdachlose stieß einen leidenden Schrei aus und fiel zu Boden. Der Schrei klang ihm noch ewig in den Ohren. Gerade als Samuel sich schlaksig erhob, explodierte ca. 1 Meter vor ihm die Haltestelle. Er warf die Arme vor sein Gesicht und die Wucht der Explosion stieß ihn nach links hinten, wobei er eine halbe Drehung machte und erneut auf dem Boden lag. In seinen Ohren ein erdrückendes, quälendes Pfeifen. Er öffnete die Augen, doch er konnte keinen wirklichen Fokus fassen. Um ihn herum flogen brennende Stücke herum und der Geruch von Feuer brannte in seiner Nase. Er musste an die schönen Zeiten denken, als seine Familie noch friedlich zusammenlebte und nicht von fremden Menschen entführt worden war. Sie lebten in einer kleinen Wohnung, im 5. Stock eines Plattenbaugebäudes. Seine Eltern Oskar und Susa hatten 5 Kinder, Oskar Jr. 7 Jahre, Patricia 9 Jahre, Lars 12 Jahre, Samuel 17 Jahre und Kareem 20 Jahre. Oskar und Susa hatten Kareem als Baby adoptiert, weil seine Mutter Drogenabhängig war und sich nicht um ihr Kind kümmern konnte und der Arzt Susa Elitess versicherte, sie könnte niemals schwanger werden. Dass seine Hautfarbe dunkler war, kümmerte zwar die Nachbarn, Familie Elitess aber weniger. Es gab jede Menge Anfeindungen aus der Nachbarschaft und die ersten Jahre waren täglich von Beleidigungen und Beschimpfungen geprägt, doch auch dies ging vorbei. Und Susa bekam wie durch ein Wunder doch Kinder. Beide wussten, dass es ein Geschenk Gottes war. Der Alltag in einer 7 Personen Familie, war oft von Stress und Reibereien durchwachsen, doch die Liebe untereinander gewann doch immer. Samuel dachte an die schönen, langen Familienfeiern zu Geburts- und Feiertagen und an die gemeinsamen Spieleabende. Doch diese Zeiten waren wohl für immer vorbei. Nun war Samuel Elitess alleine. Er würde seinen Frieden erst wiederfinden, wenn er sterbe oder seine Familie befreien würde. Das bedeutete sich zuerst an die Anweisungen der Entführer zu halten und sich irgendwie ins System einzuarbeiten, aufzusteigen und dann jeden einzelnen von diesen sadistischen, Gott verdammten Ungeheuern leiden zu lassen. Mit dieser aufsteigenden Wut, errichtete er sich erneut und hatte wieder einen klaren Verstand. Da hörte er schon in der Ferne die Polizeisirenen, die sich schnell zu nähern schienen. Er schaute sich panisch in alle Richtungen um und rannte dann von den Sirenen davon. Das Gebiet war weitgehenst von der Natur zurückgewonnen worden, daher gab es viele Büsche und Ecken in denen er sich verstecken könnte, doch er musste fliehen, da dies nun ein Tatort war und die Polizei wohl nicht einfach wegfahren würde, sondern das gesamte Gebiet untersuchen würden. Während er rannte dachte er weiter nach. Dort zu bleiben und der Polizei alles zu erklären ging nicht, da der Brief verbrannt war und der Obdachlose mit drei Schuss erschossen wurde, welche in der Waffe von Samuel fehlten. Nein, das konnte er nicht riskieren. Sie würden zweifelslos ihn für den Mörder halten. Er rannte zwischen zwei großen Gebäuden hindurch als er die Sirenen der Polizeiwagen erneut hörte und das Blaulicht das ganze Umfeld, in einem stechenden blau, erhellte. „Hier liegt eine Leiche, der Anruf von diesem Samuel Elitess war scheinbar doch kein Fake.“ – hallte die tiefe Stimme schreiend zu seinen Kollegen. Das Blut gefror in Samuels Adern. „Was…Was soll ich gesagt haben?“ hauchte er vor sich hin. „Ich…Ich soll angerufen haben?“. Nun ergriff ihn die Wut. „Diese Schweine, was haben sie nur vor mit mir? Ich werde jeden von euch dafür büßen lassen.“. Mit diesen Worten konnte er sich selbst beruhigen, denn zunächst musste er von hier sicher entkommen.
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action, entführt, legende

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