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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 30.08.2021, 22:12   #1
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Ort: Bei Rostock
Beiträge: 2.142

Standard Deine Gräben

Gleich einem Ozean ist deine Seele,
erst flach, dann tief, dann unergründbar
und trotzdem lockt dein Dunkel mich,
legt Fesseln mir an meine Hände,
die deine Gräben nicht berühren dürfen –
Vernarbungen sind dir privat.
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2022, 20:24   #2
weiblich Noroelle
 
Benutzerbild von Noroelle
 
Dabei seit: 01/2020
Ort: Zwischen Welten
Beiträge: 265

Standard Kein Kommentar? Erste!

Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Gleich einem Ozean ist deine Seele,
erst flach, dann tief, dann unergründbar
und trotzdem lockt dein Dunkel mich,
legt Fesseln mir an meine Hände,
die deine Gräben nicht berühren dürfen –
Vernarbungen sind dir privat.
Es gefällt mir sehr! Meine Lieblingstelle:
"und trotzdem lockt dein Dunkel mich" .

Warum nicht
"legt Fesseln an meine Hände"? Ohne "mir".Silbenzahl?

Hoffentlich antwortest du!

Liebe Grüße
Noro
Noroelle ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2022, 21:15   #3
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Ort: Bei Rostock
Beiträge: 2.142

Hey Norelle,

deine Anmerkung wegen "mir" ist treffend.
Es ist eine unnötige Doppelung im Vers.

Mir fällt leider grade keine Lösung ein,
die mir persönlich das Feeling des Gedichtes erhält.
Aber ebenso fällt mir auch kein wesentlicher Grund ein,
das Gedicht zwingend ändern zu müssen.

Wir doppeln so viel und so falsch ...

Es ist und bleibt doch eine Frage an mich selber,
ob ich es zur Behebung dieser Unnötigkeit ändere,
oder ob es gleich bleibt.

Sinn entstellend ist die Formulierung ja nicht,
nur unnötig doppelmoppelig.

Dichtung ist nicht Mathematik.
Die Menschlichkeit macht den Unterschied.

Für Änderfüchse, die dennoch in Versuchung geraten:

Mir ist wichtig, dass es beim "legt" zu Beginn bleibt und dass die Hände im Vers bleiben und es die meinen sind, denn eben diese dürfen die Narben nicht berühren.

Liebe Grüße
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2022, 22:19   #4
männlich petrucci
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 159

Legt Fesseln eng um meine Hände

petrucci ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.01.2022, 19:38   #5
männlich MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Ort: Bei Rostock
Beiträge: 2.142

Hey petrucci,

an und für sich ginge das, aber eng und Fessel gehört für mich eng zusammen
MiauKuh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2022, 08:17   #6
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 26.633

Meinem Sprachempfinden nach ist der Vers verunglückt. Das Wort heißt nämlich "anlegen" im Sinn von "anbringen" oder "(mit etwas) versehen". Es geht also nicht um eine Präposition, sondern um ein für die deutsche Sprache typisches, auseinandergerissenes Verb, und folglich müsste es heißen: "... legst meinen Händen Fesseln an ...". Aus dem "an" eine Präposition zu machen, klingt unnötig gedrechselt und lässt obendrein das Verb "legen" im Regen stehen. Denn wie soll man sich das vorstellen, eine Fessel an zwei Hände zu legen? Sollen die Hände auf sie aufpassen, etwa so, wie man jemandem etwas ans (Präp.!) Herz legt?
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Workshop "Kreatives Schreiben":
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Alt 16.01.2022, 16:36   #7
männlich petrucci
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 159

Das schwache Verb ist doch nicht falsch Ilka. Man kann eine Fessel genauso wie einen Verband umlegen. "Umlegen" beschreibt auch, dass sich etwas um etwas windet. Genauso kann ich meine Arme um jemanden legen. Die Steigerung wäre umschlingen. Hingegen empfände ich "anlegen" wesentlich problematischer. Das Verb "Fesseln" (hier Substantiviert) oder "fesseln" benötigt kein weiteres Verb, in meinen Augen. Weswegen es eigentlich allein stehen sollte, der Silben bzw. der Form wegen aber Verstärkung braucht.

"Anlegen" verbinde ich persönlich immer mit Kapital oder Schiffen. Vielleicht ist es eine regionale Sache. Hm! Interessantes Thema.
petrucci ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2022, 17:44   #8
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 26.633

Zitat:
Zitat von petrucci Beitrag anzeigen
Das schwache Verb ist doch nicht falsch Ilka. Man kann eine Fessel genauso wie einen Verband umlegen. "Umlegen" beschreibt auch, dass sich etwas um etwas windet. Genauso kann ich meine Arme um jemanden legen. Die Steigerung wäre umschlingen.
Lies dir meine Argumentation nochmal genau durch, petrucci. Natürlich ist das Verb"umlegen" bzw. "anlegen" nicht falsch. Ein Satz wie "ich lege deinem Knie einen Verband an" wäre ja auch völlig in Ordnung, denn dann wäre es, obwohl auseinandergerissen, immer noch das Verb "anlegen". Wenn man aber schreibt: "ich lege einen Verband an dein Knie", haben wir kein (auseinandergerissenes) Verb "anlegen" mehr, sondern das Verb "legen" und die Präposition "an", was etwas völlig anderes aussagt; dann läge nämlich das Verbandsmaterial an dem Knie, also daneben.

Nein, "umschlingen" ist nicht die Steigerung von "umlegen", sondern ein eigenständiges Verb (Steigerungen gibt es bei Adjektiven). Wenn ich schreibe, dass ich die Arme um jemanden lege, habe ich ebenfalls das Verb "legen" und eine Präposition, nämlich "um". Als vollständiges Verb kannst du beispielsweise von "umlegen" reden, wenn du jemandem drohst: "Ich lege dich um!" Dann ist "um" keine Präposition, sondern gehört nach wie vor zum Verb.

Mir ist völlig unklar, warum diese einfache grammatikalische Sache nicht verständlich ist.
__________________

Workshop "Kreatives Schreiben":
http://www.poetry.de/group.php?groupid=24
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2022, 18:04   #9
männlich petrucci
 
Dabei seit: 05/2021
Beiträge: 159

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Lies dir meine Argumentation nochmal genau durch, petrucci.
In der Tat! Ich habe Dich gänzlich missverstanden.
Es gibt keinen weiteren Diskussionsbedarf.
petrucci ist offline   Mit Zitat antworten
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