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Liebe, Romantik und Leidenschaft Gedichte über Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht und Leidenschaft.

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Alt 25.04.2015, 18:49   #1
weiblich scrabblix
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Mitten im Revier
Beiträge: 364

Standard Letzte Zeile

Letzte Zeile

Manchmal denk ich mir ich schreite
stillvergnügt an deiner Seite
durch die frischbelaubten Wälder
und die gelbgereiften Felder

Manchmal drückt mich diese Klarheit
die im Angesicht der Wahrheit
weiß um fortgelass'ne Worte
die ich in der Seele horte

Manchmal braucht es eine Weile
bis ich weiß die letzte Zeile
deines Stückes ist geschrieben –
Ewig werde ich dich lieben.
scrabblix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.04.2015, 19:55   #2
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.927

Hallo scrabblix,

gelegentlich wiederkehrende Gedanken, in denen glücklicher Lebensfrühling und -sommer bedrückend verschweigen, dass über sie hinaus schon feststeht, dass auch Herbst, Winter und Ewigkeit den Gefühlen keinen Abbruch tun.

Das ist ein sprachlich interessant ausgedrücktes Gefühl von unzerstörbarer Liebe.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.04.2015, 23:11   #3
Stachel
 
Benutzerbild von Stachel
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Niederrhein
Beiträge: 895

Hallo Scrabblix,

mir gefällt das Gedicht ebenfalls gut. Inhalt ist der Gedanke an eine vergangene Liebe zum lyrischen Du (= LD).
In der ersten Strophe spaziert das LI mit dem LD durch eine Naturkulisse. Die Atmosphäre ist positiv, bunt ("frischbelaubt", "gelbgereift"), das LI "stillvergnügt". Mir gefällt dabei der etwas surreale Zusammenhang von Frühling ("frischbelaubt") und Herbst ("gelbgereift"). Die Erinnerung wird dadurch noch farbenprächtiger, die Zeiten verwischen zu einer temporal unabhängigen Gesamterinnerung mit ausgesprochen positivem Grundtenor.
In S2 kippt die Stimmung. Die "Klarheit" und "Wahrheit" konstrastieren die Erinnerung in S1. Offenbar ist die Wirklichkeit weniger bunt und fröhlich. Das LI hortet Worte in der Seele, die nicht ausgesprochen wurden. In der Wortwahl spiegelt sich ein Bedauern des LI wieder, eine Ahnung auf die Endgültigkeit der Situation ergreift den Leser (zumindest mich) spätestens zu diesem Zeitpunkt.
In S3 wird der Tot als "letzte Zeile" "eines Stückes" (des LD) bebildert. Die Strophe endet mit einer ultimativen Liebeserklärung.

Die Bilder sind allesamt sehr eingängig. Die Stimmung der einzelnen Strophen ist jeweils gut herausgearbeitet und bietet eine konsequente Entwicklung.

Formal ist das Gedicht sehr gut gelungen.
Der Trochäus (Faller) passt perfekt zu der etwas niederdrückenden Stimmung.
Alle Verse enden unbetont und laufen damit sanft aus. Die Ewigkeit der Liebe wird damit schön aufgegriffen.
Der Paarreim bietet eine elegante Anspielung auf die Zweisamkeit der beiden lyrischen Personen. Jeder ungerade Vers kann auf diese Weise verstanden werden als eine Darstellung des LI, jeder gerade als eine Darstellung des LD, der jeweils die Passung zum LI bildet. Dabei fällt auf, dass die "LD-Verse" jeweils kürzer sind als die "LI-Verse". Das Leben des LD ist vorbei, aber das Leben des LI reicht weiter.
In jeder Strophe ist V1 am längsten und V4 am kürzesten. Auch hier entsteht eine perfekte Unterstützung des Inhalts (lebendige Erinnerung->Tod).

Das Wort "Manchmal" verbindet alle Strophen untereinander, jede fängt mit ihm an. Gleichzeitig drückt es aus, dass alle drei emotionalen Elemente nicht dauerhaft sind. Es gibt für alles eine Zeit, für Freude, Trauer und Tod. Und jede Zeit wird auch wieder überwunden. Die Überwindung des Todes wird dabei im letzten Vers explizit genannt und steht gleichsam als Quintessenz dieses Gedichtes, nach einem Gedankenstrich, der zum einen die notwendige Pause bietet, zum anderen den thematischen Bruch einleitet, mit dem der Tod in sein Gegenteil verkehrt wird: Ewige Liebe.

Fazit:
Danke für dieses gelungene Werk. Für mich ist es ein Favorit.

Herzliche Grüße vom
Stachel
Stachel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2015, 13:18   #4
männlich Jeronimo
gesperrt
 
Dabei seit: 10/2011
Alter: 66
Beiträge: 4.223

Ich kann mich Gummibaum und Stachel ganz anschließen.
Das Gedicht ist einfach schön.

Jeronimo
Jeronimo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2015, 12:22   #5
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 28
Beiträge: 870

Hallo scrabblix,
auch mir gefällt dein Gedicht ausgesprochen gut! Es trägt so viel Gefühl in sich! Die letzte Strophe ist so traurigschön, dass sie mich, auch bei wiederholtem Lesen, tief anrührt.

LG
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.04.2015, 23:21   #6
weiblich scrabblix
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Mitten im Revier
Beiträge: 364

Danke, ihr lieben Jungs!

Ich bin schier sprachlos ob eurer Kommentare. Im Ernst, ich weiß im Moment kaum angemessen zu antworten.

Die Verse entstanden (wie so einige) im Gedenken an meinen Bruder, und stehen für jeden geliebten Menschen, den wir gerne an unserer Seite wüssten, dem wir noch so vieles sagen wollten und mit dem wir auch Jahrzehnte später in inniger Liebe verbunden sind. Dass diese Verse genau so bei euch angekommen sind, dass ihr ihnen so viele liebe Worte geschenkt habt und, dass du, Stachel, dir so viel Mühe mit meinen kleinen Versen gegeben hast, erfüllt mich mit großer Freude!

Danke, gummibaum!
Danke, Stachel!
Danke, Jeronimo!
Danke, Jonnny!
Danke, Tiger!

Liebe Grüße
scrabblix
scrabblix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2015, 18:09   #7
männlich Lewin
 
Dabei seit: 03/2015
Beiträge: 1.219

Standard Letzte Zeile

Hallo scrabblix,

ich kann mich den gelungenen Kommentaren nur anschließen. Jonny schreibt, dir ist … ein sehr schönes Gedicht gelungen. Ich glaube, das ist zu kurz gegriffen. Das Gedicht ist nicht gelungen, es ist gelebt, wenn man diesen Ausdruck bis hierher verwenden will. Es sind Zeilen, die über das Sein hinausgehen.
Du darfst gern mal in die Liste meiner Favoriten sehen.

Liebe Grüße
Lewin.
Lewin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2015, 23:08   #8
weiblich scrabblix
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Mitten im Revier
Beiträge: 364

Ganz herzlichen Dank, lieber Lewin, für die anerkennenden Worte, mit denen du meine Verse bedacht und für den Platz, den du ihnen in deiner Favoritenliste eingeräumt hast!

Auch dir noch einmal herzlichen Dank, Stachel, dass die "Letzte Zeile" in deiner Favoritenliste Platz nehmen durfte!

Liebe Grüße
scrabblix
scrabblix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2015, 18:49   #9
männlich Gylon
 
Dabei seit: 07/2014
Beiträge: 4.269

Hallo scabblix,
ich schließe mich den Jungs gerne an, wenn auch spät.
Schöne Zeilen!

Liebe Grüße Gylon
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2015, 23:35   #10
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Zitat:
Zitat von scrabblix Beitrag anzeigen
Letzte Zeile

Manchmal denk ich mir ich schreite
stillvergnügt an deiner Seite
durch die frischbelaubten Wälder
und die gelbgereiften Felder

Manchmal drückt mich diese Klarheit
die im Angesicht der Wahrheit
weiß um fortgelass'ne Worte
die ich in der Seele horte

Manchmal braucht es eine Weile
bis ich weiß die letzte Zeile
deines Stückes ist geschrieben –
Ewig werde ich dich lieben.

Ein dunkler Schatten, über den zu springen nicht (mehr) möglich ist.
Sehr bittere Verse, die die Kraft eines Pfeiles haben.
Mit Widerhaken.

Für mich klingt das Gedicht an den ernsten Morgenstern an.
Schmerzlich.

Mitfühlenden Gruß
von
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.05.2015, 13:58   #11
weiblich Ex-Letreo71
abgemeldet
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 4.052

Hallo Scrabblix,

manchmal brauch ich eine Weile
fand eben erst die "Letzte Zeile".

Auch von mir ein großes Lob für diese eindringlichen Verse.
Ich denke so wie Lewin es geschrieben hat, "gelebt" so fühlt es sich an.

Danke!

Lieben Gruß,

Letreo
Ex-Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.05.2015, 14:15   #12
weiblich shoshin
gesperrt
 
Dabei seit: 02/2014
Beiträge: 1.060

Ich bin begeistert und berührt, liebe Scrabblix!
Lieben Gruß
shoshin
shoshin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2015, 19:17   #13
männlich Zebastianz
 
Benutzerbild von Zebastianz
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Bad Oldesloe
Alter: 40
Beiträge: 121

Hallo scrabblix,

ich schließe mich ebenfalls an. Sehr gelungen!
Zebastianz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2015, 18:38   #14
weiblich scrabblix
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Mitten im Revier
Beiträge: 364

Lieber gylon,
ich bin mir sicher, die Jungs werden dich in ihrer Runde aufnehmen, wobei... ich bin mir gar nicht sooo sicher, dass es sich tatsächlich ausschließlich um Jungs handelt. Aber egal, ich danke dir herzlich!

Liebes Thing,
ja, der Widerhaken sitzt, ihn zu entfernen würde bedeuten, das Herz rauszureißen. Ich danke dir, drücke dir die Däumchen und hoffe, dass du bald wieder hier mitmischen kannst!

Herzlichen Dank, liebe Letreo...

...manchmal denk ich eine Pflicht
ist das Lesen hier noch nicht.


Danke dir, liebe shoshin,
es freut mich, dass ich dich mit diesen Versen berühren konnte!


Last but not least, auch dir einen lieben Dank, Zebastianz!


Euch allen ein schönes langes Wochenende
und liebe Grüße
scrabblix
scrabblix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.05.2015, 00:23   #15
FeelGoodInc
 
Dabei seit: 04/2015
Beiträge: 48

"und die gelbgereiften Felder"

Es scheint mir schwer möglich bei diesem Gedicht diese Sequenz nicht mit Weizenfeldern von Van Gogh zu untermalen

Expressionistisch in der Tragödie des Glückes
die fortgelassenen Worte niedergelegt



Lg FeelGood Inc
FeelGoodInc ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.05.2015, 06:56   #16
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Zitat:
Zitat von scrabblix Beitrag anzeigen
Letzte Zeile

Manchmal denk ich mir ich schreite
stillvergnügt an deiner Seite
durch die frischbelaubten Wälder
und die gelbgereiften Felder

Manchmal drückt mich diese Klarheit
die im Angesicht der Wahrheit
weiß um fortgelass'ne Worte
die ich in der Seele horte

Manchmal braucht es eine Weile
bis ich weiß die letzte Zeile
deines Stückes ist geschrieben –
Ewig werde ich dich lieben.
Nachtrag:

Hier mag ich, entgegen meiner Strenge, über die (fehlende) Interpunktion n i c h t den Stab brechen.

Erneut tief ergriffen:


Thing






Mich wundert es dennoch, daß all die großmundigen Kommentierer an diesem Gedicht vorbeigingen.
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2015, 00:26   #17
weiblich scrabblix
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Mitten im Revier
Beiträge: 364

Dass du nicht nur einen Kommentar, sondern auch die Weizenfelder meines Lieblingsmalers in diesem Thread verewigt hast, freut ungemein, FeelGoodInc!

Auch dir noch einmal danke, liebes Thing!

Liebe Grüße
scrabblix
scrabblix ist offline   Mit Zitat antworten
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