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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 09.11.2019, 12:56   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Beiträge: 4.266

Standard Künstler, sag mir, kannst du dichten

Künstler, sag mir, kannst du dichten,
dich nach Jamben und Trochäen richten?
Magst du Kunst erschaffen,
alles Wissen an dich raffen,
musst nach Tagen du perfekt sein,
nicht mehr hadern mit dem Reim,
hinter deiner Denkerstirn
beweisen dein Gehirn.

Hast du nur zum Spaß gedichtet,
sind die Kommentare meist vernichtend.
Dichte mit Gefühl und deines Herzens Blut,
dichte sauber, dichte gut.
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2019, 14:41   #2
männlich Heinz
 
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Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.308

Liebe Silbermöwe,
ich werde Dein Gedicht mal nach den Regeln der Verskunst "auseinander" nehmen:

Künstler, sag mir, kannst du dichten,
dich nach Jamben und Trochäen richten?
Magst du Kunst erschaffen,
alles Wissen an dich raffen,
musst nach Tagen du perfekt sein,
nicht mehr hadern mit dem Reim,
hinter deiner Denkerstirn
beweisen dein Gehirn.

Bis auf den letzten Vers (xXxXxX) hast Du in sauberen Trochäen geschrieben:
XxXxXxXx
XxXxXxXxXx
XxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxX
xXxXxX

Den unsauberen Reim (sein - Reim) vergessen wir, ebenso die Ungleichmäßigkeit der Verslängen

Hast du nur zum Spaß gedichtet,
sind die Kommentare meist vernichtend.
Dichte mit Gefühl und deines Herzens Blut,
dichte sauber, dichte gut.

XxXxXxXx
XxXxXxXxXx
XxXxXxXxXxX
XxXxXxX

In der zweiten Strophe - alles Trochäen - stört der unreine Reim. Wie kriegt man das hin?

Hast du nur zum Spaß gedichtet,
jeder Kommentar vernichtet
dein Gedicht; drum dichte gut,
mit Gefühl und Herzens Blut.

XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxX

Was den Inhalt angeht: Ich bin mir nicht sicher, dass Gefühl und Herzblut ausreichen, um ein Gedicht entstehen zu lassen. Was heißt "gut" dichten?
Was ich meine, ist, dass es aus guten Gründen bestimmte Regeln gibt (die bewusst angewendet werden oder mit der Muttermilch eingesaugt wurden), die der Sprache (wenn sie dann zu einem geschriebenen Gedicht wird) Glanz verleihen, sie verständlich machen.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2019, 14:49   #3
männlich Ralfchen
 
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Alter: 73
Beiträge: 11.733

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
oder mit der Muttermilch eingesaugt wurden), die der Sprache (wenn sie dann zu einem geschriebenen Gedicht wird) Glanz verleihen, sie verständlich machen.
ein interessanter hinweis auf das breast-feeding und seine wichtigkeit. Mammi hatte mich mit köstlicher muttermilch ernährt. denke, dSM wurde auch brustgefüttert, wie ich aus ihrem stil schliesse.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 12:26   #4
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
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Beiträge: 4.266

Vielen Dank für eure Kommentare euch beiden!

Lieber Heinz,

Zitat:
.Bis auf den letzten Vers (xXxXxX) hast Du in sauberen Trochäen geschrieben:
ich bin ziemlich platt, dass ich metrisch so wenige Fehler im Gedicht gemacht habe (jedenfalls für meine Verhältnisse), das freut mich!

Ich wusste, dass der Vers mit dem "sein - Reim" stolpert, habe ihn auch paarmal umgeschrieben, dachte aber immer, es läge am ersten Wort und nicht am letzten.
Zuerst hatte ich geschrieben:
"musst nach Tagen du perfekt sein,
alle deine Reime rein",
aber das fiel auch aus dem Rhythmus.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 13:18   #5
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.519

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
... ebenso die Ungleichmäßigkeit der Verslängen
Dieses Thema kommt immer wieder hoch, dabei ist es nicht ungewöhnlich, mit unterschiedlichen Verslängen zu arbeiten. Erich Kästner z.B. ist in vielen Gedichten so vorgegangen. Man nennt diese Form "freie Verse" (nicht zu verwechseln mit "freien Rhythmen"). Also was ist daran zu monieren?
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 13:36   #6
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.774

Gar nichts muss da moniert werden.

https://literaturkritik.de/id/16646
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 13:39   #7
weiblich Ilka-Maria
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Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.519

Was hat das mit Grass' Gedicht zu tun? Das sind keine freien Verse, sondern freie Rhythmen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 14:08   #8
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.774

Hast nicht gelesen, wa?

"Ob das Gedicht als ein Muster für ‚reimlose Lyrik mit unregelmäßigen Rhythmen‘ in der Art Brechts gelten kann, mag dahingestellt bleiben. Dass sich die Verse von Grass „in der Mehrzahl […] unschwer vierhebig, also mit vier betonten Silben lesen“ lassen, wie Heinrich Detering behauptet, leuchtet nicht von vornherein bei einem Gedicht ein, dessen Zeilen zwischen vier und vierzehn Silben lang sind. „Was gesagt werden muss“ ist wohl eher in freien Versen geschrieben. Sie sind frei, was die Silben- und die Verszahl angeht, und sie sind nicht in regelmäßig gebaute Strophen gegliedert."
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 14:31   #9
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.519

Ich halte mich an die "Verslehre" aus der Reihe UTB-Wissenschaften (Stefan Eilt, "Lyrik" und Christoph Hönig, "Neue Versschule". Darin steht, dass freie Verse unterschiedlich lange Zeilen haben, aber gereimt sind. Deshalb bezog ich mich auf Erich Kästner, der teilweise so gearbeitet hat.

Freie Rhythmen sind dagegen nicht gereimt. Insofern ist Grass' Gedicht in freien Rhythmen geschrieben.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 15:04   #10
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Beiträge: 120

Silbermöwe, lass dir sagen,
dass mich auch die Reime plagen!
Würde es sehr gerne können,
Maß und Metrik zu benennen!
Trotzdem lass ich es nicht bleiben,
Rhythmus in den Vers zu treiben;
deshalb, wenn mir nichts gelingt,
fühl ich, wie die Strophe klingt!
😉

Liebe Grüße
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 15:29   #11
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.308

Liebe Diskutanten und -innen,
wenn man allzuviel in einen Kommentar schreibt, überliest man geflissentlich vielleicht auch eine solche Bemerkung: "Den unsauberen Reim (sein - Reim) vergessen wir, ebenso die Ungleichmäßigkeit der Verslängen".
Mit anderen Worten: Ich habe nichts moniert.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.11.2019, 13:29   #12
männlich Walther
 
Benutzerbild von Walther
 
Dabei seit: 03/2013
Beiträge: 430

Hi EV,
der link ist wirklich nicht passend, nicht nur poetologisch, auch inhaltlich.
lg W.

Geändert von Walther (12.11.2019 um 19:05 Uhr)
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