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Alt 08.01.2011, 23:37   #1
Andraika
 
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Dabei seit: 01/2011
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Beiträge: 12

Standard [Story] In Tagebucheinträgen (Sci-Fi/Fantasy)

Wie die Überschrift schon sagt, bin ich dabei, eine Geschichte in Form von Tagebucheinträgen zu schreiben, die auch (hoffentlich) etwas länger wird.
Vom Genre her würde ich sie in Richtung Fantasy/Science Fiction einordnen.
Ich hoffe, ich habe dafür den richtigen Bereich aus diesem Forum ausgewählt und würde mich über gute Kritik aller Art freuen. Vielen Dank


1. Tag – Donnerstag, 04.09.2917


Das, was am heutigen Tag geschah, hat mein Leben von Grund auf verändert. Deshalb habe ich auch beschlossen, von nun an Tagebuch zu führen. Leider weiß ich überhaupt nicht, wie man so ein Tagebuch anfängt. Sollte ich mich erstmal vorstellen?
Also, mein Name ist Anna Violetta. Ich bin zwanzig … nein, seit einer knappen Woche, einundzwanzig Jahre alt. Mir muss verziehen werden, ich habe noch nie Wert auf Geburtstage gelegt. Ich bin eins dreiundsechzig groß, habe schwarzes glattes Haar und beinahe ebenso dunkle, braune Augen.
Zu meiner Familie selbst kann ich leider nicht so viel sagen. Meine Eltern habe ich nie kennen gelernt. Meine frühsten Erinnerungen hängen alle mit einem Waisenhaus zusammen. Sie gehören jedoch nicht zu denen, an die ich gerne in meinen Sinn zurückrufe. Sobald ich konnte, habe ich das Heim verlassen, da war ich siebzehn. Dann hab ich mich ein Jahr irgendwie durchgeschlagen und bin dabei viel rumgekommen, schlussendlich aber dann doch an einem Ort gelandet, wo ich bleiben konnte, in Helfurth.
Helfurth ist eine Stadt-Insel mit 200 Einwohnern. Am Anfang fand ich die Bezeichnung „Stadt-Insel“ sehr irritierend, schließlich befand sich auf ihr ja nur ein Dorf. Aber irgendwann erklärte mir jemand, dass sich das Präfix vor „Insel“ niemals auf die Einwohnerzahl sondern immer auf die Fläche des Landes bezog. Damit war ich dann einverstanden, denn Land hatten wir genug, nämlich in etwa so viel, wie die Fläche einer größeren Stadt einnehmen würde. Das reicht, um sich mit Landwirtschaft, Viehhaltung und Handel über Wasser zu halten. Wie sagt man so schön? Die Subsistenz ist ermöglicht.
In Helfurth selbst arbeitete ich in einer Art Laden, in dem man auch die Möglichkeit hatte, sich hinzusetzen und einen Happen zu essen. Dort war ich für die Ordnung und Sauberkeit, sowie fürs Bedienen der Gäste zuständig. Gleichzeitig hatte ich noch Aufgaben auf der Weide. Meine Chefin, Leonora, besaß eine Schafherde. Ich kannte jedes einzelne der einstmals 128 Tiere, seit heute sind es nur noch 127. Ich konnte sie mit bloßem Auge auseinander halten. Und ich kannte ihre genetischen Fingerbadrücke, weil ich vor einiger Zeit das Glück gehabt hatte, einen Genscanner ergattern zu können. So ist es jedenfalls möglich, präzise Stammbäume aufzustellen und Inzuchten zu vermeiden. Das ist dann eine gute Hilfestellung dabei, genetisch vererbbare Krankheiten zu vermeiden, andererseits aber auch optimale Zuchtergebnisse zu erzielen. Ich will mich nicht rühmen, aber unsere Herde hatte mit Sicherheit die besten und gesündesten Schafe der ganzen Insel!
Aber deswegen führe ich dieses Buch auch nicht. Vielmehr geht es mir darum, von dem Tag zu berichten, an dem ich die verrückteste Entscheidung in meinem Leben getroffen hatte. Und von den Konsequenzen, die ich aber bis jetzt noch gar nicht erahnen kann.
Ich glaube, ich fange jetzt einfach mal heute Vormittag an.
Ein Schiff legte an unserer Bucht an. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Es legen öfter Schiffe an, sei es um Handel zu treiben, um Vorräte aufzufüllen, oder einfach, um sich bei uns ein paar Tage der Entspannung willen aufzuhalten. Es waren insgesamt drei Männer, die an Land kamen. Wir vermuteten, dass sie Mitglieder eines Beduinenstammes waren, denn sie waren komplett verhüllt, buchstäblich vom Scheitel bis zur Sohle. Als sie unseren Laden betraten, war ich gerade dabei, die Tische abzuwischen. Ich war doch sehr überrascht, als ich kurz hoch schaute. Ja, hoch ist das richtige Wort. Der Kleinste von ihnen maß wohl etwas mehr als eins achtzig.
Aber sonst empfand ich nichts an ihnen als auffällig. Wie jedes Nomadenvolk wollten sie nicht lange bleiben, nur ihre Vorräte auffüllen und eigene Waren verkaufen. Wie immer fragte die Chefin, ob sie denn auch eigenes Vieh hätten. Als die Männer nickten, erklärte sie unser System. Um die Herde gesund zu halten tauschen wir immer etwa 1:1, neues Blut, neue Gene, naja, alles Fachchinesisch, Hauptsache der Fortbestand der Herde ist gesichert. Die Männer erklärten, sie besäßen zwanzig Schafe und wären bereit sieben zu tauschen, wenn sie dafür acht bekämen. Leonora schmunzelte und meinte: „Das werden wir dann sehen.“ Anschließend wandte sie sich an mich. „Violetta? Kommst du mal? Diese Herren hier haben Schafe für unsere Herde. Führ sie doch bitte runter zu den Weiden.“ Ich nickte nur. Fremden gegenüber war ich schon immer eher zurückhaltend.
Um die Mittagszeit waren wir an der Weide. Es handelt sich um eine Ebene, die von leichten Hügeln umgeben und von kleinen Bächlein durchlaufen wird. Wie viele es sind und wie viel Wasser sie führen hängt immer davon ab, wann es das letzte Mal und wie viel es geregnet hatte. Heute waren es nur eine Handvoll. Doch aufgrund des schönen, regenreichen Sommers, den wir bisher hatten, strahlte uns die Wiese in einem saftigen Grün entgegen.
Unsere Tiere sind nicht die einzige Herde hier. Mehrere hundert Schafe und auch einige Rinder bevölkern die Ebene. Ich pfiff dreimal kurz, dann lösten sich genau 128 Tiere aus der Großherde und trotteten auf mich zu.
Die Männer führten ihre Tiere in einer Art schwebendem Gatter hinter sich her. Ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen, es handelt sich um eine Art kleinen Zaun, der einem folgt, ich denke, per Signal. Darin befinden sich die Tiere und die müssen wohl oder übel dahin laufen, wo das Gatter entlang schwebt. Wir in Helfurth kamen auch ohne solche Hilfen zurecht, unsere Tiere kannten uns und hörten auf unsere Stimmen.
Auf dem Weg hatte ich mir die Tiere der Fremden ansehen und auch heimlich Proben mit meinem Genscanner nehmen können. Das Ergebnis stellte mich zufrieden, ich war der Meinung, dass sie wirklich acht unserer Tiere wert waren. Ich bedeutete den Männern, stehen zu bleiben, dann zog ich wortlos acht Tiere heraus, platzierte sie in einer Reihe und stellte sie sozusagen vor. Der Bock, der der Vater fast aller neuen Lämmer ist, ein paar Kleine, deren Vater ein anderer war und noch ein paar ausgewachsene Weibchen. Die Männer schienen zufrieden. Sie öffneten ihr Gatter, entließen ihre Tiere und ich schickte meine hinein. Somit bestand unsere Herde erstmal bloß aus 127 Tieren und ihre bekam Zuwachs. Ich schickte meine Tiere zurück in die Ebene und wir gingen zurück.
Bis dahin war alles noch ganz normal. Ich hatte nichts erlebt oder getan, was nicht schon hundert Mal passiert wäre. Doch das sollte sich schlagartig ändern. Nur kurze Zeit später folgte die Situation die mich in meine aktuelle Lage brachte und mein Leben von Grund auf änderte.
Wir waren gerade auf halbem Weg zurück zum Dorf und befanden uns auf einer Allee. Die Sonne stand schon etwas tiefer und warf wunderschöne Schattenspiele durch die Blätter auf den Boden. Der Wind rauschte durch die Äste und die Vögel sangen. Der Tag war einfach nur wunderschön. Ich lief hinter den drei Männern, die sich eifrig am unterhalten waren, hinter mir das Gatter mit den Schafen. Wir waren kurz vor der Brücke, die über den Graben führte, hinter dem die Felder lagen. Ich schaute gerade noch umher, als mein Blick plötzlich an dem mittleren der Männer haften blieb. Das war übrigens der Kleinste. Nur gut zwanzig Zentimeter größer als ich…
Jedenfalls war es mir so, als hätte ich eine Bewegung bei ihm auf Knöchelhöhe wahrgenommen. Ich schaute genauer hin. Und tatsächlich, eine blaue, etwa zehn Zentimeter lange Schwanzspitze schaute aus dem Gewand hervor. Augenblicklich wurde mir einiges klar. Dies waren keine Nomaden, sondern sogenannte Homo animalus. Sie gelten als humanoide Raubtiere, aggressiv und gefährlich. Überall auf unserem Planeten fürchten sich die Menschen mehr vor ihnen als vor irgendetwas oder irgendwem sonst. Tauchen irgendwo welche auf, werden sie sofort getötet. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ihr Verhalten nie studiert werden konnte. Anders herum ergaben Genforschungen eine sehr, sehr hohe Übereinstimmung mit menschlichen Genen. Deshalb das „Homo“. „Animalus“ weil sie als Tiere angesehen werden.
Tatsächlich haben Forschungen Merkmale an ihnen festgestellt, die wir Menschen nicht oder nur weniger ausgeprägt besitzen. So hat jeder von ihnen einen Schwanz, was ihnen vermutlich einen verfeinerten Gleichgewichtssinn einträgt. Im Durchschnitt werden sie größer als wir Menschen und ihre Muskeln scheinen mehr Kraft aufbauen zu können als die unseren. Oftmals ist auch ein feinerer Tast-, Seh- oder Hörsinn festgestellt worden.
Das sind alles an toten Exemplaren erforschte Erkenntnisse, die ich gerne hinnehme, doch die These über ihre Aggressivität habe ich nie geglaubt. Auch meine drei Begleiter vor mir erschienen mir bisher alles andere als unfreundlich oder gefährlich. Meiner Meinung nach versuchen sie auch einfach nur zu überleben. Als friedliche Wesen. Also wollte ich sie auf die kleine Unbedachtsamkeit aufmerksam machen, weil sie im Dorf sicherlich auffallen würden.
Ich holte ein bisschen auf, bis ich auf Höhe der Männer war. Dann räusperte ich mich. „Meinen Namen kennen Sie ja bereits. Darf ich Ihre erfahren?“ Der Mann (ja, ganz recht, ich sage „Mann“, obwohl es kein Homo sapiens ist) neben mir drehte seinen Kopf leicht zur Seite und senkte ihn, um mich anschauen zu können. „Ja natürlich. Mein Name ist Thomas. Links von mir, das ist Jake Christian. Und außen links, das ist Joe.“ – „Mhm… “ Ich nickte. Sie sprachen die allgemeingültige Verkehrssprache akzentfrei, bloß ihre Namen wurden in einem Dialekt, ähnlich dem Englischen ausgesprochen. „Und, seid ihr schon länger unterwegs? Ich meine, seitdem ihr das letzte Mal irgendwo angelegt habt.“ Trotzdem ich an die Friedfertigkeit der drei Männer glaubte, war ich leicht nervös.
Thomas ergriff als erster das Wort. „Wir legen so selten wie möglich irgendwo an. Wir versuchen normalerweise ohne fremde Hilfe über die Runden zu kommen.“ Wieder nickte ich.
Ich ließ mich mit Thomas etwas nach hinten fallen zu lassen, so dass wir schräg hinter Jake und Joe liefen. Während er redete schaute ich ihm in die Augen. Als er den Satz beendet hatte zog ich mit meinem Blick eine Schleife, entlang an den Säumen der Gewänder unserer Vordermänner. Dann schaute ich Thomas wieder in die Augen. Leuchteten sie gelblich?
In dem Moment überlief mich doch eine Gänsehaut. Ich schreibe das hier alles so locker auf, aber ganz wohl war mir in meiner Haut doch nicht. Natürlich hatte ich die oben beschriebene Meinung, aber die Masse dachte doch anders über meine Begleiter und ganz sicher konnte ich mir auch nicht sein. Was ist, wenn sie doch aggressiv waren? Das war ein Risiko, das ich in diesem Moment auf mich nahm.
Ja, ich nahm ein wirkliches Risiko auf mich. Und ich hatte keinen eigentlichen Grund dafür, bloß eine persönliche Meinung, eine Idee, eine Überzeugung. Diese war weder durch Forschung, noch durch Beobachtung bestärkt worden, im Gegenteil würden alle prominenten und wichtigen Personen in unserer Welt ihre Hand ins Feuer dafür legen, dass ich Unrecht hatte.
Und doch…
Irgendetwas in mir wollte Klarheit. Ich wollte mir in diesem Moment glauben und der Masse beweisen, dass sie Unrecht hat. Dass ihr Wissen nichts als ein Vorurteil. Und dafür musste ich erstmal mir beweisen, dass meine These keine Unwahrheit war. Dazu bot sich nun die Gelegenheit. Die Reaktion meiner drei Begleiter würde nun zweifelsfrei beweisen, wer Recht hat. Hätte ich sie verraten und töten lassen, hätte ich dadurch nichts bewiesen und auch nichts wiederlegt. Ich wäre wahrscheinlich in meinem Dorf als Held gefeiert worden und hätte dafür den Rest meines Lebens ein schlechtes Gewissen…
Ich schaute Thomas nun in die Augen, doch er reagierte nicht. Ich blickte erneut auf Jakes Gewandsaum, diesmal etwas auffälliger. Schließlich folgte er meinem Blick. Er stutze kurz, dann schloss er zu seinen Leuten auf und sie begannen sich länger zu unterhalten. Ich bemühte mich, etwas von ihrer Diskussion zu verstehen, denn es ging dabei wahrscheinlich auch um mich, doch die drei redeten so leise, dass ich nicht einmal einzelne Wortfetzen auffangen konnte. Dann sah ich, wie Jake Christian seinen Steißbeinfortsatz elegant unter dem Gewand verschwinden ließ.
Ich merkte dass ich leicht zitterte und mein Atem schwerer ging, trotzdem konnte ich ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken. Jetzt drehten die drei sich um. Einen Moment übermannte mich pure Angst, ich stand wie angewurzelt fest. Ich hatte keine Ahnung, was nun passieren würde.
Thomas ergriff das Wort. „Wir müssen mit dir reden.“ Er schaute sich um. „Kommen hier oft Leute vorbei?“ Ich sah ihn verwirrt an. „Das ist wichtig. Weil das Gespräch … es wird vertraulich sein.“ Gerade den letzten Teil sprach er sehr seriös aus.
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, heute wird hier keiner mehr vorbei kommen“ Meine Stimme war leise und etwas belegt, ich musste mich räuspern.
Thomas nickte und schaute zu Joe rüber. „Violetta, so heißt du, nicht wahr?“, fragte dieser. Ich nickte. „Gut. Also Violetta, sag mir: Was hast du gesehen?“ Er sah mir tief in die Augen. Seine hatten auch diesen Gelbstich. Die Angst war nicht mehr so stark, aber die Anspannung stieg. Diese Augen… dieses Gelb ist von solch einer Intensität… Ich konnte in diesem Moment nichts sagen, ich lächelte bloß verlegen, wie es ein Opfer tun würde um seinen Angreifer mild zu stimmen. Reiner Instinkt.
„Was… Was soll ich denn gesehen haben?“, entfuhr es mir.
Thomas ging einen Schritt auf mich zu. „Tu nicht so scheinheilig. Du hast mich doch drauf hingewiesen!“
Ich zuckte zusammen und wich leicht zurück. In mir kam wieder die Frage auf, ob sie mich doch töten wollten und die Angst stieg erneut an.
Joe blickte Thomas kurz an, woraufhin dieser einen Schritt zurück ging. „Bitte Violetta“, Joes Stimme klang ruhig aber ernst, „es ist wichtig für uns, dass du jetzt die Wahrheit sagst.“
Dieser Joe hatte eine Art, die jegliche Spannung und Aggressivität aus der Situation nehmen konnte. Nein, er wollte mich nicht töten. Langsam entspannte ich mich. Ich konzentrierte meinen Blick nun auf Joe und erklärte ihm was ich gesehen hatte und was ich daraufhin in Bezug auf ihre Herkunft folgerte. Ich erklärte, dass ich sie warnen wollte, dass ich anders über sie dachte als der Rest. Sie hörten mir still zu und als ich fertig war, sahen sie sich gegenseitig an. Ich biss mir auf die Unterlippe.
In dem Moment schossen mir hunderte von Gedanken durch den Kopf. Ich weiß nicht, ob sich die drei kurz unterhielten oder nicht, ich war wie abwesend. Es war die Spannung, die Unsicherheit und die Angst, die mich antrieben, denke ich. Es formte sich mehr und mehr eine verrückte Idee in meinem Kopf. Und sie wollte raus.
„Entschuldigung?“ Die drei blickten mich nun wieder an. „Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Ihr habt Angst, dass ich euch anlüge. Dass ich euch verraten werde und ihr um euer Leben fürchten müsst, nicht wahr?“ Welch eine Ironie. Ich behauptete, dass sie um ihr Leben fürchteten, dabei hatte ich in dem Moment mit Sicherheit mehr Angst als die drei zusammen.
„Worauf willst du hinaus?“, fragte Thomas.
„Also, ich habe eine Idee. Sie mag sicher abwegig klingen, könnte aber funktionieren. Da ihr nun wirklich keinen Grund habt mir zu vertrauen wäre es doch eine Möglichkeit…“, ich stockte kurz und musste einmal schlucken, „mich mitzunehmen.“
In dem Moment erschien mir das als einzig logische Schlussfolgerung. Sie konnten mich nicht gehen lassen, weil sie damit rechnen mussten, dass ich sie verrate. Würden sie mich töten und ohne mich zurückkehren, würden sie auch auffallen, abgesehen davon dass ich nicht glaube, dass sie das tun wollten. Ich hatte ein Wissen, das nicht ans Licht darf. Sonst wäre die Jagd eröffnet. Und die Jäger von uns geben erst Ruhe, wenn das Ziel gefunden und erlegt ist.
Andererseits, was sagte mir, dass sie mir nicht einfach geglaubt und mich hätten gehen lassen, wenn ich nicht meinen Schnabel so weit aufgerissen hätte?
„Ja, ich würde mit euch mitkommen. Natürlich wäre ich bereit zu arbeiten. Ich könnte mich um die Herden kümmern, das kann ich gut. Aber auch kochen und putzen. Bloß auf die Felder mag ich nicht gern… Was nicht heißt, dass ich das nicht auch tun könnte. Allerdings würde ich dafür auch gerne was zu essen, ein Dach über dem Kopf und ein Platz für meine Sachen bekommen.“ Ich sah sie alle einmal an. Keine Reaktion. „Und wenn es keine Umstände macht, vielleicht ein Minimallohn für die Arbeit… Nein, aber das muss nicht. Normalerweise…“
Ja, ich war doch sehr nervös und redete mich ein bisschen um Kopf und Kragen. Ich dachte mir hier mein ganzes weiteres Leben aus und die drei hatten noch gar nichts dazu gesagt. Und als immer noch keine Reaktion folgte, redete ich einfach weiter.
„Ich müsste halt noch kündigen… und meine Sachen packen… Aber da kann ja einer mitkommen um sicher zu gehen, dass ich nichts euch betreffend verrate. Möglicherweise.“
Ich schaute die Männer nun nur noch verkrampft lächelnd an und sagte nichts mehr. Thomas drehte sich erst zu Joe, dann zu mir. „Wo ist der Haken?“ Ich hob eine Augenbraue. „Haken?“ – „Ja, der Haken. Wo hast du die Falle für uns eingebaut?“ Ich riss die Augen auf. „Falle? Nein, ich meine es ehrlich mit euch!“
Thomas lachte. Der schien mir sehr misstrauisch und frech zu sein. „Ja, das würden alle sagen. Du erwähntest, dass du was von uns willst, wenn du mitkommst. Vielleicht verbirgt sich dahinter ja ein Erpressungsversuch?“ Er legte den Kopf schief und sah mich eindringlich an. „Oder, wenn du zu deinem netten Laden gehst, wer sagt uns, dass du es nicht doch schaffst irgendwie ein Zeichen zu hinterlassen, irgendetwas zu sagen oder zu tun, was uns verrät? Warum solltest du so schnell aufbrechen wollen? Findest du das nicht auch auffällig?“
„Erpressung? Nein… Ich… Das einzige was ich verlangen würde ist die Sicherung meiner Lebensgrundlage. Ich möchte leben können. Und arbeiten. Ich möchte euch in keinem Fall irgendwie auf der Tasche liegen oder unbescheidene Ansprüche stellen. Und dass ich schnell aufbreche, muss nicht unbedingt auffällig sein. Schließlich bin ich auch jung und will noch was von der Welt sehen. Und dass ich euch nicht doch irgendwie verraten will… müsst ihr mir glauben. Ich meine, was wollt ihr sonst tun?“
Joe nickte. „Sie sieht ehrlich aus. Ich glaube sie meint es wirklich so. Wer weiß wieso.“ Er zuckte mit den Schultern. „Jake, du wirst sie begleiten während Thomas und ich das Schiff beladen. Wir legen in einer Stunde ab.“
„Aber Joe! Chef! Wir…“ – „Nein Thomas“ Er atmete einmal tief ein. „Wir werden es versuchen.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Jetzt gingen wir paarweise hintereinander, vorne Joe mit Thomas, der sich heftig beschwerte, hinten Jake und ich. Er sollte bei mir bleiben, solange wir hier waren.
Im Ort trennten sich unsere Wege. Das Vieh ging mit den beiden Großen, wir zwei „Kleinen“ gingen zu mir in den Laden. Leonora stand hinter der Theke und sprach mit einer der anderen Angestellten. Ich blieb nur kurz in der Tür stehen um noch einmal tief durchzuatmen. Dann ging ich entschlossen auf sie zu.
„Leonora?“ – „Ja, Violetta?“ – „Leonora, ich habe ein Anliegen.“ Sie lachte kurz auf. „Du hast ein Anliegen? Na, dann lass mal hören!“ – „Weißt du, ich hab jetzt fast zwei Jahre hier gearbeitet. Ich habe Lust, was von der Welt zu sehen…“ – „Ja…“ Ihr Blick ging an mir vorbei zu Jake, der gerade einen Dekogegenstand von der Theke aufhob und es neugierig hin und her wendete. „Ähm, entschuldigen Sie, das ist zum Angucken, ja?“ Ertappt stellte er es wieder hin und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Dann wandte Leonora sich wieder mir zu. „Was von der Welt sehen willst du? Kann ich dir nicht verdenken. Du bist noch jung, wär ne Schande, wenn du hier versauerst.“ Ich sah sie an und grinste breit. „Gut. Dann macht es dir sicher nichts aus, wenn ich dir sage, dass ich hier und jetzt kündigen und mit den Nomaden mitziehen werde.“
Einen Moment lang war es totenstill im Raum. Leonora sah mir tief in die Augen. „Und das willst du wirklich?“ Ich nickte. „Das hast du dir gut überlegt, so an einem Mittag mal schnell?“ – „Ja, ich habe es mir gut überlegt.“ Sie seufzte. „Na dann, du bist eine freie Frau. Tu, was du für richtig hältst.“ Dann grinste sie kurz. „Aber komm nochmal her!“ Sie kam um die Theke herum nach vorne und umarmte mich freundschaftlich. „Pass auf dich auf, ja?“ – „Keine Angst, werd‘ ich!“
Ich packte noch mein Zeug zusammen und dann betrat ich das Schiff.
Soviel zur verrücktesten Entscheidung in meinem Leben.
Auf dem Schiff selbst habe ich noch nicht viel gesehen. Mir wurde direkt ein Zimmer zugewiesen. Ich bin immer noch sehr überrascht, denn ich hatte noch nie so einen großen Raum für mich alleine.
Ansonsten werde ich noch meine Sachen in die Schränke räumen und mich dann aufs Ohr hauen. Ich bin sehr gespannt, was so die nächsten Tage auf mich zukommt. Hoffentlich werde ich heute überhaupt schlafen können…
Andraika ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2011, 00:48   #2
Andraika
 
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wie gesagt, ich würde mich über Kritik & Verbesserungsvorschläger aller Art freuen


2. Tag – Freitag, 05.09.2917

Ich bin erst einen Tag an Bord und freue mich schon richtig auf meinen ersten Feierabend. Ich bin richtig kaputt!
Aber ein paar Sätze zum heutigen Tage werde ich trotzdem festhalten, sonst ärgere ich mich am Ende nur wieder über mich selbst.
Heute Morgen wurde ich geweckt. Als es an meine Tür klopfte musste ich wohl einen Moment gedacht haben, ich befände mich noch in Helfurth. Langsam öffnete ich die Augen und mich reckend setze ich mich auf. Erst als ich mich umschaute und mich wunderte, dass alles so anders aussah und der Raum auch viel größer aussah als meiner, riss ich entsetzt die Augen auf. Ja, alles was ich dumpf im Hinterkopf hatte war wahr, kein Traum. Ich griff nach meinem Tagebuch, was ich griffbereit unter meinem Kissen liegen hatte, und blätterte nochmal die ersten Seiten durch. Es klopfte noch einmal an meine Tür, diesmal etwas lauter als zuvor. Hektisch legte ich das Buch beiseite und stand auf. „Moment“, rief ich, dann schritt ich zur Tür und öffnete sie bloß einen Spalt, vorsichtig hinaus schielend.
Da stand ein Mann, etwas größer als ein Meter achtzig mit schwarzem strähnigem Haar und Haut in einem kräftigen Blauton. Ich würde sagen, dass es sich um helles Kobaltblau handelte, etwas heller noch als Tinte.
Für gewöhnlich hätte ich nicht so viel Wert auf die Beschreibung seines Aussehens gelegt, in dem Moment fiel mir eigentlich nur überraschend auf, dass er in etwa den selben Kleidungsstil trug, wie auch die Menschen auf den Inseln und dem Festland. Den Grund, warum ich mir den genauen Farbton von Haar und Haut schließlich doch merkte, werde ich noch später in meinem Eintrag ausführen.
Jedenfalls stand er da und sah ziemlich ungeduldig und leicht genervt aus, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Ich soll dich abholen und zur Arbeit bringen. Kommst du?“
Ich glaube, ich war in dem Moment schon noch etwas überrumpelt. Abholen? Zur Arbeit? Ich hatte gesagt, dass ich arbeiten will, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass das hier alles so schnell geregelt wird.
Ich zögerte wohl einen Moment zu lang, denn es folgte ein leichtes Stöhnen und ein fragender Blick.
„Ja… ja, ich mach mich nur schnell fertig…“
Er nickte, dann schloss ich die Tür. So schnell ich konnte zog ich mir frische Kleidung über und band mein Haar zusammen. Dann öffnete ich die Tür, trat hinaus und griff einer Gewohnheit folgend beim Schließen zum Schloss, um abzuschließen.
„Brauchst du hier nicht, wir beklauen dich schon nicht.“
Ich stutze kurz, dann nickte ich.
„Komm.“ Er klang sehr kurz angebunden, aber ob er einfach nur wortkarg oder vielleicht schlecht gelaunt war, konnte ich beim besten Willen nicht raushören. Jedenfalls hatte er keine große Lust sich mit mir zu unterhalten, also folgte ich ihm stumm.
Wir gingen durch einen längeren Flur. Er war in einem hellen, blassen Blauton gehalten, was ihn in meinen Augen etwas kühl erscheinen ließ. Auf unserem Weg machte er ein paar rechtwinklige Biegungen. Auf der linken Seite, auf der auch mein Zimmer ist, befinden sich in regelmäßigen Abständen, alle paar Meter, Türen. Auf der rechten Seite sind es erheblich weniger. Zwischen den Türen befinden sich ab und an irgendwelche Bilder oder dekorierte Tischchen. Trotz der Kühle von der blauen Wandfarbe strahlen die geschickt eingesetzten Accessoires doch eine gewisse bequeme Wohnlichkeit aus. Ich vermute, dass dies der allgemeine Wohnflur ist, an den alle Zimmer der auf diesem Schiff Wohnenden anschließen.
Unser Ziel war ein Fahrstuhl am anderen Ende des Flurs. Wir stiegen ein und fuhren eine Etage höher. Mir fiel auf, dass dies ein ziemlich großer Fahrstuhl war, aber hier auf dem Schiff erscheint mir eigentlich alles ziemlich groß. Er hatte Türen auf zwei Seiten.
Für einen Moment musterte ich meinen Begleiter noch einmal. Gehörte er wohl zu den Männern, deren Bekanntschaft ich schon gestern gemacht hatte? Ich dachte kurz darüber nach, aber beantworten konnte ich die Frage nicht, ich hatte ja nicht ihre Gesichter gesehen. Dann rief ich mir nochmal ihre Namen ins Gedächtnis.
Da war Joe, der schien so eine Art Chef zu sein, jedenfalls wurde er so angeredet.
Dann Thomas, eine sehr kritische, freche, vorlaute Person. Er hatte sehr oft das Wort ergriffen.
Und Jake Christian. Er war eher ruhig und zurückhaltend gewesen.
Mittlerweile hatten wir den Fahrstuhl schon verlassen und waren in einem weiteren Flur gelandet. Dieser war schnurgerade und hatte auf beiden Seiten in regelmäßigen, größeren Abständen etwa gleichwenige Türen. Dieser Flur war schmucklos und einfach gehalten.
Wir betraten die zweite von links und sofort empfang uns eine Wand feuchter, wenn auch nicht allzu warmer Luft. Nun befanden wir uns wohl in einer Art Gewächsraum. Vor mir erstreckte sich eine größere bewachsene Fläche, durchzogen von schmalen Feldwegen für die Arbeiter. Mir fällt es allgemein sehr schwer, Größen zu schätzen und ich liege gerne meilenweit daneben, aber ich denke, dass die Strecke von der Tür bis zur gegenüberliegenden Wandseite etwa dreißig bis vierzig Meter misst. Diese besteht übrigens aus einer raumhohen Fensterfront. Der Ausblick war atemberaubend.
Man hatte einen wunderbaren Blick auf den weiten, blauvioletten Himmel. Heute war ein sehr klarer, sonniger Tag. Der größere unserer beiden Monde war sehr gut sichtbar, er schimmerte blass violett durch die Atmosphäre. Die paar Wölkchen bildeten ein filigranes Muster. Es schien dort oben windstill gewesen zu sein, sie bewegten sich keinen Millimeter. Da kein Land in der Nähe war, erkannte man auch keinen Horizont. Es sah aus, als schwebten wir auf dem Nichts. Und es ist praktisch auch so, da die Kontinente und Schiffe bloß auf einer schweren Gasschicht schweben. Es war faszinierend. Mein Blick durch die oberen Edelgasschichten unseres Planeten war noch nie so klar gewesen. Des Nachts soll man sogar bei optimalen Bedingungen ein gelbes bis orangenes Schimmern aus dem Erdkern erkennen können. Ich beschloss, heute Abend mal aus meinem Fenster zu schauen. Bis jetzt ist es allerdings noch zu hell, um irgendeine natürliche Lichtquelle, außer unserem Stern Ourius, auszumachen. Vielleicht später.
Ich sollte mich auch einmal umhören, ob es hier auch so etwas wie eine Bibliothek gibt. Ich würde nur zu gerne herausfinden, was meine Begleiter für ein Wissen haben. Vielleicht kann ich hier ja Recherchen zu einigen interessanten Themen durchführen. Vielleicht über unsere Geographie? Die Genetik? Es gibt so viele faszinierende Dinge auf diesem Planeten, über die ich zu gerne mehr wissen würde.
Aber ich komme zu weit vom Thema ab.
Das geschäftige Treiben der paar Arbeiterinnen ließ in mir den Gedanken aufkommen, dass man sich wohl mit der Zeit an den tollen Ausblich gewöhnt und ich folgte meinem Begleiter immer noch wortlos, aber staunend durch die Felder.
Als ich merkte, dass einige der Frauen hier mich kritisch musterten und tuschelten, fühlte ich mich nicht sehr wohl in meiner Haut. Mit jedem Schritt wuchs mein Unwohlsein und mein Erstauntsein wich dementsprechend. Diese Mischung aus meinem wachsenden Unwohlsein und den genialen Eindrücken war wohl schuld daran, dass mir etwas eigentlich sehr augenfälliges nicht auffiel. Als ich aber die Person sah, zu der ich gebracht wurde, traf mich beinahe der Schlag. Ich wette, jeder, mich eingeschlossen, ich muss es zu meiner Schande zugeben, würde damit rechnen, dass alle Personen hier auf dem Schiff relativ ähnlich aussehen, alle mit tiefblauer Haut, schwarzen, glatten Haaren und gelblich schimmernden Augen.
Als wir um die Ecke bogen, kniete sie vor ein paar Sträuchern. Sie trug beige Shorts und ein weißes Top.
„Claire?“, meinte mein Begleiter nur, dann wendete sie sich um und stand auf.
Als erstes fielen mir ihre Haare auf. Sie hatte rückenlanges, leicht gewelltes Haar, zu einem Pferdeschwaz zusammengebunden. Es war rotbraun. Als sie zuerst ihren Kopf umwandte, wehte es leicht in Richtung der Bewegung und schimmerte in den verschiedensten Tönen, von einem eher bräunlichen Kastanienrot, über ein leuchtendes, kräftiges Rot, bis zu einem eher ins Orangene gehenden, kräftigen Zinnoberrot. Dann erhob sie sich langsam, den Blick gesenkt, sich den Dreck von den Knien abklopfend. Ihre Haut war türkis- bis meerblau. Dann erhob sie den Kopf und schaute mich, erst überrascht, dann musternd, schließlich abfällig aus tiefen, leuchtend grünen Augen an. Ich schluckte.
„Was soll das denn?“, fragte sie nur, eine abfällige Handbewegung in meine Richtung machend.
„Claire, das ist…“, er überlegte kurz, „Violetta. Sie wohnt jetzt hier an Bord. Joe hat beschlossen, dass du dich erstmal um sie kümmern sollst.“
„Ich?!“ Sie riss die Augen weit auf und schüttelte dann lachend den Kopf.
Mir fiel auf, dass sie beim Reden sehr viel gestikulierte.
„Oh nein, so haben wir nicht gewettet. Da kommt einmal so ein Mensch auf unser Schiff und dann soll ich das Kindermädchen spielen? Was hat sie überhaupt hier verloren?“
Mein Begleiter seufzte einmal. „Das ist eine lange Geschichte. Ich bin auch nicht ganz unschuldig dran, aber das erzähl ich dir nachher beim Essen.“
Jetzt grinste Claire leicht. „So so, dann soll ich also deine Fehler ausbügeln?“
Was mein Begleiter dann sagte oder tat ist mir leider entfallen. Bis dahin war ich auch noch voller Erstaunen an Claires Erscheinung kleben geblieben, wobei während des Gesprächs das Gefühl des Fehl-am-Platz-seins immer stärker wurde und mein Blick sich immer mehr gesenkt hatte, dann jedoch blieb ich plötzlich an einem Satzfetzen hängen. Hatte mein Begleiter gesagt, er wäre nicht ganz unschuldig daran, dass ich hier wäre? Dann muss er ja wohl einer der drei Männer von gestern sein. Joe ganz sicher nicht, Thomas würde ich auch ausschließen, der war größer und mit Sicherheit hat er nichts dafür getan, dass ich hier bin. Wenn ich mich recht entsinne, war er strickt dagegen. Also stand Jake Christian neben mir. Ich grinste in mich hinein. Also wurde derjenige, der für mein Hiersein verantwortlich war auch als Bote geschickt, um mich hier an passender Stelle abzuliefern. Wär eigentlich auch logisch.
Meine Gedanken wurden auf einmal unterbrochen, als Claire mich ansprach. Irritiert schüttelte ich kurz den Kopf, dann sah ich zu ihr hinauf.
„Sag mal, ist die irgendwie stumm oder taub?“, frage Claire, an Jake gewandt.
„Nein, nicht dass ich wüsste…“ Er sah mich fragend an. Dann zuckte er mit den Schultern. „Na ja, ihr werdet schon miteinander auskommen. Ich muss dann auch mal.“ Er hob kurz die Hand zum Gruß, dann drehte er sich um und ging.
Claire seufzte. „Also, Violetta heißt du.“
Ich nickte.

Naja, jetzt bin ich langsam wirklich etwas zu müde um das folgende kurze Gespräch noch wörtlich und detailliert aufzuschreiben. Jedenfalls verdonnerte Claire mich dazu, den ganzen Vormittag mit einem kleinen Schäufelchen bewaffnet auf Knien zu rutschen und Unkraut zu jäten. Interessant ist was anderes, ich hasse Gartenarbeit… Bis zur erlösenden Mittagspause hatte ich mit auch nicht zu verachtende Rückenschmerzen erarbeitet.
Aber das mit der Pause war auch eine mehr oder weniger merkwürdige Geschichte. Natürlich hat mich keiner aufgeklärt, wann es Essen gibt oder wie das überhaupt gehandhabt wird. Ich war fleißig am Arbeiten als ich auf einmal merkte, dass alle in dem Gewächsraum geschlossen hinaus gingen. Also schloss ich mich an und fand mich auf einmal in einer Art Kantine oder Aufenthaltsraum wieder.
Dabei gingen wir wieder zum Aufzug und fuhren eine Etage hinunter, stiegen aber diesmal auf der anderen Seite aus.
Der Raum selbst ist halbkreisförmig und bietet Platz für gut hundert Personen. Allerdings waren nicht die Hälfte der Plätze besetzt. Die Fassade der gebogenen Wandseite besteht wieder aus einem raumhohen Fenster mit atemberaubendem Ausblick. Ich schätze, der Raum befindet sich am Bug des Schiffes.
Ich spürte wieder die bohrenden Blicke der hier Lebenden. Einige wussten sicher noch nichts von meiner Anwesenheit, ich liefere sicher viel Gesprächsstoff für die nächste Zeit.
Ich setzte mich alleine an einen der äußersten Tische. Ich denke, es wäre etwas frech gewesen, sich zu einer Gruppe zu setzen. Momentan gehöre ich hier nirgendwo dazu und ich habe nicht das Gefühl, dass hier irgendjemand besonders scharf darauf ist, mich in seinen näheren Freundeskreis aufzunehmen. Also halte ich mich erstmal bedeckt, man will ja nicht allzu störend auftreten. Das wird sich mit Sicherheit noch im Laufe der Zeit ergeben, wenn ich mich eingelebt habe und man sich an mich gewöhnt hat.
Ich begnügte mich erstmal damit, mich umzuschauen. Die Einwohner auf diesem Schiff waren wirklich in jeglichen Punkten eine bunt gemischte Truppe. Hier gab es alles von jungen Familien mit Babys bis Alten. Die Haarfarben variieren von blond bis schwarz. Die Hautfarben grob ausgedrückt von Violett bis Türkis. Ich war beeindruckt.
Während meinen Beobachtungen bekam ich hunger. Ich schaute mich um, ob es wohl irgendwo eine Kantine oder eine Essensausgabe oder ähnliches gab, aber ich fand nichts. Beim Umschauen fiel mir auch auf, dass es kein Einheitsessen gab. Ich stellte die Theorie auf, dass wohl jeder eine Küchenzeile hat und man sein Essen einfach selbst kocht. Mittlerweile weiß ich auch, dass das stimmt. Ich hatte später Claire danach gefragt. Was man dafür braucht, darf man sich einfach aus dem Lager nehmen. Das hat sie mir dann auch gezeigt, ist im selben Flur wie mein Zimmer, bloß auf der anderen Seite.
Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich das leider nicht. Und auch nicht wie lang die Pause dauern würde, sowie wann ich wider zurück sein müsste. Also blieb ich einfach sitzen und beobachtete weiter Leute.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich jetzt so müde bin. Ich hab ja noch gar nichts gegessen. Ich denke, ich werd mir gleich erstmal was Feines zum Abendbrot machen, damit ich morgen beim Arbeiten nicht zusammenklappe.
So, das wars dann soweit mit meinem Eintrag für heute. Der Nachmittag bestand nämlich auch nur aus Unkraut jäten.
Und ein besonders Geistreicher Satz, um den heutigen Eintrag abzurunden fällt mir auch nicht mehr ein, also belasse ich es bei einem: „Bis morgen.“
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Alt 10.01.2011, 00:48   #3
Andraika
 
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6. Tag – Mittwoch, 09.09.2917
3. Eintrag


Das Leben hier auf dem Schiff erweist sich als sehr regelmäßig. Ich bin bereits eine Woche hier und schreibe erst zum dritten Mal in mein Tagebuch. Es gibt hier einfach nichts, was ich jeden Tag hätte aufschreiben können. Mehr als gewöhnliche Gartenarbeit habe ich noch nicht geleistet. Aber ich trage einen sinnvollen Beitrag zur Gemeinschaft bei, das ist doch schon mal was.
Ansonsten habe ich noch einiges über die Caradics, so nennen sich meine Gastgeber selbst, teilweise durch Hinterfragen, aber meist durch Beobachtung in Erfahrung bringen können.
Ich fange einfach mal damit an, wie die Arbeit in dem Bereich geregelt ist, den ich kenne, dem gemäßigt-feuchten Gewächsraum.
Die paar Arbeiter und zumeist Arbeiterinnen, die dort sind, haben jeweils die Verantwortung über ein eigenes Areal, das sie pflegen, bebauen und abernten müssen. Jedes Areal ist nochmal in Parzellen untergliedert, die sich alle in unterschiedlichen Wachstumsstadien befinden. So kann alle paar Wochen entweder geerntet, gepflügt oder gesät werden. Der Sinn davon ist, dass es hier auf dem Schiff weder allzu knappe Zeiten, noch all zu volle Zeiten gibt.
Der Tag, an dem man hier frei hat, ist bei jedem ein anderer. Meiner ist der heutige, also Mittwoch. Das liegt einfach daran, dass Claire heute auch frei hat. Sie muss während der Arbeit nun mal immer ein Auge auf mich haben.
Claire… Es ist interessant mit ihr. Wie mit wirklich allen auf dem Schiff habe ich auch zu ihr noch kein sonderlich gutes Verhältnis. Ich kann sie fragen, wenn etwas unklar ist. Ich habe sie zum Beispiel gefragt, ob es hier eine Bibliothek gibt und sie hat sie mir auch gleich an dem Tag nach Feierabend gezeigt. Sie befindet sich übrigens fast gegenüber von meinem Zimmer. Aber lange Gespräche führen wir nicht. Sie lässt mich spüren, dass sie nicht meine Freundin oder wenigstens gute Bekannte sein will, ohne aber ausfällig oder unhöflich zu werden. Ich bin nun mal immer noch die Fremde, die Seltsame, die, die nicht dazu gehört. Aber ich bin ja auch erst eine Woche da. Gut Ding will Weile haben. Ich glaube jedenfalls, dass es schon möglich ist, sich mit den Caradics anzufreunden. So, wie ich ihr Verhalten in den letzten Tagen erlebt habe, sind sie nicht anders, als wir Menschen auch. Vielleicht sogar noch freundlicher untereinander. Sie machen sehr gerne Scherze lachen ziemlich viel, finde ich. Gerade Claire.
An unser Areal stößt das von einer gewissen Susan. Sie und Claire verstehen sich wirklich prächtig. Es vergeht kein Tag, an dem die zwei nicht über irgendetwas quatschen. Gerne erzählt Susan von ihrer Familie. Sie hat einen Mann, Christian, und ein paar Kinder. Tommy ist zum Beispiel fünf Jahre alt. Er kommt auch schon mal mit um zu „helfen“. Nur meistens passiert dann genau das Gegenteil von dem, was eigentlich passieren soll. Ich erinnere mich einmal, da war Susan gerade dabei, Unkraut zwischen noch jungen Pflänzchen auszumachen. Tommy saß direkt neben ihr. Er schaute genau zu und fragte dann: „Mama, darf ich auch mal?“ – „Ja, natürlich, gerne.“ Dann zeigte sie ihm, welche Pflanzen Unkraut waren und wie man es ausmacht. Natürlich begab er sich sofort fleißig ans Werk. In dem Moment kam Claire vorbei, meinte scherzhaft: „Das ist ja typisch, dass du den Kleinen die Arbeit machen lässt“, und lachte kurz. Lächelnd stand Susan auf, schaute noch einmal zu Tommy rüber und fing an: „Ach, solange es ihm Spaß macht.“ Sie unterhielten sich eine Weile darüber, dass ihr Mann heute irgendwo gebraucht wurde und dass Tommy nochmal unbedingt mitwollte bis sich beide nach gut zehn Minuten darauf einigen konnten, wieder an die Arbeit gehen zu wollen. Als Susan sich dann umdrehte, riss sie erstaunt die Augen auf. „Tommy, was…!?!“ So schnell sie konnte lief sie zu dem Kleinen, der sich schon ein paar Meter weiter hinten befand und nahm ihn schnell auf den Arm. Aus großen, unschuldigen Augen schaute ein mit Dreck verschmierter Junge seine Mami an, als wolle er sagen: Und, war ich nicht fleißig? Ja, fleißig war er allemal, denn der hatte auf dem ganzen Weg, den er zurückgelegt hatte, wirklich alle Pflänzchen entwurzelt und fein säuberlich in den bereitstehenden Korb gelegt.
Claire selbst ist nicht verheiratet. Sie müsste altersmäßig in den Zwanzigern sein und lebt mit ihren Eltern und Geschwistern hier. Im Aufenthaltsraum sitzt sie allerdings immer zusammen mit den anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von etwa zehn Personen, zu denen auch Jake Christian und Thomas gehören. Mittlerweile gehe ich stark davon aus, dass die beiden Brüder sind, aber sonst keine Anverwandten auf dem Schiff haben. Wirklich gesagt haben sie es zwar nicht, aber sie benehmen sich so, wie Brüder miteinander umgehen. Natürlich nicht ständig, Thomas konzentriert sich meistens eher auf seine Freundin, aber es sind einige kleine Gesten und Wesensarten, die mir zeigen, dass sie aus demselben Elternhaus stammen. Sie haben zum Beispiel dieselben Augen und dasselbe Lachen. Gerade Thomas stichelt keinen so oft wie Jake. Und die zwei haben auch gerne mal Insider-Gags, die sonst keiner versteht.
Ich sprach davon, dass Thomas eine Freundin hat, nämlich Sarah. Sie ist die Tochter von Joe, hat türkisfarbene Haut und blond-braunes Haar. Sie kommt vom Aussehen sehr nach ihrer Mutter, Grace. Diese hat nur ein etwas helleres Türkis und blonde Haare. Sarahs Charakter schlägt aber sehr nach Joe, sie hat eine wirklich sehr geduldige, freundliche und vernünftige Art und stößt Thomas nicht selten in die Seite, wenn er wieder mal etwas zu vorlaut war.
Ich denke, ich habe auch verstanden, welche Funktion Joe erfüllt. Er wird, wie bereits erwähnt, „Chef“ genannt. Er ist dabei der Kapitän des Schiffes, aber auch eine Art Führer, Ältester oder Häuptling der Gruppe. Ich denke, die Caradics haben wirklich Glück mit so einer Person in einer verantwortlichen Stellung wie dieser. Was mich bloß noch interessiert, ist, wie man hier zu solch einem Amt kommt. Wird es vererbt? Wird Joe seinen Nachfolger ernennen? Oder hat vielleicht das Volk da auch ein Wörtchen mitzureden? Fragen über Fragen.
Ich denke, ich werde nachher mal der Bibliothek einen Besuch abstatten, vielleicht klären sich dann ein paar Fragen fast von ganz allein. Schließlich habe ich den Tag noch vor mir, bisher habe ich erst ausgeschlafen und gefrühstückt.
Ich bin mal gespannt, wie das die nächsten Wochen hier weiter laufen wird. Und wann ich meinen nächsten Eintrag verfassen werde.
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Alt 17.01.2011, 21:24   #4
Andraika
 
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27. Tag – Mittwoch, 30.09.2917
4. Eintrag


Siebenundzwanzig Tage… verdammt, schon fast ein ganzer Monat… Ob mir die Zeit kürzer oder länger vorkommt, kann ich nicht sagen, es hätten auch genauso gut zehn oder sechzig Tage sein können. Jedenfalls war ich wohl eben überrascht, als ich diese Zahl ausgerechnet hatte.
Wie ist es mir bisher ergangen?
Am besten fange ich mit den Dingen an, die sich seit meinem letzten Eintrag geändert haben. Das ist schon drei ganze Wochen her…
Ich habe mich an die Arbeit auf den Feldern gewöhnt. Ich bin abends nicht mehr so müde und kann noch in die Bibliothek gehen oder ab und an Streifzüge durchs Schiff unternehmen. Allerdings nur auf den beiden Ebenen, auf denen ich mich sowieso aufhalte. Der Zutritt zum Maschinenraum ist mir untersagt, an Deck darf ich auch nicht. Ich wurde jedenfalls scharf zurechtgewiesen, als ich es versucht hatte…

Das Wissen der Caradics ist wirklich immens beeindruckend! Ich konnte jede Menge über den Aufbau unseres Planeten lernen. Oder weitere Einzelheiten über die Genetik.
Beispielsweise kann ich nun erklären, wieso wir auf dem „Nichts“ schweben. Das hat mit der giftigen Schicht unter uns zu tun. Die besteht nämlich größtenteils aus Edelgasen wie Krypton in den oberen Schichten, Xenon in den mittleren Schichten und nahe des Erdkerns Radon. Diese Gase sind allesamt schwerer als die Luft, die wir atmen, deshalb bleiben sie unten und geben allem Auftrieb, was eine geringere Dichte hat, also leichter ist als sie.
Bloß sind weder wir Menschen, noch die Inseln leichter als die Gase. Da kommen nämlich noch besondere Kräfte ins Spiel. Es gibt eine Kraft, die dafür sorgt, dass wir nicht ins Weltall triften und eine andere, die dafür sorgt, dass wir nicht auf den Erdkern gepresst werden. Die Caradics haben jede Menge Details und Formel dafür, aber merken konnte ich mir bisher nur das Grundsätzliche. Jedenfalls scheint es so, dass diese beiden Kräfte genau an der Horizontlinie ausgewogen sind.
Ich hab bloß die Vermutung, dass dies noch von der Größe oder des Materials des Objekts abhängig ist, denn dass normale Menschen sofort fallen, wenn sie das Land verlassen, weiß jedes Kind. Und dass man für Schiffe spezielle Materialen und eine ausgefeilte Technik benötigt, weiß ich, seitdem einmal ein alter Kapitän in Helfurth anlegte und mir davon berichtete.
Ein weiteres Phänomen, das ich mir nie erklären konnte, waren die wolkenartigen Schlieren, die man tagsüber bei gutem Wetter nahe dem Erdkern erkennen kann. Und das rötliche Leuchten, welches abends, ebenfalls nur bei gutem Wetter, aus derselben Richtung sichtbar wird.
Die Schlieren hängen damit zusammen, dass zum Erdkern hin die Temperatur stark steigt, sowie das Gewicht, das auf den Gasen lastet, wodurch sie sich verdichten. Diese Schlieren sind eine Folge daraus. Die Edelgase können sich praktisch nicht entscheiden, ob sie unter diesen Bedingungen fest oder gasförmig sein wollen und wechseln ständig ihren Zustand.
Das Leuchten hängt dann damit zusammen, dass das Radon rot leuchtet. Dazu gabs dann auch jede Menge Erklärungen, Formeln und so weiter, aber nachdem ich das überflogen hatte, habe ich mich mit diesem einen Satz abgefunden.
Die Caradics haben auch allgemeine Lexika. In einem habe ich mal „Mensch“ nachgeschlagen. Den genauen Wortlaut habe ich leider vergessen, doch stand da was von einer unerforschten, aggressiven Rasse, die nur auf Konflikt aus ist und weitläufig zu meiden ist. Dann noch irgendein Hinweis zu weiterführender Literatur, die den Umgang mit uns beschreibt. Überall findet man nur: nicht mit ihnen reden; den Kindern früh beibringen, ihnen aus dem Weg zu gehen; einen gesunden Hass zu entwickeln sei auch vernünftig.
Ich bin mittlerweile mehr als überrascht, wie konsequent sie diese Anweisungen umsetzen können.
Ich habe doch in meinem letzten Beitrag so begeistert über Susan und Tommy geschrieben.
Letztens meinte der Kleine zu seiner Mutter: „Wer ist das da eigentlich?“ und zeigte auf mich. Als sie meinte: „Ein Mensch“, hat er die Augen aufgerissen, sich hinter Susan versteckt und ist seit dem nicht mehr mitgekommen. Wie ich aus Gesprächen mitbekam, aus Angst, ich würde ihn töten, wenn seine Mutter mal nicht hinschaut. Claire lobte Susan für ihre gute Erziehung. Sie meinte, sie würde mir sowas ja nicht zutrauen, aber man wisse ja nie… Was soll ich davon halten?

Mittlerweile will ich hier einfach nur noch weg. Ich habe sogar schon mal mit dem Gedanken gespielt, ob es nicht doch besser gewesen wäre, Jake, Thomas und Joe zu verraten…
Natürlich habe ich das verneint. Ich habe sofort daran gedacht, wie viel sie ihren Freunden, ihrer Familie, dem ganzen Schiff bedeuten. Es wäre nicht fair gewesen.
Mich hier so zu behandeln ist meiner Meinung nach aber auch nicht besonders fair…

Ich habe es seit letzter Woche aufgegeben, mich in den Pausen in den Aufenthaltsraum zu setzen. Es tat einfach zu weh, immer nur von einer Masse fröhlicher Personen schief angeschaut oder ignoriert zu werden. Dann bin ich doch lieber alleine…

Ich habe auch schon mal darüber nachgedacht, dass es unter ihnen vielleicht auch einen oder zwei gibt, die über mich so denken wie ich über sie, die Möglichkeit besteht. Doch denke ich nicht, dass sie sich unter der vorherrschenden Stimmung überwinden könnten, mich anzusprechen, als wäre ich eine normale Person. Was würden die anderen denken?! Da müsste schon etwas gigantisch Seltsames und Unvorhersehbares passieren, ehe es so weit käme.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich darauf hoffen soll oder nicht. Ich hatte mir vorgenommen zu hoffen. Ich meine, was mir vor einem knappen Monat passiert ist, war auch nichts Alltägliches. Es besteht immer die Möglichkeit auf plötzliche, unvorhersehbare Wendungen im Leben.
Vielleicht bestehen diese in meinem Fall auch nur darin, irgendwann die Möglichkeit zu finden, von hier zu fliehen.
Fliehen. Ich musste gerade selbst stutzen, als ich dieses Wort schrieb. Es klingt, als wäre ich eine unfreiwillig Gefangene. Gefangen vielleicht, aber freiwillig. Da hatte ich mir jedoch noch alles ganz anders vorgestellt. Ich glaube mittlerweile, das war pure Naivität.
Hoffen. Das bleibt mir. Oder das Abfinden.

Heute ist ein sehr schöner Tag. Ich denke, ich setze mich gleich auf meinen kleinen Balkon und beobachtete die Edelgasschlieren unter uns. Hoffentlich kommt keiner von meinen Caradic-Nachbarn auf dieselbe Idee…
Andraika ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2011, 21:26   #5
Andraika
 
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Ich möchte noch einmal die Bitte ausdrücken, mir Kritik zu der Geschichte zu liefern.
Ich bin mir sicher, dass man sie noch an vielen Stellen überarbeiten kann und würde mich über Hilfe freuen
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