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Alt 15.02.2011, 20:42   #1
Kurt
 
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Standard Das Projekt.

(Eine Geschichte in 3 Teilen. Teil 2 und 3 folgen im Abstand von 1 Tag.)

Teil 1:

Ob es wohl möglich wäre, alle Variationen eines Fußballspieles zu berechnen?
Genau von dieser Idee war ein jahrzehntelanger Fußballfan, an seinem Stammtisch Kai genannt, schon seit langem besessen.
Er war seit zwei Jahren pensioniert, besaß einen Pc und hatte sich schon immer recht gerne mit Mathematik beschäftigt.
Seine Stammtischkumpels hatten Wind von seiner Idee bekommen und so kam eines Abends auch sein Vorhaben zur Sprache.
Erich, der mit Mathematik nicht viel am Hut hatte, frug ihn:
"Stimmt es, was ich gehört habe? Du willst alle Möglichkeiten eines Fußballspiels berechnen? Wie muß man das verstehen; die Ergebnisse oder was?"
"Nein, nicht die Ergebnisse, da gäbe es ja nicht allzu viele. Ich möchte alle möglichen Positionen und Abläufe, die bei dem Spiel passieren, berechnen.", war die Antwort Kais.
Erich daraufhin, ein wenig verwirrt: "Wie, du meinst also..."
Kai schien erfreut über Erichs Interesse und entgegnete: "Genau, wie ich´s gesagt habe. Also den gesamten Bewegungsablauf eines Spiels. Und wieviele Möglichkeiten es dafür gibt."
Erich schaute ihn erstaunt und ungläubig an:
"Aber das kann man doch gar nicht berechnen. Da gibt es doch unendlich viele Möglichkeiten."
Kai hob bedeutungsvoll die Hand:
"Ich denke nicht. Klar, es ist eine wahnsinnig hohe Anzahl, die möglicherweise an die Grenze des Unendlichen kommt. Diese Zahl möchte ich berechnen".
Der Gesichtsausdruck von Erich wechselte von Interesse ins Ungläubige: "Das geht doch gar nicht. Wie willst du das anstellen?"
Kai begann nun zu erklären, daß er ungefähr 190 Fußballspiele auf Video und Disc besäße, um sie zu analysieren. Daß er natürlich seinen Pc für die Berechnungen brauchen würde. Zu Anfang würde er das Fußbaldfeld gittern. Er sprach auch von einem teuren Programm, das er sich bei einer bekannten Software-Firma habe anfertigen lassen:
"Sagen wir mal ich gittere den Fußballplatz in 4-qm-Felder. Dann wird zunächst einmal ein typisches Feld herausgesucht. Was darin passiert wird beobachtet, gespeichert und so weiter und wird dann zum Schluß mit allen möglichen Kriterien und Parametern hochgerechnet."
Weitere einzelne Felder sollten dann in Folge dazukommen. Mehrere Stammtischler hörten nun seinen Ausführungen interessiert zu:
"Sollte es funktionieren, so wäre das erst der Anfang. Stellt euch die Grundlage für diese Anfangsberechnung sozusagen nur als Fläche vor, auf der sich Punkte bewegen. Ich fange also sozusagen rein zweidimensional an".
Ungläubiges Grinsen machte sich in der Runde breit. Kai fuhr fort:
"Später möchte ich dann Schritt für Schritt weitere Parameter hinzufügen. Arm- u. Beinbewegungen, Frisuren, Gesichtsausdrücke, Trikots, alles... Die Zahl wird dann dem Unendlichen immer näher kommen".
Einer in der Runde konnte sich das Lachen nicht mehr verkneifen und prustete los:
"Na dann viel Glück. Wir sind alle gespannt."
Kai verriet ihnen nicht, daß es ihm insgeheim in nicht geringem Maße auch darum ging, in´s Guinness-Buch der Rekorde zu kommen...
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Alt 15.02.2011, 22:15   #2
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Verstehe ich das richtig, daß mit der Veräppelungsmethode möglichst viele Menschen dazu gebracht werden sollen, sich mit diesen absurden Berechnungen zu beschäftigen und Ergebnisse zusammenzutragen für einen Guiness-Eintrag?

Dabei sind noch nicht einmal so einfache, alltägliche Verhältnisse wie Hartplatz, Kunstrasen und Naturrasen berücksichtigt worden.

Komische Geschichte.
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Alt 16.02.2011, 17:49   #3
Kurt
 
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So endete Teil 1:

"Na dann viel Glück. Wir sind alle gespannt."
Kai verriet ihnen nicht, daß es ihm insgeheim in nicht geringem Maße auch darum ging, in´s Guinness-Buch der Rekorde zu kommen...


Teil 2:

Kai wurde nun lange Zeit nicht mehr am Stammtisch gesehen. Erst nach über drei Jahren erschien er mal wieder. Er sah irgendwie übernächtigt aus. Deswegen fragten sich wohl die meisten, ob er wohl am Tag zuvor ordentlich gebechert hatte.
Er wurde mit großem Hallo begrüßt und einer sprudelte gleich mit der Frage heraus:
"Wie siehts aus? Schon alle Fußballspiele berechnet?"
Kai verzog ein bißchen das Gesicht:
"Ja, ziemlich weit bin ich schon. Aber es wird immer schwieriger! Eine Menge Zeugs habe ich mir schon gekauft, Festplatten, Speicher, alles. Interessant ist es schon, aber auch anstrengend."
Erich, der eigentlich nie einen Stammtisch versäumte, brachte es nun auf den Punkt:
"Wieviele Möglichkeiten gibts denn bisher?" Dabei machte sich eine Mischung aus Neugier und ein wenig hämischem Grinsen auf seinem Gesicht breit.
Kai zog einen Zettel aus der Tasche:
"Ich habe hier die Zahl. Es sind bis jetzt über hunderttausend Quadrillionen..."
Schlagartig herrschte Ruhe in der Runde.
Ein Neuer am Ende des Tisches meldete sich:
"Hab ich mir gedacht. Genau meine Schätzung". Ein paar lachten verhalten. Amüsierte Blicke warf man sich zu. Manche empfanden es als überflüssige Bemerkung.
Kai wußte, dass niemand eine Vorstellung von der eben genannten Zahl hatte. Er erklärte deshalb:
"Hunderttausend Quadrillionen, das ist eine Eins mit 29 Nullen. Die genaue Zahl geht natürlich darüber hinaus. Momentan habe ich als letzte Ziffer eine Eins. Da hat mal ein Torwart seine Mütze weggeworfen. Aber die Zahlen gehen immer weiter. Mir fehlt noch so viel: Trikotfarben, heruntergerutschte Kniestrümpfe, gelbe und sogar rote Karten..."
Nun machte sich immer mehr unterdrückte Heiterkeit und auch lautes Lachen am Tisch breit.
"Mach einfach weiter!" rief ihm einer zu. Kai steckte den Zettel wieder in die Tasche und begann mit seinem Nebensitzer ein Gespräch über Kartoffelsorten.
Auch bei den anderen versandete das Thema allmählich. Sie wollten Kai nicht provozieren.
Am Ende dieses Stammtischs verabschiedete man sich wie immer freundschaftlich und herzlich.
Horst, genannt Hotte, sah Kai beim Abschied mit Handschlag fest in die Augen und sagte:
"Gib nicht auf, Junge!"
Kai hielt es hernach für möglich, das Hotte dies ironisch gemeint haben könnte...

(Teil 3 folgt)
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Alt 17.02.2011, 20:12   #4
Kurt
 
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So endete Teil 2:

"Gib nicht auf, Junge!"
Kai hielt es hernach für möglich, das Hotte dies ironisch gemeint haben könnte...



Teil 3:

Mit großem Eifer betrieb er sein Projekt weiter. Er legte sich nach Bedarf weitere Hard- und auch Software zu und scheute keine Ausgabe.
An einem Stammtischabend, in dem Kai wie so oft durch Abwesenheit glänzte, war Hotte gerade dabei, die Anwesenden über ein persönliches Zusammentreffen mit Kai zu informieren. Nach längerer Vorrede war sein Bericht zu vernehmen:
"...daraufhin ist ihm scheints sein Rechner verreckt. Er hat sehr viel gesabbelt. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat das System festgestellt, dass innerhalb der analysierten Spiele zwei genau gleich waren."
"Wie gleich? Zweimal das gleiche Spiel berechnet?" Diese Frage kam von Erich, der nie einen Stammtisch versäumte.
Hotte beeilte sich, diesen Irrtum sofort auszuräumen:
"Nein, als Systemfehler kam das nicht vor. Im Zuge immer neuer Spiele-Analysen muss ein Fußballspiel gekommen sein, das haargenau einem anderen entsprach. Gegen alle Annahmen und mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Das hat der Rechner nicht vertragen. Danach: ZACK! Alles zappenduster. Danach hat er anscheinend ungefähr 60 Prozent aller Berechnungen gerettet oder wiederhergestellt."
Eine rege Diskussion entstand in der Runde. man hörte Wortfetzen wie: "der spinnt doch"...," ein Quatsch", "was soll der Scheiß"...
Einer stellte an Hotte eine konkrete Frage:
"Wieviele Spiele sinds denn jetzt?"
"Er hats mir gesagt. Die Zahl ist zu kompliziert. Es seien mehr als doppelt so viel, seit er das letzte Mal hier war. Na ja, dann ists eben passiert mit dem identischen Spiel. Leute, lasst ihn doch, der hört schon von selbst auf, wenn er keine Lust mehr dazu hat.", sagte Hotte, der mehr Verständnis für Kai zu haben schien, als jeder andere hier im Lokal.
Kai schien weiterhin in seinem Projekt ganz aufgegangen zu sein, denn auch die nächsten anderthalb Jahre erschien er nicht zum Stammtisch.
Eines Tages erhielt Hotte zu seinem größten Erstaunen einen Brief von Kai, in dem er ihn am Ende bat, den Inhalt den anderen Stammtischlern bei der nächsten Zusammenkunft mitzuteilen.
Der Brief hatte folgenden Wortlaut:
" Hallo Horst und alle andere!
Leider bin ich in letzter Zeit nicht dazugekommen, am Stammtisch teilzunehmen. Ihr wißt schon..:mein Projekt. Nach dem Rückschlag, von dem ich Dir erzählt habe, wollte ich schon aufgeben, aber ich dachte: jetzt erst recht. In der Folge riet mir die Anlage, die ich weiterhin um viele Hard- und Software erweitern musste (teuer,teuer), dass ich die einzelnen Gitter bei der Gitterung des Spielfeldes drastisch verkleinern sollte, um bessere und genauere Ergebnisse zu erhalten. Es war schwierig, aber es ist mir gelungen. Momentan stehe ich bei den fünffachen Möglichkeiten, die ich dir damals gesagt habe.
Grüße an alle.
Kai
P.S.: ich hoffe, in absehbarer Zeit mal wieder zu Euch kommen zu können".
Kai ließ sich nach wie vor nicht blicken, auch nach einem weiteren Jahr nicht.
Dann erfuhr Hotte von irgendwoher, dass Kai seine Wohnung gewechselt hatte.
Nach der langen Zeit war in ihm der Entschluß gereift, Kai einfach mal zu besuchen.
Dem Entschluß folgte die Tat. Er traf Kai natürlich am PC an. Wo auch sonst; es war nichts anderes zu erwarten. Ihm fiel auf, dass er etwas abgemagert war, aber sonst eigentlich recht guter Dinge schien.
Als Kai sagte:
" Manchmal kotzt es mich richtig an. Ich weiß nicht, ob ich den Gammel noch lange weiter mache.", dachte Hotte, dass sein Gegenüber dieses Projekt eigentlich schon recht realistisch einschätzen würde. Er antwortete darauf:
"Dann hör doch auf, wenn es Dir keinen Spaß mehr macht".
"Ja, mach ich..", war die kurze Antwort darauf.
Anschließend wurde noch über einige belanglose Dinge geredet.
Kurz vor Sieben verabschiedete man sich.
Der Pförtner lächelt freundlich und winkte, als Hotte an ihm vorbeiging.
Die allgemeine Besuchszeit war nur bis 18 Uhr, jedoch in der Geschlossenen bis 19.30 ...
Es mussten mit Kai gravierende Dinge passiert sein.
Kurt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.02.2011, 20:21   #5
Kurt
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Verstehe ich das richtig, daß mit der Veräppelungsmethode möglichst viele Menschen dazu gebracht werden sollen, sich mit diesen absurden Berechnungen zu beschäftigen und Ergebnisse zusammenzutragen für einen Guiness-Eintrag?

Dabei sind noch nicht einmal so einfache, alltägliche Verhältnisse wie Hartplatz, Kunstrasen und Naturrasen berücksichtigt worden.

Komische Geschichte.
Nabend Ilka-Maria!
Wenn ich Dich richtig verstehe: nein, hast Du es nicht richtig verstanden.
Die Platzbeschaffenheiten hat er bei den Berechnungen natürlich auch miteinbezogen.
Danke für die Rückmeldung.
Kurt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.02.2011, 16:18   #6
weiblich aelaen
 
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Eine interessante Geschichte, mal sehen, wie es weiter geht
aelaen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.02.2011, 20:08   #7
Kurt
 
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Zitat:
Zitat von aelaen Beitrag anzeigen
Eine interessante Geschichte, mal sehen, wie es weiter geht
Nabend aelaen!
Es hat mich gefreut, dass Du die Geschichte interessant fandest. Aber sie ist mit dem dritten Teil zu Ende.
Danke für Dein Interesse.
LG
K.
Kurt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2011, 08:28   #8
weiblich aelaen
 
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ICh fände es interessant, zu erfahren, wie es jetzt weiter geht. Dieser Teil der Geschichte war ja voraussehbar. Allerdings ist es sehr toll geschrieben.
aelaen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.03.2011, 23:21   #9
weiblich Destin
 
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Beiträge: 9


Ich finde die Geschichte klasse! Sie hat durchaus auch komische Momente und ist interessant zu lesen. Dass deine Gecshichte endet, wie sie eben endet, find eich ein bisschen schade, aber es ist wohl ein recht realistischer Abschluss, auch wenn er recht plötzlich kommt. Sicher, Überraschungsmoment usw Aber vor dem letzten Satz steht noch so viel Ungeschriebenes.
LG
Destin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.08.2019, 19:38   #10
Kurt
 
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Standard Epilog

Kai hatte alle Berechnungen aufgegeben und wurde nach einem Jahr entlassen.
Er besuchte kurz darauf ein Fußballspiel, wessen er sich sehr erfreute.
Kurt ist offline   Mit Zitat antworten
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