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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 28.01.2018, 18:05   #1
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Standard Mit Dir!

Mit dir vergeht die Zeit so rasend schnell!
Unsre Gedanken lindern diese Stille.
Und unsre Augen leuchten furchtbar hell
und finden sich vereinigt in dem Wille,
der eine Heimat kennt, auch eine Zeit!
Und schüchtern greift aus meinem Herzen
die Hand nach Dir und sucht Beständigkeit.

Du bist die Frau! Erinnerungen sind
erkühlte Asche eines toten Seins,
aus der ein nacktes und naives Kind
geboren wird. Die Süße dieses Weins,
die aus der neuen Hoffnung achtsam steigt,
legt sich ganz zahm um unsre jungen Herzen
die pochen, bis der Tod entgegenschweigt.

Geändert von Eisenvorhang (28.01.2018 um 20:03 Uhr)
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 00:11   #2
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Standard Korrektur

Mit dir vergeht die Zeit so rasend schnell!
Unsre Gedanken lindern diese Stillen.
Nun leuchten unsre Augen furchtbar hell
und finden sich vereinigt in dem Willen,
der eine Heimat formt - auch eine Zeit!
Und schüchtern sehnt aus meinem Herzen
die Hand nach Dir, sie sucht Beständigkeit.

Du bist die Frau! Erinnerungen sind
erkühlte Asche eines alten Seins,
aus der ein nacktes und naives Kind
geboren wird und alles ward nun eins.
Wir sehen uns im frühen Klang des Märzen,
aus dem die neue Hoffnung achtsam steigt,
sie legt sich sanft um unsre jungen Herzen
bis uns der Tod ewig anschweigt.
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 13:18   #3
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.780

Hallo Eisenvorhang,

dieses Gedicht ist eine, wie ich finde, gelungene Reflexion über eine Beziehung und die Dankbarkeit dafür, dass eine gemeinsame Bedeutungswelt geformt wurde. So lese ich es jedenfalls. Passend dazu erscheint es größtenteils sehr kopflastig (aufgrund der Satzstruktur und der Wortwahl), aber eben ohne die innewohnende Zärtlichkeit vermissen zu lassen ("Und schüchtern sehnt die Hand [...]".

Man könnte vielleicht bemängeln (wenn man nicht, wie ich, selbst oft ähnlich schreibt), dass die Sätze zu lang und verschachtelt sind. Und in der Tat erschwert es hier das zusammenhängende Lesen (zumindest mir). Aber ich sehe es so: Das LI macht sich einer überwältigenden Reizflut seine Gedanken und der Leser ist hier gezwungen, es ihm gleich zu tun. Insofern finde ich das passend.

Im Übergang von der ersten zur zweiten Fassung hast du Einiges richtig gemacht, z.B. "Willen" statt "Wille" und konsequenterweise dann eben auch "Stillen" statt "Stille". Was mir nicht so ganz klar ist: Wieso die Änderung im letzten Vers? Ist hier der Bruch in der Metrik beabsichtigt? Denn vorher war es metrisch ausgezeichnet. Apropos Metrik: das Gedicht liest sich durch den geraden Takt sehr gleichförmig und ruhig - eben genau passend zur Aussage und das hast du hier über das gesamte Gedicht hinweg gekonnt umgesetzt. Bis eben auf den Bruch am Ende und auch der zweite Vers will sich mir nicht so ganz an meine Zunge anschmiegen. Ich kreuze dir mal, wie ich mich genötigt sehe, es zu lesen, damit du einen Eindruck bekommst, warum es bei mir holpert:

XxxXxXxXxXx

Das kann, als regelmäßiges Muster in einem Gedicht eingebaut, sehr reizvoll sein. Aber hier ist es ein Fremdkörper. Ich stolpere darüber. Ist jedoch eine Kleinigkeit, da ich da auch ganz gut darüber hinwegsehen kann.

Wie gesagt, unterm Strich ein sehr gelungenes Gedicht, das ich nicht so unkommentiert stehen lassen wollte.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 14:11   #4
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.927

Lieber Eisenvorhang,

ich verstehe das nicht. Die Adjektive sind seltsam. Meinst du:

Mit dir vergeht die Zeit so schnell.
Nur in Gedanken steht sie stille.
Auch leuchtet mir dein Aug so hell,
als eine uns ein großer Wille...

Alles Liebe
g
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 15:48   #5
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Hi Schmuddl,

die Änderung im letzten Vers aus folgenden Gründen:

Ich wusste nicht wie man "entgegen schweigt" schreibt. Getrennt oder zusammen. Ich benutzte google und fand nur ein Ergebnis: Rilke hat das bereits verwendet. Deswegen habe ich es geändert.

Die Metrik des letzten Verses lese ich wie folgt:

bis uns der Tod ewig anschweigt.
xXxXxXxX

Ich glaube mal gelesen zu haben, man könne einsilbige Wörter jambisch und trochäisch betonen. Dabei fällt mir aber gerade auf, dass "ewig" auf dem "e" betont wird. Meine Metrik ist also falsch.

Werde ich noch optimieren.

Hab Dank für Deinen Kommentar Schmuddl.


Hallo gummibaum!

Zu dieser Zeile:

Unsre Gedanken lindern diese Stillen.

Gedanklich beieinander zu sein (Trost), bis es zu einem erneuten Wiedersehen kommt, lindert jede Art von Stillstand, jede Art des Schweigens, jede Art einer Stille. Ein Raum, in dem sich nichts bewegen kann und nichts ist.

Lindert jede Zeit, in der persönliche und körperliche Nähe nicht ausgelebt werden kann.
Man kann es so verstehen: Unsere gemeinsamen Gedanken, die verbunden sind, überwinden jedes Defizit, jedes Fehlen von irgendwas.

Die Frau, die es gelesen hat, weiß was damit gemeint ist!

Danke für Deinen Kommentar!

vlg

EV
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.02.2018, 23:44   #6
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.780

Zitat:
Ich glaube mal gelesen zu haben, man könne einsilbige Wörter jambisch und trochäisch betonen.
Das ist auch im gewissen Sinne so, denn ganz genau betrachtet, gibt es nicht "betont" und "unbetont", wie "schwarz" und "weiß", sondern nur mehr oder weniger stark betonte Silben, wobei man die Stärke der Betonung ein wenig an den Gesamtrhythmus anpassen kann. Hier mal zum Beispiel einen ganz einfachen, kurzen Satz:

"Ich seh dich"

1) "Ich seh dich"

2) "Ich seh dich

Geht beides, irgendwie.

Aber es gibt zwei wichtige Aspekte zu beachten, die das Ganze komplizierter machen:

1. Wenn du mal beide Varianten des obigen Satzes liest, wirst du feststellen, dass die eine viel flüssiger und natürlicher erscheint, als die andere. Bei Variante 1) muss ich wesentlich mehr gegen mein intuitives Betonungsempfinden ankämpfen, aber zur Not kann man das so in einem Gedicht einbauen, weswegen sich einsilbige Wörter eben auch gut als Füllwörter eignen, was aber generell nicht die beste Lösung ist - wenn es allerdings gar nicht anders geht und man das Gedicht sonst in den Müll schmeißen würde, muss man wohl damit leben. Aber das ist nicht der Punkt, auf den ich hinaus will.

Das Problem ist, dass diese kontraintuitiven Betonungen in dem obigen kleinen Satz zwar noch nicht viel ausmachen, aber je nach Kontext (denn der Inhalt verleitet eben auch zu einer bestimmten Betonung), Endwort des Verses und Länge des Satzes kann sich das auch ganz schnell aufbauen, bis der Satz sich eben doch nur auf eine Weise und nicht anders lesen lässt:

"Ich seh dich in dem Haus."

Funktioniert nicht!

2. In der Regel hat man ja keinen kompletten Vers aus einsilbigen Wörtern. Irgendwann kommt mal ein mehrsilbiges Wort und zwingt die Wörter davor oder danach auch zu einer bestimmten Betonung.


Wenn das jetzt alles kompliziert klingt, dann deshalb, weil es das, nüchtern und sachlich betrachtet, auch ist. Man muss aber keine Wissenschaft daraus machen, denn wir haben ja ein intuitives Gespür für Betonungen. Etwas, was so natürlich in unserer Sprachverwendung veranlagt ist, muss man nicht analytisch betrachten. Einfach normal sprechen, wie man den Satz aussprechen würde, und dann merkt man ja schon, welche Betonung Sinn macht. Haste ja bei "ewig" auch selbst gemerkt.

Lass dich nicht von zu viel Lehrmaterial aus dem Konzept bringen! Du kannst die Metrik beherrschen - das hab ich schon gesehen.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2018, 10:38   #7
männlich Splitterface
 
Dabei seit: 03/2018
Alter: 22
Beiträge: 21

Standard -

falscher Beitrag, Verzeihung bitte!
Splitterface ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.11.2019, 17:39   #8
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Beiträge: 120

Hallo Eisenvorhang,

ich bin gerade über dieses Gedicht gestolpert und muss jetzt einfach was dazu schreiben!

Die zweite Version ist wunderschön, fließend und fühlt sich beim Lesen an, als ob man über Seide streichelt. (Hört sich jetzt irgendwie seltsam an, ach egal.. )

Hast du mittlerweile eine Änderung für die letzte Verszeile gefunden?

Mir fiel nämlich sofort das hier ein:

Zitat:
Wir sehen uns im frühen Klang des Märzen,
aus dem die neue Hoffnung achtsam steigt,
sie legt sich sanft um unsre jungen Herzen
bis uns der Tod ewig anschweigt.

..
bis schweigend sich vor uns der Tod verneigt.

Liebe Grüße
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2019, 02:08   #9
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Hallo Mohrel,

fast hätte ich deinen seidigen Kommentar nicht gesehen.
Im Moment herrscht bei mir Lyrikstille.
Deinen Vorschlag finde ich sehr schön und er verbessert das Gedicht immens.

Ich danke Dir dafür.

Vlg

EV
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2019, 03:01   #10
weiblich momoxp
 
Dabei seit: 10/2019
Beiträge: 30

Das Entgegenschweigen finde ich überhaupt nicht schlecht.
Die Version von Mohrel besitzt allerdings den geschwungenen Partizipial-Klang, weswegen ich diese Version von Mohrel präferiere.

Auch gefällt mir die Freiheit der Dichtung. Eine in Form gegossene Prosa.
Das sollte ich auch mal versuchen.

Aber eins nach dem anderen.

Gern gelesen

xo
momoxp ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2019, 05:01   #11
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von momoxp Beitrag anzeigen
Das Entgegenschweigen finde ich überhaupt nicht schlecht.
Finde ich sogar höchst melodisch und kreativ. Ist auch von der Aussage her passend. Und das Metrum dieser Zeile war ebenfalls stimmig, in der überarbeiteten Fassung jedoch nicht mehr, da wird der Jambus durch zwei aufeinanderfolgende betonte Silben zerschossen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2019, 23:09   #12
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Als Dichter finde ich es immer schwierig in die richtige Beziehung zu den eigenen Werken zu treten.
Das ist oft wie der Gang der See: Mal euphorisch und wertschätzend, ein Auf, wissend um die feinen Dinge, die Innerlichkeiten, dass ich diverse Ziele erreichen konnte und andererseits aber die Unzufriedenheit, das Ab, die einfach nie verschwindet.

Wenn ich das Gedicht jetzt durchlese, denke ich mir...
Was habe ich da eigentlich für einen Quatsch geschrieben.
Zurück zur Objektivität (inwieweit das überhaupt möglich ist).

Ich mag alle Wörter mit "entgegen-"
Weiß auch nicht wieso.
Die Version von Mohrel klingt aber wirklich schön.
Und meine irgendwie bürokratisch.

Ich danke Dir momoxp und dir auch Ilka-Maria für euer Gedankengut!

vlg

EV
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.11.2019, 08:56   #13
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.516

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Als Dichter finde ich es immer schwierig in die richtige Beziehung zu den eigenen Werken zu treten.
Das ist oft wie der Gang der See: Mal euphorisch und wertschätzend, ein Auf, wissend um die feinen Dinge, die Innerlichkeiten, dass ich diverse Ziele erreichen konnte und andererseits aber die Unzufriedenheit, das Ab, die einfach nie verschwindet.
Damit stehst du nicht allein. Das ist völlig normal.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.11.2019, 22:15   #14
männlich milchmirzucker
 
Benutzerbild von milchmirzucker
 
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Alter: 24
Beiträge: 136

Ich würde auf jeden Fall auf das entgegenschweigen verzichten, liest sich das Gedicht doch so schon sehr Rilke nah (keine Sorge, nicht epigonal). Der Verzicht, auf dieses eine Wort gibt dem Text eine größere Unabhängigkeit, wie ich finde.

L.G
Patrick
milchmirzucker ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.11.2019, 00:54   #15
männlich Ralfchen
 
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Alter: 73
Beiträge: 11.729

servus EV -

es würde mich freuen neue schöne texte von dir zu lesen anstatt das alte hervorzuholen und darüber zu sentimentalisieren. schade dass dein talent schweigt.

vlg
r
Ralfchen ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.11.2019, 01:24   #16
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.773

Da hast du völlig recht Patrick.

Hallo Ralfilein,

bei mir ist momentan Flasche leer. Versuch ich diese zu füllen, kippt die nur um.
Ich danke Dir für Deine Anerkennung!
Gebe mir Mühe bald wieder etwas zu schreiben.

vlg

EV

PS: Habs ja nicht hochgeholt, das Gedicht... Hab nur nett reagiert. Von mir aus kanns versinken. Husch husch! Weg! Ralf, es geht nicht!!!!

Einen schönen Abend Dir!
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
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