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Alt 02.10.2019, 13:46   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Vater über Nacht

Ich lebe allein. Das war nicht immer so. Ich war einmal verheiratet gewesen und hatte fest daran geglaubt, so müsse das Leben bis zum gemeinsamen Grab weitergehen. Doch das Glück hielt nur fünf Jahre, dann brach ein anderer Mann in unser Leben ein und entführte meine Prinzessin.

Danach glaubte ich an gar nichts mehr.

Bis es eines Tages wieder einmal klingelte, wie immer, wenn der Postpaketdienst kam. Aber ich hatte nichts bestellt. „Hallo?“, rief ich ins Haustelefon.

„Ich bin Anja.“

Anja? Weil mir nichts Besseres einfiel, bellte ich in den Apparat: „Ich brauche nichts.“

„Aber ich. Darf ich raufkommen?“

Ihre Stimme rief Erinnerungen wach. Wie in Trance drückte ich auf den Türöffner, hörte das Summen vor dem Aufdrücken und ihre Schritte auf der Treppe.

Erinnerungen. Sie schwirrten durch meinen Kopf, als sie vor mir stand. Anja. Eine junge Frau, die aussah wie ihre Mutter. Mein Gott, wie lange war das her?

„Papa?“

Mir wurden die Augen feucht, weil da kein Zweifel war. Sie trug das Muttermal an der gleichen Stelle wie ich, links am Hals, eine braune Stelle mit Fell. Und deshalb breitete ich meine Arme aus und ließ sie heineinfallen.

„Wie hast du mich gefunden?“

„Das ist eine lange Geschichte. Aus Mutter war nichts rauszubekommen.“

Ich führte das Mädel, das meine gerade geborene Tochter war, ins Wohnzimmer, kochte ihr Kaffee und stellte ihr eine Schale mit Keksen hin. Sie sah mich mit leuchtenden Augen an, obwohl ich mir selbst wie der schäbigste Gammler der Stadt vorkam und gerade noch Zeit genug gehabt hatte, den Cognac vom Tisch zu räumen und die Brotkrümel mit dem Ärmel meines Bademantels wegzuwischen.

„Wie war das damals mit Mama und dir?“

Ich schluckte, weil ich mich daran lieber nicht erinnern wollte. „Da war eigentlich nichts,“ brachte ich mühsam hervor.

Anja schaute mich belustigt an. „Bin ich etwa nichts?“

Sie hatte recht. Dass da etwas war, saß wahrhaftig vor mir. „Also, genau genommen sollte ich nicht dein Vater sein.“

Anja runzelte die Stirn. „Wie soll ich das verstehen?“

„Deine Mutter hatte ihre festen Vorstellungen.“

„Und die waren?“

„Entschuldige bitte.“

Ich ging in die Küche und nahm einen tiefen Schluck aus der Cognac-Flasche. Den Boden bedeckte nur noch ein Zentimeter, und mein nächster Gedanke führte mich in den Getränkemarkt, um für Nachschub zu sorgen. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass Anja auf meine Antwort wartete.

„Also, das war so. Wir arbeiteten im selben Büro, und eines Tages kamen wir uns näher …“
„Hallo, mein Schatz, wie …
„Bitte keine Vertraulichkeiten.“
„Was soll das heißen?“
„Wonach hört es sich denn an?“
„Aber was war das gestern mit uns beiden?“
„Das war gestern, und heute ist heute.“
„Ich verstehe dich nicht. Wir haben doch miteinander geschlafen.“
„Na und? Das macht man eben dann und wann.“
„Heißt das, ich bin nicht der einzige?“
„Schlaues Kerlchen.“
„Aber warum? Ich liebe dich doch.“
„Tust du nicht. Du glaubst es nur.“
„Ich weiß es.“
„Dein Unglück, nicht meins.“
„Das ergibt doch keinen Sinn.“
„Doch. Ich will ein Kind, und vom wem spielt keine Rolle.“
„Du bist also auf Samenfang unterwegs?“
„So ist es. Ich will ein Kind. Den Spender brauche ich dann nicht mehr.“
„Auch nicht für die Alimente?“
„Oh, jetzt beginnst du dich für das Geschäftliche zu interesssieren.“
„Sagen wir: für die Konsequenzen.“
„Mach dir darüber keinen Kopf. Wenn es dein Kind sein sollte, wirst du‘s nicht erfahren. Genauso wenig wie ich. Mir ist der Vater egal.“
„Das Kind wird es später anders sehen.“
„Du versuchst, mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Mühe kannst du dir sparen.“
„Du spielst mit den Schicksalen anderer Menschen. Das kann für dich nicht gut ausgehen.“
„Mir passiert schon nichts. Ich weiß genau was ich will.“
„Und das wäre?“
„Unabhängig zu bleiben. Mich nicht auf Idioten wie dich verlassen zu müssen. Und genau das werde ich meinem Kind beibringen.“
„Aha, mein Kind, die einsame Insel. Ich bedauere dieses Geschöpf jetzt schon.“
Anja senkte betrübt den Kopf. „Das ist keine schöne Geschichte. Nicht eine von denen, die mir Mutter erzählte.“

„Was hat sie denn erzählt?“

„Märchen. Einmal warst du ein Engel, der versprach, wiederzukommen. Ein anderes Mal ein Freiheitskämpfer, der sich für die gute Sache einsetzt. Dann wieder ein Held, der die Tiere in Afrika vor Wilderern beschützt. Immer warst du in der Welt unterwegs, Großes zu leisten. Und auf den ich warten müsste. Bis ich zu alt wurde, an Märchen zu glauben.“

Ich sah an mir herunter, an meinem Badmantel, an dem die Frotteefäden wie sonnengetrocknete Würmer hingen und in denen Spuren von Eigelb klebten, während ich mir vorstellte, mit einem Flammenschwert Wilderer aus einem Tierpark zu vertreiben.

„Nochmal: Wie hast du mich gefunden?“

„Das war zuerst nicht einfach, aber nur deshalb, weil ich es falsch angestellt habe.“

„Und was war richtig angestellt?“

„Ganz einfach. Ich habe in Mutters Lebenslauf nachgeguckt, wo sie zuletzt vor meiner Geburt gearbeitet hat und mit wem sie sich besonders gut verstand. Das hatten die Kollegen doch mitgekriegt.“

„Bingo!“

„Genau. Danach, also als sie schwanger war, nahm sie eine längere Auszeit, dafür hatte sie angespart.“

„Und dann hat sie dich zu einer Männerfeindin erzogen.“

Anja schüttelte den Kopf. Sie öffnete ihre Handtasche und zog ihr Smartphone heraus. Ein paar Tippser, und schon poppte ein Foto auf. „Das ist er.“

Nicht übel, schoss es mir durch den Kopf.

„Ich will, dass du unser Trauzeuge bist.“

Jetzt stehe ich in einer Kirche – das Standesamt haben wir bereits hinter uns – und begleite meine Tochter, von deren Existenz ich vor drei Wochen noch keine Ahnung hatte, in den Ernst des Lebens hinein, von dem eigentlich nur der Tod scheiden kann, was aber in unserer Zeit alles andere als todernst genommen wird. Möge das Glück dauern, so lange es geht. Jedenfalls heute bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Und wann immer mich meine Tochter braucht, bin ich es auch.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.10.2019, 14:56   #2
weiblich Küstendeern
 
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Beiträge: 16


Standard Berührend

Eine sehr schöne Geschichte, die mich sehr berührt hat!

Eine Frage habe ich allerdings - die am Anfang beschriebene Ehe des Mannes, mit wem war sie, wenn er der Mutter des Kindes nur als Samenspender diente?
Küstendeern ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.10.2019, 15:13   #3
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Küstendeern Beitrag anzeigen
Eine sehr schöne Geschichte, die mich sehr berührt hat!

Eine Frage habe ich allerdings - die am Anfang beschriebene Ehe des Mannes, mit wem war sie, wenn er der Mutter des Kindes nur als Samenspender diente?
Das war nur die zweite Enttäuschung, die den Mann dazu veranlasste, allein zu bleiben.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.10.2019, 16:19   #4
Hurri
 
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Beiträge: 1

Sorry, aber mich hat das Ganze nicht so richtig mitgenommen. Das hat mehrere Gründe:

Insgesamt geht mir alles zu schnell. An Tag X klingelt eine wildfremde Frau. Und obwohl der Mann mit der Mutter offensichtlich vor vielen Jahren lediglich ein One-night-stand hatte, kommt ihm die Stimme der Tochter, die er nie zuvor getroffen hat, am Haustelefon vertraut vor. Das ist ja fast schon übersinnlich.

Er wusste nichts von ihrer Existenz und trotzdem ist seine erste Frage "Wie hast du mich gefunden?" Klar, ich war noch nie in einer vergleichbaren Situation. Aber er muss doch komplett überrumpelt sein. Das kommt für mich kaum rüber. Das wird nur in der Cognac-Szene angedeutet. Ansonsten - keine Zweifel, keine Verwunderung... Das war für mich etwas unglaubwürdig.

Der Satz "Dass da etwas war, saß wahrhaftig vor mir" ergibt so keinen Sinn. Es müsste heißen "Der Beweis dafür, dass da etwas gewesen war, saß leibhaftig vor mir."

Dass die Erinnerung des Vaters in wörtlicher Rede wiedergegeben wird, war für mich befremdlich. So erzählt man ja keine Geschichten.

Und dann der Wunsch, dass der Vater, den sie zum ersten Mal in ihrem Leben trifft, ihr Trauzeuge wird - huiuiui. Das ist echt ein Tempo.

Sorry, ich hoffe, meine Kritik ist nicht zu hart. Ist ja nur mein persönlicher Eindruck. Vielleicht kannst du ja was davon gebrauchen.
Hurri ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.10.2019, 16:40   #5
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Hurri Beitrag anzeigen
Insgesamt geht mir alles zu schnell. An Tag X klingelt eine wildfremde Frau. Und obwohl der Mann mit der Mutter offensichtlich vor vielen Jahren lediglich ein One-night-stand hatte, kommt ihm die Stimme der Tochter, die er nie zuvor getroffen hat, am Haustelefon vertraut vor. Das ist ja fast schon übersinnlich.
Nun ja, einen One-night-stand zu haben, sagt nichts über die Vertrautheit mit einer Person aus. Die beiden waren Kollegen, kannten sich und ihre Stimmen also recht gut. Es handelte sich also nicht um einen One-night-encounter, sondern um die Verführung einer bekannten Person. Und was die Stimme angeht: Mutter- und Tochter-Stimmen gleichen sich oft, ich habe selbst schon peinlicherweise am Telefon die Mutter mit der Tochter verwechselt. Und meine Stimme wurde sogar mit der meines Sohnes verwechselt. Mit Übersinnlichkeit hat es also nichts zu tun, wenn man meint, eine Stimme wiederzuerkennen.

Zitat:
Zitat von Hurri Beitrag anzeigen
Er wusste nichts von ihrer Existenz und trotzdem ist seine erste Frage "Wie hast du mich gefunden?"
Er wusste doch, dass er als Zuchthengst missbraucht wurde. Es gibt nun mal intelligente Menschen, die sofort Zusammenhänge erkennen. Außerdem steht in dem Text klipp und klar, dass das Mädel aussah wie ihre Mutter. Bei wem würde es da nicht "klick" machen?

Zitat:
Zitat von Hurri Beitrag anzeigen
Der Satz "Dass da etwas war, saß wahrhaftig vor mir" ergibt so keinen Sinn. Es müsste heißen "Der Beweis dafür, dass da etwas gewesen war, saß leibhaftig vor mir."
Sorry, aber das geht auf das vorher Gesagte zurück: „Da war eigentlich nichts,“ brachte ich mühsam hervor. Und deshalb lautet der nächste Gedankengang: "Dass da etwa war ...", quasi als Widerlegung. Ich hätte auch schreiben können: "Dass da doch etwas war ..."

Wenn du damit nich klar kommst, okay. Ich schreibe Geschichten nicht, damit sie jedem gefallen oder sie sich jedem erschließen. Aber natürlich kann ich mit deiner Kritik etwas anfangen. Es gibt ja keinen Text, den man nicht besser machen könnte. Deshalb danke, dass du dich damit auseinandergesetzt hast.

VG
Ilka
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Alt 13.10.2019, 13:05   #6
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Ich lebe allein. Das war nicht immer so. Ich war einmal verheiratet gewesen und hatte fest daran geglaubt, so müsse das Leben bis zum gemeinsamen Grab weitergehen. Doch das Glück hielt nur fünf Jahre, dann brach ein anderer Mann in unser Leben ein und entführte meine Prinzessin.
Hier machst du es dem Leser unfassbar schwer, die handelnden Personen einzuordnen. Die Geschichte mit der Ehe ist nicht sonderlich wichtig, doch du exponierst sie. noch dazu redest du von Prinzessin. Die Bezeichnung Prinzessin ist allerdings weniger für eine Frau treffend als vielmehr für eine Tochter. Meine Kritik also: Du verwirrst mich hier aufgrund technischer Mängel, nicht aufgrund technischer Finesse.

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
„Wie hast du mich gefunden?“

„Das ist eine lange Geschichte. Aus Mutter war nichts rauszubekommen.“
Schlecht finde ich den vorangegangenen part nicht, er geht schnell voran, kann man so machen. Hier allerdings widersprichst du dir selbst: Aus einer langen Geschichte werden weiter unten im text ein paar kurze Sätze. Und am Ende eine einfache Erklärung.Also doch keine lange GEschcihte.

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
(...) gerade noch Zeit genug gehabt hatte, den Cognac vom Tisch zu räumen und die Brotkrümel mit dem Ärmel meines Bademantels wegzuwischen.
Schöne Situationsbeschreibung, die mir sehr viel der Lebenssituation nahe bringt. Gelungen! (So wie weiter unten die Eireste)

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
„Also, das war so. Wir arbeiteten im selben Büro, und eines Tages kamen wir uns näher …“
„Hallo, mein Schatz, wie …
„Bitte keine Vertraulichkeiten.“
„Was soll das heißen?“
„Wonach hört es sich denn an?“
„Aber was war das gestern mit uns beiden?“
„Das war gestern, und heute ist heute.“
„Ich verstehe dich nicht. Wir haben doch miteinander geschlafen.“
„Na und? Das macht man eben dann und wann.“
„Heißt das, ich bin nicht der einzige?“
„Schlaues Kerlchen.“
„Aber warum? Ich liebe dich doch.“
„Tust du nicht. Du glaubst es nur.“
„Ich weiß es.“
„Dein Unglück, nicht meins.“
„Das ergibt doch keinen Sinn.“
„Doch. Ich will ein Kind, und vom wem spielt keine Rolle.“
„Du bist also auf Samenfang unterwegs?“
„So ist es. Ich will ein Kind. Den Spender brauche ich dann nicht mehr.“
„Auch nicht für die Alimente?“
„Oh, jetzt beginnst du dich für das Geschäftliche zu interesssieren.“
„Sagen wir: für die Konsequenzen.“
„Mach dir darüber keinen Kopf. Wenn es dein Kind sein sollte, wirst du‘s nicht erfahren. Genauso wenig wie ich. Mir ist der Vater egal.“
„Das Kind wird es später anders sehen.“
„Du versuchst, mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Mühe kannst du dir sparen.“
„Du spielst mit den Schicksalen anderer Menschen. Das kann für dich nicht gut ausgehen.“
„Mir passiert schon nichts. Ich weiß genau was ich will.“
„Und das wäre?“
„Unabhängig zu bleiben. Mich nicht auf Idioten wie dich verlassen zu müssen. Und genau das werde ich meinem Kind beibringen.“
„Aha, mein Kind, die einsame Insel. Ich bedauere dieses Geschöpf jetzt schon.“
Die Geschichte in der Geschichte fühlt sich hier völlig fehl am Platz an. Plump, einfallslos und der Dialog ist schlecht geschrieben, da in so einer emotional krassen Situation viel zu emotionslos. Ich denke, du kannst das viel besser im Dialog mit der Tochter erklären, als Erzählung, in Bildern und Andeutungen, nicht so hingerotzt.

Anja senkte betrübt den Kopf. „Das ist keine schöne Geschichte. Nicht eine von denen, die mir Mutter erzählte.“

„Was hat sie denn erzählt?“

„Märchen. Einmal warst du ein Engel, der versprach, wiederzukommen. Ein anderes Mal ein Freiheitskämpfer, der sich für die gute Sache einsetzt. Dann wieder ein Held, der die Tiere in Afrika vor Wilderern beschützt. Immer warst du in der Welt unterwegs, Großes zu leisten. Und auf den ich warten müsste. Bis ich zu alt wurde, an Märchen zu glauben.“

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
„Das war zuerst nicht einfach, aber nur deshalb, weil ich es falsch angestellt habe.“

„Und was war richtig angestellt?“

„Ganz einfach. Ich habe in Mutters Lebenslauf nachgeguckt, wo sie zuletzt vor meiner Geburt gearbeitet hat und mit wem sie sich besonders gut verstand. Das hatten die Kollegen doch mitgekriegt.“
Zuerst nicht ganz einfach - ganz einfach: Sprachlich unschön, wenn beabsichtigt ungut.

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Jetzt stehe ich in einer Kirche – das Standesamt haben wir bereits hinter uns – und begleite meine Tochter, von deren Existenz ich vor drei Wochen noch keine Ahnung hatte, in den Ernst des Lebens hinein, von dem eigentlich nur der Tod scheiden kann, was aber in unserer Zeit alles andere als todernst genommen wird. Möge das Glück dauern, so lange es geht. Jedenfalls heute bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Und wann immer mich meine Tochter braucht, bin ich es auch.
Und genau hier wird (leider) die komplette Geschichte völlig aus der bahn geworfen. Du legst ein wunderbares und auch im Grundplot glaubhaftes Dilemma dar, aber lässt das emotionale Dilemma am Ende, nachdem er sie kennen gelernt hat, völlig außen vor. Mir als Vater schwirren so viele Gedanken und Emotionen (Verzweiflung, unzulänglichkeit, unwissen, emotionales unwissen, Liebe, Hass, Wut, Unsicherheit, Aufopferungswillen, Unverständnis) im Kopf und so viele Fragen (Was ist mit der Mutter seiner Tochter, wo ist sie, Was erwartet die Tochter, welche Emotion hat sie ihm gegenüber (die alleinige Suche nach ihm bedeutet nicht ein Happy End), Wie soll er sich verhalten etc), du skizzierst aber eine super eindimensionale Haltung des Vaters. Das reicht mir so nicht.
kuse ist offline   Mit Zitat antworten
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