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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 21.11.2019, 14:57   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Stadt und Land

Ich kenne Stadt und kenne Land,
weiß, was mit beiden mich verband:

Das Land gab mir den Duft von Heu,
das Rascheln ausgelegter Streu,
Geruch von Milch, noch euterwarm,
den schweißverführten Fliegenschwarm
auf Rinder- und auf Pferdefell,
des Hofhunds freudiges Gebell,
das Schweinsgeschmatz am Futtertrog,
die Schwalbe, die den Stall durchflog,
des Hahnes Gruß ans Morgengrau,
den Feldgesang der Bauersfrau,
den handbemalten Küchenschrank
und vor dem Haus die Gartenbank.

Die Großstadt gab mir freien Raum,
zu folgen jedem Wunsch und Traum,
Theater, Kino, Buchverleih,
war preiswert oder kostenfrei,
Museen stellten Schätze aus,
und wollte ich mal weiter raus,
dann lag zu jeder Jahreszeit
am Fluss ein weißes Schiff bereit,
in Dienstleistung und Industrie
fand jeder Arbeit wie noch nie,
und drückte wirklich mal der Schuh,
fand man im Stadtwald seine Ruh.

Ich lieb sie noch, die Großstadtluft,
doch auch der Felder milden Duft.

21.11.2019
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Alt 21.11.2019, 15:10   #2
männlich Eisenvorhang
 
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Gefällt mir sehr. Vor allem die Form!

Wenn du nochmal die Wahl hättest, was du würdest du wählen? Dorf oder Stadt?

So, wie ich dich einschätze, sicherlich ein Zwischending, vielleicht sogar städtisch.
Die moderne abgeklärte Frau, weiß Kultur und Industrie zu schätzen.
Davon ab ist die medizinische Versorgung besser als auf dem Land.

Mir fehlte in der Stadt die Nähe und das Persönliche. Ich mag keine oberflächlichen Kontakte, auch wenn diese sehr einfach zu pflegen sind.
Außerdem hat man in der Stadt nie seine Ruhe... Selbst in Parks oder um die umliegende Wälder nicht.
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Alt 21.11.2019, 15:30   #3
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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Gefällt mir sehr. Vor allem die Form!

Wenn du nochmal die Wahl hättest, was du würdest du wählen? Dorf oder Stadt?
Manhatten wäre von der Größe her richtig; aber mit Paris wäre ich auch zufrieden. Frankfurt "Mainhatten" ist dagegen tiefste Provinz, obwohl es die hektischste Stadt Deutschlands ist - das muss man erst einmal hinbekommen.

Ich brauche Weite, Freiheit und Anonymität, handele zwar sozialer als manch anderer Mensch (sagt jedenfalls mein Sohn über mich), will aber ungebunden sein. Bin nicht teamwork-fähig und weder zum Herrschen noch zum Dienen geeignet - eben ein Einzelkämpfer und Selbstverlassler.

Vielleicht sagt das Gedicht mehr dazu aus: Wie man leicht merken kann, ist der Aufbau der Sätze in der ersten Langstrophe völlig anders als in der zweiten. Das liegt daran, dass mir die Bilder des Landes leichter im Kopf aufstiegen, sogar federleicht. Sie sind einfach aufgezählt, ohne sie zu bewerten.

Die Stadt-Strophe fiel mir schwerer, ich musste die Bilder regelrecht suchen, obwohl ich in der Großstadt aufgewachsen bin. Folglich konnte es nicht zu einer reinen, unbewerteten Aufzählung kommen, sondern es flossen Begründungen ein, warum ich gewisse Dinge an der Stadt liebe.

Dennoch: Auf meinen vielen Reisen durch die U.S.A., in denen es im Verhältnis zur Landesgröße wenige Großstädte gibt, habe ich viele Landregionen gesehen, war aber nach drei Tagen Aufenthalt immer wieder froh, in San Francisco, Denver, Chicago, Boston, New York oder New Orleans angekommen zu sein. Meine ödeste Erfahrung war Florida, Miami Beach: Strandspaziergänge am Morgen und dann im Art-Deco-Viertel auf der Hauptstraße flanieren, sonst nichts - das hält der stärkste Mensch auf Dauer nicht aus.
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Alt 21.11.2019, 16:04   #4
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geiler real-life-text. ich würde new york oder london wählen. hatte dort auch 3 jahre lang ein kleines studio neben der villa meines langjähriugsten freundes RUDI. wir liebten london. das theater, die kunstszene - vor allem die 2000 eröffnete TATE MODERN ist in LONDON umwerfend. das gilt natürlich auch in noch größerem ausmaß für NY. obschon ich im rückblick sagen muss: die art scene in london war lebendiger. in new york dagegen konnte jeder ausstellen. auch menschen mit weniger talent. erinnert mich an einen guten bekannten den OSCAR BRONNER (=gründer/eigentümer des trend wirtschaftsmagazines und nun seit jahren DER STANDARD herausgeber) der Ossi war ein schlechter maler bekam aber trotzdem eine vernissage.
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Alt 21.11.2019, 16:06   #5
männlich Eisenvorhang
 
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Als ich damals aus der Großstadt wieder heim kehrte, war die erste Zeit das Schwierigste für mich, die Ruhe auszuhalten.

In der Großstadt wirste du pausenlos zu gebombt.
Wenn das auf einmal fehlt, ist das wie ein Kulturschock.
Die Gewöhnung an die Veränderung trat aber schnell ein.

Was mir am Dörflichen gefällt ist die Natur, dann lernt man erstmal kennen was Stille ist und das es weniger Idioten (hier) gibt und ich quasi meine Ruhe habe.

(Ich bin, von der Beschreibung her, dir recht ähnlich - habe Probleme mit Autoritäten, kann mich schlecht unterordnen und meine Teamfähigkeit äußert sich meist im Rückzug und Schweigen und irgendwann verweigere ich gänzlich und nehme nicht mehr teil. Ich liebe es, wenn ich Zeug in meinem Tempo erledigen kann und keiner drängelt oder mich ausbremst)

Danke für Deine Antwort - ich war noch nie in der USA. Steht aber aufm Plan... Bevor ich abkratze, will ich da auch mal hin.

Hab gehört Chicago soll die Hölle sein... Vor allem was die Krankenversorgung angeht.
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Alt 21.11.2019, 16:18   #6
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen

Hab gehört Chicago soll die Hölle sein... Vor allem was die Krankenversorgung angeht.
na ja ohne KV nach USA wäre leichtsinnig. als Niki und ich 2013 in NY und danach MIAMI waren, bekam sie zahnschmerzen und musst einen 3er root-canal machen lassen: 3000 USD. dann wollte die KV die ich für Niki abgeschlossen hatte nicht bezahlen, weil sie sagten, dass da in österreich eine vorbehandlung war. erst als ich den medical report las, sah ich dass es ein ganz anderer zahn war, den der dentist behandeln musste. dan zahlten sie 75% - auch eine frechheit. na ja die polizze hatte nur 90€ gekostet.
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Alt 21.11.2019, 16:41   #7
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Zitat:
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geiler real-life-text. ich würde new york oder london wählen. ... in new york dagegen konnte jeder ausstellen.
Es geht nicht nur um TATE und Malerei. Ich glaube, London ist eher die Stadt der Theater-Freaks. Ich habe dort mal ein Stück gesehen, an das ich mich nur noch dunkel erinnern kann. In dieser Stadt hauen sie ja die Bühnenstücke en masse raus.

Die Größen habe ich verpasst, wenn man bedenkt, dass Charlton Heston in London in Shakespeare-Stücken auftrat, und Kevin Spacey, natürlich viel später, am Old Vic spielte.

Aber nein, London ist trotzdem keine Stadt für mich. Zu steif und zu unfreundlich. Lieber Broadway im Big Apple.
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Alt 21.11.2019, 16:55   #8
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ich liebe es, wenn ich Zeug in meinem Tempo erledigen kann und keiner drängelt oder mich ausbremst.
Das ist der Punkt: der eigene Rhythmus. Irgendwann merkst du, dass es mit dem Gemeinsamen nicht klappt, weil es ruckelt und zuckelt und du nicht mehr zu Potte kommst.

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Hab gehört Chicago soll die Hölle sein... Vor allem was die Krankenversorgung angeht.
Kommt darauf an, was man von Chicago erwartet. Ich will ja weder dort leben, noch krankenversichert sein. Von der Architektur und den Calder-Installationenen her ist die Stadt atemberaubend. Drei Tage - das reicht völlig aus, denn so wahnsinnig groß ist Chicago nicht.

Aber achte auf die Jahreszeit. An heißen Sommertagen kann man dort kaum atmen. Da hilft auch der Michigan-See nicht - null Wind und null Kühlung. Nur Schwüle zum Durchschneiden.

Wir haben damals Chicago aus Ausgangspunkt genommen, mit einem Mietauto den Mississippi entlang nach Süden zu fahren und in den Städten immer ein bis zwei Tage zu bleiben, bis wir am Ende in New Orleans ankamen. Das war eine meiner schönsten Erfahrungen, die ich jederzeit zum Nachahmen empfehlen kann.

Wenn du aber etwas ganz Tolles, Unvergessliches sehen willst, dann fliege nach Toronto und lasse dich zu den Niagara-Fällen bringen. Etwas Wuchtigeres ist mir bis heute nicht begegnet.
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Alt 21.11.2019, 19:06   #9
männlich Eisenvorhang
 
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Die schwülen Leiden einer Großstadt kenne ich bereits von Leipzig. Sowas hasse ich. 2015 war extrem schlimm!

Mich interessieren eher die ruhigeren Orte Amerikas, wie ich sie aus Filmen kenne. Georgia / Atlanta oder Ortschaften wie man sie aus der Serie "Everwood" kennt.

Aber auch Kanada wirkt auf mich anziehend. New York werde ich vielleicht auch mal in Betracht ziehen. Wenn dann aber im Winter. Einfach um die Stadt mal gesehen zu haben.

Trotzdem bleibe ich vorerst auf Heimatreise. Die Meisten verspüren ein derart großes Fernweh, dass sie nahezu monatlich in Urlaub fliegen, ohne dabei die eigene Heimat zu kennen. Dem will ich entgegenstreben.

Danke für den Austausch und einen schönen Abend wünsche ich.


vlg

EV
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Alt 21.11.2019, 19:53   #10
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Mich interessieren eher die ruhigeren Orte Amerikas, wie ich sie aus Filmen kenne. Georgia / Atlanta oder Ortschaften wie man sie aus der Serie "Everwood" kennt.
Georgia? Atlanta?

Nach Aussage meiner Tante, einer Amerikanerin, der "'hässlichste" Staat der U.S.A.

Ich war zweimal in Atlanta, kenne auch Savannah, Charleston und die endlosen Baumwollfelder. Atlanta gilt als die "schwärzeste Stadt" in den U.S.A., nirgendwo in diesem Staat gibt es mehr Schwarze (ist das politisch korrekt? egal).

Ansonsten hat Georgia an "Farbe" nichts zu bieten. Öde, trist und langweilig. Gleichförmigkeit an allen Ecken. Für mich war Atlanta ein Endpunkt oder ein Ausgangspunkt meiner Reisen, nie ein Ort, an dem ich freiwillig geblieben wäre.

Reise lieber Boston an. Diese Stadt trieft vor Geschichte, und von dort ist es nicht weit nach New York, Washington, Baltimore und Philly. Wenn du kannst, besuche eine Amish-Farm. Dann wirst du schnell Abschied nehmen von allem, was dir Fernsehen und Kino vorgegaukelt haben.

Noch besser: Bereise im Westen die Canyons, Grand Canyon, Zion Canyon, Bryce Canyon, Grand Tetons usw. Mehr an Ruhe findest du nirgends. Dort bist du froh, keiner Klapperschlange zu begegnen.
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Alt 21.11.2019, 20:30   #11
männlich Eisenvorhang
 
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Weniger Atlanta, wollte nur die dazugehörige Hauptstadt nennen.
Und wegen der Correctness...
Joar!

Boston schaue ich mir mal im Netz jetzt genauer an.

Dank Dir.
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Alt 21.11.2019, 21:12   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Und wegen der Correctness...
Joar!
Da herrscht sowieso in den meisten Köpfen ein falsches Bild. Die Versklavung der Schwarzen wird den Amis angelastet, aber der Menschenhandel ist viel älter. In dummen Filmen sieht man, wie Weiße mit Netzen unterwegs sind, um freie Schwarze einzufangen und auf Schiffen nach Amerika zu transportieren. Die Wahrheit sieht aber anders aus, denn verkauft wurden die künftigen Sklaven von den eigenen Leuten.

Es handelte sich mehrheitlich um Männer und Frauen, die bei den Kriegen der afrikanischen Völker in Gefangenschaft geraten waren. Wen man nicht als Sklaven brauchte, wurde entweder verkauft oder abgemurkst, denn überflüssige Fresser wollte niemand haben. Die Hauptabnehmer waren die Franzosen, dicht gefolgt von Niederländern und Engländern. Einer der Haupthäfen des Sklavenhandels war Nîmes in Frankreich.

Während die U.S.A. die Sklaverei in 100 Jahren Staatsgeschichte überwunden haben, herrscht sie noch heute weltweit weiter, vor allem in den arabischen Staaten, aber von niemandem beachtet. Das Thema wird einfach totgeschwiegen, auch von einem Staat, der sich die Menschenwürde als ersten Paragraphen ins Grundgesetz geschrieben hat. Statt dessen bläst man der Klima-Gretel Zucker in den Hintern und grölt nach ihren Flötentönen den Untergangsmarsch, den wir schon zigfach in der Menschheitsgeschichte hatten. Alles schon mal dagewesen.
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