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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 07.11.2019, 17:49   #1
männlich Wortklauber
 
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Standard Mein altes Herz

Das Herz im alten Lindenbaum
Erinnert mich an unsern Traum
Unter Tränen wurde es geschnitzt
Für ewig in den Baum geritzt.

Die Rinde ist jetzt ganz vernarbt
Kein heißer Kuss der mich noch labt
Mein wundes Herz gleicht jenem dort
Alt von Enttäuschung und verdorrt.
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Alt 07.11.2019, 18:55   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
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Hallo Wortklauber,

das ist ja klasse gereimt!
Und inhaltlich gefällt es auch.

LG DieSilbermöwe
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Alt 07.11.2019, 19:35   #3
männlich Heinz
 
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Hi Wortklauber,
hübsch und romantisch - und das ist ein ziemliches Lob. Schaut man genauer hin, wird die Stirn kraus. "klasse gereimt", meint Silbermöwe. Na ja, wenn es Klasse ist, wenn Du "ganz vernarbt" auf "mich noch labt" und "dort" auf "verdorrt" zu dem Klasse-Reimen zählst.
Unter Tränen wurde es geschnitzt? Ganz davon abgesehen, dass man so etwas nicht tun sollte (aber ich bin nicht päpstlicher als der Papst und habe diesen Baumfrevel auch begangen), weshalb unter Tränen? Statt der Schnitzkünste hängt man heutzutage Schlösser an Brücken - werden da auch Tränen vergossen?
Das LI wurde also in seiner Jugend von heißen Küssen gelabt? Auf so was muss man auch erst einmal kommen. Ich möchte auch mal von heißen Küssen gelabt werden.
Du siehst: Meine Begeisterung hält sich in Grenzen.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 07.11.2019, 20:00   #4
weiblich Ilka-Maria
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Es liest sich aber gut, und das Bild kommt einwandfrei rüber. Warum das Herz unter Tränen geschnitzt wurde, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen - kein Problem damit.

Der Vergleich mit Schlössern an Brücken hinkt gewaltig. Für jede Geliebte mal schnell ein Schloss zuschnappen zu lassen dürfte keiner Erwähnung wert sein. Besser wäre, diese Dinger gleich in den Fluss zu werfen. Aber eigentlich gehören sie auch dort nicht hin, sondern auf den Schrottplatz.
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Alt 08.11.2019, 09:05   #5
männlich Wortklauber
 
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Hi ihr Lieben!

Hoppla, ich glaub ich hab den Baum vom HEINZ erwischt ... der mag vermutlich keine Baum-Herzerl. Wenn ich das nächste Mal in Nürnberg bin, kriegt er ein riesiges Lebkuchenherz von mir ...

Lg Wortklauber
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Alt 08.11.2019, 11:26   #6
männlich Cilonsar
 
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Hi Wortklauber,

gut Dein Gedicht. Die Freudentränen muss man nicht galuben können, aber ich nehme die Aussage so hin und freu mich für den Schnitzer.

Ignoriere Heinz komplett, zum Thema gut gereimt kannst Du seine andere Meinung was gute Reime sind bei meiner "Einladung" nachlesen. Soll heißen er wirkt auf mich grad sehr flexibel.
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Alt 08.11.2019, 13:41   #7
männlich Ralfchen
 
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für den wunderbaren wortklauber...dazu meine wahre geschichte. das foto hat meine damalige geliebte geknipst:

https://up.picr.de/37173731yz.jpg
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Alt 08.11.2019, 16:25   #8
männlich Eisenvorhang
 
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Mach Dir nicht so viel aus der Kritik, Wortklauber.
Heinz glaubt auch daran, dass man Küsse auf den Lippen nicht spüren kann!

Handwerklich und oberflächlich betrachtet, holpert nur eine Zeile im Rhythmus. (Unter Tränen wurde es geschnitzt / Trochäus)
Ginge man in die Tiefe, würde noch mehr holpern, aber das brauch hier gar keine Erwähnung. Weil dein Gedicht funktioniert, so wie es ist.

Sonst springt der Jambus melancholisch und fließend vor sich hin.
Die Eisenvorhang' Version würde wahrscheinlich beinhalten, dass das Herz aus Tränen geschnitzt wurde. Und der Lindenbaum, die Basis jener Bindung gewesen sein muss.

Die zweite Strophe finde ich wunderschön!

Sehr gut gedichtet! Gerne mehr davon.

vlg

EV
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Alt 08.11.2019, 17:29   #9
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Handwerklich und oberflächlich betrachtet, holpert nur eine Zeile im Rhythmus. (Unter Tränen wurde es geschnitzt / Trochäus)
Es sind zwei Trochäen.
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Alt 08.11.2019, 18:24   #10
männlich Ralfchen
 
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frage Ilka - da ich mich mit technik nicht auskenne:


Zitat:
Das Herz im alten Lindenbaum----troch
Erinnert mich an unsern Traum---------troch
Unter Tränen wurde es geschnitzt--------holpert ein wenig
Für ewig in den Baum geritzt.

Die Rinde ist jetzt ganz vernarbt---------troch
Kein heißer Kuss der mich noch labt-----troch
Mein wundes Herz gleicht jenem dort
Alt von Enttäuschung und verdorrt. -----troch
danke

anmerkung: entweder man schnitzt oder man ritzt das ist inkonsistent, denn in einen baum kann man eher nur was reinschneiden oder eben ritzen. und dass ein kuß labt, also füttert und nährt finde ich unpassend. den küsse befridigen anderes als nahrungs-hunger
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Alt 08.11.2019, 18:46   #11
weiblich Ilka-Maria
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Was heißt denn "troch", Ralfchen? Falls du Trochäus meinst, liegst du falsch. Das sind alles Jamben. Dort, wo du "holpert ein wenig" schreibst, ist es ein Trochäus.

Und dann ist noch der letzte Vers ein Trochäus.

Ansonsten: alles Jamben.
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Alt 08.11.2019, 18:48   #12
männlich Ralfchen
 
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aha danke
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Alt 08.11.2019, 19:01   #13
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
aha danke
Nix kapiert, oder?

Ich erkläre es dir mal mit einem Beispiel aus deiner sinnlichen Welt:

Jambus: Betonung auf der zweiten Silbe.
Trochäus: Betonung auf der ersten Silbe.

Wenn du also zu deinem Herzchen sagst: "Ich liebe dich?", ist das ein Jambus.
Wenn du das Herzchen fragst: "Liebst du mich?", ist das ein Trochäus.

Am besten kannst du dir das merken, indem du dir den Satz zurechtlegst: "Willst du mein Trochäus sein? Dann jambe ich dich."
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Alt 08.11.2019, 20:13   #14
männlich Ralfchen
 
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hhhhhhhhh....suuuupi danke das gebe ich mir sofort in meinen folder lyr-technik.
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Alt 08.11.2019, 20:23   #15
männlich Heinz
 
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Ein Versuch, es ganz genau zu machen (was das Versmaß angeht):

Das Herz im alten Lindenbaum
Erinnert mich an unsern Traum
Unter Tränen wurde es geschnitzt
Für ewig in den Baum geritzt.

xXxXxXxX (4 Jamben mit männlicher Kadenz)
xXxXxXxX (dto.)
XxXxXxXxX (4 vollständige Trochäen, 1 katalektischer Trochäus)
xXxXxXxX (4 Jamben, männliche Kadenz)

Die Rinde ist jetzt ganz vernarbt
Kein heißer Kuss der mich noch labt
Mein wundes Herz gleicht jenem dort
Alt von Enttäuschung und verdorrt.

xXxXxXxX (4 Jamben mit männl. Kadenz)
xXxXxXxX (dto.)
xXxXxXxX (dto.)
XxxXxXxX (1 Daktylus, 2 vollst. Trochäen, 1 katal. Trochäus)

Lieber Eisenvorhang,
ich genieße durch Dich einen Wissenszuwachs: "Sonst springt der Jambus melancholisch und fließend vor sich hin." Wer hat Dir denn diese Weisheit in die Feder diktiert?
Wenn alle Jamben (bis auf die angemerkten Verse) mit männlicher Kadenz abschließen, dann bekommt der sonst leicht hinkende Jambus einen stakkatohaften Charakter. Von "fließend" kann keine Rede sein und Du gibst mir ja eigentlich Recht, wenn Du bemerkst, dass er "melancholisch springt".
Bei meinen wenigen Anflügen von Melancholie war mir nie nach Springen zu Mute. Übrigens: Wie kommst Du zu der verwegenen Behauptung, ich könne keine Küsse auf den Lippen spüren?

Lieber Cilonsar,
ich streite mich so gern und Du forderst einen Newcomer dazu auf, mich am besten komplett zu ignorieren. Vor vielen Jahren wäre diese bubenhafte Frechheit Grund genug zu einer Duellaufforderung gewesen, Wegen Ungleichheit der Waffen verzichte ich darauf, wäre aber sehr erfreut, wenn Du in Deinem Kommentar weniger Blödsinn als ich erzählst.

Liebe Ilka-Maria,
Du weißt, dass ich Dich liebe! xXxXxXx - da würde es stimmen.
Aber der millionenfache Seufzer - ist der jambisch?

Ich liebe dich - ja, wenn Du es so betonst: Ich liebe dich, hast Du Recht. Und wenn ich es so betone: Ich liebe dich - zack, und schon ist der Jambus weg und es bleibt: XxxX. Es geht auch noch verwegener: Ich liebe dich = XXxX; ein Hebungsprall zu Beginn - wieso nicht?

Ich mag keine Herzen, keine Liebesbeteuerungen?
Nun denn:

Ich schnibbelt' es in Buchenrinden ein,
ich meißelt‘ es in manchen Marmelstein,
ich hab auf hektargroßem Feld den Namen
der Liebsten ausgesät und alle kamen
und staunten über das, was ich geschrieben:
Mein Herz ist dein! Ich werd‘ dich immer lieben.

xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx

Liebes Ralfchen,
Dein bebildeter Kommentar ließen mir die Tränen den Rücken herunter laufen.


Euch allen weiterhin frohes Schaffen,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.11.2019, 20:24   #16
weiblich DieSilbermöwe
 
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@Ralfchen
Das Herz im alten Lindenbaum
xXxXxXxXxX

Jetzt kannst du weitermachen

Ich sehe gerade, mein Beitrag hat sich mit dem Beitrag von Heinz überschnitten. Hm, ich dachte, beim Jambus betont man die erste Silbe grundsätzlich nicht, deswegen habe ich Lindenbaum auf der zweiten Silbe betont.
Und jetzt sehe ich gerade an meinen eigenen Xen, dass das falsch ist.
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Alt 08.11.2019, 20:47   #17
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Ein Versuch, es ganz genau zu machen (was das Versmaß angeht):

Das Herz im alten Lindenbaum
Erinnert mich an unsern Traum
Unter Tränen wurde es geschnitzt
Für ewig in den Baum geritzt.

xXxXxXxX (4 Jamben mit männlicher Kadenz)
xXxXxXxX (dto.)
XxXxXxXxX (4 vollständige Trochäen, 1 katalektischer Trochäus)
xXxXxXxX (4 Jamben, männliche Kadenz)

Die Rinde ist jetzt ganz vernarbt
Kein heißer Kuss der mich noch labt
Mein wundes Herz gleicht jenem dort
Alt von Enttäuschung und verdorrt.

xXxXxXxX (4 Jamben mit männl. Kadenz)
xXxXxXxX (dto.)
xXxXxXxX (dto.)
XxxXxXxX (1 Daktylus, 2 vollst. Trochäen, 1 katal. Trochäus)

Lieber Eisenvorhang,
ich genieße durch Dich einen Wissenszuwachs: "Sonst springt der Jambus melancholisch und fließend vor sich hin." Wer hat Dir denn diese Weisheit in die Feder diktiert?
Wenn alle Jamben (bis auf die angemerkten Verse) mit männlicher Kadenz abschließen, dann bekommt der sonst leicht hinkende Jambus einen stakkatohaften Charakter. Von "fließend" kann keine Rede sein und Du gibst mir ja eigentlich Recht, wenn Du bemerkst, dass er "melancholisch springt".
Bei meinen wenigen Anflügen von Melancholie war mir nie nach Springen zu Mute. Übrigens: Wie kommst Du zu der verwegenen Behauptung, ich könne keine Küsse auf den Lippen spüren?

Lieber Cilonsar,
ich streite mich so gern und Du forderst einen Newcomer dazu auf, mich am besten komplett zu ignorieren. Vor vielen Jahren wäre diese bubenhafte Frechheit Grund genug zu einer Duellaufforderung gewesen, Wegen Ungleichheit der Waffen verzichte ich darauf, wäre aber sehr erfreut, wenn Du in Deinem Kommentar weniger Blödsinn als ich erzählst.

Liebe Ilka-Maria,
Du weißt, dass ich Dich liebe! xXxXxXx - da würde es stimmen.
Aber der millionenfache Seufzer - ist der jambisch?

Ich liebe dich - ja, wenn Du es so betonst: Ich liebe dich, hast Du Recht. Und wenn ich es so betone: Ich liebe dich - zack, und schon ist der Jambus weg und es bleibt: XxxX. Es geht auch noch verwegener: Ich liebe dich = XXxX; ein Hebungsprall zu Beginn - wieso nicht?

Ich mag keine Herzen, keine Liebesbeteuerungen?
Nun denn:

Ich schnibbelt' es in Buchenrinden ein,
ich meißelt‘ es in manchen Marmelstein,
ich hab auf hektargroßem Feld den Namen
der Liebsten ausgesät und alle kamen
und staunten über das, was ich geschrieben:
Mein Herz ist dein! Ich werd‘ dich immer lieben.

xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXx

Liebes Ralfchen,
Dein bebildeter Kommentar ließen mir die Tränen den Rücken herunter laufen.


Euch allen weiterhin frohes Schaffen,
Heinz

Ich zitiere ungerne Bergpredigten, aber hier muss ich sagen: Heiliger Bimbam!

Möge die Heilslehre auf fruchtbaren Boden fallen.
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Alt 08.11.2019, 21:36   #18
männlich Wortklauber
 
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Ich kann nur staunen : ein kleines Gedicht und Kommentare/Exkurse ohne Ende...

Beim Schreiben kann man wohl auch a bissl Schreibkunst gelten lassen.

VON KUNST MUSS MAN NICHTS VERSTEHEN, SIE MUSS BERÜHREN!

In diesem Sinne
Lg Wortklauber
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Alt 08.11.2019, 22:02   #19
männlich Heinz
 
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Liebe Silbermöwe,
was hast Du denn da verbrochen? Du machst mir das Ralfchen ganz wuschig.
"Das Herz im alten Lindenbaum"
xXxXxXxXxX
Ich schreibe die betonten Silben mal fett:
Das Herz im alten Lindenbaum; sprich das mal so.
damTamm, damTamm, damTamm, damTamm.
Der Jambus wird ge-ixt, indem man der unbetonten Silbe ein kleines x, der betonten einen großes X gibt = xX xX xX xX. Also habe ich hier vier Jamben.
Oder noch anders ausgedrückt: Der Jambus ist ein Versfuß mit zwei Beinen, wenn Du so willst, mit einem kurzen und einem langen Bein (was dazu führt, dass man den Jambus "hinkend" nennt. Wie beim Marschieren, beginnt man mit dem kurzen Bein (der Senkung/der nicht betonten Silbe). Da wir beim Marschieren sind: Der singende Soldat betont die Silbe immer auf dem rechten Fuß. Das geht mit dem Trochäus besser (Der Trochäus beginnt mit der betonten Silbe, ihr folgt die unbetonte = Xx Xx Xx Xx.
Beispiel: Alte Kameraden auf dem Kriegespfad.
Nun warte ich auf einen Satz, der nur im Jambenmaß geschrieben ist - genau wie dieser.
Danach bekommst du eine Antwort.
Mit lieben Grüßen aus dem Rheinland!
Heinz
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Alt 08.11.2019, 22:15   #20
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Wortklauber Beitrag anzeigen
VON KUNST MUSS MAN NICHTS VERSTEHEN, SIE MUSS BERÜHREN!
Das ist ein kapitaler Irrtum. Der Kunst liegt nichts daran, Emotionen beim Betrachter zu wecken.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.11.2019, 23:37   #21
männlich Wortklauber
 
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Also da gehen wir nicht dakor : wenn Kunst nur für den Verstand ist, so ist das Hirn-Wichserei! Wenn sie nicht berührt, ist sie blutleer und spricht niemanden an.
Denk nur an die Schüttbilder mit Blut des Hermann Nitsch, an Joseph Beuys etc - da werden doch Emotionen angesprochen.
Und wenn du sagst, dass ein Gedicht dir gefallen hat, so bist du wieder beim Gefühl...

Lg Wortklauber
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Alt 09.11.2019, 00:07   #22
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Wortklauber Beitrag anzeigen
Also da gehen wir nicht dakor :
Also wenn schon, dann "d'accord", sonst bäumt sich mein Franzosenherz auf.

Auch ansonsten bin ich nicht d'accord, denn Beuys war mit Sicherheit nicht auf Emotionen aus. Er wollte der Kunst vielmehr eine breitere Plattform schaffen, indem er sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Die Ergebnisse dieser Kunst müssen weder Emotionen noch überhaupt Gefallen oder Anerkennung hervorrufen, sondern die Kunst steht für sich selbst. Völlig nackt und gefühllos. So wie "Blitzschlag mit Hirsch", was ich mir selbst auf der Dokumenta VIII in Kassel angesehen habe, ein typisch modernes Werk mit der Aufforderung an den Betrachter, das "Kunstwerk" in seiner eigenen Betrachtung weiterzuentwickeln. Inwieweit dem Künstler das gelungen ist, lässt sich schwer ermessen. Die meisten Betrachter konnten nach meiner Beobachtung nichts damit anfangen, und Emotionen hatte dieses Arrangement kaum ausgelöst.
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Alt 09.11.2019, 00:16   #23
männlich Ralfchen
 
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hm WK -

darüber läßt sich eher nur begrenzt diskutieren. Ilka hat das genau auf den punkt gebracht. du liegst da leider falsch. ich weiß noch nicht wie lange du schon auf diesem planeten bist - schätze du bist gegen 80 bis 85 jahre alt und hast deine liebe zur lyrik erst vor kurzer zeit entdeckt. und der BmH von Joseph passt sehr gut. Hatte das mal mit meinem freund Polke analysiert. Er war sehr eng mit Joseph aber manche apostrophatien des alten waren schon sehr schräg. ich frage mich nevertheless wie Joseph dorthin kam wo er zuletzt war. wirklich umgeworfen haben mich seine installationen nicht. aber es geht nicht um ihn sondern um deinen text. ich habe dazu aus meiner kleinen fotoreportage meinen beitrag dazu geleistet. mehr war nicht notwendig.

vlg
r
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Alt 09.11.2019, 00:40   #24
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Wortklauber Beitrag anzeigen
Und wenn du sagst, dass ein Gedicht dir gefallen hat, so bist du wieder beim Gefühl...
Woher nimmst du das? Mir kann ein Gedicht nur wegen seiner Wortkunst gefallen, obwohl es mich inhaltlich völlig kalt lässt. Ich kann mir ein perfektes Gemälde anschauen, das einfach nur schön ist, mich aber nicht berührt. Ich kann eine perfekte Skulptur anschauen und die Meisterschaft des Künstlers preisen, ohne mit dem Herzen beim Kunstwerk zu sein.

Weißt du, was mich wirklich berührt hat?

Das war in Paris im Musée d'Orsay, als ich den Knüppel sah, diesen Knüppel aus Mormor, der neben dem Knaben aus Marmor lag, der aussah, als schliefe er. Das Abbild eines Stück Astes, mit dem Kain diesen Knaben, der sein Bruder war, erschlagen hatte. Ein Sinnbild dafür, wie es auf der Welt zugeht.

Kein Gedicht kann so berühren wie ein Brudermord. Allenfalls hatte das Celan mit seiner "Todesfuge" geschafft.
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Alt 09.11.2019, 00:46   #25
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Also wenn schon, dann "d'accord", sonst bäumt sich mein Franzosenherz auf.

Auch ansonsten bin ich nicht d'accord, denn Beuys war mit Sicherheit nicht auf Emotionen aus. Er wollte der Kunst vielmehr eine breitere Plattform schaffen, indem er sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Die Ergebnisse dieser Kunst müssen weder Emotionen noch überhaupt Gefallen oder Anerkennung hervorrufen, sondern die Kunst steht für sich selbst. Völlig nackt und gefühllos. So wie "Blitzschlag mit Hirsch", was ich mir selbst auf der Dokumenta VIII in Kassel angesehen habe, ein typisch modernes Werk mit der Aufforderung an den Betrachter, das "Kunstwerk" in seiner eigenen Betrachtung weiterzuentwickeln. Inwieweit dem Künstler das gelungen ist, lässt sich schwer ermessen. Die meisten Betrachter konnten nach meiner Beobachtung nichts damit anfangen, und Emotionen hatte dieses Arrangement kaum ausgelöst.
Das ist eine sehr begrenzte und absolute Sicht auf ein Thema, worüber sich die Profis noch in tausend Jahren streiten werden.

Sehr interessant kann ich Folgendes empfehlen:

Wolfgang Ullrich: L’art pour l’art. Die Verführungskraft eines ästhetischen Rigorismus, in: Ders.: Was war Kunst? Biographien eines Begriffs. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16317-X, S. 124–143 (Fischer-Taschenbücher 16317).
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Alt 09.11.2019, 01:00   #26
weiblich Ilka-Maria
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Danke, Eisenvorhang, aber über "L'art pour l'art" bin ich durch meine Beschäftigung mit Filmtheorie seit fast vierzig Jahren im Bilde.
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Alt 09.11.2019, 01:11   #27
männlich Ralfchen
 
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ach wie schön hier über lamour und die feinen eindrücke der kunst geschrieben wird. was soll ich sagen? als ich meine wirklich erste freie liebe nach dem Sterben von Lucy nach 5 jahren verlassen hatte...weinte ich viele tränen wenn ich dieses wunderschöne love-artwork schmerzvoll und sehnsüchtig betrachtete und meine geliebte Nymphe immer wieder vor augen hatte:

https://www.youtube.com/watch?v=QVv1JPi7QtM

dazu sollte ich mal ein altes herzgedicht schreiben. leider bin ich kein poet und nur ein kleiner maler. aber ich denke nach.
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Alt 09.11.2019, 12:36   #28
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Liebe Silbermöwe,
was hast Du denn da verbrochen? Du machst mir das Ralfchen ganz wuschig.
"Das Herz im alten Lindenbaum"
xXxXxXxXxX
Ich schreibe die betonten Silben mal fett:
Das Herz im alten Lindenbaum; sprich das mal so.
damTamm, damTamm, damTamm, damTamm.
Der Jambus wird ge-ixt, indem man der unbetonten Silbe ein kleines x, der betonten einen großes X gibt = xX xX xX xX. Also habe ich hier vier Jamben.
Oder noch anders ausgedrückt: Der Jambus ist ein Versfuß mit zwei Beinen, wenn Du so willst, mit einem kurzen und einem langen Bein (was dazu führt, dass man den Jambus "hinkend" nennt. Wie beim Marschieren, beginnt man mit dem kurzen Bein (der Senkung/der nicht betonten Silbe). Da wir beim Marschieren sind: Der singende Soldat betont die Silbe immer auf dem rechten Fuß. Das geht mit dem Trochäus besser (Der Trochäus beginnt mit der betonten Silbe, ihr folgt die unbetonte = Xx Xx Xx Xx.
Beispiel: Alte Kameraden auf dem Kriegespfad.
Nun warte ich auf einen Satz, der nur im Jambenmaß geschrieben ist - genau wie dieser.
Danach bekommst du eine Antwort.
Mit lieben Grüßen aus dem Rheinland!
Heinz
.

Lieber Heinz,

das weiß ich doch alles schon.
(Jambus)

Habe mich aber gestern beim Lindenbaum geirrt. (Durcheinander)

LG DieSilbermöwe
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Alt 09.11.2019, 14:01   #29
männlich Heinz
 
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Liebe Silbermöwe,
"das weiß ich doch alles schon.
(Jambus)

Werd mir bloß nicht aufmüpfig! Dein oben zitiertes Beispiel zeigt, dass wir noch viel üben müssen.
"Das weiß ich doch alles schon" betone ich so:

das WEISS ich doch ALLes SCHON. = xXxxXxX (also - nix mit Jambus).

Dein Durcheinander: "Habe mich aber gestern beim Lindenbaum geirrt" zeigt auf, dass Du immer denselben Fehler wiederholst. Du beginnst mit einem Trochäus (HAbe = Xx), der Sinnzusammenhang ergibt sich aus dem Folgetext (Habe mich = HAbe mich = Xxx, also Daktylus).
Habe mich aber gestern = HAbe mich Aber GEStern = XxxXxXx
Habe mich aber gestern beim = XxxXxXxx
Habe mich aber gestern beim Lindenbaum geirrt = XxxXxXxxXxXxX

Gestern irrte ich beim Lindenbaum (XxXxXxXxX = Trochäen)

Ich irrte gestern, Schande über mich!, beim Lindenbaum (xXxXxXxXxXxXxX),
so hast Du Deine Jamben.

Ich sehe, Kindchen, üben müssen wir noch viel, den Jambus packen, ihn beherrschen, schreiben dann die schönsten Verse.

Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 10.11.2019, 14:35   #30
männlich Eisenvorhang
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Danke, Eisenvorhang, aber über "L'art pour l'art" bin ich durch meine Beschäftigung mit Filmtheorie seit fast vierzig Jahren im Bilde.
Naja - in dem von mir empfohlenen Buch geht es vor allem um die Vielschichtigkeit von Kunst.

Künstler sind oft unverstandene Wesen in unserer Welt. Dass die breite Masse nichts mit den Werken anzufangen weiß, zeugt nur davon, dass die Masse den kognitiven Zugang zu den Werken nicht besitzt.

Denn Kunst ist niemals ohne Emotion und wenn die Arbeiten so wirken, dann weil sie es so wollen. Das schürt allerdings auch Emotionen. Ratlosigkeit, Empörung, die Betrachter fühlen sich provoziert oder vielleicht soll die Arbeit sogar ein "Das soll Kunst sein?" provozieren. Oft ist es aber unglaublich komplex, weil hinter der Arbeit tausende Stunden Arbeit stecken.

Beuys Leben war bewegt, auch seine Tätigkeiten in der Institution waren nicht ohne. Und sein Bezug zum Krieg war hoch emotional. Wie seine Arbeit "Torso" beweist.

Dass ein Kunstwerk schon lang sich nicht mehr selbst genügt, ist doch mittlerweile Stoff der fünfziger. Heute ist man im Diskurs schon weiter und extrem medial. Kunst wird zunehmend öffentlichwirksam und weist zunehmenden performanten Charakter auf.

Du schreibst oft gute Beiträge, würde mir nur wünschen die Beiträge wären durchdachter und differenzierter, weil sie in ihrer Anmut äußerst absolut wirken. Das soll keine Provokation sein, aber nur ein liebgemeinter Hinweis, dass dich Leser vielleicht missverstehen könnten. (Weil die Dinge oft anders sind, wie du sie darstellst, jedenfalls in den Gebieten, in denen ich firm und fitt bin. Was anderes kann ich nicht beurteilen.)

Manchmal gehe ich mit und stimme zu und manchmal ist es Quark, weil Wissen und Erfahrung fehlt. Was natürlich kein Vorwurf ist, weil du es nicht wissen kannst, wenn du nie tiefer in dem "Etablissement" etabliert warst.

Der Kunstmarkt funktioniert sowieso komplett anders. Das einzelne Werk hat da nichts mehr zu melden, sondern nur der Typ, der dahinter steht und die Marktfäden zieht. Dann zählen Genderquoten, Aussehen und Künstlerduktus auch zum Werk. Dazu kommt noch die internationale Kunstmafia.

Und das hat mit deinem Argument gegenüber Beuys' Werken:

"Die Ergebnisse dieser Kunst müssen weder Emotionen noch überhaupt Gefallen oder Anerkennung hervorrufen, sondern die Kunst steht für sich selbst. Völlig nackt und gefühllos. So wie "Blitzschlag mit Hirsch", was ich mir selbst auf der Dokumenta VIII in Kassel angesehen habe, ein typisch modernes Werk mit der Aufforderung an den Betrachter, das "Kunstwerk" in seiner eigenen Betrachtung weiterzuentwickeln. Inwieweit dem Künstler das gelungen ist, lässt sich schwer ermessen."

Nichts zu tun! Um das beurteilen zu können, müsstest du in das Werk durch Literatur abtauchen und dafür ein Gefühl und einen Wissensfundus entwickeln, damit man es näher verstehen kann. Der Schlüssel aus der Kryptikheraus liegt in dem Aufbau des Werkes und dessen Symbolik und im Diskurs mit anderen Leuten mit ähnlichem Kunstverständnis.
Daraus entwickeln sich die Werke von Beuys.

Empfehlen kann ich dazu folgende Literatur, wenn du dazu dein Wissen vertiefen willst:

https://www.amazon.de/Joseph-Beuys-B.../dp/3882704527

Wenn du vierzig Jahre autodidaktische Erfahrung mit Film hast, dann kennst du sicherlich auch die Arbeiten Adornos im Detail über Kunst. Vor allem seine Dialektik. Und dort geht er scharf mit Kunst einher und am Ende bleibt von dem "Selbstgenügen" nicht viel mehr übrig.

Auch soll Nietzsche in seinem Gedicht "Vereinsamt" eine heimliche Kunstkritik untergebracht haben, was er wohl damit gemeint?:

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein, –
wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt – ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein, –
weh dem, der keine Heimat hat!
(gemeint soll der rezipient sein "wohl dem, der keinen sinn für kunst hat etc.)

vlg

EV
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