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Alt 16.10.2019, 21:32   #1
weiblich Suspo
 
Dabei seit: 10/2019
Beiträge: 4


Standard Der arme Hugo

Die Geschichte spielt in einer Tierpension und ist frei erfunden, abgesehen von den äußeren Umständen und der Kulisse.
Der dialektische Teil ist stümperhaft und könnte von jedwedem anderen Dialekt ersetzt werden, nur müsste dann auch eine andere Bezugsstadt her....

Der arme Hugo

Wir warten seit einer halben Stunde.
Der Vorstellungstermin war um 14 Uhr anberaumt, jetzt ist es schon halb drei.
Wie jede seriöse Institution legen wir Wert auf pünktliches Erscheinen und werden langsam etwas ungehalten.
Na - endlich tut sich was.
Ein silberfarbener Kleinwagen kriecht zögerlich den Weg hoch und hält in respektierlichem Abstand vor unserem Hoftor, auf welchem ein großes P für Parken prangt.
Eine dickliche Dame schält sich aus dem Auto und blickt sich unsicher um.
„Konn isch do schdeh bleiwe?“ fragt sie und reicht uns ein weiches schlappes Händchen.
Ja, natürlich. Wir nicken unisono und weisen ausladend auf das große P.

Unsere potenzielle Kundin zeigt sich als voluminöse Dame in wallenden farbigen Gewändern mit grau-rotem Haarschopf in herbstlich anmutendem Couleur.
Von oben bis unten hat sie da nichts ausgelassen.
Doch haben wir hier nicht über das äußere Erscheinungsbild eines Menschen zu befinden, sondern sind als Dienstleister in Sachen Tierpension unterwegs und deshalb ist der Kunde König.
In diesem Sinne hören wir uns das Gequengel über die furchtbare Fahrerei in dem schrecklichen Odenwald mit den viel zu vielen Kurven geduldig an, geben uns mitfühlend, lächeln verständnisvoll, verschlucken eine Bemerkung über ihr Zuspätkommen und bestätigen professionell verbindlich die verkehrstechnisch ungünstige Lage unserer Einrichtung.
Kennzeichen und Dialekt weisen sie als „Monnemerin“ aus.

Das Auto kläfft, genauer gesagt dessen Inhalt.
„Der is schunn gonz nervees…….. wisse Se, ich hob en noch ned long…….weil…….“
Doch bevor sie zu einer großangelegten Vita des Randalierers ausholen kann, dirigieren wir sie sanft zum Heck ihres Fahrzeugs.
Im Kofferraum scheint der Bär zu toben, aber es ist nur ein Hund, der dringend und sofort raus will.
Beschwichtigende Worte wie „Jedz is doch guud, sei doch amol ruhisch, glei derfschde jo naus……“ interessieren den Insassen nicht ansatzweise.
Der Kofferraum wird geöffnet.
Ein kompakter Terriertyp zerrt kläffend am Geschirr und einer Leine, die mehrfach und eng um die Kopfstützen des Wagens geschlungen ist. Eine weise Maßnahme.
Es folgt ein umständliches Prozedere des An- und Umleinens, und kaum sind die Autofesseln gelöst, stürzt sich der Kandidat mit voller Wucht ins Gelände und testet erst mal gründlich die Reißfestigkeit der Leine sowie die Standfestigkeit seiner Begleitperson aus. Die Leine hält, doch wird deren Halterin fast von ihren zierlichen Schuhchen gefegt und stolpert mit ausgestrecktem Arm ihrem zerrenden Schützling hinterher.
Bestürzt betrachten wir das Drama, ein Kommentar ist überflüssig.
Nachdem sich der Hund einigermaßen beruhigt und vor dem Hoftor mindestens zehn Mal seine Visitenkarte versprüht hat, gelingt es uns endlich, ihn nebst Frauchen durch’s Hoftor zu manövrieren.
Schwer atmend, mit Blick auf das vibrierende Energiebündel an ihrer Seite, bemerkt die Dame: „De Hugo hod schunn Dembramend.“
Das finden wir auch und bitten sie, den Hund jetzt von der Leine zu lassen.
Zweifelnd lässt sie ihre Blicke über das Hofgelände schweifen, doch wir können sie beruhigen, alles ist eingezäunt und es lauern auch keine Mörderhunde im Gebüsch.
Hugo wird also entfesselt, stürmt los und ist augenblicklich fasziniert von den mannigfaltigen Hundebotschaften an allen Ecken und Enden. Abwechselnd reißt er für seine Hugo-was-here-Nachricht die Hinterbeine in die Höhe, obwohl der Tank schon längst leer ist, und setzt dann einen gewaltigen Kackhaufen strategisch günstig mitten in den Hof.
„Naa, des derf doch ned woa soi, mir warn doch erschd Gassi“ ereifert sich die Dame und versucht eines dieser Hundehaufenbeseitigungsplastiktütchen aus ihrer Tasche zu pfriemeln.
Nein, damit kommen wir hier nicht weit.
Neben der Kacke müssten wir ja noch das Plastik entsorgen, erklären wir, vertiefen das Thema jedoch nicht weiter, sondern befördern das Verdauungsprodukt mit Schaufel und Spachtel kommentarlos in einen dafür vorgesehenen Eimer.
Währenddessen ist Hugo verschwunden und erforscht gerade den jahreszeitlich bedingt etwas schlammigen Auslauf im hinteren Teil des Areals.

Die Dame holt tief Luft, und wir ahnen es bereits, das Unvermeidliche, die Lebensgeschichte ihres Schützlings.

Sie bebt: „Wisse Se, isch hebn doch erschd drei Monad…… vonnere Freindin iwwernumme…… die is gonz blödzlisch gschdorwe…….“
Tränen treten ihr in die Augen und bringen die sorgfältig aufgebrachte Maskerade in höchste Gefahr. Doch sie weiß um das drohende Unheil und hat sich schnell wieder im Griff.
Wir drücken unser Beileid aus, sind jedoch sorgsam drauf bedacht, die Krankheitsgeschichte der Freundin nicht großartig zu thematisieren, einerseits aus Rücksicht auf ihre Schminke, andererseits auf unsere Nerven.
„Wisse Se, de Hugo is ned so gonz oofach………, abba bei dem, was der midmache mussd, dud ma sisch ned wunnern…..“
Sie stöhnt aus tiefstem Herzen und schildert uns dann ausführlich die ganze herkömmliche Problematik, die so ein freigeschalteter unkastrierter Terriermischlingsrüde mit sich bringt.
Leinenzerren, Leinenpöbeln, Jogger und Katzen jagen, überhaupt alles jagen, kläffen überall und immer, territorial und futterneidisch, verkloppt gerne Artgenossen gleichen Geschlechts……….usw.
Das komplette Programm also.
Wir grinsen innerlich und auch ein wenig äußerlich und wagen zu bemerken, dass der Grund für Hugos freigesetzte Potentiale nicht unbedingt im Ableben seines Frauchens zu suchen sei.
„Dehohm is der gonz oohänglisch un machd ma allweil hinnerher. Wonn isch im Baad bin, duda on de Dier kratze un uffm Sofa liegd a bress bei ma………“
Nebenher stellt sich jedoch heraus, dass er seinen Platz auf der Couch notfalls auch mit Knurren verteidigt, mit nervtötendem Gekläff sein Fressen einfordert und mit demselben auch jede Bewegung im Treppenhaus kommentiert. Neben anderen netten Eigenschaften wie Nicht-alleine-sein-Können und Vandalismus.
„Der brauch jetz gonz viel Liewe un Uffmerksamkeid,“ verkündet die Trösterin des armen Waisen, „…….un isch dedn jo ned weggewwe wolle, aba die Reis is schunn vorremma Vierdljoahr gebuchd. Jedz brauch isch haldn Bladz, wo ma sisch ummen kimmern duud.“
Wir waren Haltung und fahren fort mit unserem Einführungsritual auf dem Hundehof. Jetzt kommt die Nummer mit unseren eigenen Hunden. Die würden wir nun rauslassen.
Die Augen der Kundin weiten sich angstvoll und sie piepst:
„Moone Sie, des ded guud gehn?“
Wir beruhigen sie dahingehend, dass die Unsrigen nur Mädels sind, warnen aber dennoch davor, dass es eventuell ein bisschen turbulent werden könnte.
Was es dann auch wird.
Piuma, Bella und Kathi, die hinter der Haustüre ihrem Auftritt bereits lautstark entgegenfiebern, stürmen den Hof.
17 kg Piuma plus 2 x 5 kg Bella/Kathi fliegen kläffend auf den schockerstarrenden Hugo zu, der mit eingeklemmtem Schwanz sein Heil erst mal in der Flucht und dann zwischen den Beinen seiner Adoptivmama sucht.
„So hab isch den jo noch nie erlääbd,“ bebt Frauchen und scheint sichtlich besorgt um das Leben ihres Lieblings.
Wir bemühen uns um Deeskalation und erklären gleichermaßen umfangreich wie einfühlsam, dass dem Mister Gernegroß mal gerade eben ein kleiner Dämpfer verpasst wurde, sein Leib und Leben jedoch nicht in Gefahr sei.
„Der hod doch Ongschd!“ zweifelt die Dame an unserer Ausführung.
Ein bisschen Angst hat der jetzt schon, aber das schadet ihm nicht unbedingt, denken wir…….
Unterdessen bemühen die Unsrigen sich jetzt nach erfolgter Attacke um vorsichtige Kontaktaufnahme, was der frustrierte Hugo jedoch mit gefletschtem Gekläffe nach allen Seiten quittiert und gleichzeitig versucht, an seiner Beschützerin hochzuklettern. Welche sich mittels reichlich Streicheleinheiten bemüht, ihren entthronten Prinzen zu beruhigen, was dieser jedoch als Bestätigung seines Tuns interpretiert und munter weiter klettert und fletscht.
Die Unsrigen wenden sich frustriert ab.
Die Situation schreit nach Auflösung, und so raten wir der verzweifelten Dame eindringlich, sich einfach mal wegzubewegen und ihren Schützling zu ignorieren.
Letzteres fällt ihr verdammt schwer.
Aber schließlich tut sie, wie geheißen, und Hugo schleicht mit eingeklemmter Rute hinterher, aber immerhin deutlich runtergefahren.
Jetzt nimmt auch unsere Meute wieder freundlichen Kontakt zu ihm auf, und – siehe da – sein Schwänzchen beginnt sich im unteren Bereich zaghaft zu bewegen, hebt sich allmählich an, und es dauert nicht lange, da findet er unsere Mädels ganz toll.
Vor allem Piuma, unsere Chefhündin, hat es ihm angetan. Gleich groß und wunderschön. Und Piuma mag Machos.
Die beiden fangen an zu flirten und zu spielen, die Party geht ab. Frauchen ist nicht mehr gefragt und staunt.
„So kenn isch den ja gaanedd“, kommentiert sie deutlich entspannt das impulsive Spiel, zuckt jedoch jedes Mal zusammen, wenn Piuma dem aufdringlichen Terrierrüden unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie seine plumpen Annäherungsversuche nicht schätzt.
Wir geben uns locker und verbreiten weiterhin tapfer unser Fachwissen in Sachen Hundesozietät in der Hoffnung um ein bisschen Verständnis.
Sogar Frauchen wird etwas lockerer und ringt sich ein kleines Lächeln ab angesichts der spielenden Hunde.

Doch der nächste Programmpunkt steht an.
Das Präsentieren der Räumlichkeiten und die Begegnung mit noch mehr Hunden.
Wir machen Türen auf, Hunde strömen heraus und Hugo erstarrt ein weiteres Mal, diesmal allerdings in freudiger Erwartung der Dinge, die ihm dieses neue Event zu bieten verspricht.
Er ist begeistert, Frauchen jedoch restlos überfordert.
„Sou viele Hunde“, lamentiert sie, „des is moi Hugo gaa ned geweehnd.“
Derweil unterhält derselbe sich blendend und stiefelt eifrig der Weiblichkeit hinterher.

Da wäre aber noch ein Programmpunkt offen.
Nämlich die Führung durch den Bereich, wo stabile Gitter und ebensolche Trennwände dominieren, und wo die unkastrierte Rüden ein eigenes Schlafzimmer mit Teppich, Matratze und Kuscheldecke bewohnen.
Beim Öffnen der Tür empfängt uns freudiges Gewedel und ungeduldiges Gekläffe, was Hugo jedoch augenblicklich vom Flirt- in den Pöbelmodus versetzt, er zwischen unseren Beinen hindurch die Bude stürmt, und sogleich ein wildes Gezeter mit seinen Artgenossen durchs Gitter anzettelt. Mit einiger Mühe und weniger freundlichen Worten wird er des Raumes verwiesen und die Türe geschlossen.
Wir atmen auf, die Dame nicht.
„Un do soll der Hugo wohne? Des is jo wie im Gfängnis!“, deutet Madam auf die armen, hinter Gittern darbenden Geschöpfe.
Und so erklären wir geduldig, dass das Abteil nur zum Schlafen, Ruhen und Fressen dient, und Hugo im Wechsel mit anderen Rüden viele Stunden der Freiheit in Hof und Auslauf in Gesellschaft von Hündinnen und kastrierten Rüden genießen darf.
Das alles überzeugt die Dame nicht.
„Der is jo do gonz alloo……! Des verkrafd de Hugo ned……..bei demm, wos der schunn olles dorschgemachd hod……!“

Währenddessen kläfft und zetert der Ausgewiesene vor der Tür, der Kontrollverlust macht ihm schwer zu schaffen.
Nachdem wir die ungastliche Stätte verlassen haben, schert sich Hugo keinen Deut mehr um sein Frauchen und wendet sich ungeniert wieder der Damenwelt zu.

Wenn man ihn zeitnah kastrieren ließe, könne er bei Reiseantritt eventuell einen Gemeinschaftsraum zusammen mit anderen bewohnen, wagen wir zaghaft einen ultimativen Lösungsvorschlag.
„………Kaschdriere!!!! - Naa!! - Des deed isch demm ned a noch odu wolle!“

Mittlerweile tendiert unsere Geduld gegen Null, und da deutet doch die Beschützerin der Armen und Verwaisten in Richtung Wohnhaus.
„Könnde Sie den ned ausnahmsweis mid ins Haus nemme………nach demm, wos der schunn dorschgemachd hod? Isch zahl Ihne des aa…..“
Gerade noch unterdrücken wir einen entsetzten Aufschrei, reißen uns aber gleich am Riemen und erklären in kühler Professionalität, dass dies nicht unserem Konzept entspräche und dass wir auch so etwas wie eine Privatsphäre besäßen.

Langsam beginnen wir zu verzweifeln und wünschen uns die Dame nebst Hund weit weit weg.
Und endlich erhört der Herr unser Flehen.
„Isch glaab ned, dass der Hugo des verkrafd, so alloo in derra Box………und ohne Menschekondakd……..vielleischd was Privades, wo er de menschlische Oschluss hod.“
Wir stimmen ermattet und deutlich erleichtert zu. Es hat alles keinen Sinn, aber so ganz ungeschoren soll uns die Dame nicht davonkommen.
Und so einigen wir uns nonverbal auf ein gemeinsames Schlussplädoyer im Namen unserer Tierpension, ungeachtet des empfindlichen Naturells unserer Jetzt-doch-nicht-Kundins. Schließlich sind wir eine anerkannte und erfolgreiche Tierpension und Hugo ein unerzogener Terrier, dem ein Aufenthalt hier durchaus guttäte und ein Hundetrainer ebenso.
Und genau das erzählen wir der Dame ziemlich unverblümt.
Deutlich irritiert und mühsam beherrscht hört sie uns zu, denn solch ein Urteil wagte bisher noch niemand über ihr armes Waisenkind zu fällen.

„Ja donn gugg isch emool……“ beschließt sie frustriert das Treffen und sammelt sich zum geordneten Rückzug.
Dazu braucht sie aber ihren Hund und der ist nicht da. Verschwunden im Outback, dem weniger kultivierten Bereich unserer Tierpension, einem unwegsamen buckeligen und löcherigen Gelände, frei gestaltet von den Hunden, deren Ausscheidungsprodukte dort zwar regelmäßig eingesammelt, aber ebenso regelmäßig nachproduziert werden.
Kein Ort also für Mannheimer Ballerinas. Aber eben dorthin strebt Hugos Mama zielstrebig auf der Suche nach demselben.
Wir versuchen, Schlimmstes zu verhindern, pflücken den liebestollen Hugo beim Begattungsversuch von einer ältlichen Hundedame ab und transportieren den Widerstrebenden per Leine zurück unter die Fittiche seines besorgten Frauchens.
„Ja, do bischde jo, wo warschde donn…….gugg emol, isch heb do a Leggerli……“, bemüht diese sich hektisch um die Aufmerksamkeit ihres Lieblings, der nur unwillig an der Leine zerrt, deutlich entrüstet über den jähen Abbruch der Party.
Mühsam dirigieren wir das zappelnde Duo aus dem Hoftor und atmen erst mal erleichtert auf.
Und nachdem es der Dame endlich gelungen ist, ihren widerstrebenden Schützling im Auto zu arretieren, das Wendemanöver umständlich vollbracht und beide in Richtung Mannheim entschwunden sind, atmen wir nochmals tief durch, bevor wir uns wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.
Suspo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2019, 06:48   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 4.184


Hallo Suspo,

das ist eine Geschichte, die ich wirklich mit Freude gelesen habe! Einzig die Erklärung am Anfang, dass es um eine Tierpension geht, würde ich streichen. Damit nimmst du dem Leser den Spaß, das selbst herauszufinden.
Aber sonst top Geschichte! (ok, ein paar Sätze weniger könnten es sein, andererseits habe ich von Hunden nicht so viel Ahnung und für solche Leser sind Erklärungen schon angebracht) . Eigentlich doch gut so, wie es ist. Und stilistisch gut formuliert. Ich lese normalerweise nicht gerne im Präsens, aber hier passt es.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Kompliment!

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.10.2019, 23:26   #3
weiblich frankaaimy
 
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Ort: Leipzig
Beiträge: 138


Hallo Suspo, (in dem Nick steckt Opus)

tolle Geschichte in einem reichhaltigen Wortschatz gekleidet.

"Unsere potenzielle Kundin zeigt sich als Dame in farbigen Gewändern mit grau-rotem Haarschopf in herbstlich anmutendem Couleur."


Voluminös ist als Adjektiv hier unnötig, weil dies weiter oben bereits Erwähnung fand. Gewänder wallen von Natur aus etwas. Hier würde ich dir dazu raten, dich zu entscheiden. Farbig-wallend wäre mir persönlich zu redundant, auch weil Gewänder in der Regel allesamt bereits bunt sind. Nur zum Vergleich und zum Nachdenken und Vergleichen:

"Unsere potenzielle Kundin zeigt sich als Dame in üppigen Gewändern mit grau-rotem Haarschopf in herbstlich anmutendem Couleur."

Davon ab ist die Geschichte gut geschrieben und das nach allen Regeln der Kunst.
Hier und da trifft man etwas auf Hochsprache.

"...schließlich tut sie, wie geheißen, und Hugo schleicht..."

Hier das "tut" vermeiden, das wäre stilistisch destruktiv und der Ausdruck klingt nicht schön!

In Anbetracht des Themas finde ich das etwas unnötig - vielleicht wäre hier ein subtiler Zynismus, den du vermehrt aufseiten der Pension zeigen könntest, sehr hilfreich. Denn dies würde gut mit dem Dialekt der Dame korrelieren (Einer der Mitarbeiter könnte ja beispielsweise ein zynischer Misanthrop sein, der immer wieder Backpfeifen verteilt, indem er die Sätze der Dame genervt leise nachplappert, aber nur angedeutet... usw usf.).
Das sind nur meine Gedanken. Denn ich finde, dass in dieser Geschichte viel Potential steckt und man am Ende das letzte Wort mit einem breiten Grinsen besiegeln könnte.

Außerdem wäre es eine Überlegung wert, der Dame einen Namen zu geben. Denn so zeichnest du die Person im Detail und der Leser wird sich noch nach dem Lesen der Geschichte an die Frau erinnern.

Auch würde ich im Titel "Der arme Hugo" das Adjektiv streichen. Nicht, weil es stört, sondern weil es bereits viel vorwegnimmt. So könnte ich mir einen Titel wie "Liselotte und Hugo" oder "Frau Hilbert und Hugo" usw usf. denken, und die Geschichte erzählt den Rest. Oder du schreibst einfach nur "Hugo". Letzteres gefällt mir persönlich am besten.

Was ich auch lobenswert finde ist, dass du vieles zeigst und nicht beschreibst.

Die Geschichte ist absolut gewöhnlich ... Die Art und Weise, wie sie erzählt wird ist jedoch hervorragend und das macht die Geschichte ohne Zweifel lesenswert.

Danke fürs Teilen!



PS: Ein Dialekt ist ein Dialekt - dialektisch kann nur die Dialektik sein... Also: Der Teil der Geschichte mit dem Dialekt ist stümperhaft...
frankaaimy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.10.2019, 17:59   #4
männlich Ralfchen
 
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servus S -

ein köstlicher text, wie man sie hier nicht allzu oft vorfindet:
Zitat:
Unsere potenzielle Kundin zeigt sich als voluminöse Dame in wallenden farbigen Gewändern mit grau-rotem Haarschopf in herbstlich anmutendem Couleur.
lass dir nichtrs von menschen einreden, die keine ahnung von kleidern haben. ein enges kleid kann nicht wallen und trotzdem bunt sein, also ist die adjetivierung perfekt. und für alle jene die keine ahnung von kleidern haben hier etwas zur aufklärung:



https://up.picr.de/37029696gn.jpg

vlg
r
Ralfchen ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 20.10.2019, 21:14   #5
weiblich Suspo
 
Dabei seit: 10/2019
Beiträge: 4


Hallo liebe Fan-Gemeinde,
vielen Dank für die guten Ratschläge.
Ob Titel und Stil, Passagen im herbstlichen Couleur oder Charakterzüge der Mitarbeiter – ihr habt euch redlich Mühe gegeben, an der Geschichte rumzuschrauben.
Habt ihr wirklich Lust und Zeit, vermeintliche Stilsünden (oftmals gewollt!) zu ahnden? An Kleinigkeiten rumzumachen?
Es freut mich, dass euch allen die Geschichte gefallen hat, denn das sollte sie auch.
Genügt das nicht?
Muss man dann noch Erbsen zählen?
LG Suspo
Suspo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.10.2019, 22:44   #6
weiblich frankaaimy
 
Dabei seit: 07/2019
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Beiträge: 138


Hallo,

vielen Dank für deine Reaktion.

Als Fan würde ich mich wahrlich nicht bezeichnen, eher als jemand der korrigiert...

Es ist sehr schade, dass du dich im Schreiben nicht verbessern willst und mit konstruktiver Kritik nicht umzugehen weißt.

Du kannst das nämlich wie folgt sehen: Die Menschen lesen deinen Text und machen sich dazu Gedanken und schreiben daraufhin eine Antwort.
Das kostet natürlich wertvolle Lebenszeit.

Als ich noch studiert habe vor vielen Jahren, war ich beispielsweise sehr froh darüber, wenn mir jemand das Paper korrigierte. Und ich war heilfroh darüber, wenn das jemand freundlich tat...Selbstverständlich ist das nämlich überhaupt nicht!

Und die Leute hier, haben dich ja schon ordentlich in Watte gepackt und viel gelobt... Das könnte auch anders aussehen. Nämlich das Lob vollkommen ausbleibt und destruktive Kritik über deine Geschichte rollt. (Wie es in der Branche eigentlich üblich ist...)

Denn das ist nun mal das Wesen einschlägiger Literaturforen: Man stellt etwas ein und die User kritisieren es! Auf Aktion erfolgt Reaktion - die Leute, die in den Foren sind, sind ja auch nicht doof oder ungebildet. Und wie mir scheint, ist vor allem Poetry ein sehr liberaler Ort.

Und mal unter uns... Mit Erbsenzählerei hat das nun wirklich nichts zu tun. Das sind im Grunde grobe Fehler und die von mir erwähnten Stellen waren nur sehr wenige ...

Hab nur leider nicht die Zeit jede Erbse zu zählen, weswegen ich eher das Grobe hervorgehoben habe!
Aber leider spürt man auch die kleinsten Erbse beim schlafen.

Wie dem auch sei!

Dann viel Spaß bei der nächsten Geschichte!

Ich werde diese jedenfalls nicht mehr kommentieren.

- A.
frankaaimy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.10.2019, 22:55   #7
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.234


Sorry, aber ich habe nach den ersten beiden Absätzen dichtgemacht. Und die waren schon zu viel.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.10.2019, 02:23   #8
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Sorry, aber ich habe nach den ersten beiden Absätzen dichtgemacht. Und die waren schon zu viel.
ja das verstehe ich Ilka. ich hatte mich beim wallenden kleid verabschiedet. aber franka und ich sind keine fachmenschen wie du, sie hat sich offensichtlich durchgerungen ich bin schon nach dem kleid in ein leichtes koma entglitten. was mir an dem text ausserordentlich gut gefiel ist der titel. welcher mensch trägt den idiotischen namen hugo, der ein synonym für die männlcihe vorstandsdrüse ist. und ja - wir männer sind alle arm, denn wir können zum unterschied von den wunderwerken der schöpfung - den frauen - unsere impotenz nicht verbergen.

gute nacht
Ralfchen ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 21.10.2019, 08:21   #9
weiblich Suspo
 
Dabei seit: 10/2019
Beiträge: 4


Die "Fan-Gemeinde" sollte ein Witz sein - ist wohl nicht so gut angekommen....
Und bei Ralfchen weiß man nicht so recht, was er wirklich meint.
Mit Goethe und Schiller zu konkurrieren liegt mir fern, und vielleicht ist die Geschichte wirklich nur für Insider amüsant.
Immerhin scheint Franka sie doch ganz gelesen zu haben.
Hab's halt mal probiert in dem Forum.....
Es scheinen da ja echte literarische Profis am Werk zu sein.
Würde von denen auch gerne mal was lesen.
Suspo ist offline   Mit Zitat antworten
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