Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Sonstiges Gedichte und Experimentelles

Sonstiges Gedichte und Experimentelles Diverse Gedichte mit unklarem Thema sowie Experimentelles.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 19.12.2018, 01:03   #1
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Standard Ich habe meine Helden sterben sehen

Ich habe meine Helden sterben sehen.
Ich sah sie in der Menge untergehen.

Und tausend Menschen,
Haben sie wie Vieh vor ihren Karren gespannt.
Tausend Menschen,
Haben sich noch nach dem Tod an ihnen bis zum Letzten bereichert.
Und tausend Menschen ist es ganz egal.
Denn es folgen ihnen neue Menschen.
Jeden Tag.

Umsonst.

Ich habe meine Helden sterben sehen.
Davor sah ich sie lange kämpfen.
Auf einem modernen Schlachtfeld, ganz ohne Schwert.
Unbewaffnet, gegen die Kälte und Hass,
Gegen die Sucht und ihr Schicksal.

Und tausend Menschen,
Haben Worte wie Steine nach ihnen geworfen.
Tausend Menschen,
Haben statt ihrem Fleisch ihre Seele getroffen.
Und tausend Menschen ist es ganz egal.
Denn überall sterben Menschen.
Jeden Tag.

Umsonst.


Wir brauchen keine sterbenden Helden.
Wir brauchen Menschen.

Menschen
Die Ironie sind, in schwerer Stunde.
Die das Gefühl geben nicht allein zu sein,
Die offenes Ohr sind, schützender Mantel und warmer Tee.
Die mahnende Stimme sind, Vorsicht und Weitsicht.
Die tröstendes Wort im richtigen Moment sind,
Die Vergebung sind, die ehrlich sind, die sich erinnern,
Die Faust auf dem Tisch sind und das klärende Gespräch danach.
Und die Umarmung, wenn man sie am meisten braucht.

Wir brauchen wieder mehr Menschen,
die sensibel sind für die Bedürfnisse anderer Menschen.
Dazu brauchen wir Menschen, die sensibel sind.

Wir brauchen keine sterbenden Helden.
Wir brauchen Menschlichkeit.
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2018, 11:03   #2
männlich AndereDimension
 
Benutzerbild von AndereDimension
 
Dabei seit: 06/2009
Beiträge: 3.300

Hallo WeiblichUndIrre,

an diesem Text kannst Du...sofern du magst...noch arbeiten - z.B.
Zitat:
Ich habe meine Helden sterben sehen.
Ich sah sie in der Menge untergehen.
Ich habe meine Helden sterben sehen,
sah sie in der Menge untergehen.

Zitat:
Und tausend Menschen,
Haben sie wie Vieh vor ihren Karren gespannt.
Tausend Menschen,
Haben sich noch nach dem Tod an ihnen bis zum Letzten bereichert.
Und tausend Menschen ist es ganz egal.
Denn es folgen ihnen neue Menschen.
Jeden Tag
Kein Komma nach "Menschen"...ihrem statt dem Tod...."bis zum Letzten" komplett streichen. - ebenso "ganz" (Füllwort) streichen....nach "egal" Komma.

Zitat:
Unbewaffnet, gegen die Kälte und Hass,
entweder "gegen kälte und Hass"....oder "gegen die Kälte, gegen den Hass"

Zitat:
Haben statt ihrem Fleisch ihre Seele getroffen.
Seelen

Zitat:
Wir brauchen keine sterbenden Helden.
Wir brauchen Menschen.
Nicht nur wegen der Doppelung unlyrisch

Wir benötigen keine sterbenden Helden,
wir sehnen uns nach Menschen
(als Beispiel)

Zitat:
Menschen
Die Ironie sind, in schwerer Stunde.
hier ist es genau umgekehrt (wie oben): Komma nach Menschen
Zitat:
Die das Gefühl geben nicht allein zu sein
Wem oder was geben sie dieses Gefühl?...und vermutliche alleine statt allein (je nach Bezug)

Zitat:
Die offenes Ohr sind, schützender Mantel und warmer Tee.
..ebenso ohne Bezug. So...wie es da zu lesen ist...wäre das eher ein Fall für den HNO Arzt.


Zitat:
Die Faust auf dem Tisch sind und das klärende Gespräch danach.
Und die Umarmung, wenn man sie am meisten braucht.

Wir brauchen wieder mehr Menschen,
die sensibel sind für die Bedürfnisse anderer Menschen.
Dazu brauchen wir Menschen, die sensibel sind.

Wir brauchen keine sterbenden Helden.
Wir brauchen Menschlichkeit.

Wir "brauchen" vor allem bessere Texte...also arbeite daran

Gruß, A.D.






AndereDimension ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2018, 11:47   #3
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Hallo WuI,

ich halte die Verbesserungsvorschläge von AndereDimension für hilfreich.

Außer was die Wiederholung des Wörtchens "brauchen" angeht. Wiederholungen sind ein gängiges Stilmittel in der Lyrik. Und hier verstärkt sich die Aussage darüber, was wir brauchen gerade durch die Gegenüberstellung zu dem, was wir nicht brauchen.

Der Text braucht diese Wiederholung meiner Ansicht nach.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2018, 19:25   #4
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Hallo Andi,

danke, dass du dich so intensiv mit meinem Text befasst hast.

Heute mag ich nichts an ihm verändern. Vielleicht morgen...
Ich halte ihn auch nicht für wirklich lyrisch, vielleicht hätte ich ihn in einer anderen Schublade unterbringen sollen.

Hallo Schmuddi,

dank dir auch.

Irregute Abendgrüße euch beiden
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2018, 19:28   #5
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Wir brauchen keine besseren Texte.
Es gibt so viele gute Texte.

Das macht die Menschen auch nicht besser.
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 00:44   #6
männlich Perry
 
Benutzerbild von Perry
 
Dabei seit: 11/2006
Alter: 66
Beiträge: 2.637

Standard Hallo WeiblichUndIrre,

inhaltlich bin ich durchaus bei Dir, denn wir brauchen tatsächlich mehr Menschen, die nicht wegschauen sondern helfen, wenn andere in Not sind.
Bildlich sehe ich den Begriff "Helden" für die Gequälten und Unterdrückten nicht optimal gesetzt, denn Helden kämpfen (als Vorbilder) für etwas, sei ums Überleben oder bis zum Tod. Die gewählten Bilder erinnern mich an Zeiten, in denen Menschen als Leibeigene oder Sklaven ausgebeutet wurden, passen also höchsten sinnbildlich in unsere Zeit.
Das ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck.
LG
Perry
Perry ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 01:23   #7
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Standard Hallo Perry,

Ich wollte es allgemein halten... dachte aber auch an Weltstars, die zu früh durch Drogenkonsum oder Suizid gestorben sind. Menschen, die uns begleitet haben mit ihrer Musik, Film, Schauspiel uvm. Und dann liest man etwas über ihre Geschichte und hört sich zum ersten Mal aufmerksam die Songtexte an, obwohl man sie schon seit zwanzig Jahren und länger kennt. Und man fragt sich: Die waren doch lang nicht mehr Geschäftsfähig in ihrem Drogenkonsum, in ihrer Depression... wie konnte man zulassen, dass sie weiter machen?

Es geht um Internetberühmtheiten, die tagtäglich den Meinungen von tausenden Menschen ausgesetzt werden. Die bis zum Schluss dem Spott, den schnellen Worten fremder Leute ausgesetzt sind. Die offensichtlich nicht in der Lage waren diesem Druck stand zu halten. Es geht um Kommunikationsstrukturen in sozialen Netzwerken. Um Gruppendynamik. Um Sprachmuster und Reaktionen...
Und um falsche Versprechungen/ ein falsches Bild dieses Marktes.
Ein Bild, das dafür sorgt, dass Eltern ihre Kinder in Talentshows und vor die Kameras der Welt stellen. Naiv? Oder nehmen sie die damit verbundenen Risiken einfach hin? Es ist der Wunsch nach Anerkennung, der die Menschen dazu treibt. Anerkennung, die sie auch bekommen, bis man sie beim kleinsten Fehltritt öffentlich zerreißt... und dafür gibt es keine Warnung.
Entweder bist du hart oder du bist weich. Entweder hast du Glück oder du hast Pech. Je höher du steigst, desto tiefer kannst du fallen...
Es ist das Spiel und der Verkauf der Emotionen der Menschen.
Und das manipulieren der Emotionen der Menschen.
Irgendwie so etwas...

Lg zurück
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 02:09   #8
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 20.532

Zitat:
Zitat von WeiblichUndIrre Beitrag anzeigen
Es ist der Wunsch nach Anerkennung, der die Menschen dazu treibt. Anerkennung, die sie auch bekommen, bis man sie beim kleinsten Fehltritt öffentlich zerreißt... und dafür gibt es keine Warnung.
Entweder bist du hart oder du bist weich. Entweder hast du Glück oder du hast Pech.
Ich bin nicht sicher, ob das Phänomen so einfach zu erklären ist. Auch nicht, ob man die Verlierer zwangsläufig als Opfer eines gnadenlosen Medienapparats und Publikums sehen muss. Egal, ob ein Mensch mehr hart oder mehr weich geartet ist, er braucht für den Durchbruch vor allem eins: Er muss passoniert sein, für "seine Sache" brennen. Von allen Stars haben es nie nur die starken nach oben geschafft, sondern die Stehaufmännchen, also diejenigen, die sich nach einer Phase tiefster Verzweiflung wieder auf dem Weg zu ihrem Ziel gemacht haben. Aber selbst unter Stars, die anerkannt und dauerhaft erfolgreich waren, gab es immer wieder welche, die trotzdem - und obwohl sie ihre Arbeit liebten - durch Drogen oder Suizid ausstiegen. Man denke an Robin Williams, der tolle Rollen in wunderbaren Filmen spielte, offensichtlich ein harmonisches Privatleben hatte, sich aber trotzdem nicht gegen seine Depressionen wehren konnte.

Natürlich hat die rasante technische Entwicklung unserer Zeit einen starken Effekt auf den Umgang der Menschen mit den Medien. Er muss immer reaktionsschneller und anpassungsfähiger werden, frühzeitig den Wandel des Zeitgeistes spüren und sich auf neue Herausforderungen einlassen, um nicht abgehängt zu werden, egal ob er auf der "Bühne" oder davor steht. Trotzdem gilt immer noch: Auch wenn Menschen auf der Jagd nach Anerkennung und Erfolg scheitern, ist das, nimmt man als Beispiel die Künstlerwelt, nur ein Bruchteil. Die meisten werden alt und sind oft sogar dann noch aktiv. Keith Richard von den Rollings Stones ist gerade 75 geworden, und Mick Jacker ist genauso alt. Wir lesen erschüttert über den frühen Tod von Stars, vergessen aber schnell die täglichen Meldungen von Berühmtheiten, die im Alter von zwischen 80 bis 100 Jahren eines natürlichen Todes gestorben sind. Und Kirk Douglas ist in diesem Dezember 102 Jahre alt geworden.

Es gibt noch eine Menge unserer Helden.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 02:29   #9
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Wenn ich beispielsweise Chester Benningtons (Linkin Park) Lebenslauf nehme, seine Songs analysiere, lese, dass er wenige Wochen vor seinem Lebensende einen guten Freund verloren hat und auf dessen Beerdigung sang bevor er sich selbst das Leben genommen hat...

Oder Amy Winehouse, komplett fertig mit sich und der Welt bei ihrem letzten Konzert...

Die Liste dieser Menschen wird länger und länger.
Es ist ihre Authentizität, die sie erfolgreich gemacht hat. Sie haben viele ihrer Songs selbst geschrieben. Es sind ihre Gefühle, die sich gut verkaufen ließen, ihre Extreme, die faszinierten. Es sind aber auch ihre Gefühle, die sie so verwundbar gemacht haben. Und es ist schockierend, dass niemand da war um sie aufzuhalten oder ihnen zu helfen.

Ich denke es ist dringend notwendig diese Menschen im Vorfeld besser zu schützen. Vor sich selbst und denen, die an ihnen teilweise unvorstellbar große Summen verdienen. (Was immer unvorteilhafte Konflikte birgt.)

Lieber sechs Monate Klinik, wenn nötig gegen den eigenen Willen auf ärztliche Anordnung oder amtlichen Beschluss. Und dann fünfzig Jahre länger leben. Vielleicht hätten diese Persönlichkeiten am Ende noch etwas gehabt von dem Wahnsinn, dem sie sich da ausgesetzt haben. Nicht nur andere...

Sie sind Vorbilder für Generationen.
Vorbilder die man öffentlich vor allen Augen sterben ließ.
Die man bewusst oder unbewusst geopfert hat. Wofür? Für Geld?
Weil man es nicht gesehen hat? Weil man es nicht sehen wollte?
Das ist nicht gesund. Auch nicht für die, die zusehen und sich mit diesen Menschen identifiziert haben...
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 02:31   #10
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Zitat:
Keith Richard von den Rollings Stones ist gerade 75 geworden, und Mick Jacker ist genauso alt. Wir lesen erschüttert über den frühen Tod von Stars, vergessen aber schnell die täglichen Meldungen von Berühmtheiten, die im Alter von zwischen 80 bis 100 Jahren eines natürlichen Todes gestorben sind. Und Kirk Douglas ist in diesem Dezember 102 Jahre alt geworden.

Es gibt noch eine Menge unserer Helden.
Ich hoffe, das bleibt auch so.
Wo soll denn sonst in Zukunft die gute Musik (uvm) herkommen? :-)

Irre Gute-Nacht-Grüße
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 02:46   #11
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 20.532

Zitat:
Zitat von WeiblichUndIrre Beitrag anzeigen
Und es ist schockierend, dass niemand da war um sie aufzuhalten oder ihnen zu helfen.
Das scheint mir ein wichtiger Aspekt zu sein. Künstler, die in stabile Beziehungen finden, bekommen oft rechtzeitig die Kurve. Ich denke da an Johnny Cash, der durch Tabletten und Alkohol fast am Ende war, aber dann in June Carter die richtige Frau an seiner Seite hatte.

Auch der in den 70ern populäre Schriftsteller Johannes Mario Simmel war ein "Säufer", wie er zugab. Er hörte mit dem Trinken auf, nachdem er eine neue Ehe geschlossen und sein Domizil in der Schweiz aufgeschlagen hatte.

Es ist nicht der Stress, sondern die Einsamkeit, die solche Leute fertig macht, trotz der öffentlichen Präsenz. Tagsüber Bühne und Publikum, abends das trostlose Hotelzimmer.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 02:59   #12
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Zitat:
Sie sind Vorbilder für Generationen.
Ich glaube, das ist halt, ungeachtet der Dinge, die du richtigerweise angeführt hast, auch Teil des Problems, dass man sie zu Vorbildern macht, statt ihnen ihre Menschlichkeit zuzugestehen. Man lässt diese jungen Künstler eine übermenschliche Last tragen, die die Gesellschaft aus Bequemlichkeit ablegt. Man sollte sich lieber so verhalten, dass man sich selbst zum Vorbild nehmen kann.

Als die Frontfrau von den Cranberries gestorben ist, hat mich das ziemlich mitgenommen, aber einfach deshalb, weil ich der ganzen ungesungenen Lieder nachgetrauert habe (und weil ich einsehen musste, dass die 90er vorbei sind). Die Person kannte ich ja nicht und man sollte sich nicht einbilden, dass man jemals den Menschen hinter dem Künstler verstanden hat. Orientierung bei völlig fremden Menschen zu suchen ist aus meiner Sicht für beide ungesund.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 03:09   #13
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Es ist immer schwer vorstellbar, wie jemand, der mit jedem Kontakt aufbauen könnte am Ende doch einsam ist...
Aber wahrscheinlich bleibt nach dem Job und den Drogen nicht viel Zeit um Kontakte zu halten. Und die, die einen am besten verstehen, haben das gleiche Zeitproblem.
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 03:15   #14
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Ich wollte noch ergänzen, um den Bogen wieder zurück zu deinem Gedicht zu schlagen:

Zitat:
Ich glaube, das ist halt, ungeachtet der Dinge, die du richtigerweise angeführt hast, auch Teil des Problems, dass man sie zu Vorbildern macht, statt ihnen ihre Menschlichkeit zuzugestehen.
Das ist es übrigens, was ich für mich aus deinem Text herauslese.

Zitat:
Wir brauchen keine sterbenden Helden.
Wir brauchen Menschlichkeit.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 03:20   #15
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Schmuddi, Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene machen das! Oder nicht mehr? Ich werde alt...

In meinem Freundschaftsbüchern aus der Schulzeit, in jedem das ich für andere ausfüllen sollte stand die Frage: Hast du ein Idol?

Ich glaube viele Menschen brauchen irgendwo ein Vorbild, mit dem sie sich identifizieren und dem sie nacheifern können. Aber es muss natürlich nicht prominent sein. :-)

Und den vielen ungesungenen Songs trauere ich auch hinterher.
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 08:59   #16
männlich AndereDimension
 
Benutzerbild von AndereDimension
 
Dabei seit: 06/2009
Beiträge: 3.300

Nicht eine/r dieser genannten "Berühmtheiten" ist mir auch nur ansatzweise ein Vorbild. Den "wahren Helden" begegnet man eher im Alltag. Für mich unterscheidet den Rockstar erst mal nichts von der Putzfrau...außer der Tatsache, dass sie unterschiedliche Berufe haben. In der Öffentlichkeit zu stehen ist kein Gütesiegel...dann schon eher ein Indiz für die Oberflächlichkeit derer...die diese Menschen in den Himmel loben.

Keith Richards, als Gitarrist ohnehin nur minderbegabt, hat einfach nur das Glück mit guten Songwritern in einer Band zu spielen...ansonsten würde ihn kein Schwein kennen. Wegen seiner Drogenexzesse und Weibergeschichten wird ihn wohl kaum jemand verehren.

Was ich eigentlich damit sagen möchte: ich glaube WuI, dass sie es so meint...wie sie es sagt/schreibt...aber ganz allgemein gesehen halte ich solche "Aufrufe" eher für überflüssig...denn jeder hat die Möglichkeit in seinem Alltag etwas zu tun...statt "nur" darüber zu reden.
AndereDimension ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 11:29   #17
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Zitat:
Schmuddi, Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene machen das!
Ja, Kinder brauchen natürlich jemanden, nach dem sie sich richten können. Im Idealfall sollten dies aber die Eltern sein (leider ist es natürlich längst nicht immer so, dass Eltern sich so verhalten, dass Kinder sie als Richtstern betrachten können). Als Erwachsener dann ist es auch nicht so verkehrt, "Vorbilder" zu haben, aber nur bezogen auf eine Fähigkeit, nicht auf einen Lebenswandel. Da ist mir z.B. Euler so ein Vorbild, was die Mathematik angeht, obwohl er privat wohl ein sehr seltsamer Mensch gewesen sein soll. Oder was Prosa angeht, ist Hemingway einer meiner liebsten Schriftsteller. Wenn ich allerdings die Chance hätte, ihn wieder ins Leben zurückzurufen und mit ihm zu reden, würde ich darauf verzichten, weil ich ihn, nach allem, was ich über ihn gelesen habe, höchst unsympathisch finde.

Ich will damit sagen: es ist wichtig, den Künstler und den Mensch auseinanderzuhalten. So kann ich auch ohne überflüssiges schlechtes Gewissen sagen, dass O.J. Simpson der beste Runningback in der Geschichte der NFL war, denn es sagt über den Menschen überhaupt nichts aus. Bill Cosby finde ich nach wie vor lustig und bin doch froh, dass er im Gefängnis ist. Sich mit jemandem als Menschen zu identifizieren, nur weil er Lieder, Gedichte oder Mathematik fabriziert hat, die man toll findet, halte ich für gefährlich. Wenn das Idol dann plötzlich, seine Frau umbringt oder massenweise Frauen vergewaltigt, was macht das dann mit einem Menschen, der sich mit diesen Leuten identifiziert hat?
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 23:31   #18
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Danke AnDi,

ich fand an Bennington so gut, dass man gesehen hat wie er gegen seine Depressionen gekämpft hat und mit seinen Songs vielen Leuten das Gefühl gegeben hat verstanden zu werden. Umso tragischer ist sein Ende. Und das nicht nur für ihn.

Was mich angeht... ich habe kein Idol. Aber ich habe Respekt vor Menschen, die etwas mit Leib und Seele tun. Weil es ihre Natur ist. Sie faszinieren mich. Jemand, der seine Kunst und seine Persönlichkeit voneinander trennt, würde mich vermutlich einfach nicht mitreißen. Er muss etwas von sich selbst in diese Kunst hineinarbeiten.

Zitat:
Sich mit jemandem als Menschen zu identifizieren, nur weil er Lieder, Gedichte oder Mathematik fabriziert hat, die man toll findet, halte ich für gefährlich. Wenn das Idol dann plötzlich, seine Frau umbringt oder massenweise Frauen vergewaltigt, was macht das dann mit einem Menschen, der sich mit diesen Leuten identifiziert hat?
Was ist, wenn man sich mit Teilen der Persönlichkeit oder mit Interessen identifiziert? Wie war das noch gleich... wollte Hitler nicht Kunst studieren?
Vielleicht sollten wir uns jetzt alle sicherheitshalber wegsperren. Nicht das noch einer durchdreht und irre wird.
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:11   #19
männlich Einsamkeit
Gast
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Im Süden Sachsens
Beiträge: 167

Ich respektiere Menschen, die den Mut besitzen selbstbewusst zu leben. Sich ihrer selbst gewahr zu sein. Mit allen Stärken und Schwächen. Ohne dabei sich hinter einer Maskerade zu verstecken.

Irgendwie fehlt mir die Jugendzeit. Ausfahrt mit der Klasse. Einfach gelebt - ins Zelt gekotzt, in der Bierlache gepennt. Arm in Arm geschunkelt, gelacht und gelitten. Im Mondenscheinpastell Heine und Brecht gelesen.

Man war einfach was man war und jetzt, viele Jahre später, ist der gefühlte Irrsinn der Menschenheit mein täglicher Begleiter und ich fühle mich auf dieser Welt fremd und ausgeladen.

Vielleicht gibt es noch Hoffnung.

Andi, ich finde Du denkst hier sehr zweidimensional.
Obzession kann auch unter Verehrung vererbt werden. Dann ist es egal, ob das Idol ein Killer war.

-
Einsamkeit ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:21   #20
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Hallo Einsamkeit,

danke für deinen Kommentar. Manchmal fühle ich mich auch so. Und dann sorgt irgendwer für nen blöden Spruch und heitert mich wieder auf... Und es ist egal, wie bescheuert der Spruch ist. In dem Moment ist er einfach gut.

Das Zitat ist von Schmuddelkind. Tut mir leid, ich habs nicht ordentlich gekennzeichnet. Und mich auch nicht für den Kommentar bedankt.
Maximaaale Verwirrung.

Sorry AnDi, Sorry Einsamkeit, Danke Schmuddi.
Irre Grüße :-)
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:25   #21
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 20.532

Zitat:
Zitat von WeiblichUndIrre Beitrag anzeigen
Nicht das noch einer durchdreht und irre wird.
Da hab mal keine Sorge. Ehe ein Richter jemanden für irrsinnig erklärt, wird er die Steuerfreiheit für den goldukatenscheißenden, mit Patent vor Nachahmung geschützten Esel, mit deutschem und EU-Recht für vereinbar durchgehen lassen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:35   #22
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Zitat:
ich habe kein Idol. Aber ich habe Respekt vor Menschen, die etwas mit Leib und Seele tun. Weil es ihre Natur ist.
So geht es mir jedenfalls auch.

Zitat:
Was ist, wenn man sich mit Teilen der Persönlichkeit oder mit Interessen identifiziert?
Das Problem, das ich nur sehe, ist, dass man die Persönlichkeit ja nicht kennt, außer man lernt die Künstler privat kennen. Man sieht nur eine öffentliche Persona.

Mit Interessen, klar. Interessen/Fähigkeiten - ich denke, da kann man sich halt an Leuten orientieren, die auf dem Gebiet was geleistet haben.

Aber unter einem Vorbild verstehe ich halt in erster Linie ein moralisches Vorbild. Deshalb habe ich auch O.J. Simpson und Bill Cosby ins Spiel gebracht. Beide galten als musterhafte, ehrenwerte Personen.

Cosby war die moralische Instanz der afroamerikanischen Öffentlichkeit; er war America's Dad, hat sich karitativ unglaublich engagiert, hat sich für Bildung, Frauenrechte und für ein selbstbewussteres schwarzes Amerika eingesetzt. Es gab unzählige Männer, die mit der Cosby-Show groß geworden sind und dachten: "So wie Cosby - so will ich sein." Und dann stellt sich heraus, dass dieses Idol massenweise Frauen unter Drogen gesetzt und sie vergewaltigt hat und wenn man all seine Hoffnungen und Werte auf diesen Mann projiziert hat, dann ist plötzlich nichts mehr davon da.

O.J. Simpson ein ähnlicher Fall: Jeder, der mit ihm mal 5 Minuten geredet hat, bestätigt, dass Simpson der netteste und charmanteste Mann ist, den man sich vorstellen kann. Jemand, mit dem man auf Anhieb befreundet sein will, einfach ein cooler Typ. Und dann stellt sich heraus, dass dieser freundliche, "coole" Typ seine Frau in einer ausbeuterischen, gewaltsamen Ehe festhielt und sie auch nach der Trennung noch immer zu kontrollieren versuchte und sie ob des Kontrollverlustes umbrachte.

Man sieht halt nur das Äußere dieser bekannten Personen und kann sich nie sicher sein, ob das Bild, das man von einem "Vorbild" hat, auch zutrifft. Aber gut, ich will auch gar nicht weiter den Thread ins Offtopic ziehen (weiß nämlich nicht so genau, inwieweit meine Ausführungen eigentlich zu deinem Gedicht passen). Mich interessiert das Thema nur aus persönlichen Gründen und habe einfach ein paar Erfahrungen gemacht, die mich da besonders sensibilisieren. Dafür kann dein Thread ja nix.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:38   #23
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Hallo Ilka,

Zitat:
Da hab mal keine Sorge. Ehe ein Richter jemanden für irrsinnig erklärt, wird er die Steuerfreiheit für den goldukatenscheißenden, mit Patent vor Nachahmung geschützten Esel, mit deutschem und EU-Recht für vereinbar durchgehen lassen.
Ist jetzt aber auch in keinster Weise beruhigend.

Irregute Abendgrüße
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:47   #24
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Hallo Schmuddi,

Zitat:
unter einem Vorbild verstehe ich halt in erster Linie ein moralisches Vorbild.
https://de.wikipedia.org/wiki/Janusz_Korczak
So eins zum Beispiel? Oder Schindler? Oder die Menschen, die sich derzeit abmühen dafür zu sorgen, dass aus dem Mittelmeer nicht noch mehr Massengrab wird als ohnehin schon?

Wo stellen wir da später dann eigentlich die Gedenksteine hin? Oder bauen Mahnmale? An den Strand neben die Hotels? Vielleicht direkt in den Swimmingpool. Als Symbol des Mitgefühls des mittelständischen Urlaubers?

Ich glaube nicht, dass viele Menschen moralische Vorbilder haben. Schön, dass du welche hast.

Irregute Abendgrüße
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 00:57   #25
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Ich glaube, das beste Vorbild ist man selbst, wenn man zurückschauen kann und sagen kann: "Das habe ich richtig gemacht. Ich bin stolz auf mich." Und dann motiviert das am meisten, weiterhin das Richtige zu tun. Man darf halt nur nicht glauben, dass man sich immer richtig entscheiden wird und sich nicht gleich selbst verprügeln, wenn man Fehler gemacht hat.

Wir sind Helden.

Oder man kann sich eben an außergewöhnlichen Taten "normaler" Menschen, wie du sie aufgezählt hast, orientieren. Die geben einem ja auch eher das Gefühl, dass man selbst einen Beitrag leisten kann, als irgendeine übergroße Figur.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 01:06   #26
weiblich WeiblichUndIrre
 
Benutzerbild von WeiblichUndIrre
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Gummizelle xD
Alter: 29
Beiträge: 1.224

Zitat:
Oder man kann sich eben an außergewöhnlichen Taten "normaler" Menschen, wie du sie aufgezählt hast, orientieren. Die geben einem ja auch eher das Gefühl, dass man selbst einen Beitrag leisten kann, als irgendeine übergroße Figur.
Das ist ja die Ironie an der Sache... gäbe es für den einen Übergroßen doch nur viel mehr kleine, die etwas tun würden. Oder die bewusst etwas nicht tun...
Dann braucht es den Einen nicht.
Aber auch dafür entsteht ein kollektives Bewusstsein. Nach und nach...
WeiblichUndIrre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 01:17   #27
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.786

Jepp, so sehe ich das auch.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Ich habe meine Helden sterben sehen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Meine Helden DrKarg Lebensalltag, Natur und Universum 5 07.07.2017 09:53
Helden muux Zeitgeschehen und Gesellschaft 14 09.09.2015 01:18
Meine Tränen wird niemand sehen Wölfin Düstere Welten und Abgründiges 6 07.08.2012 16:44
Ich habe meine Seele in einen Roboter hochgeladen Monty Schwarz Sonstiges Gedichte und Experimentelles 5 11.08.2006 14:57
Habe gedacht ich hätte meine liebste gesehen Thomas Sch. Gefühlte Momente und Emotionen 0 27.05.2005 14:10


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.