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Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

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Alt 10.08.2018, 03:53   #67
männlich Heinz
 
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Hallo Ilka Maria,
ich will mich nicht zum Kant-Kenner aufspielen. Aber die Forderung Kants, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen (richtig!), hat nichts mit dem kategorischen Imperativ zu tun. Der lautet: "„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."
Im übrigen: Ich verfolge die Diskussion mit einem amüsierten Lächeln.
Gruß,
Heinz
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Alt 10.08.2018, 07:59   #68
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Zitat:
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Hallo Ilka Maria,
ich will mich nicht zum Kant-Kenner aufspielen. Aber die Forderung Kants, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen (richtig!), hat nichts mit dem kategorischen Imperativ zu tun. Der lautet: "„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."
Da hast du natürlich recht, Heinz, der "kategorische Imperativ" ist der zweiten von dir genannten Forderung zugeordnet. Für mich passen beide Forderungen aber ganz gut zusammen .

Was die Diskussion angeht, verstehe ich dein Amüsement einerseits, auf der anderen Seite fehlt es mir an Toleranz, wenn jemand Vertreter einer Regierung verteidigt, die ihre Bevölkerung hinter Stacheldraht und Schießanlagen wegsperrt, sie ausspioniert und sie beim Fluchtversuch aus diesem Gefängnis töten lässt. Vor allem ist mir die Blindheit befremdlich, mit der automatisch der "gute" Sozialismus gegen den "kalten" Kapitalismus ins Feld geführt wird, denn beide Systeme verfolgen das gleiche Ziel, nämlich ihre Bürger so zu konditionieren, dass das jeweilige System gestützt wird. Wirklich glücklich haben beide Systeme ihre Bürger nicht gemacht.
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Alt 10.08.2018, 08:32   #69
Thing
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Nachweisbare DDR-Tatsachen sind nämlich: zugemauerte Fenster an der Grenze, Sperrgebiete, Stacheldraht, Schießbefehl, Selbstschussanlagen,
unterlassene Hilfeleistung für Angeschossene, die noch zu retten gewesen wären, Ausreiseverbot, Ausbürgerung regimekritischer Personen, Stasi-Bespitzelung, Bestechung westdeutscher Politiker, Überwachung Geflüchteter in deren Aufnahmeland u.v.a.m., das mit einem Rechtsstaat nichts zu tun hat.


Nicht zu vergessen die Minen, die die UDSSR an die DDR "verkauft" hatte.
Zu deponieren an der Stacheldrahtgrenze.
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Alt 12.08.2018, 14:55   #70
Thing
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Ich glaube, es war Rosa Luxemburg, die (sinngemäß) gesagt hat:
"Meine Grenze ist auch immer die Grenze des Anderen".
was natürlich nicht auf die verminte Stacheldrahtgrenze der DDR gemünzt war.

Wer denkt nicht an Schlange stehende Käufer, weil es wieder einmal frisches Gemüse gab (die letzten bissen die Hunde).
Schon vergessen, daß man jahrelang auf eine Waschmaschine warten mußte und jahrelang auf ein Auto?
Und beides nur bekam, wenn man parteikonform war?

Wozu Mauerbau und Stacheldrahtzaun?
Garantiert nicht, um die kapitalistischen Ausbeuter fernzuhalten !
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Alt 12.08.2018, 16:46   #71
männlich Heinz
 
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Hallo Thing,
ich weiß nicht, ob Rosa L. so etwas gesagt hat. Bekannter scheint mir das Zitat: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden."
Hallo Ilka-Maria,
in vielem, was Du sagst, steckt eine Menge Wahrheit. Die DDR-Nostalgiker gehen mir auch auf dem Keks. Natürlich: Es gab Nischen - wie hätten die Menschen sonst 40 Jahre einigermaßen überleben können. Unbestreitbar und beweisbar: Die "Deutsche Demokratische Republik" war ein Unrechtsstaat.
Dagegen zu halten, auch bei uns (in den alten Bundesländern) sei nicht alles koscher, ist dummes Zeug.
"Wir" hätten die Freigabe der Abtreibung der DDR zu verdanken? Wer solches behauptet, kennt die gängige Praxis der untergegangenen DDR nicht.
Eine Abtreibungswillige kam zur "Beratung" erst einmal für ein oder zwei Wochen auf die Wöchnerinnen-Station und wurde einem unerträglichen Druck ausgesetzt; ein Widerspruchsgeist (wie im Fall Biermann) kam vor eine Kommission, die mehrheitlich entschied, dass der Mensch nicht die sittliche Reife für ein Studium hatte und wurde an einen Hilfsarbeiterplatz in der Produktion geschickt. Vier Klugen wurden fünf Dummköpfen gegenüber gesetzt und - die Mehrheit gewann (also war alles "demokratisch" gelaufen).
Ich könnte hunderte Beispiele nennen (z.B. die Aburteilung von Angeklagten durch Mitglieder des ZK der SED, namentlich Honecker und Mielke, und folgsamen Urteilen der zuständigen Gerichte.
LG, Heinz
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Alt 12.08.2018, 17:00   #72
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Die DDR-Nostalgiker gehen mir auch auf dem Keks.
Es ist nicht der erste Fall, den wir im Forum hatten. Wir werden als Bürger der Bundesrepublik schon genügend zum Objekt gemacht und gegängelt, da brauche ich nicht auch noch die Krokodilstränen, die einem mörderischen, menschenverachtenden Staat hinterhergeweint werden.
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Alt 12.08.2018, 19:58   #73
Thing
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Als die Mauer fiel, war gelber hund 11 Jahre alt.
Und bereits so durchdrungen von den Segnungen der DDR?
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Alt 12.08.2018, 21:08   #74
weiblich Unar die Weise
 
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Als die Mauer viel war ich 7 Jahre alt.
Das Problem, welches ich hatte war, dass sich alles rasend schnell dem "Westen" anpasste.
Innerhalb weniger Monate folgte alles einem anderen Rhythmus.
Ob man nun wollte, konnte, sollte...
man musste "mit".
Mir viel es schwerer als anderen Kindern. Wir hatten nicht so viel Glück.
Mein Vater war arbeitslos geworden. Auf einmal war seine hochqualifizierte Arbeitskraft nichts mehr wert. Meine Mutter wurde öffentlich "durch den Kakao gezogen", weil rauskam,
dass ein Familienmitglied ihrerseits ein winziges Licht bei der Stasi war.
Sie hat dies ja selbst nicht gewusst und dennoch drohte ihr die Kündigung deshalb.
Wir sind zwei Jahre lang durch die Hölle gegangen. Wir Kinder sind in der Schule gehänselt worden. Und konnten nicht mal verstehen warum genau. Dafür waren wir zu klein.
Auch um uns rum, das große Ganze, war plötzlich eine andere Welt.
Das war verstörend. Plötzlich wollte jeder Markenklamotten, Westautos u.u.u.
Wir und auch andere konnten sich das nicht gleich leisten. Also warst du der Loser, wenn du mit DDR Anziehsachen ankamst. Hat doch aber auch alles mal viel Geld gekostet. Dann wars aufeinmal alles Schrott. Mein Klapprad, unser Wartburg, unsere Möbel...
wertlos, nicht zeitgemäß.
Das kann schon auslösen, dass sich ein Kind wieder zurücksehnt, weil es da nicht zum Spottobjekt wurde.
Vielleicht erging es gelber Hund auch so, vielleicht hat er sich in der neuen Welt auch nicht zurecht gefunden.
Dann sehnt man sich nämlich zurück, in sein Vertrautes, egal ob man weiß das es nicht richtig war.
Mir fehlt auch meine Heimat. Ich kann aber nicht mal eben in meine Heimat fahren, wenn mir danach ist. Sie ist nicht mehr da. Weg, angepasst...
Jetzt begreifen die Menschen erst, was es gab, das erhaltenswert war. Und da spreche ich nicht vom Staat und seiner Regierungsform, sondern von Kulturgut und Waren.
Vielleicht fehlt ihm dies auch.
Sicher beurteilt gelber Hund dies aus der Sicht des Kindes, das er damals war.
Und das kann ich nachvollziehen. Voll und ganz. Nicht jeder war ein "Wendegewinner".
Mag die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sein. Das wissen nun alle. Selbst der größte Ostalgiker.
Aber, sie ist meine Heimat und das wird sie auch bleiben!

Ob ich nun hier was Wertvolles beigetragen habe , oder nicht. Es war mir ein Bedürfnis.
Uns Kinder hat nämlich damals keiner gefragt. Es galt zieh mit oder geh unter.
Ich habe manches, was die Wende brachte, bis heute nicht verstanden. Wir mussten in der Schule so schnell umdenken und unsere Lehrer auch, dass man sich vorkam, man wäre ausgewandert.
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Alt 12.08.2018, 22:27   #75
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Zitat:
Zitat von Unar die Weise Beitrag anzeigen
Jetzt begreifen die Menschen erst, was es gab, das erhaltenswert war. Und da spreche ich nicht vom Staat und seiner Regierungsform, sondern von Kulturgut und Waren.
Ich habe bei meinen Reisen durch die DDR seit dem Fall der Mauer nichts gesehen, was der Regierung erhaltenswert gewesen wäre. Straßen, Bauwerke - alles marode. Kulturgut? Sportler, Künstler, Wissenschaftler ... wer konnte, war längst im Westen, wie z.B. Ex-Bundestrainer Helmut Schön, Schauspieler Manfred Krug oder Neurobiologe Gerald Hüther.

Der Schauspieler Wolfgang Kieling siedelte aus Protest gegen die Politik des Westens (vor allem gegen den Vietnam-Krieg) nach Ost-Berlin über, kam aber nach zwei Jahren ernüchtert in den Westen zurück.

Lesenswert ist die Biografie des Dirigenten Kurt Masur: Er musste jede Menge attraktive Angebote aus dem Westen ausschlagen, weil die DDR-Regierung fürchtete, dass er von einem Gastspiel nicht mehr zurückkommen würde. So kann man einem Menschen eine Weltkarriere ruinieren.

In der DDR-Romantik scheint mir immer ein Unterton mitzufließen, als seien die Westdeutschen schuld daran, dass das behütete, kuschelige Leben im ostdeutschen Staat ein Ende fand. Doch der Mauerfall und die Grenzöffnung waren noch nicht das Ende der DDR, sie bestand unter einer neuen Regierung noch fast ein Jahr, ehe die Protestbewegung der DDR-Bürger zur Wiedervereinigung führten. Hundertprozentig sicher war diese Entwicklung zu keinem Zeitpunkt gewesen, auch wenn die Regierung Kohl sie gefördert hatte. Ohne die Zustimmung der Amerikaner und Briten wäre die Sache ohnehin nicht möglich gewesen.
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Alt 12.08.2018, 22:43   #76
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen

In der DDR-Romantik scheint mir immer ein Unterton mitzufließen, als seien die Westdeutschen schuld daran, dass das behütete, kuschelige Leben im ostdeutschen Staat ein Ende fand.
"Schuld", sehe ich hier auf keiner Seite. Es ist nur schade, dass die DDR Bürger plötzlich nicht mehr ihre eigens gefertigten Waren schätzten. Alle wollten das ausm Westen. Das verstehe ich bis heute nicht. Die neuen Waren waren nicht immer besser, da hat auch nicht alles geschmeckt. Aber jeder warf das Alte weg und richtete sich auf neues und neu ein. Seltsam war dieses Verhalten. Da kam der Trabbi weg, obwohl man doch so lange sparte und wartete und so stolz drauf war. Da strotzen die Leute vor Anpassungsfähigkeit. Wahnsinn.
Ich kam da nicht mit.
Mit erhaltenswerten Waren meine ich z.B. manche Spielzeuge, Haushaltsgeräte, Maschinen..., was oft qualitativ sehr hochwertig und langlebig und durchdacht war.
Das haben die Leute einfach weggeworfen, die Sperrmüllberge waren gigantisch. Das tat in der Seele weh. Da war manches nagelneu. Das hätte doch nicht sein müssen.
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Alt 12.08.2018, 22:47   #77
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Oh, ich glaube, ich schreibe auch an gelber Hund vorbei.
Ich wollte verstehen, hab aber das Gefühl, das meint er auch nicht.
Auf Religion möchte ich mich nicht beziehen.

Sorry, gelber Hund, wenn ich nicht deinen Nerv getroffen habe.
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Alt 12.08.2018, 22:55   #78
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Zitat:
Zitat von Unar die Weise Beitrag anzeigen
Mit erhaltenswerten Waren meine ich z.B. manche Spielzeuge, Haushaltsgeräte, Maschinen..., was oft qualitativ sehr hochwertig und langlebig und durchdacht war.
Das verstehe ich. In Westdeutschland war das in den 50er und 60er Jahren auch noch so, dass die Haushaltsgeräte sehr lange hielten und zudem reparaturfähig waren. Allerdings waren sie in der Anschaffung teurer als in den Jahren danach, so dass auch die Leute im kapitalistischen Westen sparen mussten und stolz waren, wenn sie sich erstmals eine Tiefkühltruhe oder ein Farbfernsehgerät kaufen konnten. Wer etwas schnell haben wollte, kaufte "auf stottern", anders kenne ich es aus meiner Kindheit gar nicht. Auto? Im Westen war es eine Sensation, wenn sich jemand mit einem anderen Familienmitglied einen gebrauchten VW-Käfer teilen konnte - der natürlich von der Bank finanziert wurde. Manchmal wundere ich mich darüber, was für ein Bild vom Westen in der DDR geherrscht haben mochte.
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Alt 12.08.2018, 23:33   #79
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Wir hatten wohl das Bild der großen Freiheit und den unbegrenzten Möglichkeiten vor Augen.
Alles schien auf einmal schnell erreichbar und machbar.
Da wurde man aber schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.
Viele haben sich verschuldet.
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Alt 12.08.2018, 23:45   #80
Thing
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Standard Hallo, Unar -

Zitat:
Zitat von Unar die Weise Beitrag anzeigen
"Schuld", sehe ich hier auf keiner Seite. Es ist nur schade, dass die DDR Bürger plötzlich nicht mehr ihre eigens gefertigten Waren schätzten. Alle wollten das ausm Westen. Das verstehe ich bis heute nicht. Die neuen Waren waren nicht immer besser, da hat auch nicht alles geschmeckt. Aber jeder warf das Alte weg und richtete sich auf neues und neu ein. Seltsam war dieses Verhalten. Da kam der Trabbi weg, obwohl man doch so lange sparte und wartete und so stolz drauf war. Da strotzen die Leute vor Anpassungsfähigkeit. Wahnsinn.
Ich kam da nicht mit.
Mit erhaltenswerten Waren meine ich z.B. manche Spielzeuge, Haushaltsgeräte, Maschinen..., was oft qualitativ sehr hochwertig und langlebig und durchdacht war.
Das haben die Leute einfach weggeworfen, die Sperrmüllberge waren gigantisch. Das tat in der Seele weh. Da war manches nagelneu. Das hätte doch nicht sein müssen.
Ich stimme Dir von A - Z zu.Wir hatten ein Räuchermännchen aus dem Erzgebirge (und haben es noch). Überhaupt gab es für uns Knder immer wieder Holzspielzeuge aus der DDR.
Mein (Hobby-)Mikroskop war Marke Zeiß-Jena. Bestimmmt fiele mir noch mehr ein, aber das meine ich nicht:
Wer den Unrechtsstaat nicht nur mit Zähnen und Klauen verteidigt, sondern darüberhinaus blind verklärt, macht sich lächerlich.

Das stärkste Argument ist Heimat.
Ich kenne Heimweh nur zu gut. Ich arbeitete notgedrungen von 1973 - 1996 im Schwabenland.
1996 war meine Geduld zu Ende - ich kehrte beglückt zu meinen Wurzeln zurück.
Wer seine Heimat missen muß, ist sehr zu bedauern!

Übrigens: Mein Vater und alle seine Ahnen stammten aus Preußen.

Lieben Gruß
von
Thing
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Alt 13.08.2018, 00:03   #81
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Ja Thing, ich weiß wie du es meinst. Das Unrecht ist nicht von der Hand zu weisen.
Das überschattet manches kleine Glück bei weitem.
Dennoch habe ich tatsächlich Heimweh. Seltsam, nicht wahr. Ich verstehe das ja auch nicht so ganz.
Ich weiß Bescheid über alles, bin ja nun über die Hintergründe aufgeklärt. Und schon der gesunde Menschenverstand greift und mahnt.
Trotzdem hab ich richtig Heimweh und wöllte mit dem Finger schnipsen, um noch einmal zurückzukehren. Nur, weil ich sie nochmal spüren wöllte, das Apfeleis schmecken möchte,
die Rolltreppe vom Centrum Warenhaus fahren möchte, im Rattatatammzug rückwärts sitzen wöllte und und und. Und apropo, wo ist eigentlich das große Wandbild von Willi Sitte hin?
Weg, alles weg?
Klar, dem Fortschritt gewichen, der Mode unterlegen.
Trotzdem traurig.
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Alt 13.08.2018, 00:22   #82
Thing
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Heimweh hat mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand zu tun.
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Alt 13.08.2018, 00:25   #83
männlich Heinz
 
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Liebe Unar,
Du hast mit vielem natürlich Recht.
Wenn ich von "Ostalgie" spreche, meine ich diejenigen, die das DDR-Regime aus welchen Gründen auch immer verklären. "Es war nicht alles schlecht". Nee, natürlich war nicht alles schlecht und vieles wurde (auch durch völlig verdrehte Vorstellungen vom "goldenem Westen") auf den Müllhaufen der Geschichte geschmissen. "Heimat" - Thüringen, Jena mit seinen Kernbergen, den vertrauten Stätten meiner Kindheit, war und ist meine Heimat. Aber was haben die SED-Oberen daraus gemacht? Ich war, um ein Beispiel zu nennen, als Bundesbürger per Order de Mufti "Ausländer" (und vergessen war und verboten, vom "einig deutschem Vaterland" zu singen und folglich wurde die DDR-Nationalhymne nicht mehr gesungen, sondern nur noch intoniert).
War es ein Wunder, dass die damaligen DDR-Bürger, von der Rennpappe, auf die sie jahrelang warten mussten, auf sofort verfügbare Autos umstiegen, dass sie sich mit Sachen eindeckten (und dabei auf geschäftstüchtige Betrüger reinfielen), die als Goldstaub oder Bückware bezeichnet wurden?
Bei Diskussionen dieser Art wird zu schnell das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, dümmliche Vorurteile werden gepflegt, Tatsachen werden verdreht. Ich habe einige meiner ältesten Freunde in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern - wertvolle Menschen, die bei vorurteilsloser Betrachtung äußern: Vierzig Jahre sind wir belogen und betrogen worden.
Das System DDR, das angeblich ein sozialistisches sein sollte, ist auf der Müllkippe der Geschichte gelandet (wo es auch hin gehörte). Dass man Gefühle verletzt und versucht hat, gleich alles auf den Müll zu schmeißen - ich rechne es der menschlichen Unzulänglichkeit des Differenzierens zu.
Wir sollten liebevoller miteinander umgehen, Verständnis entwickeln, aber dabei nicht vergessen, dass Hundertausende der DDR den Rücken gekehrt haben, Zehntausende in Gefängnissen und Zuchthäusern saßen, Hunderte ihr Leben verloren (oder bis Ende der siebziger Jahre geköpft oder erschossen wurden). Die Schuldigen sind sehr glimpflich davon gekommen (und manche streichen heute noch gute Renten ein).
Ein sehr schwieriges Thema!
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 13.08.2018, 00:33   #84
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Schwieriges Thema, lieber Heinz. Da haste recht und doch gibt's gemeinsame Nenner.
Das ist doch schön.
Erinnerungen, an schöne und friedvolle Zeiten, egal wo und und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen, bleiben in Herz und Seele. Sie haben Bestand und trösten über Vieles hinweg.
Das ist normal und soll so sein. Das braucht die Seele, mit allem anderen darf sich der Verstand gern alleine beschäftigen.
Deshalb, jedem seine Bilder.
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Alt 13.08.2018, 00:35   #85
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Zitat:
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Heimweh hat mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand zu tun.
Das haste aber schön gesagt.
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Alt 13.08.2018, 00:46   #86
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Zitat:
Ilka Maria: Wo, verdammt noch mal, versteckt sich dieser Hurensohn, dem wir all das, was wir wissen und all das, was wir nie wissen werden, zu verdanken haben?
Dieser Hurensohn steckt in dir und wenn du andere mit seiner Güte anstecken würdest, würden alle zu Hurensöhnen werden und die Welt wäre plötzlich ein Paradies.

Also nicht an Gott zu glauben ist eine Sache, aber zu leugnen, dass es Gott gibt, ist schon mehr als einfältig.
Warum auch immer du Gott mit einem Menschen gleichstellst und ihn als Hurensohn bezeichnest.
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Alt 13.08.2018, 01:02   #87
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Psychopath Beitrag anzeigen
Warum auch immer du Gott mit einem Menschen gleichstellst und ihn als Hurensohn bezeichnest.
Das war ironisch gemeint .

Davon abgesehen: Gott mit Güte gleichzustellen halte ich für einen Witz. Das gesamte Alte Testament hindurch, und das ist der weitaus größere Teil der Bibel, ist Gott ein zürnender, strafender, eifersüchtiger, wankelmütiger, rächender und grausamer Gott.

Die Güte kam erst mit der Lehre Christi, die jedoch in der nachfolgenden Zeit zigfach falsch ausgelegt wurde. Außerdem streiten sich noch heute Geistliche verschiedener christlicher Richtungen darüber, ob Jesus nur ein Mensch war oder als göttliches Wesen anerkannt werden soll.
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Alt 13.08.2018, 07:02   #88
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat:
.Wir" hätten die Freigabe der Abtreibung der DDR zu verdanken? Wer solches behauptet, kennt die gängige Praxis der untergegangenen DDR nicht. .
Lieber Heinz,

den Link dazu habe ich bereits gepostet.
Ehe sich auf den Kompromiss zwischen beiden deutschen Staaten geeinigt wurde, war Abtreibung in der *** überhaupt nicht erlaubt. Wenn man als Frau in Schwierigkeiten kam, hatte man eben Pech gehabt.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.08.2018, 15:41   #89
männlich dr.Frankenstein
 
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Der große Gott der DDR war ein ernsthafter Hurensohn namens Staat und hatte einen langen Bart und dann kam sein Sohn Lenin auf die Erde um den Menschen die Bootschaf des Glüx zu übertragen wie ein Hiv Negativ auf Fotopappier.
Da kam der Stier nach Europa und galoppierte über Asien zum minitaurischen Taucheranzug und Krawatte Wolken rissen auf um mit dem Messias Stahlin dem Satanischen Gegenspieler des himmlischen Lenin der ihn mit Syphilis vergiftete.
So kam der Teufel an die Macht und sagte Nacht, denn die Stimmen aus dem Funkgerät verkündigten nur eine Kurze zeit.
Auf einem goldenen Wagen kam Baal in das Tal und amerikanisierte alle Wege nach Rom zu sich, denn ein Schatten war von der Kapuze auf seiner Stirn.
Und die Großstadthure folgte ihm ins Paradies der Weltbank.
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Alt 14.08.2018, 11:18   #90
Thing
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Möönch, Frankenstein -

das hat die Klasse der besonderen Art!

LG
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Alt 14.08.2018, 11:19   #91
männlich dr.Frankenstein
 
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Danke
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Alt 15.08.2018, 11:40   #92
männlich Eisenvorhang
 
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Vom DDR-Staat abgetrennt:
ich weiss noch sehr gut, dass die Menschen damals warmherziger waren, netter, geduldiger und zuvorkommender. Nach den 90gern dann hielt eine andere Mentalität einzug, die ich sehr vermisse.

Was Heimat angeht, so bin ich wieder dahin gezogen, wo ich geboren wurde.


vlg ev
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Alt 15.08.2018, 12:17   #93
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
...
ich weiss noch sehr gut, dass die Menschen damals warmherziger waren, netter, geduldiger und zuvorkommender ...
Das waren die Sklaven im antiken Rom auch ... bis es zur Agrarkrise, zum Scheitern von Reformen, zu Widerstand in den römisch besetzten Gebieten und zu einem Mangel an Soldaten kam. Als sich die Sklaven von den Gütern absetzten, um sich dem großen Sklavenaufstand anzuschließen, und in Freiheit um ihr Überleben kämpfen mussten, ging es auch bei ihnen nicht mehr kuschelig zu.
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Alt 15.08.2018, 16:33   #94
männlich dr.Frankenstein
 
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Wir haben ja heut zu Tage eine echt große Knappheit von allem, dass alle nur an sich denken müssen?
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Alt 21.08.2018, 20:30   #95
männlich Heinz
 
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Lieber Eisenvorhang,
warmherzige, nette, geduldige und zuvorkommende Menschen - natürlich gab es die in der DDR. Aber die gab und gibt es auch in den alten Bundesländern (und überall auf der Welt). Verräter, Spitzel, Raffgierige, Zuchthauswärter - auch die gibt es überall auf der Welt. Als mein Großvater in Jena starb, wollte ich als sein rechtmäßiger Erbe ein paar Andenken holen und war eine Woche nach seinem Tod in Jena. Die warmherzigen, netten, geduldigen und zuvorkommenden Menschen (die Nachbarn) hatten in wahrhaft "zuvorkommender" Weise nicht nur die Wohnung, sondern auch das Gartenhaus restlos geplündert. Warmherzig kondolierten sie, netterweise bekam ich den Wohnungsschlüssel und geduldig hörten sie sich meine Beschwerden an.
Also: Lassen wir die Kirche im Dorf - Schweinebacken gibt es überall und auf lobenswerte Charakterzüge hat niemand ein copyright. Schon vergessen oder verdrängt, wieviel Denunzianten Nachbarn, Freunde, selbst Ehepartner ins Zuchthaus brachten? Auch das ist keine typische Eigenschaft ehemaliger DDR-Bürger und eignet sich nicht für Verallgemeinerung. Genauso wenig wie Deine rosarote Erinnerung.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 21.08.2018, 22:53   #96
männlich Eisenvorhang
 
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Rosarot ist die Erinnerung ja nicht, sie ist in ihrer Wurzel positiv. Sie ist was sie ist. Nämlich eine positive!

Und ob der Mensch im Grunde überhaupt gut ist und ob er im Grunde überhaupt gut sein muss, ist eine ganz andere Frage.

Ich besitze sowieso relative Moralvorstellungen - der Mensch ist einfach kein soziales Wesen, er wird aber dahingehend sozial-gut erzogen.

Tja, was ist dann mit den Menschen, die dem nicht entsprechen können?
Kinderschänder, Mörder? etc. Kranke Menschen!
In meinen Augen sind diese Menschen genauso natürlich wie im System funktionierende Menschen. (Mutter Theresa bspw)

Was ich eigentlich damit sagen will, ist: in meiner Welt ist der Mensch nicht sozial. Nicht weil ich die Erfahrung gemacht habe, sondern weil ich die Menschen durch Beobachtungen so wahr nehme.

Die Menschen von damals in der DDR, sind also genauso gut wie die von heute. Dies gilt es abzugrenzen und das hat auch nichts mit Erfahrung-machen und mit dem eigentlichen Mensch-Sein zu tun.
Das ist ja auch das was du beweist. Nur weil jemand sich warmherzig zeigt, muss er das noch lang nicht sein.

Aber schlussletztlich, wie oben schon erwähnt, ist eine Erinnerung an etwas gutes eben gut und nicht rosarot.

Ein Mensch, der in der DDR in einem kleinen Dorf wohnte, machte sicherlich andere Erfahrungen wie ein junger Intellektueller im damaligen Leipzig oder eben Jena.
Sicherlich gab es auch die im Dorf, die Wahrscheinlichkeit dahingehend ist aber geringer, da die Kollektivbildung im Dorf gemeinschaftlicher und abhängiger war als viel mehr gesellschaftlicher und unabhängiger in einer Grossstadt.

Die DDR ist allerdings vorbei, sie kommt nicht mehr wieder - weswegen mirs eigentlich auch wumpe ist. Politik interessiert mich eigentlich sowieso nicht, im Moment gehen mir die ganzen rot-grünen militanten Veganer eh auf den Sack.

vlg

EV
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2018, 06:25   #97
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
... - der Mensch ist einfach kein soziales Wesen, er wird aber dahingehend sozial-gut erzogen.
Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen, denn alleine ist er weder physisch noch psychisch überlebensfähig. Er bedarf also der Gruppe und deren Handlungen innerhalb eines sozialen Systems. Ein Baby, das nur - z.B. durch einen Roboter - versorgt würde, ansonsten aber keine Ansprache hätte (das hat noch nichts mit Erziehung zu tun), würde, so behauptet die Wissenschaft, sterben.

Neben dem sozial positiv integrierten, also gemeinnützig denkenen Menschen, gibt es die unangepassten, die das System in Frage stellen (unsoziale Menschen), und die diejenigen, die am Rande des Systems stehen (asoziale Menschen). Aber alle sind als soziale Wesen zur Welt gekommen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.09.2018, 15:45   #98
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Standard Hitzig

Hallo ihr Lieben,
Bin auf diese hitzige Debatte gestoßen, die mich bewegt.
Ausgang war Gelber Hunds Enttäuschung, über einen die Welt im Stich lassenden Gott und den Schiffbruch den er dadurch erlitt.
Die Debatte verlagerte sich dann schnell in eine System-Auseinandersetzung.
Die Ausgangsfrage und der 1. Komentar, sind für mich das Interessante.
Der Mensch hat einen freien Willen sich zu entscheiden.
Das Übel dieser Welt ist Gott nicht anzurechnen.
Es ist das Werk des Menschen und in seiner Verantwortung. Wir entscheiden uns Tag für Tag aufs Neue für das Schlechte und haben aus dieser Welt ein Schlachthaus gemacht.
2. Thema
Ost vs. West
Sozialismus vs. Kapitalismus
Ich kenne für einen Wessi die DDR recht gut.
Habe dort über Jahre in Familien und Haushalte Einblick gehabt. Habe dort geheiratet, Familienfeste erlebt, Grillabende, Alltag, etc.
Mein Eindruck war, das politische Zustände kaum relevant waren für die Einstellung zum Staat.
Reisefreiheit war ein Punkt, Hauptaspekt der Kritik und Ablehnung waren wirtschaftliche Gründe. Es ging um Autos, Fernseher, Konsumartikel allgemein, Dienstleistungen, Luxusartikel. Das waren die Sehnsüchte, das waren die Magneten, die Menschen in ihren Träumen gen Westen zogen.
Nein, es waren nicht freie Wahlen, Presse-, Meinungsfreiheit, die Unabhängigkeit der Justiz. Für die Menschen die ich traf, mit denen ich sprach, waren es Schlagwörter wie Mercedes, Kaffee, Leuchtreklame, Levis, Serano und dergleichen.
Es war das Konsumparadies, das lockte, nicht Freiheit im ideellen Sinne, sondern die Freiheit des Konsums und dessen Möglichkeiten.
War die DDR gut?
Nein, ich glaube nicht.
Unabhängig von den großen Systemen habe ich die DDR immer als sehr eng empfunden. Irgendwie bedrückend und muffig. Es war eine geistige Enge, die Einfluss hatte auf Menschen, Leben, Atmosphäre, Lebensgefühl. Das war mein Eindruck, der ich der Propaganda ausgesetzt, auch nie neutral sein könnte.
War der Lebensstandard in der DDR schlecht?
Nein, meiner Meinung nach haben die Menschen auf relativ hohen Niveau ihr Leben führen könnenen. Der materielle Aspekt war gut abgedeckt. Ein Lebensstandart wie in der DDR, wäre für die Mehrheit aller Menschen ein Glücksfall, auch heute noch.
Ist der Kapitalismus besser?
Er ist in jedem Fall überlebensfähig. Die Triebfeder der Habsucht ist eine beinahe unschlagbare Kraft. Das System reformiert sich permanent und passt sich allen Begebenheiten perfekt an. Der Oportunismus ist ein idealer Mechanismus der Anpassung. Ungehindert wird unter Verzicht von Idealen, alles adaptiert, oder liquidiert, was der Maxime im Weg steht- Maximierung von Hab und Gut.
Die Verarmung von Menschen läuft auf verschiedenen Ebenen parallel.
Materielle Gewinner des Systems verarmen emotional und versanden in geistiger Flachheit. Die Belanglosigkeit dieser urbanen Wohlstands Existenzen steht der Tristes des DDR Alltags in nichts nach, auch wenn sie sich auf einen ganzen anderen Feld abspielt.
War in der DDR geistige Enge ursächlich für eine Grauheit, von staatlicher Seite quasi verordnet, ist es in der *** eine erschlagende Billigkeit mit Konsum Fokus und einer daraus resultierenden Flachheit, deren grauenvoller Hilferuf in den ungezählten Psycho Praxen der Republik mehr oder weniger ungehört verhallt und in Gebirgen von Psychopharmaka danach strebt, verschütt zu gehen.
Die materiellen Verlierer des Systems verrecken weltweit in Kriegen, Dürren und anderen Elenden und versinken ungehört im Nichts.
Ausgeblendet aus der Werbe- und Plakat Realität haben diese namenlosen kein Recht auf Wahrnehmung.
Diese Verlierer können aber auch Medikamenten Geschädigte sein, oder Krebskranke, denn der Profit von Konzernen ist systemimmanent höher gewichtet, als ein paar 1000 Tote und ihre Angehörigen. Wenn es mal ganz schlecht läuft muss ein Monsanto, alias BAYER 800 Millionen Entschädigung zahlen. Das ist dann ein Fehler in der Matrix.
Gibt es einen Ausweg?
Daran habe ich persönlich den Glauben verloren.
Wir leben damit und haben Glück, nicht zu den ganz großen Verlierern des Systems zu gehören. Alles hat seinen Preis und rundum Wohlstand geht auf Kosten von Gerechtigkeit und Zukunftsperspektive kommender Generationen.
Wir werden den Preis in Hospitzen Krankenhäusern und Sterbezimmern zahlen, wenn Wohlstands Krankheiten unsere Leiber zerfressen.
Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.09.2018, 18:19   #99
männlich BladeRuner
 
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Beiträge: 393

Standard Sinn leer

Im Beitrag von Eisenvorhang gab es den Begriff ausländische Beschaffungskriminalität.
Gruß vom Herzen
Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
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Lesezeichen für komme mit Religion nicht mehr klar

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