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Alt 07.07.2018, 12:43   #1552
weiblich DieSilbermöwe
 
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Ich habe jetzt den zweiten Band der "Ripley"-Bücher "Under Ground" von Patricia Highsmith gelesen und bin nun am dritten Band "Under Water" - natürlich von der gleichen Autorin.
Ich mag ihren Schreibstil, aber im zweiten Band hat mich doch einiges verwirrt. Thomas Ripley, im ersten Band noch ein exzentrischer Einzelgänger (der einiges auf dem Kerbholz hat), hat im zweiten Band Freunde, eine Frau und eine Firma, betreibt zwielichtige Geschäfte und begeht ein Verbrechen (worauf der Leser nach dem ersten Band eigentlich nur wartet). Nun gesteht er aber seinen Freunden diese Tat und seine Freunde stehen ihm einfach bei (bis auf einen) und schlucken dieses Geständnis einfach mal so (bis auf einen, der allerdings nicht wirklich sein Freund ist). Entsetzen wird so gut wie nicht gezeigt.

Es kommt mir nicht sehr plausibel vor, wenn:
a) ein exzentrischer Einzelgänger, der sich von Menschen fernhält, eine solche Charakterumwandlung durchmacht
b) ein Mann, bei dem man im ersten Band feststellt, dass er mit Frauen nicht allzuviel anfangen kann (auch wenn es deswegen nicht unbedingt sein muss, dass er homosexuell ist) und sogar Kleidungsstücke einer bestimmten Frau bei ihm Abscheu auslösen, auf einmal eine Frau hat wie ein ganz "normaler" Mann und ihn dieselben Kleidungsstücke bei seiner Frau jetzt nicht mehr stören - überhaupt ist seine Ambivalenz in dieser Hinsicht im zweiten Band wie weggeblasen
b) seine Freunde, denen er ein Verbrechen gesteht, dies nahezu gleichmütig aufnehmen.
Diese drei Sachen fand ich schon ziemlich merkwürdig.

Den dritten Band habe ich gerade angefangen. Hier hat sich die Autorin einen Kniff einfallen lassen: Der Tote aus dem ersten Band (die Leiche wurde nie gefunden) scheint wieder da zu sein - oder macht sich da jemand einen Scherz? Verspricht spannend zu werden. Mal schauen.
Unterhaltsam sind die Bücher auf alle Fälle (wenn man sie nicht allzu ernst nimmt.)
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2018, 13:22   #1553
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Ich mag ihren Schreibstil, aber im zweiten Band hat mich doch einiges verwirrt. Thomas Ripley, im ersten Band noch ein exzentrischer Einzelgänger (der einiges auf dem Kerbholz hat), hat im zweiten Band Freunde, eine Frau und eine Firma, betreibt zwielichtige Geschäfte und begeht ein Verbrechen (worauf der Leser nach dem ersten Band eigentlich nur wartet) ...

Es kommt mir nicht sehr plausibel vor, ...
P.H. hatte sich sehr tief mit der menschlichen Psyche beschäftigt. Wie ich einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 2001 entnehme, hat sie mit neun Jahren (lesen konnte sie schon im Alter von drei Jahren) das Buch "The Human Mind" von Karl. A. Menninger gelesen und wird so zitiert: "Ich erkannte, dass der Mann oder die Frau nebenan eine merkwürdige Geisteskrankheit haben konnte, ohne dass ich es ihnen ansähe."

Wenn du Interesse hast, kann ich dir den Artikel über P.H. (er enthält als Zugabe eine Kurzgeschichte von ihr) per E-Mail schicken, außerdem noch zwei weitere Artikel von 2003 und 2015, in denen verschiedene Biografien besprochen werden (über diese Bios findest du aber auch einige andere Artikel im Internet, und wahrscheinlich hast du sie auch längst entdeckt). Vielleicht bringt das etwas Helligkeit in die Frage, weshalb P.H. so schrieb, wie sie schrieb.
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Alt 07.07.2018, 22:35   #1554
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Hallo Ilka,

das kannst du mir gerne schicken, danke ich habe noch nicht nach bestimmten Artikeln gesucht, weil ich dachte, sie hat absichtlich diese
(für mich nicht ganz schlüssigen) Storys so beschrieben.

LG DieSilbermöwe
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Alt 09.07.2018, 12:26   #1555
Thing
 
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Ich habe jetzt den zweiten Band der "Ripley"-Bücher "Under Ground" von Patricia Highsmith gelesen und bin nun am dritten Band "Under Water" - natürlich von der gleichen Autorin.
Ich mag ihren Schreibstil, aber im zweiten Band hat mich doch einiges verwirrt. Thomas Ripley, im ersten Band noch ein exzentrischer Einzelgänger (der einiges auf dem Kerbholz hat), hat im zweiten Band Freunde, eine Frau und eine Firma, betreibt zwielichtige Geschäfte und begeht ein Verbrechen (worauf der Leser nach dem ersten Band eigentlich nur wartet). Nun gesteht er aber seinen Freunden diese Tat und seine Freunde stehen ihm einfach bei (bis auf einen) und schlucken dieses Geständnis einfach mal so (bis auf einen, der allerdings nicht wirklich sein Freund ist). Entsetzen wird so gut wie nicht gezeigt.

Es kommt mir nicht sehr plausibel vor, wenn:
a) ein exzentrischer Einzelgänger, der sich von Menschen fernhält, eine solche Charakterumwandlung durchmacht
b) ein Mann, bei dem man im ersten Band feststellt, dass er mit Frauen nicht allzuviel anfangen kann (auch wenn es deswegen nicht unbedingt sein muss, dass er homosexuell ist) und sogar Kleidungsstücke einer bestimmten Frau bei ihm Abscheu auslösen, auf einmal eine Frau hat wie ein ganz "normaler" Mann und ihn dieselben Kleidungsstücke bei seiner Frau jetzt nicht mehr stören - überhaupt ist seine Ambivalenz in dieser Hinsicht im zweiten Band wie weggeblasen
b) seine Freunde, denen er ein Verbrechen gesteht, dies nahezu gleichmütig aufnehmen.
Diese drei Sachen fand ich schon ziemlich merkwürdig.

Den dritten Band habe ich gerade angefangen. Hier hat sich die Autorin einen Kniff einfallen lassen: Der Tote aus dem ersten Band (die Leiche wurde nie gefunden) scheint wieder da zu sein - oder macht sich da jemand einen Scherz? Verspricht spannend zu werden. Mal schauen.
Unterhaltsam sind die Bücher auf alle Fälle (wenn man sie nicht allzu ernst nimmt.)
Mir haben die Kriminaletten (Thriller-Kurzgeschgichten) weitaus besser gefallen, darin ist sie eine der Meisterinnen.
Der erste "Talented Mr. Ripfley" ist der beste.
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Alt 09.07.2018, 23:29   #1556
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Bernd-M. Beyer: "Helmut Schön - Eine Biografie". Verlag die Werkstatt GmbH, Göttingen, 2017.

Das große Idol in schwierigen Zeiten - erst im Nationalsozialismus, nach der deutschen Teilung dann in Ostdeutschland - überlebt samt seiner Familie den Feuersturm in seiner Heimatstadt Dresden, verbiegt sich politisch nie, wird vom SED-Regime aus vielerlei Gründen (detailliert im Buch nachzulesen) trotzdem abgestraft, geht 1950 mit Frau und Sohn in den Westen, wird Sepp Herbergers Assistenztrainer und steigt zum bis heute erfolgreichsten Nationaltrainer der Bundesrepublik Deutschland auf.

Schöns Biografie ist nicht nur die Schilderung eines Lebens, sondern auch fast eines Jahrhunderts deutscher Geschichte (Schön wurde 1915 geboren und starb 1996). Sie ist auch eine Geschichte der Menschlichkeit: An etlichen Beispielen wird gezeigt, dass Fairplay, Respekt vor dem Gegner und Vereinskameradschaft hochgehaltene Werte waren, die man sich in dieser Form heute nicht mehr vorstellen kann. Ablösesummen in Millionenhöhe, Fußballer als Reinberuf, Werbeverträge usw. - das kannte man damals nicht. Wie alle Fußballer hatte Schön einen Schulabschluss und während seiner ostdeutschen Zeit einen Erwerbsberuf bei einem Unternehmen. Soweit ich mich erinnern kann, war das 1974 noch so, dass sogar die Nationalspieler einem Beruf nachgingen (Netzer: Kneipe, Schwarzenbeck: Papierwarenladen, Seeler: Vertreter für Adidas etc.).

Bemerkenswert: Wie Beyer schreibt, wurde unter Helmut Schön der beste Fußball aller Zeiten gespielt, und woher er das Wissen hatte, den Fußball derart zum Blühen zu bringen, wird in dem Buch nicht verheimlicht. Da gab es z.B. die Lehrmeister Jimmy Hogan aus England und Sepp Herberger, aber auch den sogenannten "Donaufußball", den vor dem Krieg hochangesehenen Stil der Österreicher.

Ich wünschte, ich hätte vieles von dem, was ich in der Biografie bis jetzt gelesen habe, 1974 gewusst, als Helmut Schön die deutsche Mannschaft zur Weltmeisterschaft führte. Ich kann mich erinnern, als wir das Endspiel erreicht hatten und Schön von einem Reporter gefragt wurde: "Herr Schön, wollen Sie jetzt Weltmeister werden?", dass er spontan und ehrlich antwortete: "Ja, das will ich."

Nach allen Niederlagen, die er hinter sich hatte - und da gab es einige -, wusste er, dass das größte Ziel eines Nationaltrainers zum Greifen nahe war. Was also hätte er sonst antworten sollen?
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.07.2018, 06:47   #1557
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat von Thing Beitrag anzeigen
Mir haben die Kriminaletten (Thriller-Kurzgeschgichten) weitaus besser gefallen, darin ist sie eine der Meisterinnen.
Der erste "Talented Mr. Ripfley" ist der beste.
Stimmt, aber "Ripley under water", den ich nun gerade lese, ist, auch richtig gut, sofern man was für schwarzen Humor übrig hat. Wie sich Ripleys Feinde in ihrem eigenen Gartenteich selber aus dem Weg räumen, das hat schon was köstlich Schwarzhumoriges.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.07.2018, 13:22   #1558
Thing
 
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Ich mag schwarzen Humor über alle Maßen.
Tom Sharpes "Puppenmord"
hat mir Lachtränen und lautes Wiehern entlockt.
Die Verfilmung war gut, sehr gut - total britisch, obwohl das grotestete Kapitel des Buches nicht filmbar war.
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