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Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

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Alt 28.04.2012, 13:47   #34
männlich Schmuddelkind
 
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Wow, "Philosophie der Liebe" - da bin ich sprachlos!

Vielen Dank, lieber Thing!!!

LG
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Alt 28.04.2012, 13:50   #35
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zu Brief Nr. 8:

Mensch, der Brief ist so ergreifend, dass ich mich eigentlich erst sammeln müsste...

Gleich zu Beginn wird eine gewisse Überlegebheit gegenüber Babsi deutlich. Ferner ist an diesem positiven Scherzen, ein Gefühl der Heiterkeit und Beschwingtheit ablesbar. Es scheint, als wären Babsis Ratschläge zur Eroberung längst überflüssig und obsolet.

Mir gefällt besonders, dass das LI nicht versucht die Angebetete von sich zu überzeugen. Er möchte ihre Zuneigung nicht gewinnen, sondern sieht die Gefühle als etwas, das sich, sollte es so sein, ganz natürlich einstellt.

Die Frage der Mäßigung - all das ist so philosophisch, dass ich es kaum adäquat kommentieren kann.

Der letzte Teil mit der der erdachten Sprache... Ach, hier schlagen die Herzen im Einklang. Es ist die Sprache, die nur Liebende sprechen und verstehen können.

Ein wunderbarer Brief!!!

Liebe Grüße
Peace
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Alt 28.04.2012, 13:57   #36
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Danke Peace!

Ja, ich denke, ich fand diesen Brief auch am stärksten bis jetzt. V.a. wegen der Privatsprache und dem damit verbundenen Vorrang des Gefühls und der Schönheit gegenüber dem Verstand und der Wahrheit.

Zitat:
Mir gefällt besonders, dass das LI nicht versucht die Angebetete von sich zu überzeugen. Er möchte ihre Zuneigung nicht gewinnen, sondern sieht die Gefühle als etwas, das sich, sollte es so sein, ganz natürlich einstellt.
Ganz genau! Ich persönlich denke auch, dass das Taktieren und Erobern was für den Krieg ist, nicht für die Liebe. Ich denke, Natürlichkeit im Ausdruck und die Sensibilität für die eigenen Empfindungen sind (so verschreckend und wenig erfolgreich sie im modernen Flirtverhalten sind) das beste Fundament einer ehrlichen und gesunden Beziehung.
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Alt 28.04.2012, 14:01   #37
Thing
 
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Ja, die tiefe Ehrlichkeit sticht hervor.
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Alt 28.04.2012, 14:11   #38
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Danke!

Oh, wie bin ich so froh, dass meine Briefe euch erreichen können! Was meinst du Thing, hätte das eine Chance, verlegt zu werden? Oder ist das zu anachronistisch?

LG
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Alt 28.04.2012, 14:19   #39
Thing
 
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Das ist nicht zu anachronistisch, aber zu Deinem Pech ist es zu gut!

Keine Feuchtgebiete.
Keine Rotzlöffel.
Keine Kodderschnauze.
Keine wirren, total unverständliche Sätze -

tu mir leid.
Ich glaube, das goutieren nur noch Wortgenießer, Wortliebende, Leser, die einen schönen und tiefen Sinn im Geschriebenen suchen -
und die sind dünn gesät.

Schade!
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Alt 28.04.2012, 14:23   #40
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Ja, du hast wahrscheinlich recht. Wenn ich hin und wieder in die Bestseller-Listen schaue, dann... ich bräuchte einen ganz anderen Smiley!

Aber ich muss ja nicht unbedingt den Mega-Erfolg damit haben. Wenn es irgendein Verlag nimmt, wäre ich ja schon glücklich. Aber erstma fertig schreiben und in erster Linie schreibe ich ja für mich.
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Alt 28.04.2012, 14:31   #41
Thing
 
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Und für uns!
Zu unserem Glück.
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Alt 28.04.2012, 17:33   #42
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Ja für euch natürlich auch!
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Alt 01.05.2012, 18:13   #43
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Standard Brief Nr. 9

Babsi,

sie wird zu mir kommen! Mit den freudigsten Worten hat sie mir versichert, oh welch ein Verlust, wenn ich es wiedergebe, dass sie mich spätestens in einem Monat besuchen wird. Und dieses Mal füllt sich der Gedanke daran mit so viel Schönheit, dass es an Gewissheit heran reicht, so dass es nun entweder wahr ist oder ich träume. Alle Macht ist mir entglitten! Meine Gesichtszüge lassen sich nicht mehr zügeln in ihrem Bestreben, die Ahnung einer geheimnisvollen Spontaneität zum Ausdruck zu bringen.

Ich habe es mir bereits tausend mal vorgestellt und lebendig erlebt und weiß doch, dass dies letztendlich bloß Hervorbringungen von Erfahrung und Fantasie sind. Da schäme ich mich fast, dass ich ihr einzigartiges Wesen mit der Beschränktheit meiner reichsten Fantasie und schönsten Erfahrung betrachte. Ich sollte gar nicht mehr daran denken, wenn der Gedanke so karg ist verglichen mit der erfüllenden Vagheit der reinen, naiven Vorfreude.

Und doch - wenn ich daran denke, mit ihr die Eindrücke zu teilen, die ich mein eigen wähne, Eindrücke der sanften Farben der Gräser und Apfelbäume am nahen Hang bei Abendsonne, des wohlig stimmenden grünen Lichts, worin alles am Enkheimer Ried versunken ist, der engen Pfade in meinem Wäldchen, wo jede Lücke vom Efeu so durchdrungen ist, dass man das Gefühl hat, fernab des gewöhnlichen Daseins zu wandeln, Eindrücke, die in ihrer Fülle und Besonderheit ganz in meinem Allerinnersten eingeschlossen sind, dass ich nicht weiß, wo mein Körper aufhört und die Natur anfängt... da kann ich mich des Glücks nicht erwehren, das die Vorstellung in mir frei legt, sie werde an diesen intimen Empfindungen teilhaben. Wenn bereits die Erwartung dieses Treffens so voller Nähe ist, wie wird es dann endlich sein, wenn sie vor mir steht, so nah, dass ich sie berühren könnte?
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Alt 01.05.2012, 18:49   #44
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Ich könnte mich jetzt in Interjektionen verlieren.
Hach! Ach! Oh, wie ist das schön!!!

Du siehst, ich kommentiere absolut objektiv.
Aber ich sage dir, hier müsste selbst ein lebloses Objekt subjektiv beurteilen. Was du mit deinem unglaublichen Schreibtalent hier machst, grenzt ja schon an Animismus.

So, nun zum Text.

Brief Nr. 9:

Ich glaube wirklich, die Liebe wurde erfunden, damit du darüber schreibst!!!

Diese Freude, dieses Glück des LIs - all das springt auf den Leser über.
Die Idee, ihre Worte kaum wiederholen zu können, da diese, wenn sie nicht von ihr ausgesprochen werden, nur verblassen können, ist toll.

Die Gesichtszüge und deren Akrobatik sind lustig und stimmen fröhlich. Dahinter steckt natürlich auch eine Ernsthaftigkeit. Und ich weiß, dass man seine unbändigen Emotionen in einer solchen Lage kaum unterdrücken kann. Man sollte es erst gar nicht versuchen.

Mir gefällt auch, dass das LI sich so sehr darauf freut, ihr seine Lieblingsplätze zu zeigen und diese mit ihr zu teilen. Sie verleiht, allein durch ihre Anwesenheit, diesen Orten eine noch tiefere Magie. Gemeinsam werden Erinnerungen für die Ewigkeit erzeugt, die nicht nur in den Herzen der Liebenden, sondern auch im Gedächtnis der Orte selbst lebendig bleiben. Auch sie werden einst von jenem Liebespaar berichten und sich liebevoll erinnern.

Dieser Einklang mit der Natur, die Befreiung des Körpers der Gesellschaft, zu einem Körper des Ursprungs. Der befreiende Geist...

Der letzte Satz ist... wunderschön.
Das Philosophie, das ist Liebe, das ist der Grund, weshalb Menschen ihre Gefühle verbalisieren und es ist auch der Grund, warum ich die Sprache so liebe.

"so nah, dass ich sie berühren kann."

Hier geht es um Nähe auf so vielen Ebenen.

Bitte mach mir die Freude und lass mich Schüler in deiner Aphorismen-Schule sein!!

Die einzigen "Verbesserungsvorschläge", die ich dir geben kann:

Den Ausdruck "Beschränktheit" würde ich wechseln
und (aber das ist nur mein Geschmack) die Anrede würde ich etwas anders gestalten. "Babsi," ist mir hier zu schlicht, da es in dem Brief um die Erfüllung des größten Wünsches und der größten Sehnsucht des LIs geht.
Man könnte die Anrede durch Wiederholungen etwas euphorischer gestalten:

Babsi, Babsi, Babis!

Es ist ein wunderbarer Brief, der mich wieder tief berührt.
Danke!

Liebe Grüße
Peace
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Alt 01.05.2012, 19:03   #45
Thing
 
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Da ich nichts Anderes schreiben könnte als Peace, bleibe ich sprachlos.


Bewundernd:
Thing
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Alt 01.05.2012, 19:52   #46
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Sorry, ich musste mich erstma erholen von dem Lob.

Zitat:
Was du mit deinem unglaublichen Schreibtalent hier machst, grenzt ja schon an Animismus.
Zitat:
Ich glaube wirklich, die Liebe wurde erfunden, damit du darüber schreibst!!!
Was soll ich dazu noch sagen? Das ist wie gekitzelt zu werden: Irgendwie n schönes Gefühl, aber ich kann nicht mehr.

Ich bin so überglücklich, dass der Funke auf den Leser überspringt, zumindest auf euch Beide.

Zitat:
Die Idee, ihre Worte kaum wiederholen zu können, da diese, wenn sie nicht von ihr ausgesprochen werden, nur verblassen können, ist toll.
Danke!

Zitat:
Und ich weiß, dass man seine unbändigen Emotionen in einer solchen Lage kaum unterdrücken kann.
Ja, das wollte ich ausdrücken. Das sind so Momente, in denen man merkt, wie wenig Macht wir haben, wenn wir unserer eigenen Natur oft so unterworfen sind.

Zitat:
Mir gefällt auch, dass das LI sich so sehr darauf freut, ihr seine Lieblingsplätze zu zeigen und diese mit ihr zu teilen. Sie verleiht, allein durch ihre Anwesenheit, diesen Orten eine noch tiefere Magie. Gemeinsam werden Erinnerungen für die Ewigkeit erzeugt, die nicht nur in den Herzen der Liebenden, sondern auch im Gedächtnis der Orte selbst lebendig bleiben. Auch sie werden einst von jenem Liebespaar berichten und sich liebevoll erinnern.
Ja, hier verlieren sich alle Bezüge. Geist, Körper, er, sie, die Natur - alles wird in der Vorstellung des Erzählers mit einer unglaublichen Intimität versehen, die eine Unterscheidung nicht mehr möglich machen. Da verliert sich Einer ganz in dem Gefühl, dass er die Grenzen überwindet, die der Verstand erzeugt.

Zitat:
Dieser Einklang mit der Natur, die Befreiung des Körpers der Gesellschaft, zu einem Körper des Ursprungs. Der befreiende Geist...
Da habe ich mich etwas von Rousseau inspirieren lassen...

Zitat:
Bitte mach mir die Freude und lass mich Schüler in deiner Aphorismen-Schule sein!!
Das kann ich wirklich ganz und gar nicht annehmen! Du brauchst doch bei deinen Aphorismen keinen Lehrer, du Verrückter!

Zitat:
Den Ausdruck "Beschränktheit" würde ich wechseln
Meinst du? Wieso? Hast du da ne Alternative im Sinn?

Zitat:
die Anrede würde ich etwas anders gestalten. "Babsi," ist mir hier zu schlicht, da es in dem Brief um die Erfüllung des größten Wünsches und der größten Sehnsucht des LIs geht.
Man könnte die Anrede durch Wiederholungen etwas euphorischer gestalten:
Die Idee dahinter war (aber vielleicht ist es auch eine schlechte Idee), dass der Erzähler so emotional ist und schnell diesen Satz "sie wird zu mir kommen!" loswerden muss, dass er keine Zeit mehr für eine ausführliche Anrede hat. Aber mal sehen...

LG und vielen, vielen Dank!

Ihr seid zu gut!
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Alt 01.05.2012, 21:42   #47
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Vielleicht Simplizität - oder Einfachheit? Beschränktheit gefällt mir nicht ganz so gut, aufgrund der jugendsprachlichen Konnotation.

Ich verstehe jetzt, weshalb du den ersten Satz mit der Anrede so gewählt hast. Für die Euphorie würde ich dann aber vielleicht noch eine kleinen Zusatz wählen:

sie wird zu mir kommen! Sie!

oder:

sie wird zu mir kommen - Sie!

Aber das ist total unwichtig. Völlig belanglos. Der Brief ist perfekt!
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Alt 01.05.2012, 21:45   #48
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Ah Ok, dann verstehe ich deinen Einwand bei dem Wort "Beschränktheit". Da werde ich mal sehen... vielleicht ändere ich es noch.

Die Anrede behalte ich aber wahrscheinlich bei.

Ganz und gar nicht unwichtig. Mir ist deine Kritik wichtig. Danke!

LG
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Alt 03.05.2012, 00:35   #49
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Standard Brief Nr. 10

Liebe Babsi,

wenn ich an sie denke, dann ist alles voller Schönheit, ohne dass ich auch nur ein einziges Bild vor mir sähe. Und wenn ich sie reden höre, dann verliert sich alles umher im Nichts, bis ich nur noch an ihrem Empfinden teilhabe, an nichts Anderem und dann bin ich verloren in so vielen Gefühlen, zu denen ich schon gar keine Gedanken mehr habe.

So ist es wohl zu erklären, dass ich dir an dem letzten Telefonat mit ihr unterschlug, wie sie mir die liebsten Komplimente machte mit einer kindlichen Spontaneität und Aufgewecktheit, dass ich das alles noch viel näher an meinem Herzen führe. Da sprach sie von meiner Gabe, zu schlichten und zu beruhigen und dass es doch gerade die unterschiedlichen Gemüter sind, die am stärksten aufeinander einwirken - dass die hitzigen Gemüter die Ruhigen und Sanftmütigen zur Schlichtung inspirieren und diese wiederum mit ihrer geruhsamen Aura nicht selten einen Eindruck auf die Temperamentvollen machen und dass auf diese Weise gerade die Unterschiede eine Gemeinschaft so reich werden lassen, so dass man daher gar nicht von einer Tugend oder Untugend, einem guten oder schlechten Charakter reden kann. Aber wie ich über ihre Worte nachdachte, wie ich noch nie über mich selbst dachte, da wusste ich, dass ich zumindest auf sie einen mäßigenden Einfluss haben muss, den sie sogleich beschwingt mit dem Verweis entkräftigte, dass sie kaum einmal auf mich höre. Da musste ich ganz kräftig lachen, dass die Diskussion beendet war.

Oh, wie sie die einfachsten Dinge in eine Philosophie verwandelt, um diese dann wieder zum Gegenstand ihres nächsten Spaßes zu machen! Das hat etwas Wundervolles, etwas Reines, zu beobachten, wie sie sich stets mit ganzem Herzen dem widmet, was in ihrem offenen Sinn gerade ein Interesse aufkommen lässt.
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Alt 03.05.2012, 01:49   #50
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Zu Brief Nr. 10:

Hier bediene ich mich nur weniger Worte, da es für mich ein vollkommener und in sich geschlossener Text ist.

Was könnte ein Leser sich mehr erträumen?

Du verwendest eine wunderbare Sprache - ganz besonders muss ich auch den
Satzbau loben!

Sprachlich gibt es lediglich drei Formulierungen, an denen man noch etwas feilen könnte:

"an dem letzten Telefonat"
"wie sehr mir die liebsten Komplimente machte" = "wie sehr sie mir die liebsten Komplimente machte" oder "wie sehr mir die Liebste Komplimente machte"
"dass ich das alles noch viel näher an meinem Herzen führe"


Ach, die Gefühle, die aufgrund ihrer Intensität keinen Gedanken mehr zulassen können. Wie sehr muss ein Herz lieben, um so vollkommen empfinden zu können?! Immer mehr werden nun auch die Ansichten der Angebeteten aufgeführt, dadurch lernt der Leser sie besser kennen und es wird nun auch für ihn sichtbar, weshalb das LI sich in sie und ihre wundervolle Art verliebt hat. Die Leichtigkeit ihrer Philosophie ist bestechend.

Das kräftige Lachen, welches die Diskussion beendet... ist perfekt!!!
Hier wird deutlich, dass es bereits eine Mataebene zwischen den Liebenden gibt und der Gebrauch von Worten längst nicht mehr erforderlich ist, da Worte manchmal nur Worte sein können und es doch hier um so vieles mehr geht.

Der letzte Abschnitt ist zu schön, um ihn mit meinen kargen Worten zu kommentieren.

Wichtig in diesem Brief ist auch das Thema Humor. Die Liebenden sind sich charakterlich sehr ähnlich und dadurch unglaublich nah.
In diesem Brief wird gelacht! Es ist ein Zeichen des Glücks. Wie könnte man sein Glück besser ausdrücken, als mit dem herzhaften Lachen der verliebten Seele? Und das ist der Tenor dieses Briefes: herzerfrischend, herzergreifend, herzlichen Dank, lieber Schmuddi!

Viele liebe Grüße
Peace
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Alt 03.05.2012, 02:08   #51
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Vielen Dank, lieber Peace...

... auch für das Lob an meiner Sprache und die offene Kritik an einigen unglücklichen Wendungen. Was diese beiden Formulierungen betrifft, hast du absolut recht und ich muss mir was einfallen lassen:

Zitat:
"an dem letzten Telefonat"
"dass ich das alles noch viel näher an meinem Herzen führe"
Danke! Bei der anderen Stelle hast du dich, glaub ich verlesen, oder? Hab doch geschrieben:

Zitat:
wie sie mir die liebsten Komplimente machte
Das ist doch richtig, oder?

Zitat:
Ach, die Gefühle, die aufgrund ihrer Intensität keinen Gedanken mehr zulassen können. Wie sehr muss ein Herz lieben, um so vollkommen empfinden zu können?!
Ja, darin drückt sich eine unglaublich tiefe Versunkenheit in die eigene Emotionalität aus.

Zitat:
Immer mehr werden nun auch die Ansichten der Angebeteten aufgeführt, dadurch lernt der Leser sie besser kennen und es wird nun auch für ihn sichtbar, weshalb das LI sich in sie und ihre wundervolle Art verliebt hat.
Ja, wobei davon schon in der ersten Hälfte des Romans (von der ich ja noch nichts reingestellt habe) Einiges in Erfahrung gebracht wird.

Zitat:
Die Leichtigkeit ihrer Philosophie ist bestechend.
Diese Leichtigkeit ist wundervoll. Es wir deutlich, dass sich ein reflektiertes aber demütiges Wesen auf natürliche Weise zum Ausdruck bringt, ohne auf die Erwartungen Anderer zu achten. Ihre Wesenszüge scheinen in den Augen derer, die sich nur althergebrachter Kategorien bedienen, nicht so recht zusammenpassen, aber ebendiese Kategorien durchbricht sie in ihrer eigenen Art, was in dem Satz "Das hat etwas Wundervolles, etwas Reines, zu beobachten, wie sie sich stets mit ganzem Herzen dem widmet, was in ihrem offenen Sinn gerade ein Interesse aufkommen lässt." erklärt wird.

Zitat:
Das kräftige Lachen, welches die Diskussion beendet... ist perfekt!!!
Hier wird deutlich, dass es bereits eine Mataebene zwischen den Liebenden gibt und der Gebrauch von Worten längst nicht mehr erforderlich ist, da Worte manchmal nur Worte sein können und es doch hier um so vieles mehr geht.
Ganz genau!

Zitat:
Der letzte Abschnitt ist zu schön, um ihn mit meinen kargen Worten zu kommentieren.


LG
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Alt 03.05.2012, 02:18   #52
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Stimmt, du hast recht, ich habe mich verlesen...
Entschuldige, die Stelle ist natürlich völlig korrekt.

Die Briefe sind so gut, dass ich zu träumen beginne
und die zauberhaften Worte regelrecht vor meinen Augen zu wunderbaren Träumen
verschwimmen.

Das vermag nur: The Great Schmuddini.

Liebe Grüße
und einen schönen Abend
Peace
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Alt 03.05.2012, 14:01   #53
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Dann bin ich ja beruhigt.

War gestern eigentlich zu müde, um zu schreiben, aber irgendwie musste ich trotzdem. Da kamen dann ein paar Unsauberkeiten bei raus. Na ja, aber dafür hab ich ja dich. Danke!

Der große Schmuddini fühlt sich durch deine Worte verzaubert.

LG und einen schönen Tag
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Alt 05.05.2012, 12:34   #54
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Standard Brief Nr. 11

Liebe Babsi,

"schlaf schön, Liebster" - "Liebster"! Das ist ein neues Wort und eine neue Welt. Oh, wie ist mir Vieles so anders, seit sie dieses Wort geschrieben hat! Wie bin ich mir mit einem Mal selbst so wertvoll, da ich weiß, dass ich ihr Liebster bin! Wie sich ein Heiliger fühlt, das kann nur wissen, wer von einem Engel erwählt wurde. Ich verstehe nichts und umarme alles!
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Alt 05.05.2012, 13:55   #55
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Zu Brief Nr. 11:

Ach, der Brief ist gut, aber die letzten beiden Sätze sind ein Monument für die literaturgeschichtliche Ewigkeit!

Wer liebt, der braucht nicht zu verstehen, der versteht. Das LI macht das einzig Richtige: es gibt sich seinen Gefühlen hin und "umarmt die ganze Welt".

Liebe Grüße
Peace
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Alt 05.05.2012, 18:09   #56
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Ich bitte um Brief Nummer 12
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Alt 06.05.2012, 12:16   #57
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Ich arbeite daran...

LG
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Alt 06.05.2012, 17:43   #58
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Oh verdammt, ich bin untröstlich! Da hab ich doch tatsächlich meinen Käsenacho-Freund übersehen...

Das freut mich wieder mal sehr, dass dir der Brief so gut gefällt!

Zitat:
Das LI macht das einzig Richtige: es gibt sich seinen Gefühlen hin und "umarmt die ganze Welt".
Du hast ja soooo recht!

LG
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Alt 09.05.2012, 13:50   #59
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Standard Brief Nr. 12

Liebe Babsi,

ich bin ganz beseelt von der Aussicht, sie bald in meine Arme schließen zu können! Das ist der Gedanke, mit dem ich morgens aufstehe und das ist der Gedanke, mit dem ich Abends einschlafe und es ist der Gedanke, der mir immer wieder den Tag sinnvoll erscheinen lässt, an dem ich meine sonst so bescheidene Existenz voranschleppe.

Wie viele Male habe ich gestern während meiner Route durch den wunderschönen Spessart die malerische Landschaft gar nicht gesehen, da ich nur den wohlgeformten Sinn ihrer Worte bei mir hatte und wie oft half mir der herrliche Anblick der Wiesen und Felder, die auf den rundlichen Hügeln in unerdenklich schönen Farben leuchteten darüber hinweg, nicht eben ihrer Stimme lauschen zu können! Wie oft konnte ich voller Stolz ins Tal rufen: "Sie liebt mich!"; denn dass sie es tut, das fühle ich so eindringlich, nah und gewiss, wie mir das Herz schlägt, wenn ich an sie denke. Dennoch - so oft kam es mir wie ein Mangel meines eigenen Daseins vor, dass sie nicht bei mir ist! Da bin ich die eine Hälfte einer Umarmung, ein Kuss ins Leere, ein unbekanntes Versprechen. Oh, welch herber Reichtum, aber ein Reichtum ganz bestimmt!
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Alt 09.05.2012, 14:13   #60
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Zu Brief Nr. 12:

Hier setzt du auf eines meiner liebsten Stilmittel überhaupt: die Wiederholung!!!
Wiederholungen kommen zum Einsatz, da die Gedanken des LIs wieder und wieder um die Liebste kreisen.
Das ist eine wunderbare und gekont umgesetzte Idee. Ein toller Kniff!

"Die Hälfte einer Umarmung"...
Man könnte wieder so viele Stellen ansprechen, die dir gelungen sind.
Aber wozu sollte man das tun?
Der ganze Brief ist dir (wie immer) klasse gelungen.
Elke Heidenreich würde jetzt sagen: "Lesen!"

Der letzte Satz ist auch spitze.
Er ist (wie immer) das Sahnehäubchen eines Babsi-Briefes!!!

Liebe Grüße
Peace
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Alt 09.05.2012, 14:19   #61
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Vielen Dank für deine wieder einmal profunde Analyse!

Mit der Wiederholung hast du vollkommen recht. Genau das war die Idee dahinter. Es ist ja eben so, dass der Erzähler von morgens bis abends nur sie im Sinn hat.

Ja, die eine Hälfter einer Umarmung fand ich auch gut und mit dem Schluss bin ich auch zufrieden (auch wenn ich schon besser geschlossen habe).

LG
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Alt 13.05.2012, 23:04   #62
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Standard Brief Nr. 13

Liebe Babsi,

gnadenlos ist die Einsamkeit! Ihre Großmutter liegt im Krankenhaus und Sanny fuhr merklich besorgt 200 km, um sie zu besuchen. Ach, diese gute Seele! Eben schrieb sie mir ausführlich und jeder Gedanke, den sie äußert ist voller Anteilnahme für das ernste Schicksal der alten Frau, die einer der wertvollsten Menschen in ihrem Leben ist und dennoch hat sie, mit ihren eigenen Sorgen ringend, auch meine Sorgen im Blick. Unterwegs schrieb sie mir noch, dass sie an mich denke, obwohl sie doch so ungern unterwegs schreibt, wo sie nur schwer zu der Ruhe findet, die sie beim Schreiben braucht. Da ahnte ich, wie wichtig ich ihr sein muss und wünschte mir, es gäbe diesen traurigen Anlass nicht.

Als sie mir die Szene schilderte, wie sie in das Krankenzimmer kam, erschrocken darüber, wie schwach ihre Großmutter da lag und doch nahm meine starke Sanny alle Kraft zusammen, um ihr einen angenehmen Nachmittag mit ihren Liebsten zu ermöglichen, wie sie vor Bekümmertheit beinahe zitterte, sich jedoch nichts anmerken ließ und die Hand der guten Frau hielt, um ihr etwas von der Ruhe und Wärme zu schenken, an der ich schon so oft dankbar teilhaben durfte, da stiegen mir die Tränen in die Augen, fast als ginge es um meine eigene Großmutter. Von ihrer Aura bin ich nun schon so sehr gefangen, dass mir oft in den Sinn kommt, wir seien untrennbar, obgleich wir einander noch nie sehen durften.

Ach, wie gerne wäre ich jetzt bei ihr und hielte sie in meinen Armen, da ich ihre Einsamkeit erlebe und ihre Tränen auf meinen Augen spüre! Arm ist der Mensch, der nicht helfen kann.
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Alt 14.05.2012, 12:31   #63
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Zu Brief Nr. 13:

Der Brief steht ganz im Zeichen der Verbundenheit.
Immer mehr bilden die Liebenden eine Einheit.
Ihr Leben wird zu seinem - und umgekehrt.
Sie sind füreiander da und bauen sich dadurch ganz unbewusst bereits ein
gemeinsames Leben auf. Nicht ist beabsichtigt, alles entsteht aus der Zuneigung heraus.

Gemeinsam wird alles geteilt.
Der letzte Satz ist wieder wunderbar.
Ich denke auch, es gibt kaum etwas Schlimmeres als die Hilflosigkeit, wie sie in dieser Form beschrieben wird. Eigenes Leid ist zu ertragen, aber das Leid eines geliebten Menschen nicht. Das LI ist für die Geliebte da, somit hilft es ihr.

In diesem Brief geht es um: Sorgen, Krankheit und Ängste und um Zusammenhalt. Vielleicht ist es ein Zufall, dass das ausgerechnet in Brief Nr. 13 thematisiert wird. Man sollte vielleicht nicht zu viel interpretieren. Das Leben hält sich ja auch nicht an Zahlenmystik.

Ein schöner Brief!

Liebe Grüße
Peace
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Alt 14.05.2012, 12:39   #64
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Danke Peace!

Mensch, wie viel du da wieder herausholst! Eigentlich fan ich den Brief jetzt nicht so gut, aber u hast recht:

Zitat:
Sie sind füreiander da und bauen sich dadurch ganz unbewusst bereits ein
gemeinsames Leben auf. Nicht ist beabsichtigt, alles entsteht aus der Zuneigung heraus.
Das ist der Zauber, den nur die romantische, spontane Liebe hervorbringt, die auf natürlicher Zuneigung beruht und ohne Entwurf die Liebenden so eng aneinander bindet, dass das Schicksal des Anderen gleichsam als eigenes Schicksal erlebt wird.

Zitat:
Der letzte Satz ist wieder wunderbar.
Danke! Ich fand den vorletzten Satz noch besser.

Zitat:
Ich denke auch, es gibt kaum etwas Schlimmeres als die Hilflosigkeit, wie sie in dieser Form beschrieben wird. Eigenes Leid ist zu ertragen, aber das Leid eines geliebten Menschen nicht.
Oh, wie recht du leider hast!

Insgesamt will mir der Brief noch nicht ganz gefallen (auch wenn ich mit einigen Stellen sehr zufrieden bin). Vielleicht liegt es nur an einigen unglücklichen Formulierungen, die ich noch überarbeiten muss...

LG
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Alt 15.05.2012, 17:57   #65
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Standard Brief Nr. 14

Ach Babsi,

ich kann keine fünf Minuten an einem Orte mehr bleiben. Unaufhörlich gehe ich in meiner Stube auf und ab, bis mir ein Gedanke einfällt, der es wert ist, aufgeschrieben zu werden; dann werde ich schnell unzufrieden und mache einen Spaziergang. Doch auch die Anmut der friedvollen Main-Promenade in Hanau ist mir nicht genug. Also suche ich das Idyll in meinem stillen Wald, jedoch selbst die Abgeschiedenheit, die ich dort finde verschafft mir keine Befriedigung mehr. So wandle ich hin und her, der Einbildung erliegen, in der Bewegung könne ich die Zeit abschütteln.

Ach, Zeit! Was ist das bloß? Ich kann die Zeit nicht sehen, nicht berühren, habe keine Vorstellung davon, woraus sie sich zusammensetzt und dennoch hat sie meinen ganzen Körper in Gewalt, nimmt meinen Geist in Besitz. Und ich weiß: ich habe auf so manche Dinge länger schon gewartet, doch das ist eben das schlimme Spiel, das die Zeit mit uns treibt, dass etwas umso ferner wird, je mehr man sich danach sehnt.

Während ich dir schreibe, weine ich und weiß nicht, ob aus Freude oder Bekümmerung. Mir ist, als sei mir etwas genommen, obgleich es immer mehr Teil meinerselbst wird und zugleich bin ich rasend vor Glückseligkeit! Verzeih! Wovon dies alles kommt, hätte ich beinahe vergessen, dir zu schreiben: gestern Abend, ich ging auf dem Feld in Richtung der Pferdekoppel, hatten wir ein langes Gespräch, in dem sie mir so oft und betroffen klagte, wie lange es noch sei, bis wir uns sehen und dass sie am liebsten sofort käme. Babsi, wie schwer es mir fiel, ihre Sehnsucht zu ertragen, die ich doch ebenso heftig erwidere, davon kannst du keine Vorstellung haben, da du die geringste sprachliche Annäherung an das Gefühl für eine maßlose Übertreibung hieltest. Oh sanfter Terror, wohlige Folter!
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Alt 15.05.2012, 20:39   #66
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Zu Brief Nr. 14:

Hier steht alles im Zeichen der Zeit
- vielmehr (und das ist das quälend Schlimme) geht es um das Zeitempfinden.

Das hast du wunderbar beschrieben!!!

Besonders gut gefällt mir die Beschreibung der Sehnsucht und dass die Sehnsucht der Liebsten wesentlich schlimmer empfunden wird als das eigene Sehnen - das hat Tiefe!

Der letzt Satz ist (wie immer) ein Schmankerl
- praktisch der Käsenacho zum Abschluss.

Ein toller Brief!

Liebe Grüße
Peace
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Stichworte
brieffreundschaft, roman, sehnsucht

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