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Sonstiges Gedichte und Experimentelles Diverse Gedichte mit unklarem Thema sowie Experimentelles.

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Alt 12.08.2014, 13:18   #1
Studentin
 
Dabei seit: 08/2014
Beiträge: 3

Standard Brauche eure Hilfe!

Hallo ihr Lieben! Ich weiß, dass ihr mir in diesem Forum als Lyrikbegeisterte weiterhelfen könnt.
Ich sitze gerade an einer Hausarbeit und hab leider Probleme mit der Bestimmung des Metrums ... Hab es die ganze Zeit versucht, bin mir aber total unsicher ob ich mit meinen Versuchen richtig liege.
Wäre nett, wenn sich das mal einer von euch angucken könnte..
Es handelt sich um folgendes Kindergedicht:

Opas Muschel

Opa hat sich vom Nordseestrande
Eine Riesenmuschel mitgebracht.
Mattsilber, mit Himbeerrosa gemischt.
Die hat er in Kampen sich aus dem Sande gefischt.

Von außen besehn,
Scheint das Gehäuse ganz leer
Innen.
Aber das Meer
Ist heimlich da drinnen.
Horch, wie es rauscht,
Wenn man dran lauscht!

Sogar die schnellen,
Schäumenden Wellen,
Wie sie flüstern und tuscheln,
Und auch den Wind
In den Disteln und Föhren ...
Das alles kannst du darinnen hören!
Weil nämlich die Muscheln
So stille sind.

Mascha Kaléko
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Alt 12.08.2014, 14:22   #2
männlich urluberlu
 
Benutzerbild von urluberlu
 
Dabei seit: 07/2014
Alter: 69
Beiträge: 2.268

Hallo Studentin

Mascha Kaleko
hatte die Gabe, die Musik der Sprache selbst die Form bestimmen zu lassen.
Weil sie das so gut konnte, meint man hier als Leser, eine Metrik zu erkennen.
Dieses Gedicht hat aber höchstens einen Takt. Darein sind verschiedene Metren gewoben, ich vermute, weniger nach Plan als nach innerem Ohr. Kurz und (hoffentlich) gut: ich sehe hier freie Verse (vers libre). Die Kaleko hat aber auch jede Menge Gedichte geschrieben, wo sie sich an ein festes Metrum hält (und dabei auch ab und zu formal Scheussliches produziert, Wegwerfgedichte, die man aus ihren Schubladen gezogen hat und allesamt in Bücher gedruckt. Kaleko verkauft sich gut.)

Bin gespannt, ob ich korrigiert werde.
Viel Spass mti deiner Arbeit
Url
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Alt 12.08.2014, 14:28   #3
Studentin
 
Dabei seit: 08/2014
Beiträge: 3

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Das würde natürlich erklären, wieso meine krampfhaften Versuche auf der Suche nach einem regelmäßigen Versmaß gescheitert sind ..
Dieser Unregelmäßigkeit schließt sich ja auch das Reimschema an.

Würde gern noch andere Meinungen dazu hören. Gerne auch zum Gedicht an sich, wie es auf euch wirkt (Thematik, Form, Sprache, etc.) !
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Alt 12.08.2014, 14:48   #4
männlich urluberlu
 
Benutzerbild von urluberlu
 
Dabei seit: 07/2014
Alter: 69
Beiträge: 2.268

Auf mich wirkt's gut.
Viel Spass
;-)
urluberlu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2014, 14:59   #5
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
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Beiträge: 22.485

Zitat:
Zitat von Studentin Beitrag anzeigen
Würde gern noch andere Meinungen dazu hören. Gerne auch zum Gedicht an sich, wie es auf euch wirkt (Thematik, Form, Sprache, etc.) !
Liebe Studentin,

ich schätze Mascha Kaléko und ihre Gedichte sehr, habe sogar ihre Gesamtausgabe und ihre Biografie (Jutta Rosenkranz) in meiner Bibliothek. Das Gedicht "Opas Muschel" klingt für mich wie aus der Sicht eines Kindes geschrieben, also mit einem naiven Unterton. Auch ist das Schreiben in freien Rhythmen (freie Verse sind etwas anderes, die sind nämlich gereimt, dürfen aber unterschiedlich lang sein) bei Mascha Kaléko häufig zu finden. Es gibt aber viele Gedichte von ihr, die trotz der Beibehaltung einer gewissen Schlichtheit sehr viel Tiefgang und Nachdenklichkeit aufweisen und von Reich-Ranicki sogar als klug bezeichnet wurden.

Eines meiner Favoriten ist "Die Leistung der Frau in der Kultur":
http://www.kaleko.ch/index.php?optio...ask=view&id=26

Vielleicht kannst Du mit dem Gedicht "Opas Muschel" mehr anfangen, wenn Du den Artikel von Reich-Ranicki aus dem Jahr 2007 über Mascha Kaléko gelesen hast, denn der Schlüssel dazu scheint mir die darin beschriebene lebenslange Heimatlosigkeit der Dichterin zu sein.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...e-1436028.html

Viel Erfolg beim Studium!

Beste Grüße
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2014, 16:14   #6
männlich urluberlu
 
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Dabei seit: 07/2014
Alter: 69
Beiträge: 2.268

Standard vers libre (Freier Vers)

französische Bezeichnung für: [reimloser] taktfreier Vers

freie Rhythmen (frei gestaltete, rhythmisch bewegte Sprache, aber ohne Versschema, Strophen und Reime)

(Quelle: Duden)

Freie Verse sind Verse ohne Versmaß, jedoch mit rhythmischer? Struktur. Seit sie im 19. Jahrhundert in Frankreich als „vers libres“ entwickelt wurden, sind sie zu einem wichtigen formalen Mittel der moderner? Lyrik geworden. Freie Verse sind teils gereimt? oder mit Assonanz? gestaltet - das unterscheidet sie von freien Rhythmen. Dennoch hat der Verzicht auf die Regeln der Metrik eine Annäherung an die Prosa zur Folge. Vom Prosagedicht? sind freie Verse durch ihre Versform unterschieden.
Dabei darf der Verzicht auf metrische Regeln nicht als Selbstzweck verstanden werden. Arno Holz? stellte fest: „Der Rhythmus, den ich will, ist nicht der freie, sondern ich will den notwendigen.“ Den Verfechtern der freien Verse ging es darum, das Gedicht stärker dem wirklichen Empfinden und auch dem natürlichen Sprechen anzunähern. Ganz im Sinne von Ezra Pound?: "Der Rhythmus eines Menschen muss wesentlich sein; er wird daher letztlich ein Eigenrhythmus sein, nicht nachgeahmt, nicht nachzuahmen."

(Quelle: Bücher-Wiki)
urluberlu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2014, 16:18   #7
männlich Phönix-GEZ-frei
 
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Alter: 58
Beiträge: 1.726

Studentin, mein gutes, großes

das hilft durch Schilf

Viel Erfolg!
Wünscht Dir von ganzem
ein Phönix
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Alt 12.08.2014, 16:27   #8
Studentin
 
Dabei seit: 08/2014
Beiträge: 3

Besten Dank für Ihre Antwort!

Habe mir den Artikel von Reich-Ranicki mit Interesse durchgelesen, aber eine Verbindung dieses Gedicht mit Kalékos "Heimatlosigkeit" finde ich recht schwer herzustellen.
Mir scheint es ein Gedicht zu sein, was offensichtlich Kinder als Adressaten vorsieht und sich somit auf die kindliche Erfahrungswelt bezieht. Der kindliche Leser sieht sich in eine Strandszene versetzt, fühlt das beschriebene "Rauschen" mit dem visuellen und auditiven Sinn (durch bildliche Sprache verstärkt) und regt, vor allem durch die letzten beiden Verse, zum Nachdenken und zum Revidieren vorhandener Vorstellungen an.
Deswegen scheint mir das Gedicht sich ganz nah an der Grenze zwischen Fantasie und Realität zu bewegen. Einerseits entführt es zum Fantasieren, andererseits greift es auf die unmittelbare Realität zu: die Muscheln sind still. Sie selbst verursachen kein Rauschen. Folglich fragt sich der junge Leser: Wie kann die Muschel still sein, aber wir hören trotzdem etwas?

Neue Sichten auf das Gedicht, nach dem Artikel Reich-Ranickis, kommen mir nicht in den Sinn. Falls Sie das anders sehen, teilen sie mir Ihre Gedanken gerne mit!!

Soweit meine Gedanken dazu. Übrigens bearbeite ich das Gedicht vor einem didaktischen Hintergrund.


Beste Grüße
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Alt 12.08.2014, 16:38   #9
männlich urluberlu
 
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ich halte es für sehr real-bezogen. die kaleko darf man wohl als ganzes zu den "realisten" zählen, oder? in diesem muschelgedicht legt sie nun (mit absicht?) am schluss eine spur zu "muscheln", welche alle stumm sind (und doch "erzählen"). da ist der intepretatorisch schwierige teil. wobei man auch hier nicht unbedingt davon ausgehen muss, dass der schreibende beim schreiben so klug war wie der besprechende beim besprechen.

bemerkenswert und auch für grundschüler erkennbar finde ich die gestalterische aufnahme des "flüsterns, tuschelns" und der sille am ende.

und für schüler ein genuss sind rhythmus und klang sowie die "leseportionierung". und natürlich die reime, welche sie sehr wohl finden werden hier...
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Alt 12.08.2014, 16:48   #10
weiblich Ilka-Maria
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Ich habe meine Kenntnisse über den Unterschied "freie Rhythmen" und "freie Verse" aus einem Lehrbuch für Lyrik, nicht aus Wiki oder dem Duden. Vorher dachte ich darüber auch anders, aber ich musste mich da anders belehren lassen. Danach sind freie Verse immer gereimt, aber nicht an eine feste Metrik gebunden.

Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Verslehre, UTB.


Zitat:
Zitat von urluberlu Beitrag anzeigen
französische Bezeichnung für: [reimloser] taktfreier Vers

freie Rhythmen (frei gestaltete, rhythmisch bewegte Sprache, aber ohne Versschema, Strophen und Reime)

(Quelle: Duden)

Freie Verse sind Verse ohne Versmaß, jedoch mit rhythmischer? Struktur. Seit sie im 19. Jahrhundert in Frankreich als „vers libres“ entwickelt wurden, sind sie zu einem wichtigen formalen Mittel der moderner? Lyrik geworden. Freie Verse sind teils gereimt? oder mit Assonanz? gestaltet - das unterscheidet sie von freien Rhythmen. Dennoch hat der Verzicht auf die Regeln der Metrik eine Annäherung an die Prosa zur Folge. Vom Prosagedicht? sind freie Verse durch ihre Versform unterschieden.
Dabei darf der Verzicht auf metrische Regeln nicht als Selbstzweck verstanden werden. Arno Holz? stellte fest: „Der Rhythmus, den ich will, ist nicht der freie, sondern ich will den notwendigen.“ Den Verfechtern der freien Verse ging es darum, das Gedicht stärker dem wirklichen Empfinden und auch dem natürlichen Sprechen anzunähern. Ganz im Sinne von Ezra Pound?: "Der Rhythmus eines Menschen muss wesentlich sein; er wird daher letztlich ein Eigenrhythmus sein, nicht nachgeahmt, nicht nachzuahmen."

(Quelle: Bücher-Wiki)
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2014, 16:52   #11
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
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(gelöscht, da erster text erst nicht erschien, dann nachträglich doch)

Aber hier ist noch ein interessanter Link zum Thema "freie Verse":

http://komparatistik-donat.userweb.m...reieverse.html
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.08.2014, 12:20   #12
männlich Ex Pedroburla
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Beiträge: 1.375

Hallo "Studentin" - wie es hier sinngem. auch andere schrieben: Poesie/Lyrik MUSS sich nicht unbedingt einem sich wiederholenden, also "durchgängigen" Rhythmus "unterwerfen"! Warum? Wichtiger ist das, was die mit Worten gemalten Bilder im Leser/der Leserin mitschwingen lassen, deren "assoziative" Melodie, die "Freiräume" für die eigene Fantasie lassen sollte. Und vor allem auch die Beschränkung auf das Wesentliche, ohne "Placebo", diesbez. also "leere Worte" > l'art de la réduction à l'essentiel! Und das konnte z.B. Lorca sehr gut:


Schnecke

Eine Schnecke haben sie mir gebracht.

In ihrem Inneren singt
ein vermessenes Meer.
Mein Herz füllt sich mit Wasser,
mit Fischchen
aus Schatten und Silber.

Eine Schnecke haben sie mir gebracht.

von Federico García Lorca

(Deutsch von Johannes Beilharz)


Video Diego el Cigala "Flamenco por Lorca" > https://www.youtube.com/watch?v=9s6BhwWQFb0 <


Saludos! Pedro
Ex Pedroburla ist offline   Mit Zitat antworten
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germanistik, metrum

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