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Alt 24.06.2018, 14:17   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Abgelaufen Teil V

„Was soll das heißen?“ Jackie war verwirrt. In ihrem Aufsatz hatte sie zwar geschrieben, dass die Roboter in der Zukunft das Sagen haben würden, aber doch nicht, dass Roboter und Menschen sich feindlich gegenüberstehen würden. Die einen brauchten doch die anderen.
„Nicht alle“, sagte Jens. „Aber vor einigen müssen wir uns vorsehen.“
Jackie dachte kurz nach. „Wenn du schon solange hier bist, wo wohnst du dann eigentlich?“
„In so etwas wie einer Jugendherberge. Zumindest sieht sie der alten ziemlich ähnlich, aber es ist nicht dasselbe Gebäude und steht auch woanders.“
„Wo denn?“
„Komm mit, ich zeig sie dir. Du musst dich ja wohl dann auch dort einquartieren.“ Jens reichte Jackie feierlich seine Hand, die sie nach kurzem Zögern ergriff. „Auf, auf, im Roboterland wird nicht faul rumgesessen!“ Er lachte. „Wir tun jetzt so, als seien wir ein Paar. Falls uns die Roboter fragen, was wir um diese Zeit noch auf der Straße machen, sagen wir, wir hätten durchs Rumknutschen die Zeit vergessen.“
„Das ist für die okay?“
„Das ist etwas, was sie nicht verstehen. Sie können es nicht einordnen und deswegen auch keine Strafpunkte dafür vergeben. Oder hast du schon mal zwei knutschende Roboter gesehen?“ Jens grinste.
„Ich habe überhaupt noch keine echten Roboter gesehen, die so rumlaufen wie die hier“, murmelte Jackie, der allmählich dämmerte, dass alles noch viel komplizierter war als sie angenommen hatte – und das durch ihre eigene Schuld mit diesem beknackten Aufsatz, mit dem sie eigentlich nur Frau Blümling hatte ärgern wollen!

Hand in Hand gingen sie dann weiter. Es war ein komisches Gefühl, die Hand von Jens zu halten, für den sie doch eigentlich gar nichts empfunden hatte während „ihrer Zeit“, wie er es ausgedrückt hatte. Merkwürdigerweise fand sie ihn aber nun, da er älter aussah, zumindest wesentlich attraktiver. Außerdem beeindruckte sie, was er alles in der kurzen Zeit, die er hier war, schon herausgefunden hatte. Und überhaupt, was blieb ihr schon anderes übrig? Wenn die Roboter wirklich so drauf waren, wie Jens sagte, würde sie besser auf ihn hören.
Sie waren ca. eine Viertelstunde unterwegs, als ihnen ein Bus entgegenkam. Aus purer Gewohnheit sah Jackie auf die Anzeigetafel. Doch statt des Ziels stand dort in Großbuchstaben „STREIK am 28.03.18“.
„Schon wieder? Das ist morgen. Die haben doch erst vor einem Monat gestreikt“, sagte sie und als Jens sie überrascht anblickte, erklärte sie ihm, was sie gerade gesehen hatte.
„Verdammt, das ist nicht gut“, sagte er.
„Ich find's auch blöd, ewig diese Streikerei. Und wir müssen zu Fuß gehen. Oder, wenn man weiter weg will, hat man Pech gehabt. Wegen dem blöden Streik musste sich mein Vater letzten Monat zwei Tage Urlaub nehmen, weil er nicht zu seinem Arbeitsplatz kam.“
„Jacqueline, es ist nicht nur das. Hast du es schon vergessen? Wir sind nicht mehr in unserer Welt. Und Streik ist hier nicht so was wie dort, wo alle nur maulen, aber niemand was dagegen unternimmt. Hier bedeutet es, sie lassen es auf eine Auseinandersetzung mit den Robotern ankommen und das kann sehr ungemütlich werden.“
„Wozu brauchen die Roboter denn einen Bus? Die können doch keine müden Füße kriegen.“
Jens seufzte. „Darum geht es auch nicht. Wenn die Busfahrer streiken, kommen die Menschen nicht zur Arbeit. Das heißt, die Produktion steht und das ist für die Roboter eine Katastrophe. Die kennen nichts anderes als Produktion, Produktion und nochmals Produktion. Zumindest die Obersten haben dafür überhaupt kein Verständnis.“
Diese Informationen musste Jackie erst einmal verdauen. Schweigend gingen sie weiter, bis sie nach einer weiteren Viertelstunde vor einem großen, blau angestrichenen Gebäude standen, das in gewisser Hinsicht wirklich der Jugendherberge ähnelte, die Jackie kannte. In schön geschwungenen Buchstaben stand „Übernachtungszentrum mit Frühstück“ über dem großen Hauseingang und darunter:
„Eine Nacht 15 Roblo
Zwei Nächte 28 Roblo
Sieben Nächte 90 Roblo“

„Oha“ sagte Jackie mit einem schiefen Lächeln. „Ich glaube, dieses Geld habe ich nicht dabei.“
„Ich auch nicht.“
„Ich meine, ich habe auch sonst nicht gerade viel Geld dabei, höchstens insgesamt 5 Euro. Und wenn, würden die überhaupt wechseln ?“
„Nee, die haben nur den Roblo. Anderes Geld kennen die nicht.“
„Und wie hast du dann bezahlt?“
„Bis jetzt noch gar nicht. Das soll beim Check-Out erst bezahlt werden, komisch, da sind sie großzügig. Ich hab versucht, dem Roboter an der Rezeption zu erklären, dass ich kein Geld habe, doch er meinte, das könne ich mir ja wohl verdienen, wäre kein Problem. Dann hat er mir die Adresse einer Firma aufgeschrieben, bei der ich mich vorstellen sollte.“
„Und, warst du da?“
„Klar, ich wollte mir die Sache mal anschauen, aber nach drei Tagen bin ich wieder gegangen. Es war eine große Fabrik und die Arbeit war stinklangweilig und anstrengend. Nur Sachen auf ein Band legen, stundenlang – nee danke. Drei Tage haben mir gereicht.“
„Und hier hat keiner nach dir gefragt?“
„Keine Ahnung, der Roboter an der Rezeption hat zumindest nichts davon gesagt. Der ist übrigens einer von den ganz Freundlichen, hat noch nie gemeckert, wenn er mich gesehen hat, warum ich nicht auf der Arbeit bin. Ganz anders als die Roboter vom Aufsichtsamt.“
Jackie dachte schweigend darüber nach und merkte dann, dass ihr Magen knurrte.
„Ich hab Hunger, kann man hier was essen?“
„Steht doch da“, Jens wies auf die Buchstaben über dem Hauseingang - „mit Frühstück. Vielleicht kriegst du noch was, ich hab schon gefrühstückt. Außerdem musst du dich ja sowieso zum Übernachten hier eintragen. Komm!“
Jackie folgte ihm in das Gebäude hinein.

Ende des 5. Teils
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roboter, science fiction, zukunft

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