Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Humorvolles und Verborgenes

Humorvolles und Verborgenes Humorvolle oder rätselhafte Gedichte zum Schmunzeln oder Grübeln.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 11.12.2019, 23:12   #1
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Standard EHE (Errare humanum est)

Kaum dass ich Getraute war,
sprach mein Gatte lapidar:
„Jetzt dienst du zu meinem Nutzen
und wirst mir die Schuhe putzen.“

Erst war ich etwas verstört,
dacht‘, ich hätte falsch gehört,
doch dann platzte ich vor Lachen:
„Das kannst du leicht selber machen,
dazu muss man nicht begabt sein,
selbst ein Schwein ist von Natur rein,
du brauchst nichts als Fett und Lappen
und zwei Hände für die Schlappen.“

„Aber Muttern tat es auch,
das ist ganz normaler Brauch.
Warum musst du dich so zieren,
mich vor aller Welt blamieren,
mich verspotten als ein Schwein,
statt mich Herr im Haus zu sein?
Hast du den Verstand verloren,
oder wurd‘ er weggeschoren?“

Das war mir dann doch zu viel,
und ich endete das Spiel:
„Flatter heim an Mutters Busen,
bis du Schwingen hast statt Flusen.“
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2019, 00:17   #2
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 73
Beiträge: 12.317

hhhhhhhhhhhhhhhhhh....köstlich!!!!! so ein vollkoffer...


??????????????...les ich da was falsch

Zitat:
mich verspotten als ein Schwein,
statt mich Herr im Haus zu sein?
mich verspotten als ein Schwein
sollt ich doch der Hausherr sein.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2019, 00:19   #3
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.391

Liebe Ilka-Maria,
hast Du die Abkürzung für das "errare humanum est" entdeckt? Großartig!

Als ich zum dritten Mal in meinem Leben
nebst meinem Namen auch mein Ja gegeben,
da hatt ich es trotz väterlicher Mahnung
noch immer nicht kapiert, doch die Erfahrung
sagte mir nach jüngst erfolgtem Scheide-Fest:
Recht haben die Lateiner mit dem erra. huma. est!

Die Begründung werde ich später liefern.

Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2019, 00:59   #4
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Liebe Ilka-Maria,
hast Du die Abkürzung für das "errare humanum est" entdeckt? Großartig!
Nein. Meine Genialität besteht darin, mir so etwas anzulesen und es nicht mehr zu vergessen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2019, 23:21   #5
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 2.345

Naja, wer so blöd ist vor der Ehe nicht zu reden, um herauszufinden wer man ist und was man will, selbst schuld.

Aber ich hatte das auch mal, eine, zu der ich sagte, wie ich ticke und was ich will, idealisierte mich wohl oder hörte nicht zu.
Am Ende war sie sauer auf mich, weil ich von Anfang an die Wahrheit sagte.

Sie wurde beleidigend... Da sowas bei mir nicht geht, bat ich sie zu gehen.
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 00:09   #6
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Sie wurde beleidigend... Da sowas bei mir nicht geht, bat ich sie zu gehen.
Bei mir lief das anders (mein Gedicht ist autobio). Mein Schwiegervater rief den "Familienrat" ein, der nur aus ihm und seinem Sohn, also meinem Mann, bestand und offerierte: "Also, wenn es mit deiner Ehe nicht klappt, kannst du jederzeit wieder nach Hause kommen."

Mein Mann erwiderte, er, sein Vater, solle erst einmal seine eigene Ehe in Ordnung bringen.

Mein Mann putzte seine Schuhe seither selbst. Ich meine nie.

Zeitverschwendung.

Ich hatte Bücher.

Und mein Mann seine Gitarre und das absolute Gehör. Noten brauchte er nicht.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 14:20   #7
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 2.345

Ich finde das schwierig. Ich werde nicht heiraten, die Zeiten sind einfach zu diffizil. Und das obwohl meine Eltern 52 Jahre zufrieden verheiratet sind.
Mein Bruder ist 93 gestorben. Viele zerbrechen an sowas, aber meine Eltern hielten zusammen und hin und wieder gab es Meinungsverschiedenheiten, aber war nie etwas Destruktives.

Ich bin also mit einer bestimmten Vorstellung von Werte und Respekt ins Leben gelassen wurde, mit 15 fort, um Klavierbau zu lernen. Dann lernte ich, dass die Welt nach anderen Regeln funktioniert und ich in dem System große Schwierigkeiten habe zu überleben und mich einzufügen.
Das zog einige Heldenreisen und Depressionen nach sich und erzeugte ein Gefühl fremd auf dem Planeten zu sein.

Wie das andere Menschen machen: mit 22 verheiratet, fester Job, Haus, Kinder - für mich fremdes Land und Leben.

Trotzdem kann ich in mir nicht die romantische Ader und idealisierte Vorstellung einer Beziehung leugnen. Ist doch schön, wenn man mit seinem Partner gemeinsame Pläne schmieden kann.

Die Sehnsucht dahingehend keimt regelmäßig auf. Da ich aber auch ein ziemlicher Nerd bin und mit Gleichaltrigen überhaupt nicht zurande komme, wächst mittlerweile immer mehr Akzeptanz für die Dinge, die ich nicht ändern kann.

Wenn ich schon ein Problem mit dem Putzen von Schuhen habe, was soll werden, wenn mal richtige Krisen anstehen.
Dass der Vater dem Sohn das Zuhause angeboten hat, finde ich schön Ilka.
Ich verstehe nicht, wieso du das verteufelst.

vlg

EV
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 14:51   #8
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Das der Vater dem Sohn das Zuhause angeboten hat, finde ich schön Ilka.
Ich verstehe nicht, wieso du das verteufelst.
Wie kommst du denn darauf?
Ich habe doch gar keine Meinung bzw. Wertung über meinen Ex-Schwiegervater abgegeben. Obwohl er mich nicht mochte. Er hätte gerne eine Ersatz-Tochter gehabt (er gab neben meinem Ex-Mann noch einen jüngeren Bruder), so eine, die ihm ständig am Hals hängen oder auf seinem Schoß sitzen und ihn bewundern sollte. Das passte aber nicht zu meinem eher spröden Wesen und zu meiner Erziehung. Ich musste für ihn eine herbe Enttäuschung gewesen sein.

Die Freundin, die mein Ex-Mann nach unserer Trennung hatte (sie war der Grund dafür gewesen), passte meinem Schwiegervater perfekt in den Kram, von ihr wurde er kräftig umschmeichelt. "Das ist die richtige Schwiegertochter," meinte er zufrieden. Die Beziehung zwischen ihr und meinem Ex-Mann dauerte ein Jahr, gewürzt mit Streit und Tränen, dann offerierte sie ihm, dass sie einen anderen Mann kennengelernt hatte und ließ ihn sitzen. Die beiden Traumtänzer hatten nicht gemerkt, dass dieses Mädel log, wann immer sie den Mund aufmachte, weil sie eins und eins nicht zusammenzählen konnten. Dabei war alles, was sie erzählte, so unlogisch, dass man es hätte merken müssen.

Fazit, das mein Ex-Mann mit Bedauern mir gegenüber zog: "Erst wenn etwas vorbei ist, weiß man, was man gehabt hat."

Mein Wertekanon hängt für viele Menschen einfach zu hoch, sie fühlen sich überfordert. Insofern kann ich dich gut verstehen. Es ist in diesem Fall besser, allein zu bleiben und auf gute Freundschaften zu setzen. Ich habe seit 35 Jahren einen Lebensgefährten, aber er hat sein Dach über dem Kopf und ich habe mein eigenes. Wir sind beide absolut zuverlässige Menschen mit einem starken Verantwortungsgefühl, nur so konnte es über diese lange Zeit zusammen klappen.

Du bist mit deinen Erfahrungen und deinen Werten also nicht allein in dieser Welt.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 14:51   #9
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.391

Lieber Eisenvorhang,
ich finde heiraten schön! Weils so schön ist, habe ich es dreimal gemacht.
Mal sehen, was das Leben noch so bringt.
Liebe Grüße,
Heinz

Geändert von Heinz (13.12.2019 um 19:50 Uhr)
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 14:55   #10
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 2.345

Hey Heinz,

du bist auch eine andere Generation als ich. Im Vergleich zu Dir befinde ich mich mitten im Mooswachstum hinter meinen Ohren... (bin 34)

Ich will das auch nicht verallgemeinern. Es mag durchaus Paare geben, die selbst nach 10 Jahren noch glücklich sind. Find ich super, glückwunsch. Ist aber nicht die Regel, denn die Scheidungsrate liegt bei 80 Prozent innerhalb der ersten vier Jahre.

Wie du dreimal heiraten konntest und die Kraft dazu hattest... Wow!
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2019, 15:16   #11
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.391

Ja, toll! Aber das Beste hast Du vergessen: Ich kann mehrere silberne und goldene Hochzeiten mit meinen Kindern (und den Ehemaligen in absentia) feiern.
Heinz

Geändert von Heinz (13.12.2019 um 19:52 Uhr)
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2019, 09:48   #12
weiblich Frau K.
 
Benutzerbild von Frau K.
 
Dabei seit: 12/2019
Ort: Irgendwo im Nirgendwo
Alter: 61
Beiträge: 62

Wie sagte mein Mann zu Beginn unserer Ehe, als er mich mit der Schuhwichse (die mit dem Frosch) und Bürste sah: Meine Schuhe musst du nicht putzen. Ich schaute ihn verdattert an. Dabei konnte ich das doch so gut und sah es als selbstverständlich an.

Dafür wollte er mir das Arbeiten verbieten. Ich setze mich aber durch.

Die weitere Aufgabenverteilung regelte dann der Alltag.
Frau K. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2019, 09:55   #13
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Zitat:
Zitat von Frau K. Beitrag anzeigen
Dafür wollte er mir das Arbeiten verbieten.
Das Recht hatten die Ehemänner damals noch. Was uns Mädels nicht klar war, weil uns das niemand gesagt hatte. Ich kannte in meiner Familie vorwiegend arbeitende Frauen und sah das als normal an.

Bis ich in der R.W.Fassbinder-Serie "Acht Stunden sind kein Tag" eine Folge sah, in der ein Ehemann seine Frau vom Arbeitsplatz wegzerrte, weil er sich in seiner Männlichkeit diskreditiert fühlte. Das war Anfang der 70er Jahre.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2019, 10:46   #14
weiblich Frau K.
 
Benutzerbild von Frau K.
 
Dabei seit: 12/2019
Ort: Irgendwo im Nirgendwo
Alter: 61
Beiträge: 62

Ja Ilka-Maria, die Unterschrift des Ehemannes war nötig.

Einen ähnlichen Film habe ich vor einiger Zeit auch gesehen.

Die Frau sei dem Manne untertan - die Zeiten sind passé. Gott sei Dank!

Emanzipiert war ich schon immer, durch das Vorbild meiner Mutter, denn auch sie ging arbeiten.
Frau K. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2019, 11:38   #15
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.936

Zitat:
Zitat von Frau K. Beitrag anzeigen
Emanzipiert war ich schon immer, durch das Vorbild meiner Mutter, denn auch sie ging arbeiten.
Das ging in den Nachkriegsjahren nicht anders, Arbeit gab es ohne Ende. Deshalb wurden Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben. Die Industrie konnte es sich gar nicht leisten, auf die Arbeitskraft der Frauen zu verzichten. In meiner Geburtsstadt und ihrem Umland war es vor allem die Lederwarenbranche, die Frauen beschäftigte.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für EHE (Errare humanum est)

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche



Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.