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Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

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Alt 14.06.2012, 00:15   #100
männlich Schmuddelkind
 
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Dankedankedanke!!!

Hätte nie für möglich gehalten, dass ein derart belesener Mensch nie zuvor etwas Schöneres gelesen haben will als meine Gedanken, die doch gar nicht in solchem oder ähnlichem Bestreben entstanden sind.

Zitat:
Eigentlich dürfte ich nichts mehr in diesem Thread kommentieren.
Doch, bitte!
*Hundeblick*

Deine Kommentare sind mir sehr wichtig! Immer wieder bringst du dich mit wundervollen Reflexionen und reifen Betrachtungen ein. Dafür bin ich dir sehr dankbar.

LG
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Alt 14.06.2012, 08:56   #101
Thing
 
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Lieber Schmuddelkind,

Peace hat recht:
Das ist beinahe unirdisch schön.
Jede Unterbrechung durch einen Kommentar wirkt fast wie eine Entweihung, wenn Du den schwülstigen Ausdruck gestattest.


Lieben Gruß
von
Thing
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Alt 15.06.2012, 12:25   #102
männlich Schmuddelkind
 
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Danke auch dir, lieber Thing, besonders für das "unirdisch schön"!

Zitat:
Jede Unterbrechung durch einen Kommentar wirkt fast wie eine Entweihung

OK, ich werde mich bemühen, weniger Kommata einzubauen.

LG
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Alt 15.06.2012, 13:08   #103
männlich Schmuddelkind
 
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Standard Brief Nr. 22

Mir ist, Babsi, als stürze mich ihre unbefangene Seele ins Verderben, als sei Liebe mein Verhängnis. Die Liebe, dieses banale Rätsel - schon so oft in tausenden Jahren wiederholt, aber so neu, dass mir mein Verstand und aller Gelehrten Meinungen wertlos sind, wenn ich im Kummer an sie denke, wie nur ich an sie denken kann, wie ich nur an sie denken kann.

Verzeih, du wirst in meiner Rede kaum mehr als die Niedergeschlagenheit eines wirren Mannes erkennen können und ich sollte dir mehr darüber schreiben, wenn ich nur nicht mit jedem Gedanken daran bitterlich weinen müsste. Verzeih!
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Alt 19.08.2012, 02:19   #104
männlich Schmuddelkind
 
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Für alle hier gepostete Briefe gilt: © by Schmuddelkind
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Alt 20.08.2012, 11:42   #105
weiblich simbaladung
 
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Hallo, Schmuddelkind
habe deine Briefe erst gerade gefunden ... (und nicht alle Kommentare gelesen, will mir meine eigenen Gedanken dazu machen), nur soviel:
bitte mach das Buch fertig ... ich wünschte, ich wäre ein Verleger, ich würd
dir dein Manuskript aus den Händen reißen ... hoffentlich findest du jemanden, der geauso denkt ... ich werde zu den ersten Käufern gehören ... wie heißt der Titel des Buches Briefe an Babsi (bleibt´s dabei?) und unter welchem Pseudonym willst du es veröffentlichen ... Schmuddelkind? ... verrat uns bloß, wenn´s soweit ist ... ich will es ganz und schön gebunden in Händen halten, nicht nur stückchenweise lesen ...
lg simbaladung
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Alt 20.08.2012, 15:29   #106
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Vielen, vielen Dank!

Bin sehr stolz auf diese Nachfrage. Werde es euch wissen lassen, wenn es veröffentlicht wird, wahrscheinlich unter dem Titel "Querfeldein" und unter meinem richtigen Namen (der ist nicht Schmuddelkind). Werde den Roman hoffentlich dieses Jahr zu Ende stellen und dann kann das ja noch ne Weile dauern, bis es veröffentlicht ist (falls es überhaupt verlegt wird).

LG
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Alt 20.08.2012, 15:39   #107
Thing
 
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Lieber Schmuddelkind,

wie schaffe ich es, die "Briefe" auf mein Laptop zu kopieren?
Das m u ß sein!
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Alt 21.08.2012, 10:27   #108
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Ich würde versuchen, sie zu markieren, dann mit Rechtsklick kopieren und in Word oder so einfügen, aber ich schreibe dir diesbezüglich noch ne PN. Brauchst dir aber auch keinen Stress zu machen - meine Texte werden nicht gelöscht.
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Alt 21.08.2012, 10:34   #109
Thing
 
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Mir fällt ein Zentnerstein vom Herzen!
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Alt 21.08.2012, 10:54   #110
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Alt 20.12.2012, 23:05   #111
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Standard Brief Nr. 23

Ach Babsi,

wenn ich ein wenig bedachter gewesen wäre oder wenn sie nachsichtiger gewesen wäre oder diese schlimmen Umstände an einem anderen Tag... ach, was nützt es? Es sind bloß Bedingungen zum Erhalt einer Einbildung, die mein ganzes Denken vergiftet und doch meinen Verstand vor dem Darben bewahrt. Oh, hätte ich nicht alles wissen, alles mitempfinden wollen, als sie mir erzählte, dass sich der Gesundheitszustand ihrer Großmutter drastisch verschlechterte, hätte ich vielleicht kaum mehr daran teilgenommen als an dem Geschwätz, das die Nachbarn hier über mich und meine "seltsamen" Fußwege, die ich mir täglich aussuche, meine "verlorenen" Gesten und meine Sprache wechseln, dann wäre ich nicht ich selbst, aber glücklich - vielleicht kann man meine Geschichte in diesem Sinne begreifen. Du verstehst mich.

Dass man sich oft einbildet, der Mensch sei von edler Natur, ist mir schon immer als merkwürdige Torheit erschienen, wenn nicht gar als Lüge; denn wie häufig empfindet der Mensch das eigene Sein als so armselig, dass er sich nach simplerer Existenz sehnt? Wenn etwa bei schönem Wetter allerhand Schreibarbeit zu erledigen ist und man nicht in heiterer Selbstgenügsamkeit den warmen Lockungen nachgeben kann wie die Bienen. Es scheint mir fast, als leide der Mensch an seiner Komplexität, an seinem Denken, an seinem Zweifeln, an Worten wie "mein", "dein", "Freiheit" und "Pflicht". Mich überkommt die Sehnsucht, meine Sprache zu verlieren.

Was soll es... ich schweife ab. All meine Aufmerksamkeit galt ihrem Innersten; ich wollte es verstehen, wollte sehen, was dies mit ihr macht. Ich konnte nicht anders, als sie danach zu fragen und sie konnte nicht anders, als sich in ihrer Aufregung davor zu fürchten. Sie hatte Angst davor, ich wolle ihre Gefühle ordnen, denn, so meinte sie, dem natürlichen Chaos eine menschliche Ordnung zu geben, sei unangebracht und außerdem nicht zweckdienlich. Ich verstand ihr Argument und muss es ihr wohl eingestehen und dennoch - ich musste meinem Begehr nach Nähe Ausdruck verleihen.

Ich... ich jagte der Nähe nach, die sich mir umso mehr entzog, je bedürftiger ich danach drängte, bis es nichts mehr zu sagen gab, weil nichts mehr zurückgenommen werden konnte. Nichts weiß ich mehr von dem, was mein Wesen bis vor kurzem ausmachte.
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Alt 20.12.2012, 23:36   #112
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Welcome home!
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Alt 20.12.2012, 23:41   #113
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Danke!

Fühlt sich bisher gut an.
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Alt 20.12.2012, 23:46   #114
weiblich Ilka-Maria
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Hast Du ne Ahnung, was hier los ist!

Eigentlich so gut wie nix, aber mit dem Wenigen, was noch ist, lass Dich überraschen!

Iss net mer, wie's war.
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Alt 20.12.2012, 23:52   #115
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Ich schau gleich mal nach...
Hab aber schon festgestellt, dass viele alte Bekannte verschwunden sind. Aber es sind auch viele interessante neue Leute hier.

Fühlt sich aber auch alles anders an, wenn man es aus der "Ferne" betrachtet. Daher wollte ich mal wieder zurück, um zu erfahren, wie es sich jetzt hier anfühlt.
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Alt 20.12.2012, 23:57   #116
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Wennde auf blaue Wunder aus bist, ...

... na ja, wir werden sehen ...

Jetzt sag mal: Warum hat es Dir in Ferne nicht gefallen?
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Alt 21.12.2012, 00:00   #117
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Ja, ich gehe da ganz locker ran und bin gespannt, was auf mich zukommt...
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Alt 21.12.2012, 14:11   #118
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Standard Brief Nr. 24

Liebe Babsi,

wie schwer sich nun alles über mich legt! Über "mich" - ach, was bedeutet das noch? Was soll das noch bedeuten, da mir mehr genommen wurde als gegeben? Ist es nicht ein merkwürdiger Umstand, dass ich wohl nicht in solch ein Elend sänke, hätte ich sie nie gekannt, obgleich ich doch, ob so oder so das selbe bei mir hätte. Das weiß ich mit dem Verstande, doch kann es mit sonst nichts begreifen, da ich nicht derselbe bin, da ich nicht einmal das bin, was ich mit viel Fantasie in wachen Momenten von mir hätte erdenken können, um mich einen wertlosen Menschen zu schimpfen.

Wie kann ein Mensch so wenig von sich selbst sein? Und wie kann er davon noch so klar wissen? Einem von beiden muss ich wohl Remedur verschaffen. Sag bitte noch niemandem davon! Mir wäre es unangenehm. Ich kann sie doch alle schon spotten hören und ich weiß, dass sie es nicht böse meinen und in ihrem Unbegriff dessen, was wichtig ist, überzeugt sind, mir Gutes zu tun, aber ich könnte es nicht ertragen.
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Alt 02.01.2013, 22:42   #119
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Standard Brief Nr. 25

Liebe Babsi,

ob ich viel trinke? Ich komme über die Runden. Ganz gleich, was ich jetzt anfange, es kann mir nichts bringen, was über den Erhalt einer kurzen Perspektive hinausgeht. Dabei ist mir doch nichts ferner! Was ist das Leben denn anderes, als ein langsames Dahinsiechen? Und ist es nicht eine ungeheuerliche Frivolität, jemandem eine Perspektive zu geben? Alles ist eine nackte, unüberwindliche Notwendigkeit.

Du hast gefragt, was denn wichtig sei und dabei deinen Vorwurf gut versteckt. Daher will ich dir eine Gegenfrage stellen: Ist es nicht so, dass die wichtigsten Dinge die meisten Menschen nebenbei tun?
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Alt 03.01.2013, 20:10   #120
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Standard Brief Nr. 26

Liebe Babsi,

wie mir die Enge hier unerträglich wurde und mich die eigene Trägheit angeekelt hat, habe ich mich mit dem Mond nach draußen gewagt. In den Sternen fand ich gute Gesellschaft, als ich mich in die Weite der Mainwiesen fallen ließ. Mit einem Moment packte mich das Staunen: da strahlen die Sterne so hell und ich kann keinen näheren Sinn darin erkennen, als den, dass sie millionen Jahre später von mir betrachtet werden können. Dabei wissen sie gar nicht darum.

Vielleicht ist die Natur der Dinge gar nicht so verschwiegen. Vielleicht braucht man nur mehr Zeit und Aufmerksamkeit, um ihren Geheimnissen einen Sinn zu entlocken. Es mag sein, dass sich im Leben nichts anderes zuträgt, als dass einem die Zeit davon läuft und man froh sein kann, ein paar dieser Geheimnisse zu entdecken und sich somit selbst nahe zu kommen. Durchaus erscheint das Leben dem einen als bedeutungsvoll, fordernd und erfüllend, dem anderen als sinnlos und leer. Das gibt mir zu Denken: Ist das Leben nicht einfach das, was wir entdecken, während wir es tun und kann das nicht als Zweck des Seins genügen? Ist es etwa mehr als ein Selbstzweck, den wir erwarten?

Ach, ich weiß nicht. Es ist vielleicht alles alberne Philosophie, die ich vor mir her trage, aber sie hat mir heute durch die Nacht geholfen. Weißt du, in der Nacht vermisse ich ihre Stimme am meisten.
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Alt 03.01.2013, 21:17   #121
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Zitat:
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Ist es nicht so, dass die wichtigsten Dinge die meisten Menschen nebenbei tun?
Ja, Schmuddel, genauso ist es. Vor allem, wenn man sich acht Stunden am Tag die Brötchen mit unwichtigen Dingen verdienen muss und nach Feierabend für die wichtigen Dinge nicht mehr viel Energie aufbringen kann.

Haste schön geschrieben.
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Alt 03.01.2013, 22:20   #122
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Danke für das Kompliment!

Ich denke auch oft, dass es sich so verhält. Aber was will man machen? Seine Brötchen muss man verdienen (obwohl das auch einen darüber hinausreichenden Sinn haben kann; doch das Glück hat nicht jeder). Ich denke aber, dass man dann wenigstens die Restzeit so bewusst und sinnvoll wie möglich verbringen sollte.

...Z.B. indem man schreibt.

LG
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Alt 03.01.2013, 23:30   #123
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... oder liest, was bei mir in den letzten Monaten Vorrang gewonnen hat. Stapel abarbeiten - eine durchaus sinnvolle Beschäftigung. Als ich mir die Berge herangeschaffte, dachte ich mir gewiß etwas dabei.

Auf der anderen Seite: Ausmisten! Es muss sein. Sonst saufe ich unter Bergen von bedrucktem Papier ab. Das Schöne an der Sache: Mein Arbeitgeber hat einen Platz eingerichtet, an dem jeder seine ausrangierten Bücher abladen kann. Die Mitarbeiter können stöbern und sich die Schmöker ausleihen oder sie auch behalten. Keine schlechte Idee. Auf diese Weise bin ich letzte Woche ca. 50 Bücher losgeworden, und der nächste Stapel wartet schon.

Aber das nur nebenbei . Tagebuchbriefe zu schreiben ist, meine ich, nie sinnlos.
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Alt 04.01.2013, 15:04   #124
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Standard Brief Nr. 27

Oh Babsi,

sie hat mir geschrieben. Ich kann ihre Worte voller Versöhnung und freundschaftlicher Verbundenheit nicht ertragen! Und doch habe ich jeden ihrer Buchstaben wie ein Gebet immer und immer wieder vor mir hergesagt und wie unter Fluch litt ich nicht bloß an den Worten, sondern an dem Glauben daran. Ich bin nicht mehr als ein lebendiger Widerspruch.

"Ein guter Mensch" sei ich und immer wieder "ein guter Mensch". Und jedesmal war es eine liebevolle Beleidigung und jedesmal war es ein fürchterlicher Beweis der Nähe.
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Alt 04.01.2013, 16:10   #125
gummibaum
 
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Hallo Schmuddelkind,

diese schönsprachige Prosa a la Werther ist an sich ein Gewinn. Sie wird aber heutzutage, da der kurze Satz gefragt ist und die spannend oberflächliche Handlung jede tiefere Betrachtung der Seele beiseite drängt, wenig Leser finden. Dennoch wünschte ich sie natürlich.

LG gummibaum
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Alt 04.01.2013, 16:18   #126
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Danke!

Wahrscheinlich hast du recht, was die Leserschaft angeht, aber man muss natürlich schreiben, was man schreiben muss. Wobei die Leseneigungen natürlich zyklisch sind. Kann ja wieder mal in Mode kommen.

Aber ich sehe es schon kommen: die "ordentlichen" Verlage lehnen es ab, weil es zu kitschig ist und die Kitsch-Verlage lehnen es ab, weil es zu reflektiert ist.

LG
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Alt 05.01.2013, 03:14   #127
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Standard Brief Nr. 28

Liebe Babsi,

in mir reift der Wunsch, sie wiederzusehen. Es ist unmöglich und es ist töricht. Wenn ich vor ihr stünde, in der unendlichen Tiefe ihrer blauen Augen versänke und ganz in dem Raum einginge, der von ihrer warmen Stimme durchdrungen ist, wie könnte ich da auch nur einen Gedanken an die Seelenlosigkeit dieses Erlebnisses aushalten? Trotzdem drängt es mich danach wie ehedem.
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Alt 06.01.2013, 03:19   #128
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Standard Brief Nr. 29

Nein Babsi,

ich werde ihr nur noch einmal schreiben, um sie zu bitten, mir nicht mehr zu schreiben! Im Austausch mit ihr verliert sich jeglicher Bezug zu mir selbst. Alles steht im Schatten einer anmaßenden Erinnerung und so ist alles, was ich unter diesem Einfluss von mir gebe eine dekadente Veräußerung meines Wesens.
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Alt 07.01.2013, 01:15   #129
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Standard Brief Nr. 30

Liebe Babsi,

ich lebe noch, aber meine Tod, wenn ich atme. Ich dachte, mir täte der Abstand zu ihr gut. Aber nichts kann mir als Linderung gereichen, weder ihre Worte, noch ihr Schweigen, weder meine Ruhe, noch der nutzlose Versuch, etwas mit meiner Zeit anzufangen, weder der wehmütige Blick zurück, noch der hoffende Blick nach vorn, der doch mehr von meiner Verzweiflung preisgibt, weder Reue, noch Wut.

Längst bin ich mutlos geworden, grundlos, ja beinahe gegenstandslos. In meiner Existenz kann ich nichts anderes mehr sehen, als die Suche nach einer Rechtfertigung derselben. Wird dann nicht bald die Suche auch hinfällig? Babsi, nenn mir einen Ort, zu dem ich gehen kann oder ein Gift, das ich trinken kann, um ich selbst zu sein!
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Alt 08.01.2013, 14:52   #130
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Standard Brief Nr. 31

Liebe Babsi,

wenn du wüsstest, wie unbedeutend mir der Gedanke an Bedeutung und Sinn ist, du spartest dir hoffentlich die Mühe. Und mag das Leben auch schön sein, in dem Sinne, wie du es geschildert hast, dass es kein Leid gäbe, das als Grund hinreiche, auf so viel Schönheit zu verzichten, an der ich - da stimme ich dir seufzend zu - wie ein Künstler als Schöpfer und Bewunderer teilnahm, so kann ich dir nur erwidern: Welche Bedeutung hat die Aussicht auf Schönheit und Wonne im Augenblick des bewussten Scheiterns?

Gestern Abend betrachtete ich eine knappe Stunde lang die Uhr in jeweiliger gelangweilter und nahezu selbstbestätigender Erwartung, dass der Sekundenzeiger sich rege, bis ich fast glaubte, ich brächte die Zeit voran. Selbst in dieser hochmütigen Selbsttäuschung konnte ich nur einen profanen, nichtssagenden Prozess darin erkennen, der doch allen Bedeutungen innewohnt. Und wenn ich mich schüttelte, um wieder zu Sinnen zu kommen und mir klar wurde, dass ich wie wir alle nur ein Betrachter dieses Prozesses bin, der doch allen unseren Betrachtungen und Handlungen zugrunde liegt... mir wurde in nie gekannter Klarheit deutlich, wie unwichtig doch alles ist. Die Dinge sind nur wichtig, weil wir ihnen einen Sinn geben und wir sind nur wichtig, weil wir die Dinge betrachten können. Ist es nicht ein idiotischer Zirkelschluss, der uns so lange am Leben hält und uns vielleicht glauben lässt, es sei mehr als das Warten auf den Tod?
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Alt 08.01.2013, 15:42   #131
gummibaum
 
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Hallo Schmuddelkind,

ich bin nun zum zweiten Mal hier zu Gast und werde es öfter sein. Denn es gefällt mir hier. Mein Einstieg in Waggon Nr. 27 neulich erfordert, dass ich mich mal zur Zugspitze begebe und von da aus durch die Abteile wieder nach hinten, was eine Zeit dauern wird. Aber ich bin zuversichtlich. Vieles finde ich hier wieder, was ich selbst nicht aufgeschrieben oder schon weggeworfen habe und mich beeindruckt außer dem hohen Niveau der Sprache auch die Stetigkeit, mit der du Handlung und Reflexion vorantreibst, ohne der Zerrissenheit der sich schildernden Person anheim zu fallen und gelähmt in Zersetzung zu zerfließen.

LG gummibaum
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Alt 08.01.2013, 20:49   #132
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Wow, Danke!

Dann hoffe ich, dass du noch viel Spaß in den hinteren Waggons hast. Ich empfinde die "fröhlicheren" frühen Briefe intimer als die neueren, bin aber gespannt, wie du es bewertest.

Zitat:
Vieles finde ich hier wieder, was ich selbst nicht aufgeschrieben oder schon weggeworfen habe und mich beeindruckt außer dem hohen Niveau der Sprache auch die Stetigkeit, mit der du Handlung und Reflexion vorantreibst, ohne der Zerrissenheit der sich schildernden Person anheim zu fallen und gelähmt in Zersetzung zu zerfließen.
Bin sehr froh darüber, dass die Handlung nicht als so zerrissen erlebt wird wie der Charakter. Ein wenig wollte ich zwar, dass die Wendungen nicht ganz klar zu verstehen sind (weil es eher um das geht, was die Situation mit ihm macht als wie die Situation genau ist und ein Teil seiner Empfindungen resultiert ja auch aus der Vagheit), aber mir wäre es auch unangenehm, wenn sie als erzwungen betrachtet würden.

LG
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