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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 24.11.2019, 19:07   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Dezember

Leis klopft der Winter an die Tür,
bald wird das Pochen lauter,
in jedem Kind steckt das Gespür:
Der Monat wird vertrauter,

denn er kehrt jedes Jahr zurück,
mit einem Sack voll Gaben,
dem kleinen und dem großen Glück,
an dem sich Seelen laben.

Doch aus der Welt geht er mit Knall,
Getös und buntem Flitter,
vom alten Jahr bleibt nichts als Schall
und ein Gedankensplitter.

Wen kümmert’s? Das ist recht gefragt,
denn es kehrt alles wieder.
Drum singet alle unverzagt
die altgewohnten Lieder.

24.11.2019
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Alt 24.11.2019, 19:31   #2
Folcher
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Denn Morgen wenn die Wüste ruft,
und nach dem Atomaren Niederschlag,
wenn Schnee ihr als Phantom einstuft,
kommt sicher noch ein Elendstag.

Dann preist den Herrn für Rattenfleisch,
denn Hunde sind so seltsam zäh.
Und Kinder balgen mit Gekreisch,
sich um die Reste, wäh wäh wäh.



S3 super, S4 nicht glaubwürdig, erst S4Z1 mit einem unglücklichen Phrasenbalken begonnen, dann mit ein paar "ewiger Frühling" Phrasen Alles weggelächelt. Da wolltest du wohl noch viel Milde haben, Versöhnliches. Da wurde ein mögliches interessantes Finis durch milde unglaubwürdige Phrasen weggelächelt und somit läuft das Ganze etwas ins Leere.

Interessant am Gedicht ist jedoch eine interessante Betonung:

Leis klopft

das beginne ich XX also ist Leis betont in einer Dopplung, eben NICHT Leis, weil mE die Betonung wie gesagt XX beginnt, Leis wird da nicht unbetont gesprochen also betont, was es laut macht!

Die Metrik ist sauber durchgezogen, ich bin sowieso ein Freund von XX Strophenbeginnen. S2 ein wenig blass, S3 super, S4 irgendwie ein kleines Phrasenschwein und mir sehr unbefriedigend wirkend und unglaubhaft.

Aber schon löblich wenn Metrik und Reim sauber durchgezogen ist, ohne Fehl.
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Alt 24.11.2019, 19:36   #3
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Nun ja, es ist nichts Besonderes - das war mir von vornherein klar. Das Gedicht ist der momentanen Stimmung geschuldet, nichts weiter. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir schon im März wären und uns statt der Weihnachtsmänner die Schoko-Hasen anglotzten (die ich genauso wenig kaufe).
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Alt 24.11.2019, 19:46   #4
Folcher
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Ich will jetzt nicht die grosse Foren-Herrin hofieren, aber mE bist du wirklich besser geworden im Gedichte schreiben, dein Metrum ist absolut sauber, Reime auch, der Esprit ist gut, es wirkt nicht gehackt.

Leis klopft

wie gesagt finde ich einen starken Beginn weil ich zumindest Leis nicht unbetont spreche, sagen wir, halb betont, hättest du begonnen

Es klopft

wäre es xX, aber Leis klopft ist eher XX in meinem Empfinden was das Ganze schonmal clever macht, denn das Pochen wird lauter.

Die S3 ist wirklich klasse! Hätte die S4 noch etwas Pepp, irgendwas Fragendes, Unaufgelöstes, Richtungweisendes OHNE milde Phrasen, wäre das schon als gehoben zu betrachten.

aber "recht gefragt" und "singet", da geht das ansonsten sauber Geführte in die Ausflucht barocker milder Phrasen über. In das unglaubwürdige Dozieren eines zittrigen Zeigefingers, leider. Mir wäre da ein wenig Kritik, Tragik, Zynismus, ein härterer Fingerzeig, oder irgendein Humor, lieber gewesen.

Wen kümmerts? So gedankenlos
das Alte nunmal endet.
So beginnt das Neue sicher gross,
und kleinlich wirds verschwendet.

Sowas zb.


Ich als Amateur-Prediger predige immer:

Winter?

> Badewanne!
> Orangen!
> Ambiente LEDs
> Mal Kamille inhalieren einfach nur weils geil ist
> Workouts

Sonst crasht mich der Winter zu krass jedes mal.
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Alt 24.11.2019, 19:57   #5
weiblich Ilka-Maria
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Stimmt. In meiner Anfangszeit, vor mehr als zehn Jahren, hatte ich mich um ein sauberes Metrum noch nicht gekümmert.

Allerdings habe ich inzwischen begriffen, dass die deutsche Sprache mit Schwierigkeiten aufwartet, ein Metrum sauber durchzuhalten. Sie hat zu viele Wörter mit unterschiedlichen Betonungen, mit vielen Silben und vor allem eine Menge Wörter, auf die sich kaum etwas reimen lässt. Die romanischen Sprachen sind in dieser Hinsicht klar im Vorteil.

Die Nachteile der deutschen Sprache hat es mit sich gebracht, dass sich z.B. in Verse, die hauptsächlich jambisch sind, immmer wieder mal ein Daktylus einschiebt.

Aber diese Schwierigkeiten sind auch der Reiz der deutschen Sprache: Sie fordert einen Dichter bis an die Grenzen heraus. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum sich immer mehr Lyriker den freien Formen zuwenden, denn die herkömmlichen Spielräume scheinen ausgereizt zu sein.

Das sind meine Gedanken dazu, genau weiß ich es natürlich nicht.
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Alt 24.11.2019, 20:11   #6
Folcher
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Ja stimmt, die Redundanz der Gedankenlosigkeit erscheint immerzu verlockend.

Die wenden sich freien Versen zu weil sie nix zu sagen haben. Zu viele studierte Germanisten die irgendein inhaltsleeres Kunst-Gewäsch blöken für das sie halt kein Schmerzensgeld zahlen müssen, weil die Gerichte damit überlastet wären.

Das Deutsche ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil, weil du Betontes und Unbetontes vergewaltigen kannst was mir entgegenkommt. Man kann das verschieben und somit irritieren oder brechen, das ergibt einen gewaltigen Reichtum, endlose Möglichkeiten.

Herkömmliche Spielräume sind nicht ausgereizt. Die deutschen Dichter versuchten schon vor dreihundert Jahren ca, durch Pentameter und Hexameter, die ja nur die Anzahl der betonten Silben darstellen, wohingegen die unbetonten dahinter variieren können/dürfen/sollen, das Metrum variabler zu gestalten. Schillers Nänie zb variiert JEDES Distichon leicht. Und ich habe mit "Dem Tod" versucht, das Distichon aufzubrechen, was ich ja schon länger versuche durch meine "Rebellons", nämlich durchbrochene Schein-Distichen.

Da gibts noch so Einiges was ginge!

Was viele verdammte kleine Seelen da draussen/die Menschheit als solche, einfach nicht kapieren ist, dass nur mit Fressen keine Substanz erzeugt wird, sondern logischerweise nur gefressen. Es ist leichter gedankenlos zu bleiben und formlos, disziplinlos und kunstlos, ambitionslos und verloren, und einfach weiter vor sich hin zu fressen und heisse Luft wegzuatmen.

Volkssport Nummer Eins: Fette Idioten brauchen Fleisch. Zum noch fetter rumsitzen.

Aber Disziplin ist geil! Wenn man durch Disziplin immer mehr Energie ansammelt bis "wahre Liebe" oder "wahrer Hass" Möglichkeiten sind, die ich aber übersteige, die ich nach Belieben erzeugen kann durch synaptisches Bewusstsein.

Der Grund weswegen die Alle in freie Verse übergehen ist, dass heisse Luft keine festen Formen braucht. Weil all diese Fresser-Opfer nichts wirklich erschaffen können, sonst hätten sie Disziplin, Charakter, Bewusstsein, Ahnung.

Was man bei Vielen schlicht voraussetzen kann, dass sies nichtmal buchstabieren können.
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Alt 24.11.2019, 20:26   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Folcher Beitrag anzeigen
Ja stimmt, die Redundanz der Gedankenlosigkeit erscheint immerzu verlockend.

Die wenden sich freien Versen zu weil sie nix zu sagen haben.
Ich glaube, du meinst freie Rhythmen. Aber es stimmt trotzdem nicht. Celans "Todesfuge" hatte eine Menge zu sagen. Hier für alle, die das Gedicht noch nicht kennen:
https://www.youtube.com/watch?v=gVwLqEHDCQE

Sogar die "Dadas" wollten etwas sagen, auch wenn nur, um zu provozieren.:

jolifanto bambla ô falli bambla
grossiga m'pfa habla horem
égiga goramen
higo bloiko russula huju
hollaka hollala
anlogo bung
blago bung
blago bung
bosso fataka
ü üü ü
schampa wulla wussa ólobo
hej tatta gôrem
eschige zunbada
wulubu ssubudu uluw ssubudu
tumba ba- umf
kusagauma
ba - umf

Text: Hugo Ball (1917)

Angeregt von den Lautgedichten hatte ich mal versucht, ein Gedicht zu schreiben, in dem ein Selbstlaut - ich glaube, es war das "e" - nicht vorkommen durfte. War nicht einfach. Das Ergebnis liegt irgendwo in den Tiefen dieses Forums.

Neues probieren - warum nicht?
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Alt 24.11.2019, 20:56   #8
Folcher
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Ich meinte nicht dass freie Verse etcpp nichts zu sagen hätten.

Nur genügt heisser Luft das Formlose auch, was ja naheliegender ist.

Meister können natürlich ob Reim ob kein Reim immer Grossartiges leisten. All den Heissluft-Schwallern genügt zumeist kein Reim auch, kein Metrum, keine Form, selbes Resultat, nur weniger Arbeit. Ich will nicht andauernd alle Menschen abwerten und geringschätzen, leider halte ich die Masse für extrem geistesschwach, nicht nur etwas, sondern in extremen Massen und extrem massiv.

Dafür wurde ich ja auf Gedichte.com immer gehasst. Aber der Sprung zu den Sternen ist eine gewaltige kognitive Herausforderung der selbst ich noch nicht gewachsen bin - insofern hast du natürlich Recht die Menschen mit Ameisen zu vergleichen, denn bezüglich der Sterne ist dies wirklich nur ein wuselnder Narrenhaufen ohne jegliche kognitive Macht/Ahnung, wie Babies, die einfach nur ertrinken.

Und solche Babies versuchen dann diesen lautlosen Abgang in "Gedichte" zu verpacken, dafür genügt ein formloses Blub Blub allemal. Und besser wirds nicht.


Stumpfen Geists, den Leser über Klingen
springen lassen, um das Feuer anzu
fassen, welchen Feuers, diesen Geistes Tod,
nie loht, nie droht, nie aufersteht,
nie ringt -
wer keine Klingen hat, der bleibt Prolet,
und so er klingt.
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Alt 24.11.2019, 20:59   #9
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Nun ja. Aber du solltest in der Realität bleiben. Poetry ist ein Hobby-Forum. Höhenflüge kommen vor, aber man darf sie nicht voraussetzen.
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Alt 24.11.2019, 21:04   #10
Folcher
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lol. Aber Ilka! Du kennst doch die Definition. Wer mit seinem Scheiss kein Geld verdient ist Amateur/Hobby. Und da mit Gedichten nunmal nix verdient wird, sind per Definition ALLE nur Amateur-Dichter. Es gibt also nur wahre Dichter, weil Alle gleich viel daran verdienen.

Es kann sich also Niemand in all den Foren hinter Schiller verstecken, denn der war ja nicht besser dran.

Zu sagen: Aber verlange doch von UNS keine Qualität, wir sind nur Foren/Hobby-Dichter, ist wie, zu sagen: Verlange doch von UNS keine vier Beine, wir sind nur Pferde.

Oder, oder, DER ist auch gut:

Sehet, sehet, diesen Bettler! Der Neymar unter den Dichtern.



Was ich gelernt habe, auch auf Gedichte.com schon, ist, dass so einige gute Geister so einige gute Gedichte verfassen können! Die sind zu schade für die Frankfurter Bibliothek oder so kleine Selbstverlag-Bände, und werden einsam schön sterben. Die gibts ab und zu in Foren - und sonst nimmermehr.

Die solltens wie Jesus halten: In Schönheit gehasst. All die "echten" Menschen werden nicht gehasst. Nur die echten.



Hadere bitte nicht, einsam schön zu sterben!
So hart es auch sei.
Schau, wie hässlich die Massen sterben.
So liebe dich frei.



Die Ausrede also, "wir sind nur Forendichter", zieht bei mir nicht.

Wer Dichter sein will, schön sterben will, der solls auch tun.

Mal ehrlich! Ist doch auf Erden nie anders gewesen.......



@Ilka hier drunter

Zitat:
Nun ja. Aber du solltest in der Realität bleiben. Poetry ist ein Hobby-Forum. Höhenflüge kommen vor, aber man darf sie nicht voraussetzen.
Achso, ich dachte, das meinte: Qualität/Höhenflüge voraussetzen, ist auf Poetry nicht allzu naheliegend. Aber wäre ja schlimm wenn jeder Amateur sich hinter sich selbst verstecken könnte zu sagen: Qualität? Träume? Freiflüge? Nö woher denn?

Wenn von den "Profis" und "Experten" nurmehr durchgeseierte Kompetenzlosigkeit und Fieberwahn kommt, wärs vielleicht klug selber Gehirn zu besitzen. ---

Geändert von Folcher (24.11.2019 um 23:25 Uhr)
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Alt 24.11.2019, 21:36   #11
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Folcher Beitrag anzeigen
Aber verlange doch von UNS keine Qualität,
Wo habe ich das verlangt?
Ich sagte doch das Gegenteil.
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Alt 29.11.2019, 04:42   #12
weiblich tatjana
 
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Pablo Neruda bevorzugte auch den Vers libre, seine Liebesgedichte sind absolut empfehlenswert (Nobelpreisträgerfür Literatur) Bemerkung am Rande, da der Vers libre hier so kritisiert wird
tatjana ist offline   Mit Zitat antworten
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