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Alt 15.10.2019, 18:51   #1
männlich ReBo
 
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Standard Die alte Dame

Sie hasste es, mit der U-Bahn zu fahren. Die vielen Leute, das Gedränge und der Lärm lösten schon immer ein Gefühl des Unbehagens in ihr aus. Blickkontakt vermied die alte Dame so gut es ging, weshalb sie stets eine Zeitung in ihrer Tasche mit sich trug, in welcher sie - meistens eher desinteressiert - zu lesen versuchte, sobald sie einen Sitzplatz gefunden hatte.
Kaum niedergesetzt, bereute sie es schon wieder. Als der Gestank von Fast Food in ihre Nase drang und der Gegenüber auch noch lautstark zu telefonieren begann, wäre sie am liebsten sofort ausgestiegen.
„Früher war alles besser...“, dachte sich die in die Jahre gekommene Frau, schlug die Zeitung auf und überflog die Überschriften der Chronikartikeln. "Pensionist nach Raubüberfall tot in Wohnung aufgefunden - ... und vorallem sicherer" murmelte sie leise, als sie plötzlich an ihren, durch Lungenkrebs, verstorbenen Ehemann denken musste.

"Karlsplatz - umsteigen zu den Linien U1 und U2"

Von der Durchsage aus den Gedanken gerissen, stellte sie ärgerlich fest, eine Station zu weit gefahren zu sein. Hastig aufgestanden, drückte sie sich, die Zeitung immer noch in der Hand haltend, durch mehrere Personen zur Tür, um nicht auch den nächsten Ausstieg zu verpassen. Endlich aus der U-Bahn draußen, steckte die Alte das Tagesblatt in die Tasche, wobei sie erst jetzt bemerkte, dass ihr Portemonnaie verschwunden war.
"Das war bestimmt dieser große, schwarzhaarige Mann, der sich neben mich gesetzt hatte.", sagte sie wütend. Das Geld war ihr egal, viel mehr störte sie, dass der Dieb jetzt ihre Personalien kannte.

Zuhause angekommen, legte sie ihre Sachen an die gewohnten, dafür vorgesehenen Plätze und machte sich gleich danach etwas zu essen. Es läutete an der Tür, als sie gerade einen Biss von dem Wurstbrot machen wollte, welches sie eben erst zubereitet hatte. Ebenso hektisch wie genervt, eilte die alte Dame zum Wohnungseingang und sah durch den Spion, um einen Blick auf den "Störefried" zu erhaschen. Sie konnte nicht viel erkennen, da das Licht am Gang wieder einmal ausgefallen war, aber es reichte, um die Person als jenen Mann zu identifizieren, der in der U-Bahn neben ihr gesessen hatte. Sofort überkam sie ein Gefühl der Angst. "Erst hat er mir mein Geldbörsl gestohlen, jetzt will er auch noch meine Wohnung ausräumen", flüsterte sie vor sich hin. Kaum hatte sie diese Worte leise ausgesprochen, griff die verängstigte Frau zum Telefon und wählte die Nummer der Polizei. "B..bitte kommen Sie so sch..schnell es geht in die...", stotterte die Dame, als plötzlich ihre Stimme verstummte.

Kurz später trafen zwei Beamte in der Wohnung ein. Als sie die alte Dame reglos am Boden liegen sahen, verständigten sie umgehend die Rettung - doch vergebens. Sie war bereits tot.
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Alt 15.10.2019, 19:18   #2
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Zuhause angekommen, legte sie ihre Sachen an die gewohnten, dafür vorgesehenen Plätze und machte sich gleich danach etwas zu essen. Es läutete an der Tür, als sie gerade einen Biss von dem Wurstbrot machen wollte, welches sie eben erst zubereitet hatte. Ebenso hektisch wie genervt, eilte die alte Dame zum Wohnungseingang und sah durch den Spion, um einen Blick auf den "Störefried" zu erhaschen. Sie konnte nicht viel erkennen, da das Licht am Gang wieder einmal ausgefallen war, aber es reichte, um die Person als jenen Mann zu identifizieren, der in der U-Bahn neben ihr gesessen hatte. Sofort überkam sie ein Gefühl der Angst. "Erst hat er mir mein Geldbörsl gestohlen, jetzt will er auch noch meine Wohnung ausräumen", flüsterte sie vor sich hin. Kaum hatte sie diese Worte leise ausgesprochen, griff die verängstigte Frau zum Telefon und wählte die Nummer der Polizei. "B..bitte kommen Sie so sch..schnell es geht in die...", stotterte die Dame, als plötzlich ihre Stimme verstummte.
Hallo, ReBo,

dieser Absatz liest sich reichlich merkwürdig. Einer Frau ist das Portemonnaie abhanden gekommen, sehr wahrscheinlich mit Bankkarte und Personalausweis darin, aber statt sofort den Verlust bei der Polizei anzuzeigen und die Bankkarte sperren zu lassen, geht sie nach Hause und schmiert sich ein Wurstbrot?

Als der vermeintliche Dieb des Portemonnaies vor ihrer Wohnungstür steht, ruft sie per Telefon die Polizei, und als diese eintrifft, ist die Frau tot. Wieso? Sie hatte die Wohnungstür doch gar nicht geöffnet. Hat sie etwa vor Angst einen tödlichen Herzanfall erlitten? Und wieso wussten die Polizisten, wohin sie fahren sollten, wenn die Frau gar keine Gelegenheit mehr hatte, ihren Namen, ihre Adresse und den Grund ihres Anrufs zu sagen?

Dieses Ende ist unausgegoren, zu abrupt und wenig originell. Offen gesagt, hatte ich beim Auftauchen des Mannes vor der Wohnungstür erwartet, dass er sich nicht als Dieb, sondern als ehrlicher Finder des Portemonnaies herausstellt, die alte Dame also einem Vorurteil erlegen war. Oder auch nicht, falls sich der Mann mit dem Portemonnaie ihr Vertrauen und den Zugang zu iher Wohnung verschaffen will.
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Alt 15.10.2019, 19:54   #3
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Hallo Ilka-Maria!

Zitat:
dieser Absatz liest sich reichlich merkwürdig. Einer Frau ist das Portemonnaie abhanden gekommen, sehr wahrscheinlich mit Bankkarte und Personalausweis darin, aber statt sofort den Verlust bei der Polizei anzuzeigen und die Bankkarte sperren zu lassen, geht sie nach Hause und schmiert sich ein Wurstbrot?
Vielleicht war sie so aufgewühlt, dass sie im ersten Moment gar nicht daran gedacht hatte. Außerdem ist zwischen dem Verlust des Portemonnaies und dem Wurstbrot nicht all zu viel Zeit vergangen. Wahrscheinlich hätte sie es also gleich nachdem Essen getan, ist aber nicht mehr dazu gekommen.


Zitat:
Als der vermeintliche Dieb des Portemonnaies vor ihrer Wohnungstür steht, ruft sie per Telefon die Polizei, und als diese eintrifft, ist die Frau tot. Wieso? Sie hatte die Wohnungstür doch gar nicht geöffnet. Hat sie etwa vor Angst einen tödlichen Herzanfall erlitten?

Dieses Ende ist unausgegoren, zu abrupt und wenig originell. Offen gesagt, hatte ich beim Auftauchen des Mannes vor der Wohnungstür erwartet, dass er sich nicht als Dieb, sondern als ehrlicher Finder des Portemonnaies herausstellt, die alte Dame also einem Vorurteil erlegen war. Oder auch nicht, falls sich der Mann mit dem Portemonnaie ihr Vertrauen und den Zugang zu iher Wohnung verschaffen will.
Der Schluss ist als offenes Ende gedacht, weshalb ich auch nicht verraten wollte, warum die alte Dame stirbt - durch Fremdeinwirkung oder doch aus einem anderen Grund. Die Todesursache, sowie die Absicht des Mannes sollen ein Rätsel und somit dem Leser überlassen bleiben.

Zitat:
Und wieso wussten die Polizisten, wohin sie fahren sollten, wenn die Frau gar keine Gelegenheit mehr hatte, ihren Namen, ihre Adresse und den Grund ihres Anrufs zu sagen?
Ist es heutzutage nicht möglich, dass die Nummer in Notfällen rückverfolgt und so Name und Adresse identifiziert werden können? Zumindest bin ich jetzt mal davon ausgegangen.
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Alt 15.10.2019, 20:23   #4
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Vielleicht war sie so aufgewühlt, dass sie im ersten Moment gar nicht daran gedacht hatte. Außerdem ist zwischen dem Verlust des Portemonnaies und dem Wurstbrot nicht all zu viel Zeit vergangen. Wahrscheinlich hätte sie es also gleich nachdem Essen getan, ist aber nicht mehr dazu gekommen.

Das ist unlogisch. Kein Mensch, dessen Konto innerhalb kurzer Zeit durch Einkäufe mittels einer gestohlenen Bankkarte abgeräumt werden könnte, setzt sich in aller Ruhe hin, um ein Wurstbrot zu essen.


Der Schluss ist als offenes Ende gedacht, weshalb ich auch nicht verraten wollte, warum die alte Dame stirbt - durch Fremdeinwirkung oder doch aus einem anderen Grund. Die Todesursache, sowie die Absicht des Mannes sollen ein Rätsel und somit dem Leser überlassen bleiben.

Wer eine Kurzgeschichte liest, will kein Rätsel lösen, sondern eine Auflösung haben. Ein Rätsel ist ohnehin etwas anderes als eine Geschichte mit offenem Ende. Deine Geschichte wirkt eher, als sei dir am Ende nichts mehr eingefallen oder als wolltest du sie nunmehr im Schweinsgalopp zu Ende bringen, weil du keine Lust mehr auf sie hattest.
Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Ist es heutzutage nicht möglich, dass die Nummer in Notfällen rückverfolgt und so Name und Adresse identifiziert werden können? Zumindest bin ich jetzt mal davon ausgegangen.
Da wird dringend um Hilfe gebeten, aber die Polizei soll sich Ruhe und Zeit dazu nehmen, gefälligst selbst herauszufinden, wer von wo angerufen hat? Sie soll möglicherweise auch selbst herausfinden, um was es sich handelt, ob sie also mit einem Zwei-Personen-Streifenwagen oder doch besser mit einer Hundertschaft anrücken soll? Nee, so laufen Gespräche mit der Polizei nicht.
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Alt 15.10.2019, 21:20   #5
männlich ReBo
 
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Zitat:
Das ist unlogisch. Kein Mensch, dessen Konto innerhalb kurzer Zeit durch Einkäufe mittels einer gestohlenen Bankkarte abgeräumt werden könnte, setzt sich in aller Ruhe hin, um ein Wurstbrot zu essen.
Da magst du schon Recht haben, trotzdem wette ich, dass es, bei aller Unlogik, Menschen gibt, die das, aus welchen Gründen auch immer, eben nicht sofort und auf der Stelle tun würden.

Zitat:
Wer eine Kurzgeschichte liest, will kein Rätsel lösen, sondern eine Auflösung haben. Ein Rätsel ist ohnehin etwas anderes als eine Geschichte mit offenem Ende. Deine Geschichte wirkt eher, als sei dir am Ende nichts mehr eingefallen oder als wolltest du sie nunmehr im Schweinsgalopp zu Ende bringen, weil du keine Lust mehr auf sie hattest.
Das Ende war exakt so gedacht und hat nichts damit zu tun, dass mir nichts mehr einfiel oder ich die Geschichte zu einem schnellen Ende bringen wollte.

Vielleicht war Rätsel der falsche Ausdruck. Ich wollte, dass der Leser zum Überlegen angeregt wird, was ja ein offenes Ende auszeichnet. Und genau DAS hast du getan. Hatte die alte Dame einen Herzinfarkt und ist ihrem Vorurteil erlegen, oder war der Mann wirklich ein Dieb?

Insofern sehe ich nicht, was an dem Ende verkehrt sein soll.

Zitat:
Da wird dringend um Hilfe gebeten, aber die Polizei soll sich Ruhe und Zeit dazu nehmen, gefälligst selbst herauszufinden, wer von wo angerufen hat? Sie soll möglicherweise auch selbst herausfinden, um was es sich handelt, ob sie also mit einem Zwei-Personen-Streifenwagen oder doch besser mit einer Hundertschaft anrücken soll? Nee, so laufen Gespräche mit der Polizei nicht.
Natürlich hätte sie der Polizei mehr mitgeteilt, aber das geht halt schwer, wenn sie mitten im Gespräch abkratzt.
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Alt 15.10.2019, 22:01   #6
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Zitat:
Zitat von ReBo
Da magst du schon Recht haben, trotzdem wette ich, dass es, bei aller Unlogik, Menschen gibt, die das, aus welchen Gründen auch immer, eben nicht sofort und auf der Stelle tun würden.
Also zum Einen mag es Menschen geben, die so handeln, aber du bist gut beraten, dich nicht auf eine absolut unlogisch handelnde Minderheit zu beschränken, sofern deine geschichte nicht das unlogische handeln zum Kern seiner Erzählung macht. Und du als Autor solltest deinen Protagonisten nicht "warum auch immer" handeln lassen, sondern seine Beweggründe im Kopf haben und wissen, warum er das tut.

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria
Wer eine Kurzgeschichte liest, will kein Rätsel lösen, sondern eine Auflösung haben. Ein Rätsel ist ohnehin etwas anderes als eine Geschichte mit offenem Ende.
Ich habe es nicht als Rätsel gesehen, ich muss ja nichts lösen. Zum Lösen gibt es nicht genug Hinweise, die Geschichte gibt keinen Anlass dazu, eines Rätsels Lösung auf der Spur zu sein. Es ist ein offenes Ende, aber es wirkt wie ein reiner Selbstzweck. Normalerweise lassen offene Enden dem Leser mehrere Optionen, wie es wohl hätte sein können oder ausgehen können. In den Enden verbirgt sich meist eine gewisse Tragik, oft eine Moral. Die Tragik und Moral wäre bei Ende 1 (Herzinfarkt) gegeben, Ende 2 (Mann bricht ein, bringt so wmgl. um) halte ich für ein Vorurteilsbestätigenden Quatsch. Ende 2 würde könnte man auf einen Satz deiner Geschichte runterbrechen: "Früher war alles besser". Unreflektiert und dumpf.

Zitat:
Zitat von ReBo
Ich wollte, dass der Leser zum Überlegen angeregt wird, was ja ein offenes Ende auszeichnet. Und genau DAS hast du getan
Nein, das Argument läuft ins Leere. Ich könnte Worte zufällig aneinanderreihen, hier kommentarlos einstellen und bei Kritik sagen, ich hätte nur gewollt, dass ihr nachdenkt und das hätte ich erreicht. Setze die Kritik hier nicht mit nachdenken im positiven Sinne gleich, sondern denke darüber nach, ob du das Ende nicht vll handwerklich besser ausgetsalten könntest.

Zitat:
Zitat von ReBo
Natürlich hätte sie der Polizei mehr mitgeteilt, aber das geht halt schwer, wenn sie mitten im Gespräch abkratzt.
Ich sehe die Notwendigkeit nicht, dass sie mitten im Gespräch abkratz. Und wenn sie es doch tut, warum sie nicht erst nach ihrer Adressdurchsage abkratzt.
kuse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2019, 22:53   #7
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Zitat:
Also zum Einen mag es Menschen geben, die so handeln, aber du bist gut beraten, dich nicht auf eine absolut unlogisch handelnde Minderheit zu beschränken, sofern deine geschichte nicht das unlogische handeln zum Kern seiner Erzählung macht. Und du als Autor solltest deinen Protagonisten nicht "warum auch immer" handeln lassen, sondern seine Beweggründe im Kopf haben und wissen, warum er das tut.
Ok, ich werde diesen Teil der Geschichte noch einmal überarbeiten und die alte Dame, bevor sie nachhause kommt und ihr Wurstbrot isst, aufs Revier gehen lassen und Anzeige erstatten.


Zitat:
Nein, das Argument läuft ins Leere. Ich könnte Worte zufällig aneinanderreihen, hier kommentarlos einstellen und bei Kritik sagen, ich hätte nur gewollt, dass ihr nachdenkt und das hätte ich erreicht. Setze die Kritik hier nicht mit nachdenken im positiven Sinne gleich, sondern denke darüber nach, ob du das Ende nicht vll handwerklich besser ausgetsalten könntest.
Klar, als hätte ich hier Worte einfach zufällig aneinandergereiht.
Allein der Fakt, dass du dir Gedanken über die Optionen des Ausgangs gemacht hast, bestätigt meine Aussage von vorhin.

Zitat:
Ich sehe die Notwendigkeit nicht, dass sie mitten im Gespräch abkratz. Und wenn sie es doch tut, warum sie nicht erst nach ihrer Adressdurchsage abkratzt.
Man kann sich halt auch an jedem kleinen Detail aufhängen...
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Alt 15.10.2019, 23:05   #8
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Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Allein der Fakt, dass du dir Gedanken über die Optionen des Ausgangs gemacht hast, bestätigt meine Aussage von vorhin.
Das Ziel eines Autors sollte es sein, seinen Leser zu ganz bestimmten Gedanken anzuregen, und zwar genau zu denen, die der Autor will. Das von mir beschriebene Ende 2 ist aber reaktionärer Quatsch und ich hoffe inständig, dass du uns nciht dazu anregen wolltest.
ich habe das Gefühl, dass du das offene Ende gesetzt hast, nur um ein offenes Ende zu haben. und das ist eben handwerklich ausbaufähig.

Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Man kann sich halt auch an jedem kleinen Detail aufhängen...
Über Deutschlands größte Tageszeitung gab es mal den Ausspruch, dass nur sie es schaffe, eine Regierungserklärung auf DIN A4 verständlich aufzuschreiben. Nun mag man von dem Blatt halten was man möchte, aber es verdeutlicht, dass es oft schwieriger ist, ein Sachverhalt kurz darzustellen als lang.
Eine Kurzgeschichte lebt davon, dass die einzelnen Worte und Sätze feiner ausgefeilt sind als zB in einem Roman. ich sehe das also nicht als 'an jedem Detail aufhängen', sondern als Notwendigkeit bei der Erstellung und Beurteilung einer Kurzgeschichte.
kuse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2019, 23:45   #9
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Zitat:
Das Ziel eines Autors sollte es sein, seinen Leser zu ganz bestimmten Gedanken anzuregen, und zwar genau zu denen, die der Autor will. Das von mir beschriebene Ende 2 ist aber reaktionärer Quatsch und ich hoffe inständig, dass du uns nciht dazu anregen wolltest.
ich habe das Gefühl, dass du das offene Ende gesetzt hast, nur um ein offenes Ende zu haben. und das ist eben handwerklich ausbaufähig.
Nur weil das Ende 2 reaktionär ist, bedeutet ja nicht, dass ich oder du dieser Ansicht sein müssen. Insofern ist es auch egal, ob ich damit jemandes Gedanken anrege oder nicht.
Mir war schon, bevor ich mit dem Schreiben des Textes begonnen habe, klar, wie die Geschichte enden soll. Nämlich offen und zwar so, dass der Leser selbst für sich entscheiden muss, wie die Geschichte ausgeht.

Zitat:
Eine Kurzgeschichte lebt davon, dass die einzelnen Worte und Sätze feiner ausgefeilt sind als zB in einem Roman. ich sehe das also nicht als 'an jedem Detail aufhängen', sondern als Notwendigkeit bei der Erstellung und Beurteilung einer Kurzgeschichte.
Da stimme ich schon zu. Auch wenn ich finde, dass es in diesem Fall nicht absolut notwendig wäre, da es ja wirklich möglich ist, jemanden anhand der Telefonnummer zu identifizieren.

Aber wenn es dich beruhigt, werde ich sie noch ihren Namen plus Adresse durchgeben lassen.
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Alt 16.10.2019, 07:09   #10
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Hallo Rebo,

mir gefällt deine Geschichte. Du hast ein gutes Erzähltempo durchgehalten, die Geschichte wirkt spannend. Am Schluss könnte man etwas verändern - dazu wurde ja schon viel geschrieben. Ich persönlich finde es immer recht einfach für den Autor, die Geschichte mit dem Tod des Protagonisten enden zu lassen - der ist tot - Trommelwirbel - und die Geschichte darum aus. So, jetzt kann der Leser erschüttert sein. Ich finde, das ist kein originelles Ende, im allgemeinen. Allerdings schaffst du es hier, dass es dennoch von der Spannung her passt.

Ein unschönes Partizip und ein nicht so überragender Stil sind mir hier aufgefallen:

Zitat:
Hastig aufgestanden, drückte sie sich, die Zeitung immer noch in der Hand haltend, durch mehrere Personen zur Tür, um nicht auch den nächsten Ausstieg zu verpassen.
Sollte man vermeiden.

Besser:
"Sie stand hastig auf und hielt die Zeitung fest in der Hand, während sie sich an den Leuten vorbei zur Tür drängelte. Bloß nicht auch noch den nächsten Ausstieg verpassen!"

LG DieSilbermöwe

Hallo kuse,

Zitat:
.Das Ziel eines Autors sollte es sein, seinen Leser zu ganz bestimmten Gedanken anzuregen
Sehe ich nicht so. Mein Ziel beim Schreiben z. B. ist es, den Leser (möglichst gut) zu unterhalten.
Für mich hat Rebo das mit seiner Geschichte hier geschafft. Ich fühlte mich gut unterhalten.

LG DieSilbermöwe
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Alt 16.10.2019, 10:39   #11
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Du hast ein gutes Erzähltempo durchgehalten, die Geschichte wirkt spannend.
Interessante Auffassung. Von einem Spannungsbogen vermag ich nämlich keine Spur zu erkennen. Eine alte Frau fährt mit der U-Bahn, ist aus verständlichen Gründen froh, endlich aussteigen zu können, stellt fest, dass ihr Portaimonnaie weg ist, geht nach Hause, um ein Wurstbrot zu essen und fällt, als der vermeintliche Dieb vor ihrer Wohnungstür steht, beim Telefonieren mit der Polizei tot um. Das ist so spannend wie ein Fernsehtestbild. Wenn eine derart banale, ereignislose Story erzählt wird, sollte sie durch eine originelle Erzählweise Interesse erzeugen, so dass der Leser sich erstaunt die Augen reibt und sagt: Aha, diese Sichtweise wäre mir wahrscheinlich entgangen.

Ziemlich viele Redundanzen, Ungereimtheiten und schlecht gewählte Ausdrücke machen die Story nicht besser:

Zitat:
Sie hasste es, mit der U-Bahn zu fahren. Die vielen Leute, das Gedränge und der Lärm lösten schon immer ein Gefühl des Unbehagens in ihr aus. Blickkontakt vermied die alte Dame so gut es ging, weshalb sie stets eine Zeitung in ihrer Tasche mit sich trug, in welcher sie - meistens eher desinteressiert - zu lesen versuchte, sobald sie einen Sitzplatz gefunden hatte.
Kaum niedergesetzt, bereute sie es schon wieder. Als der Gestank von Fast Food in ihre Nase drang und der Gegenüber auch noch lautstark zu telefonieren begann, wäre sie am liebsten sofort ausgestiegen.
„Früher war alles besser...“, dachte sich die in die Jahre gekommene Frau, schlug die Zeitung auf und überflog die Überschriften der Chronikartikeln. "Pensionist nach Raubüberfall tot in Wohnung aufgefunden - ... und vorallem sicherer" murmelte sie leise, als sie plötzlich an ihren, durch Lungenkrebs, verstorbenen Ehemann denken musste.
Es wimmelt vor überflüssiger Füllwörter. Dass die Frau alt ist, wird anfangs erwähnt, also warum im selben Absatz noch einmal? Weshalb ein Raubüberfall ein "Chronikartikel" sein soll (was ist das überhaupt?), erschließt sich mir nicht, so etwas nennt der Journalist eine Meldung. Was hat der Tod durch Lungenkrebs damit zu tun, dass "früher alles sicherer" gewesen sein soll, wo ist da der Zusammenhang?
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Alt 16.10.2019, 11:27   #12
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Sehe ich nicht so. Mein Ziel beim Schreiben z. B. ist es, den Leser (möglichst gut) zu unterhalten.
Ok, das stimmt schon, ist das übergeordnete Ziel, wenn man etwas 'erschafft'.
Nur wenn man als Autor bewusst den Leser zum nachdenken bringen möchte, dann sollte man die entstehenden Gedanken schon bewusst anregen. Es kann ja nicht das Ziel sein, falsch verstanden zu werden.
kuse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2019, 12:33   #13
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Erstmals danke an Silbermöwe für deinen Kommentar, freut mich, dass es dir gefallen hat!

Zitat:
Interessante Auffassung. Von einem Spannungsbogen vermag ich nämlich keine Spur zu erkennen. Eine alte Frau fährt mit der U-Bahn, ist aus verständlichen Gründen froh, endlich aussteigen zu können, stellt fest, dass ihr Portaimonnaie weg ist, geht nach Hause, um ein Wurstbrot zu essen und fällt, als der vermeintliche Dieb vor ihrer Wohnungstür steht, beim Telefonieren mit der Polizei tot um. Das ist so spannend wie ein Fernsehtestbild. Wenn eine derart banale, ereignislose Story erzählt wird, sollte sie durch eine originelle Erzählweise Interesse erzeugen, so dass der Leser sich erstaunt die Augen reibt und sagt: Aha, diese Sichtweise wäre mir wahrscheinlich entgangen.

Ziemlich viele Redundanzen, Ungereimtheiten und schlecht gewählte Ausdrücke machen die Story nicht besser:

Es wimmelt vor überflüssiger Füllwörter. Dass die Frau alt ist, wird anfangs erwähnt, also warum im selben Absatz noch einmal? Weshalb ein Raubüberfall ein "Chronikartikel" sein soll (was ist das überhaupt?), erschließt sich mir nicht, so etwas nennt der Journalist eine Meldung.
Scheinbar war die Geschichte spannend genug, dass du sie zu Ende gelesen hast.

Und was die "Redundanzen" betrifft, die du fett markiert hast... die waren schon bewusst so gewählt und sollen ja beschreiben, weshalb sie sich in der U-Bahn so unwohl fühlt. Da die Geschichte "Die alte Dame" heisst und ihr Alter für die Handlung nicht unwichtig ist, habe ich das auch jedesmal extra betont. Chronik ist die Rubrik in der Zeitung, in der Artikeln über das aktuelle Zeitgeschehen (u.a. Kriminalität) veröffentlicht werden. Zumindest in Österreich.

Zitat:
Was hat der Tod durch Lungenkrebs damit zu tun, dass "früher alles sicherer" gewesen sein soll, wo ist da der Zusammenhang?
Das war eine subtile Anspielung darauf, dass die alte Dame sehr vorurteilsbehaftet ist und früher vielleicht doch nicht alles besser war.

Zitat:
Ok, das stimmt schon, ist das übergeordnete Ziel, wenn man etwas 'erschafft'.
Nur wenn man als Autor bewusst den Leser zum nachdenken bringen möchte, dann sollte man die entstehenden Gedanken schon bewusst anregen. Es kann ja nicht das Ziel sein, falsch verstanden zu werden.
Was redest du schon wieder. Woher willst du wissen, welche Gedanken der Autor anregen will? Und wer wurde wo falsch verstanden?
ReBo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2019, 12:44   #14
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Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Scheinbar war die Geschichte spannend genug, dass du sie zu Ende gelesen hast.
"Scheinbar" ist völlig richtig erkannt ... es scheint nur so.

Es ist überhaupt kein Kriterum, eine 5-Minuten-Geschichte zu lesen. Da hält sich die Aufoperung in zeitlich sehr engen Grenzen. Außerdem bleibt einem Leser nichts anderes übrig, wenn er einen Text beurteilen will, alles andere wäre Willkür. Sei aber versichert, dass ich die Geschichte nicht aus Gefallen oder Spannung gelesen habe, sondern eher aus der Hoffnung, da käme vielleicht noch etwas.

Mit der Verteidigung der Füllwörter bist du auf dem Holzweg. Sie sind zu gar nichts nütze, sondern verschaffen einem Text lediglich Blähungen. Jeder Lektor würde sie dir aus dem Text streichen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2019, 17:34   #15
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Dann fandest du die Geschichte eben nicht spannend. Ist deine Meinung und das ist auch in Ordnung. Ich kann damit leben.

Danke jedenfalls an alle, die den Text gelesen und Feedback gegeben haben. Ich werde die Geschichte noch einmal überarbeiten und versuchen, die Kritikpunkte zu beherzigen.
ReBo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2019, 19:52   #16
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Zitat:
Zitat von ReBo Beitrag anzeigen
Dann fandest du die Geschichte eben nicht spannend. Ist deine Meinung und das ist auch in Ordnung. Ich kann damit leben.

Danke jedenfalls an alle, die den Text gelesen und Feedback gegeben haben. Ich werde die Geschichte noch einmal überarbeiten und versuchen, die Kritikpunkte zu beherzigen.
Ich bin ein wenig verwirrt. Der erste Absatz ist eine trotzige Reaktion, der zweite suggeriert einen erwachsenen Umgang mit Kritik.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass deine durchaus interessante Idee nochmal überarbeitest.
kuse ist offline   Mit Zitat antworten
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