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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 24.11.2019, 02:00   #1
Folcher
gesperrt
 
Dabei seit: 11/2019
Ort: Augsburg
Alter: 37
Beiträge: 78

Standard Qualen



Dem Himmel so nah dass sie schmerzen müssen,
die Sterne mit stechenden Himmels Küssen.
Den Mahlstrom hinab sprang euphorisch ich,
hinab in das Sein, in das finstere Dich.

Den Mahlstrom empor ist auch Agonien,
nur damals wars Springen und jetzt ist es Fliehn.
Du glorreicher Himmel du zerr mich ans Licht!
Du glorreicher Himmel du zerr mich nicht!

Den Mahlstrom hinab in den Totenteich,
hinab in das Reich, in das finstere Reich.
Den Mahlstrom empor durch den Silberschein,
empor in das Dich, in das hellere Sein.

Dem Himmel so fern dass die Schwärzen bluten,
die malmenden Feuer, die sterbenden Fluten.
Du glorreicher Himmel du zerr mich ans Licht!
O bitte! O bitte nicht! O bitte! O bitte nicht.


Folcher ist offline  
Alt 24.11.2019, 10:11   #2
männlich MiauKuh
 
Benutzerbild von MiauKuh
 
Dabei seit: 08/2017
Beiträge: 1.868

Hey,

das gefällt mir viel besser, als das, was ich da so kritisiert hatte :-)
Theodor Fontane? Hm .. Am Birnbaum ... wie Ribbeck von Ribbeck .... so ähnlich geht es daher ... bei mir geht viel über Rhythmus ... und du hast hier auch dieses ... äh, prophetische drin. Kannst du auch lieb schreiben? Poste sowas doch mal ....
MiauKuh ist offline  
Alt 24.11.2019, 14:09   #3
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.183

O bitte! O bitte! Ich bitte Dich nicht!
Eisenvorhang ist offline  
Alt 24.11.2019, 15:58   #4
Folcher
gesperrt
 
Dabei seit: 11/2019
Ort: Augsburg
Alter: 37
Beiträge: 78

lol!

Du meinst sowas:

Zitat:
Es tanzten die silbernen Elfelein
singend und lachend überm silbernen Teich.
Ach herrlich das Tanzen und Singen
und Lachen und Sein!
Eine Ewigkeit unterm Mondenschein weich.

Dann kam der liebe Mann im Plastikkittel,
tötete sie Alle,
und jetzt sind sie Pharmas Warzenmittel.

Ich wollte "Dem Tod" und "Qualen" mal wieder unter gelinder Öffentlichkeit schreiben, mal wieder in einem Forum, das mich metrisch zu Höchstformen reizt. Das hat Ilka ja dankenswerterweise erlaubt. Aber das wars auch schon wieder!

Link: Dem Tod

Eins für heute darf ich wohl noch schreiben, dann sollte ich hier wieder zumindest wochenlang raus, weil ich das nicht mehr packe.

Ich habs jetzt geschafft einen Foren-Link etwas hübscher zu gestalten, aber Schrift-Farbe, -Art, -Grösse, hab ich noch nicht hingekriegt. Geht das überhaupt? Mein Text-Editor hier stellt diese erweiterten Optionen gar nicht zur Verfügung, und per manueller Code-Eingabe gings bislang auch nicht.
Folcher ist offline  
Alt 25.11.2019, 17:58   #5
Folcher
gesperrt
 
Dabei seit: 11/2019
Ort: Augsburg
Alter: 37
Beiträge: 78

Hi! Sry.

Aber ich wollte noch darauf hinweisen wie UNFASSBAR STOLZ ich auf das Metrum dieses drobigen Gedichtes bin! Das ist ein fantastischer metrischer Tanz insgesamt.


xXxxXxxXxXx
xXxxXxxXxXx
xXxxXxxXxX
xXxxXxxXxxX

xXxxXxXxxX
xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxX

xXxxXxxXxX
xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxX
xXxxXxxXxxX

xXxxXxxXxXx
xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxX
xXxxXxXxXxxXxX


Ich erinnere mich noch gut dass mir jedes Mal dieses Selbstbeweihräuchern und dieses Eigen-GeIXe schlecht ausgelegt wurde. Mir wird auch oft gesagt: Du wiederholst dich! Aber ich habe immer das Gefühl dass sies nicht gehört haben. Sie hören erst nicht zu und dann beschweren sie sich dass mans wiederholt. Sie beschweren sich über meine Selbst-Aussagen, aber richtig gelesen/gesehen/verstanden/genossen haben sie nicht.

Aber allzu oft "denken" dann irgendwelche "aufmerksamen" Leser wie "vogelwild" meine metrische Schreibe sei. Als wärs mir kein Leichtes gewesen das da droben einzuglätten/einzuplätten, aber dann wäre dieses Tändelnde, Tänzelnde, da raus gewesen, ich WILL ein leierndes metrisches Konstrukt durchbrechen, weils sonst einfach sinnlos ist.

Ilka Maria sagte zb, dass womöglich die herkömmlichen Strukturen nach Hunderten von Jahren einfach schon etwas überkommen seien und womöglich ausgereizt. Aber tja! Wer immer so schreibt:

xXxXxXxXx

und das dann x 4 und das dann in jeder folgenden Strophe, braucht sich nicht wundern, das meine ich jetzt allgemein. Ich befürchte, eine gewisse Kombinierbarkeit verschiedener deutscher Worte in sogenannte "Sätze" ist ebenso möglich, wie eine gewisse Kombinierbarkeit verschiedener Metren in sogenannte "Gedichte". Warum das seit Jahrhunderten ignoriert wird? Weil die mindere Auffassung der Masse nunmal Germanistik lehrt.

Oftmals geschah es mir, dass Leser nicht etwa voraussetzen, mein Schrieb sei vollste Absicht, sondern Dilettanz, gegenüber einer Offensichtlichkeit, die sie wirklich dumm hinterlässt, mE. Wenn ein Dichter solch ein Metrum wie da droben schreibt dann gewiss NICHT, indem er das EINE perfekt setzt und das ANDERE unachtsam! Man gehe davon aus, dass er ALLES setzte aus Können, und Anderes vermied - ebenfalls aus Können.
Folcher ist offline  
Alt 25.11.2019, 18:22   #6
männlich Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 299

Folcher, ich kann nachfühlen, was Du hier denkst bezüglich "schlecht auslegen" etc. Und auch bezüglich der Metrik. Ich betrachte mich selbst nicht als Lyriker und weiß nichts über Literaturgeschichte, aber ich bin Musiker und reagiere deshalb sensibel auf rhythmische Muster. Deine Metrik wirkt tatsächlich sehr energetisch auf mich, und sie fällt erfrischenderweise heraus aus dem XxXx-Trott. In meiner Sprache heißen diese Xxx-Dreierpakete "Triolen". Triolen erzeugen immer Antrieb. Sie bringen die Sache ins Rollen. Sie kommen in vielen Musikstilen vor: Walzer, Boogie, Irish Folk etc. pp., auch in Beethoven-Sinfonien wird oft im Dreier gerockt. Beethoven war ein Rocker.

Zum XxXx-Trott: Ich vermute, das menschliche Musikgehirn empfindet den 2er- und 4er-Takt so, wie das Sehgehirn ein Quadrat empfindet. Es spürt vier Ecken. Ein stabiles, horizontal-vertikales Gebilde. Nimmt man eine Ecke weg, dann ist es ein Dreieck (Triole). Jetzt sind Schrägen im Spiel. Man kann es drehen wie man will, die Schrägen verschwinden nicht. Wie bei einer Kugel. Die Instabilität der ungeraden Zahl hält die Sache am Rollen. Der Walzer hört nicht auf zu fliegen. Der Boogie will nicht enden. Ich liebe das.
Pjotr ist offline  
Alt 25.11.2019, 18:36   #7
Folcher
gesperrt
 
Dabei seit: 11/2019
Ort: Augsburg
Alter: 37
Beiträge: 78

Hi! Ja, du scheinst einer der Aufgeweckt(er)en zu sein.

xXxXxXxXx Jambus, beginnt unbetont

XxXxXxXxX Trochäus, beginnt betont

unbetontes Ende - weibliche Kadenz, also zartes Ende
betontes Ende - männliche Kadenz, also hartes Ende

das sind die Zweier-Betonungen und im Grunde das, was man relativ maximal in Gedichte-Foren erwarten darf/sollte, falls der jeweilige Dichter zu dieser Eingängigkeit überhaupt hinreichte, falls er überhaupt Metrik übt/beherrscht.

xXxxXxxXxxXx oder xXx - Amphibrachys

XxxXxxXxxXxxXxx oder Xxx - Daktylus

xxXxxXxxXxxXxxX oder xxX - Anapäst

das sind die Dreier-Betonungen und schon derartig gehoben erscheinend, dass dieses Konstrukt den meisten "empfindenden Lesern" schlicht wie ein Alien erscheint, weil sie dieses Konstrukt in der Lesegewohnheit schlicht nicht einmal kennen.

XxxXxxXxxXxxXx - fünf Hebungen mit entweder ein oder zwei Senkungen, Pentameter, als Varianz-Möglichkeit

XxxXxxXxxXxxXxxXx - sechs Hebungen mit entweder ein oder zwei Senkungen, Hexameter, als Varianz-Möglichkeit

dazu kommen noch Distichon, und Hebungs- und Senkungspralls, Zäsuren.

Es gibt eigentlich sogar sehr viele Möglichkeiten der Klangführung, nur kommen Gedichte-Foren idR nicht über Jambus und Trochäus hinaus. Hab ich früher auch nicht weiter verfolgt.

Es gäbe genügend Möglichkeiten, wenn man das zb untereinander variiert oder durchbricht. Das Problem der Menschheit ist allerdings, dass nur Fressen dumm und schwach macht. Die Menschheit ist völlig überarbeitet und völlig überfressen in einer Dekadenz und Verrottung begriffen, die sie mangels besseren Wissens/Philosophie/Disziplin nicht überwinden kann, das heisst, die Menschen werden immer verwahrloster, verfressener, verdammter, verlorener, anstatt dass sie gedeihen. Fressen allein macht kein Gedeihen! Man muss es durch Disziplin und Spannung und Haltung umwandeln. Menschen denken, sie kriegen das Fressen, also auch das Gedeihen, aber sie fressen bloss, ohne jede Haltung/Bewusstsein.

Sie halten keinerlei lebendige Spannung aufrecht und verlieren so jede Stärke und jeden Sinn.

Somit auch die Höhergeistigkeit von Sprache und Duktus, wodurch sie inhaltsmässig und formmässig zu reinstem Abschaum verkommen, und zwar hochverdient. Das ist nichts Unverdientes, kein Wunder, "o warum verkommt hier Alles"??? Fressen ohne Haltung gedeiht nichts. Ende der Geschichte.
Folcher ist offline  
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