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Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

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Alt 19.03.2018, 13:18   #232
männlich Schmuddelkind
 
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Standard Brief Nr. XXXV

Liebe Babsi,

es wäre anmaßend von der Welt Gerechtigkeit zu verlangen, doch ebenso anmaßend wäre es von einem Menschen zu verlangen, die Ungerechtigkeit anzunehmen. Welchen Sinn soll das alles haben? Sie verstehen wie ich nur sie verstehen kann, wie nur ich sie verstehen kann, derart vertraut zu sein, und doch einsam bleiben! Zwischen all den bekritzelten Papieren stützt sich mein Ellbogen auf meinen Schreibtisch, mein Kopf in die Armbeuge eingesunken und mehr aus der Erinnerung als mit den Augen lese ich seit Stunden ihre Briefe, höre sie vielmehr mir vorlesen und versuche zu verstehen, welche Fehler ich gemacht haben muss, worin mein Hochmut gründete. Doch wenn ich es nicht besser wüsste, wenn dies Briefe wären, zu denen ein Freund meinen Rat erfragte, so könnte ich ihm nur begründete Hoffnung aussprechen, denn so viel bedeutsame Zuneigung kann doch nicht einfach im Nichts versiegen.
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Alt 19.03.2018, 21:23   #233
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So mancher Mensch ist ein Hoffender, wenn es um Liebe geht. Und jede Hoffnung birgt die Gefahr, sich zu täuschen und enttäuscht zu werden. Und wenn das passiert, nimmt man sich vor, das Hoffen zu lassen, weniger in Gesten und Worten des Gegenüber zu lesen. Und dann kommt die nächste Nachricht oder ein Lächeln und die Vorsätze springen freudestrahlend über Bord und winken dabei noch recht frech. Das kann ein Bürde sein.

Werther war so ein Mensch. Deine Figur ist es ebenso. Und so ehrlich und wirklich wie du es schilderst, wage ich zu behaupten, dass du es zumindest einmal warst

Du schreibst so wunderbar.

Gruß,
Laie
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Alt 19.03.2018, 22:15   #234
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Man ist eben nur so stark wie die Liebe es erlaubt. Und da kann man noch so stark sein - wenn einem die Sehnsucht übermannt, zittert die Stimme. Das haben Werther und mein Protagonist wohl tatsächlich gemeinsam. Danke, dass du dies in deine eigenen Worte gepackt hast und danke auch für dein Lob.

LG
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Alt 20.03.2018, 23:03   #235
männlich Schmuddelkind
 
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Standard Brief Nr. XXXVI

Liebe Babsi,

ihre Freundschaft ist das Wertvollste, das mir noch geblieben ist. Also gebe ich vor, dass ich mein Begehren hinter mir gelassen habe, um dieser Freundschaft den Raum zu geben, den sie braucht. So finde ich mich wieder in der Tragik, dass ich ihr Scherze schreibe, während ich weine. Was ist das für eine Welt, in der ich leiden muss, um sie glücklich zu erleben? Doch wie leidvoll wäre die Welt ohne ihre Freude? Nur in dieser Selbstleugnung dämmert irgendwo in der Ferne etwas sinnhaft hervor. Es ist mir unmöglich, bei klarem Verstande ich selbst zu sein. Entweder bin ich vernünftig oder die Welt ist es, keinesfalls beides.
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Alt 20.03.2018, 23:24   #236
männlich pathos79
 
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Genau das zeigt die Diskrepanz der Figur, die Unstimmigkeit der Gefühle und die unvollendete Liebe, an sich fast schon ein Weg in die Katastrophe/Drama...
Oder es fehlt die Akzeptanz der Realität
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Alt 22.03.2018, 09:35   #237
männlich Schmuddelkind
 
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Danke für deine Interpretation, Pathos. Ich habe ganz ähnliche Ideen zum Text wie du.

So wie ich das sehe, geht es zum einen um einen Menschen, der seinen ganz eigenen Weg gehen will, querfeldein, und der daher nicht in diese Welt passt - das zeigt auch seine Sprachverwendung. Man kann dazu positiv sagen, dass er ein Unikat sei, aber man kann auch entgegnen, dass er sich der Realität verweigere.

Zum anderen geht es aber auch um die Konflikte in ihm, um die konfligierenden Kräfte, die in einer sensiblen Seele unbändig walten, sobald ein noch so kleines äußeres Ereignis ihn aus dem Gleichgewicht bringt.

LG
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Alt 22.03.2018, 11:36   #238
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Jetzt habe ich endlich wieder Zeit gefunden, weiterzulesen.
Mit Spannung erwarte ich jeden neuen Brief.
Ich bin immernoch gefesselt.
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Alt 22.03.2018, 14:03   #239
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Hallo Unar,

schön, dass du wieder an Bord bist.
Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen - der nächste Brief folgt gleich...
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Alt 22.03.2018, 14:13   #240
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Standard Brief Nr. XXXVII

Ach Babsi,

ich leide an der Schönheit der Welt. Ich höre Kinder lachen wie des Frühlings Atem, wie ein Jetzt, dem das Nachher weicht. Und ich gehe zum Fenster und sehe den friedvollsten Sonnenschein und die Bäume voller Zuversicht sprießen. Dies alles ist mir zum Spotte zugedacht. Ich leide an allem, was gut ist, schwärzte die Blumen und schüfe ewige Nacht, wenn mir im Augenblicke, da ich mich nicht mehr in der Welt erkenne, solche Macht zuteil würde.

Dennoch gehe ich hinaus, neige mich nach dem Frühling hin, spüre die Wärme mir durch jede einzelne Pore strömen. Ganz ergreift die Harmonie der Natur Besitz von meinen Sinnen - die Wiese am Hang wird von derselben Sonne in saftigem Grün widergegeben, die die Blümlein am Wegesrand zum Blühen anregt und das Große und Weite findet sich im Kleinen und Nahen wieder - und keinen Anteil habe ich daran. Ganz und gar nichtig bin ich schon, doch nichts kann mir genügen. Vor Verwirrung vergehe ich und verlange nach mehr. Aus einem Blick wird ein Spaziergang. Aus einem Spaziergang wird eine Wanderung. Aus einer Wanderung wird eine Odyssee. Ganz gleich wie weit ich gehe - nie komme ich an.
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Alt 22.03.2018, 14:42   #241
weiblich Unar die Weise
 
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Ach Schmuddelchen,
deiner Wortwahl und deinem Syntax bin ich längst verfallen.
Würde auch nur ein einz'ger so zu mir sprechen, es käme einer Offenbarung gleich.
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Alt 02.04.2018, 22:27   #242
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Na ja, würde ich so reden, wie mein Protagonist schreibt, würden die mich glatt einliefern.

Sorry, dass ich mich erst jetzt melde. War die letzten Tage "außer Landes".

LG
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Alt 02.04.2018, 22:28   #243
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Dann liefere mich mit ein.
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Alt 02.04.2018, 22:31   #244
männlich Schmuddelkind
 
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Ach, du weise Irre!
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Alt 02.04.2018, 22:35   #245
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Das wird lustig!
Ich und Du und wir zwei sind ja schon vier. (Zitat)
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Alt 02.04.2018, 22:49   #246
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Standard Brief Nr. XXXVIII

Liebe Babsi,

heute träumte ich von meiner Verdandi: Die Luft hatte sich durch die vorangegangenen Gewitternächte abgekühlt und leichter Nieselregen kitzelte auf der Haut, als wir durch das hüfthohe Gras gingen, von dem wir mit den Handflächen Tropfen pflückten. Die Bäume meidend, die hin und wieder ihr nasses Haupt schüttelten, wussten wir in dem grünen Meer bald nicht, was unser Weg war. Doch noch tiefer war ich verloren im andächtigen Anblick ihres zarten, hellen Gesichts, in welchem sich eine dunkle Strähne verfangen hatte. Sie blickte freudig nach vorn und hatte keine Regung, die Strähne aus den Augen zu streifen und spätestens da überkam mich die Bewunderung für die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der sie alle Seins-Umstände annahm. Jede ihrer weichen Bewegungen, jeder feine Gesichtszug, jedes Wort drückte eine wundervolle Erhabenheit über die Zukunft aus.

Als wir an einem See ankamen, ach, wie klar spiegelte sich der Wald darin, der das Gewässer zur Hälfte umschloss und zugleich auf einer Halbinsel von ihm umschlossen war! Da wurde der Regen mit einem Mal heftig und ich entfernte mich ein paar Schritte vom Ufer, um mich unter eine Eiche zu stellen. Indes zog sie ihre Kleidung aus, legte sie auf einen Felsen und sah mich an aus Augen, die so eindringlich eine Antwort einforderten, wie sie zärtlich fragten. Ich wusste nicht, ob ich mehr über die Handlung an sich verblüfft war oder über die Schönheit, die sie enthüllte. Ach, wie der Regen sanft ihre Brust hinab perlte! "Du willst doch da nicht wirklich hinein!?" rief ich ihr zu. "Wieso nicht? Im Wasser regnet es nicht." Ich zögerte einen Moment und rief: "Da hast du wohl recht" und erst jetzt begann ich mich darüber zu wundern, dass ich noch immer so weit von ihr weg war, um rufen zu müssen. So nah wollte ich ihr sein, ihr zu zuflüstern und folgte ihr in den See.

Dann wachte ich auf und ihre einladende Nähe wich der unendlichen Ferne. Ich ersehne Vergessen, erstrebe das Nichts und senke meine Lider... in ihren suchenden Blick. Ach, in jeder Erinnerung, in jedem Traum, jedem Bild, das mir aus der Fantasie in die Sinne schimmert, finde ich nur sie und Traum und Wirklichkeit trachten einander nach dem Tode.
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Alt 02.04.2018, 22:50   #247
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Zitat:
Ich und Du und wir zwei sind ja schon vier. (Zitat)
Von wem?
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Alt 02.04.2018, 22:54   #248
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Von wem?
Das weiß ich leider nicht.
Das sagt man bei uns im Dialekt so, wenn man jemand mag.
Du un iech un mei zwä sinner scho vier.


Oder:
Du und ich, Zewa Flüssig und die kleinen Kartoffeln.

Vielleicht stammt das ganz und gar aus meiner eignen Familie.
Find bei google nichts.
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Alt 02.04.2018, 22:59   #249
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Zitate ohne klare Urheber sind mir die liebsten: als hätte es diese Worte schon immer gegeben und sie bedürften keines Menschen, der sie formuliert.
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Alt 05.04.2018, 13:26   #250
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Standard Brief Nr. IXL

Nun Babsi,

ich versuche mich, so gut ich kann, abzulenken. Doch jede Naturschönheit offenbart, wie wenig ich von der wahren Schönheit der Welt sehen kann, wie unvollständig ich ohne ihre Anteilnahme bin. In allen Dingen fehlt sie und dies ist alles, was ich sehe. Jede Handlung, durch die ich mich ausdrücke, drückt zugleich aus, wie sehr ich sie vermisse. Wie gerne würde ich wieder ihrer Stimme lauschen! Ich sehe ein, dass ich es mir nicht gestatten kann. Doch diese Einsicht verschlimmert nur meine Sehnsucht.
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Alt 07.04.2018, 10:05   #251
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Standard Brief Nr. XL

Liebe Babsi,

da sich das Osterfest allmählich nähert, fragte sie, wie ich Ostern denn verbringen wolle und sogleich überschlugen sich ihre Worte und sie schien nicht die Macht besessen zu haben, ihren Text zu ändern - oder sie will ganz ehrlich sein oder ich lese wieder zu viel hinein: dass dies doch der Tag habe werden sollen, an welchem wir uns gesehen hätten, dass sie zu Ostern ganz allein sein werde, dass wir einander vielleicht ein anderes Mal besuchen sollten, wie bemerkenswert sie es finde, dass ich trotz allem noch immer an ihrem Wohlergehen interessiert sei und wieviel ihr unsere Freundschaft bedeute und dass ich überhaupt ein ganz besonderer Mensch sei, was sie dazu veranlasst habe, wieder über ihre Entscheidung nachzudenken: "Ich hätte dich überhaupt nicht verdient."

Was soll das alles heißen? Ist dies Trost? Ist dies Folter? Ist dies Bedauern? Verzweiflung? Hoffnung? Und doch erkannte ich mich in den Wirren ihrer Worte wieder. Ach, so viel tröstende Vertrautheit in der Verwirrung! Und doch so viel Schmerz in ihrem Trost! Und Nähe! Ja, Nähe in unserem Leid!

Ich übte mich in Zurückhaltung und schrieb lediglich, dass ich zu Ostern ebenfalls allein sein werde und verschwieg ihr meine Gründe und sah, wie ihre Einsamkeit die meinige spiegelt, so wie mein Verlangen ihre Zerrissenheit, ihre Zerrissenheit mein Leid spiegelt. Irgendwo in diesem Spiegelkabinett sah ich mich zu ihr aufbrechen, dass die Welt an mir vorüberrauschte, während ich ihr immer näher kam und alle die Widersprüche der Wirklichkeit, Sehnsucht und Geborgenheit, Unrast und Ruhe, Tag und Nacht und Dunst und Regen, sich in einem Kuss vereinten. Jedoch wusste ich, dass so sinnhaft nur Träume sein können und beließ meine Antwort dabei. Stattdessen schrieb ich ein Gedicht:


Dein Trost

Dein Trost ist Grund, warum ich leide.
Drum tröste mich noch öfter, herzlich, wahr!
Denn wenn wir uns umarmen, beide,
dann bin ich deinem Busen ach so nah.
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Alt 09.04.2018, 11:02   #252
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Standard Brief Nr. XLI

Liebe Babsi,

du hast sicher recht: die wahre Bedeutung ihrer Worte könnte ich wohl nur erfahren, wenn ich mit ihr spräche. Allein - wie oft kann ein Herz brechen, ehe es zugrunde geht? Stattdessen sitze ich also seit gestern über ihren Brief und deute jedes einzelne Wort. Ich analysiere, kombiniere und fantasiere, doch statt das Undeutliche in einen Sinn zu fügen, werde ich mir selbst ganz undeutlich.

Was hat es zu bedeuten, wenn sie über ihre Entscheidung "nachdenkt"? Heißt es "überdenken"? Oh, für einen Augenblick bin ich der glücklichste Mensch der Welt, ehe der Verstand einwendet: Aber warum schreibt sie, sie hätte mich nicht verdient? Vielleicht bedeutet "nachdenken" also reflektieren und in dieser Reflexion hat sie ihren Frieden mit dem gegenwärtigen Zustand gefunden. Wie kann ich wieder so hochmütig sein und glauben, sie könne es anders sehen? Dennoch drängt sich mir dann aber die Deutung auf, sie wolle mich einladen, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Was soll "verdienen" überhaupt bedeuten? Hat man nicht den Menschen verdient, der sich nach einem sehnt, gerade weil er sich nach einem sehnt? Treffen dort nicht Ursache und Wirkung in einem Punkte zusammen? Ist das nicht das Erfüllende an der Liebe, dass sie keines äußeren Anlasses bedarf, dass sie sich aus sich selbst heraus entfaltet?

Ach, ich drehe mich im Kreise - und wenn ich noch so klug wäre, drehte ich mich nur umso schneller im Kreise. Liebe kann doch nicht in solch komplexen Gedanken gedacht werden. Man kann sie nur geschehen lassen. Wie kann ich mich erdreisten, ihre Gefühle in meine Gedanken zu zwängen? Doch es zerreißt mich - die Ahnungslosigkeit, dieses... ach! Beschränktheit und Unendlichkeit und ich dazwischen! Reift in dir auch zuweilen der Wunsch, dich für einige Zeit aus deinem eigenen Leben zurückzuziehen, um dann wieder einen Blick hinein zu wagen und festzustellen, ob es inzwischen richtig erscheint, wieder du selbst zu sein?
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Alt 10.04.2018, 07:54   #253
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Standard Brief Nr. XLII

Liebe Babsi,

noch ehe ich mir einen Reim auf all dieses machen konnte, schrieb sie mir gestern wieder: sie habe all meine Gedichte gelesen und präsentierte mir eine Auswahl ihrer liebsten Werke - darunter auch "Perpetuum mobile". Ob ich dies als Geste oder als Offenbarung deuten sollte? Jedenfalls zeigte ich mich überrascht und ergriffen - ich weiß nicht, ob mehr über das Interesse, das sie preisgab oder doch ob der Tatsache, dass sie, nach allem, Gedichte, deren Muse sie war, derart schätzen kann. Also fragte ich, ob sie es mir nicht verdenke, wenn ich über sie schreibe.

"Wieso denn?" wiegelte sie ab: "Wie könnte ich dir böse sein, ehrliche Worte für deine Gefühle zu finden? Juhuu! Ich wurde verewigt! Und ein bisschen bilde ich mir etwas darauf ein, die Einzige zu sein, die deine Texte so lesen kann, wie ich sie lese. Deine Worte bringen dich mir näher." Nie hätte ich gedacht, dass mein verzweifelter Versuch, Ausdruck zu finden, einem anderen Menschen so viel bedeuten könnte. Verstehst du Babsi? Jemanden in meinem Leben zu wissen, der das, was man nicht in der Begrenztheit beschreibender Sprache widergeben kann, versteht, der den Menschen hinter der Person erkennt und annimmt, ohne zu werten, ohne zu verlangen - unabhängig davon, woraus dies erwächst oder wohin es führt, erfüllt es mich mit Dankbarkeit, die ich nie auszudrücken imstande wäre. Dennoch muss ich mich fragen: Ist ihr die Nähe meiner Worte genug oder sind Worte lediglich Ersatz für die wortlose Nähe, welche ich still ersuche?
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Alt 11.04.2018, 11:03   #254
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Standard Brief Nr. XLIII

Ach Babsi,

bald füllt sich der Mond zum ersten Male seit... Und ich denke an den letzten Vollmond, in dessen mildem Lichte ich mich ihr so nahe wähnte. Auch denke ich an sie. Vielleicht blickt sie auch gerade gen Himmel und erkennt, dass wir vor des Mondes Angesicht an demselben Orte sind und gemeinsam in die Ferne blicken. Ach, irriges Geschwätz! Wieso sollte sie? Allerdings ist sie mein Mond und ihrem geruhsamen Wesen ist meine ganze Unrast zugedacht.
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Alt 11.04.2018, 11:05   #255
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So, fertig! Dieser Brief schließt also an den Eingangspost an und damit ist es abgeschlossen.
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Alt 25.04.2018, 11:28   #256
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Bravo! Bravo! Bravo!

Wann kann ich das Buch kaufen?

Beste Grüße,
Laie
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Alt 26.04.2018, 22:27   #257
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Danke!
Dir gefällt also auch das Gesamtwerk?

Zitat:
Wann kann ich das Buch kaufen?
Oh je, das ist eine Geschichte für sich und ich bin nicht sicher, ob es dafür einen Markt gibt. Ich meine, hier im Forum wurde das Buch ja mehr als positiv aufgenommen (und zumindest das habe ich erreicht, dass ihr was Annehmliches zu lesen hattet). Aber das ist eben eine spezielle Zielgruppe von Leuten, die genauso bekloppt sind wie ich und ein rein lyrisches Werk über 64 Seiten ohne jegliche Handlung wertschätzen können. Wie "normale" Leser es annehmen, bleibt abzuwarten.

Habe es daher auch meinen besten Freunden zur Lektüre gegeben, die wenig bis gar nicht lyrisch vorbelastet sind. Da fällt das Fazit zwar nicht vernichtend, aber eben auch nicht so euphorisch aus. Auf jeden Fall habe ich so noch wertvolle Anregungen erhalten und werde Teile des Buches noch ändern müssen, dann noch dutzende Male Probe lesen und wenn ich dann tatsächlich einen Verlag finden sollte, der das Werk druckt, kann dies ja auch noch ne ganze Weile dauern.

Ich werde es euch aber wissen lassen, falls es so weit kommt. Weiß nicht, ob ich hier dann dafür werben darf, aber wir haben ja noch eine eigene Rubrik dafür...

Jedenfalls vielen lieben Dank für die treue Lektüre, auch an die anderen fleißigen Leseratten, und an eure Feedbacks, die mich auch immer wieder motiviert haben, die Disziplin hochzuhalten und das Buch zu Ende zu bringen.

LG
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Alt 27.04.2018, 06:58   #258
weiblich Unar die Weise
 
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Bitte reserviere schonmal ein Exemplar, für die Unar.
Herzlichen Dank.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2018, 07:46   #259
männlich Schmuddelkind
 
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Liebe Unar, lieber EV,

falls es in den Druck geht, bekommt ihr sicher ein Exemplar von mir (da bekommt man ja meistens so ein paar für sich und seine Bekannten). Aber macht euch diesbezüglich mal nicht zu viele Hoffnungen! Verlage denken naturgemäß anders als Schriftsteller. Ich habe aber auch schon ein paar Ideen, wenn es mit dem Verlag nichts wird...

Womit ihr mir am meisten helfen könnt: macht es denn als Gesamtwerk Spaß zu lesen? Ich meine, einzelne Briefe zu genießen, ist eine Sache. Aber ob das ganze Buch an sich auch gut zu lesen ist, ist eine andere Sache, ob es spannend ist, ob es ein paar Briefe gibt, die man ändern sollte etc.. Bestenfalls sollte das Buch ja mehr sein als die Summe seiner Briefe. Habt ihr das Gefühl, dass dem so ist?

LG
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Alt 28.04.2018, 08:51   #260
weiblich Unar die Weise
 
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Ich werde mir das gern nochmals durchlesen , im nächsten Freiblock.
Ich gehe dann auch näher darauf ein.
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Alt 03.05.2018, 13:01   #261
männlich Schmuddelkind
 
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Mach dir um Himmels Willen keinen Stress, Unar!
Ich wollte auch niemanden dazu "verdonnern", das Buch noch mal zu lesen. Dachte nur, da ihr ja die meisten bis alle Briefe gelesen habt, könnt ihr vielleicht so aus der Hüfte was zu eurem Gesamteindruck sagen. Aber kann natürlich auch sein, dass das schwierig ist, da ihr ja immer nur einzelne Textteile lesen konntet.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.05.2018, 14:39   #262
männlich Schmuddelkind
 
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Vielen lieben Dank EV!

Zitat:
Es macht Spaß das Gesamtwerk zu lesen
Danke, das ist für mich aufschlussreich.

Zitat:
Wegen Verlag: du Schmuddl, ich kenne welche aus meinem RL die schreiben so schlecht und schicken ein und werden teilweise sogar verlegt.
Oder auch auf FB - da wurden Leute verlegt, da denke ich mir, wie konnte das denn passieren.

Deswegen: bitte mehr Selbstvertrauen. Hast ja nichts zu verlieren.
Ich weiß, dass ich nichts zu verlieren habe und ich werde den Text so oder so einem Verlag zukommen lassen und wenn es nicht angenommen wird, ist es eben so. Mir mangelt es auch nicht an Selbstvertrauen, was die Qualität des Buches angeht - im Gegenteil: ich bin sehr stolz auf mein Werk und kann sagen, dass ich über weite Strecken genau das Buch geschrieben habe, das ich schreiben wollte. Was anderes wollte ich auch nicht erreichen, weswegen ich auch nicht am Boden zerstört wäre, wenn es nicht verlegt wird. Ich sehe, dass viele Leser Freude an dem Buch hatten (und hoffentlich weiterhin haben werden) und selbst ich als Autor kann die älteren Briefe lesen und denken: "Wow! Das hab ich geschrieben?" Was will ich mehr verlangen?

Das Problem bei Verlagen ist aber eher, dass nicht unbedingt immer die literarische Qualität ausschlaggebend ist, sondern der kommerzielle Erfolg, den sich ein Verlag davon verspricht. Das ist ja auch völlig OK - man betreibt ja keinen Verlag, damit dieser Konkurs geht. Deine Beispiele von schlechten, aber veröffentlichten Werken bestätigen mich in dieser Annahmen. Ich selbst lese kaum noch zeitgenössische Literatur, weil die meisten Bücher sich wie Einkaufszettel lesen. Zudem ist mein Buch ja ein rein lyrisches Werk: keine wirkliche Handlung und der Fokus liegt auf der Sprache und auf den inneren Bewegungen des Protagonisten. Das ist natürlich sehr ungewöhnlich und nicht jeder Leser kann etwas damit anfangen - das verstehe ich auch.

Zitat:
Warum das Buch nicht mit Fotografien unterlegen?
Ich finde die Idee auf jeden Fall sehr sympathisch. Habe selbst auch schon mit dem Gedanken gespielt und irgendwo (weiß nicht, ob das noch alles auffindbar ist) hatte ich auch mal Fotos von einigen der beschriebenen Orte - habe selbst auch mal in Maintal gewohnt. Es gibt allerdings zwei Probleme:

1. Ich möchte mit meinen Worten Bilder in die Köpfe der Leser zaubern. Wenn mir das gelingt, brauche ich keine Fotos, wenn nicht, dann habe ich wohl nicht alles richtig gemacht. Du sagst, Briefe seien wie Fotos und das stimmt wohl auch - so ähnlich erkläre ich Leuten auch immer Gedichte und dies ist ja mehr oder weniger ein lyrisches Werk - Poesie sollte nicht auf Fotos angewiesen sein, auch wenn ich den ästhetischen Mehrwert durchaus sehen kann.

2. Das Buch soll zu lesen sein, als gäbe es den Protagonisten tatsächlich und als hätte jemand seine Briefe irgendwo ausgegraben. Es ist natürlich durchaus plausibel, dass dieser Protagonist auch das ein oder andere Foto mitgeschickt hat. Allerdings hätte er dann doch auf jeden Fall ein Foto von Sanny geschickt - und das würde alles entzaubern, irgendeine bildhafte Darstellung einer Frau anzufügen, die angeblich seine Sanny sein soll.

Unterm Strich: Der Leser in mir sagt: "Au ja, Fotos! Das wäre schön!" Aber der Schriftsteller in mir verbietet es.

Aber danke jedenfalls für deine beruhigenden Worte und auch für die Idee mit den Fotos!

LG
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Alt 17.05.2018, 10:34   #263
männlich Schmuddelkind
 
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OK, cool, dass wir uns in dem Punkt einig sind: "Du sollst dir kein Bildnis Sannys machen."

Na ja, ich denke noch über die Sache mit den Fotos nach - habe auch tatsächlich ein paar passende Fotos gefunden. Mal sehen, erst mal muss ich aber den Text noch in Ordnung bringen. Ist echt noch viel Arbeit, wie ich gerade merke...
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2018, 22:48   #264
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Hm... Ich denke gerade über ein alternatives Ende nach. Wäre es nicht vor dem Hintergrund der mentalen Entwicklung des Ich-Erzählers plausibel, wenn er am Ende nach Berlin geht, Kontakt zu ihr sucht und weil er nicht von ihr lassen kann, dazu übergeht, sie zu stalken oder dergleichen? Das würde auch wunderbar mit dem Brief Nr. XII resonieren.

Habe aber auch ein bisschen Bedenken, dass ich das Buch am Ende kaputt mache, wenn ich zu viel daran herum bastele und im Grunde bin ich auch nicht unbedingt unzufrieden mit dem Schluss, wie er steht. Dennoch sehe ich auch das Potenzial, daraus mehr zu machen.

Wie seht ihr das?
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
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brieffreundschaft, roman, sehnsucht

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